Das Sys­tem der unbe­grenz­ten Möglichkeiten

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In einem Kin­der­zim­mer befin­det sich heut­zu­ta­ge eine Rechen­leis­tung – in Form von Com­pu­tern, Spiel­kon­so­len, MP3-Play­ern und Mobil­te­le­fo­nen – die vor vier­zig Jah­ren alle Rech­ner der Welt selbst zusam­men­ge­nom­men nicht erreichten.

Frü­her war alles aus Holz

Unse­re Kind­heit war damals irgend­wie mehr „mecha­nisch“. Anfang der sieb­zi­ger Jah­re des let­zen Jahr­hun­derts kann­te ich daher Com­pu­ter nur aus Sci­ence­fic­tion-Fil­men. Dort waren sie gro­ße Schrän­ke, die rat­ter­ten, blink­ten und vor denen sich gro­ße Magnet­bän­der dreh­ten. So etwas woll­te nie­mand im Wohn­zim­mer ste­hen haben – was soll­te man damit auch anfangen?
Dies änder­te sich wäh­rend die­ser Deka­de aber schlag­ar­tig. Auch wenn die Rechen­leis­tun­gen, Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten und Prei­se noch kei­ne ernst­haf­ten Anwen­dun­gen für Pri­vat­haus­hal­te zulies­sen, also Word und Excel noch in wei­ter Fer­ne lagen, so war doch der Schlüs­sel zur tech­ni­schen Wei­ter­ent­wick­lung wie­der ein­mal im Spiel­trieb der Men­schen zu fin­den. Die ers­ten Tele­spie­le erober­ten den Markt.

Vor­wort: Dies ist die über­ar­bei­te­te und stark erwei­ter­te Ver­si­on eines Arti­kels, der zuerst auf die­ser Site, dann auf Spie­gel online und schliess­lich im Retro-Maga­zin ver­öf­fent­licht wur­de. Ich schät­ze, dass jemand, der als Kind kein G7000 besass, nicht ganz nach­voll­zie­hen kann, was mich dazu treibt, die­sen Arti­kel immer wei­ter „auf­zu­boh­ren”. Mei­ner Mei­nung nach ist das G7000 ein äus­serst inter­es­san­tes Spiel­sys­tem, das ein genia­les Kon­zept bot, aber dar­un­ter litt, dass zu wenig Geld in die Ent­wick­lung gesteckt wurde.

Wer hat es erfunden?

Gleich­wohl sich Ata­ri als Erfin­der der Tele­spie­le in den Köp­fen der Leu­te fest­ge­setzt hat, war es doch in Wahr­heit die US-ame­ri­ka­ni­sche Fir­ma Magna­vox, die 1972 die ers­te Spiel­kon­so­le unter dem Namen „Odys­sey” auf den Markt brachte.

Die­se Gerä­te, wie auch „Pong“, bezeich­net man als „Tele­spie­le der ers­ten Genera­ti­on”, deren Urva­ter, die so genann­te „Brown Box“, bereits im Jah­re 1968 das Licht der Welt erblick­te. Die Wei­ter­ne­tick­lung die­ser Kon­so­le nann­te man schlicht „Home TV Games”. Die­se Spie­le waren nur Pro­to­ty­pen, kei­ne käuf­lich zu erwer­ben­den Gerä­te. Erst 1970 lizen­sier­te Mang­na­vox die­se Spie­le und brach­te, wie erwähnt, 1972 die ers­te Kon­so­le auf den Markt. Magna­vox gehört seit 1974 zur nie­der­län­di­schen Phil­ips N.V.

Ralph Baer, mein Held!

Ent­wi­ckelt wur­de die Brown Box, die­ser klei­ne Holz­kas­ten, gefüllt mit Tran­sis­to­ren und ein­fa­chen Schal­tun­gen, von dem deutsch­stäm­mi­gen Ralph H. Baer (Trä­ger der „Natio­nal Medal of Tech­no­lo­gy”) in den USA. Wir fas­sen zusam­men: Ralph H. Baer und nicht Nolan Bush­nell ist also der Erfin­der der Videospiele.

Ja, gut, auch das stimmt nicht wirk­lich, denn es gab bereits 1958 „Ten­nis for Two” von Wil­liam Higin­bot­ham. Das Spiel bestand aus einem Ana­log­com­pu­ter und einem klei­nem Oszil­lo­skop. Es hat­te die hand­li­che Grö­ße von fünf Metern. Dafür stell­te „Ten­nis for Two” das Spiel­ge­sche­hen von der Sei­te dar! Eine Idee vom Spiel bekommt man durch den Simu­la­tor.

Ja, rich­tig, auch 1961 kam noch Ste­ve Rus­sels „Space­war!”. Für die­ses Spiel benö­tig­te man eine sünd­teu­re PDP‑1 und einen Radar­bild­schirm der Flug­si­che­rung. Hier kann man es spielen!

Die­se Spie­le waren tat­säch­lich Mei­len­stei­ne. Aber sie lie­fen lei­der nur auf Hard­ware, die sich kein Nor­mal­sterb­li­cher je leis­ten konn­te. Die „Brown Box” und die „Home TV Games” mögen viel­leicht ein­fa­cher gestrickt gewe­sen sein, aber sie waren vom Kon­zept her abso­lut bezahl­bar und pra­xis­taug­lich. Spre­chen wir also Mr. Baer den Erfolg für die kom­mer­zi­el­le Umset­zung der Video­spie­le zu.

ralph baer
(Ralph H. Baer (1922−2014), Erfin­der der Odys­sey, mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Ver­fü­gung gestellt von Ralph H. Baer)

In den Jah­ren nach dem Erschei­nen der Odys­sey-Kon­so­len erhielt Magna­vox durch zahl­rei­che Gerichts­pro­zes­se ins­ge­samt eine Sum­me von 700.000 Dol­lar zuge­spro­chen. Ein net­tes Bei­brot, denn gegen den Markt­füh­rer Ata­ri konn­te man nichts aus­rich­ten. Die Ver­käu­fe der Odys­sey und Odyssey2 blie­ben vor allem in den USA weit hin­ter den Erwar­tun­gen zurück. Ins­ge­samt wur­den rund 1.3 Mil­lio­nen Kon­so­len verkauft.Das nur als kur­ze Über­sicht zur Geschich­te der frü­hen Video­spie­le. Inter­es­sant wur­de es bei den Kon­so­len der zwei­ten Genera­ti­on. Denn Magna­vox droh­te, die fast fer­ti­ge Odyssey2 in die Ton­ne zu tre­ten. Wäre dies pas­siert, gäbe es die­sen Arti­kel nicht. Und ich wäre wahr­schein­lich nie in der IT gelandet!

Ralph H. ret­tet mein G7000

Mit­te der 1970er Jah­re ging Ralp Baer eini­gen Ideen nach, wie man Tele­spie­le inter­ak­ti­ver machen kön­ne. Das „Telesketch“-System soll­te es dem Spie­ler ermög­li­chen Ele­men­te im Spiel frei zu ver­schie­ben – ent­sprach also einer Art Leveledi­tor oder einem pri­mi­ti­ven Zeichenprogramm.

Aber auch eher erns­te­re Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten kamen Baer in den Sinn. Beson­ders hat­te es ihm die Idee ange­tan, ein Video“spiel“ mit einem Video­re­kor­der zu ver­bin­den, um so inter­ak­ti­ve Lehr­fil­me mög­lich zu machen. Vie­le die­ser Ideen und Pro­to­ty­pen bot er auch erfolg­los Magna­vox an. Man könn­te schon fast von Ideen­klau spre­chen, aber es ist schon inter­es­sant, dass das Kon­zept der geplan­ten neue Video­spiel­kon­so­le „Odyssey2“ eini­ge die­ser Mög­lich­kei­ten im Lehr­be­reich vorsah.

Ralph Baer ärger­te aber vor allem, dass Magna­vox nicht genug Geld in die Hand neh­men woll­te, um dem mark­be­herr­schen­dem Ata­ri VCS ent­schie­den Paro­li bie­ten zu kön­nen. Ent­täuscht ver­folg­te Baer die wei­te­re Ent­wick­lung der Kon­so­le vor­erst nicht mehr.

Am 02.08.1977 bekam der Inge­nieur den Anruf sei­nes alten Bekann­ten bei Magna­vox, John Helms, in dem er ihm mit­teil­te, dass Magna­vox pla­ne, das Odys­sey2-Pro­jekt ein­zu­stel­len, da sie gro­ße Pro­ble­me bei der Pro­duk­ti­on befürch­te­ten. Er bat Mr. Baer, am Zehn­ten des Monats zu einem Mee­ting am Pro­duk­ti­ons­stand­ort in Ten­nes­see zu kom­men, um ihn dort zu tref­fen. Kei­ne Fra­ge, dass der Vater der ers­ten Odys­sey die­sen Ter­min auf kei­nen Fall ver­pas­sen sollte!

Das Mee­ting, wel­ches pünkt­lich um 10:00 Uhr begann, erwar­tet Baer in einem trost­lo­sen Kon­fe­renz­raum mit einer trost­lo­sen Stim­mung. Trotz­dem gelang es ihm in sei­ner Prä­sen­ta­ti­on die anwe­sen­den Mana­ger mit den Argu­men­ten, dass das Team um Helms und ihm gro­ße Erfah­run­gen in der Video­spiel­ent­wick­lung sam­meln konn­te, und dass die Odyssey2 das Poten­ti­al zu einem Ver­kaufs­hit hät­te, zu überzeugen.

Nun muss­te nur noch der Prä­si­dent von Magna­vox umge­stimmt wer­den. Ralph bestieg noch am glei­chen Mit­tag mit John Helms und John Frauth, dem Geschäfts­füh­rer von Magna­vox Ten­nes­see die Geschäfts­ma­schi­ne, um zum Fir­men­sitz nach Forth Way­ne, India­na zu fliegen.

Dort ange­kom­men bot sich den drei­en beim Betre­ten der Video­spiel­ab­tei­lung „Intel Game“ ein selt­sa­mes Bild: schwar­ze Krepp­trau­er­strei­fen hin­gen an den Türen zu den Büros, in denen die meis­ten Mit­ar­bei­ter sich am Tele­fon bereits nach neu­nen Jobs umhörten.

Die Kol­le­gen reagier­ten vor­erst ver­hal­ten auf die Neu­ig­kei­ten, zeig­ten aber Mr. Baer einen voll funk­ti­ons­fä­hi­gen Odys­sey2-Pro­to­ty­pen! Ralph war begeis­tert, als er sah, dass das Sys­tem sich hard­ware­sei­tig deut­lich von den exis­tie­ren­den Mit­be­wer­bern – wie dem Ata­ri VCS – unter­schied und über eine Tas­ta­tur ver­füg­te, die dem Gerät das Aus­se­hen eines Per­so­nal­com­pu­ters verliehen.

John Helms bat ihn, sich die Unter­la­gen über die Odyssey2 anzu­se­hen und zu bewer­ten. Ralph ver­mu­te­te, dass Helms eher mora­li­schen Bei­stand für die Ent­schei­dung such­te, das Sys­tem auf einem Intel-Chip­satz auf­zu­bau­en. 😉 Wie dem auch sei, John DeSci­pio, der Prä­si­dent gab schliess­lich grü­nes Licht, die Ent­wick­lung der O2 weiterzuführen.

Ralp H. Baer bot Magna­vox über die Jah­re hin­weg erfolg­los wei­te­re inter­ak­ti­ve Sys­tem an, die vom Video­re­cor­der über die Video­plat­te bis hin zur CD inter­es­san­te Mög­lich­kei­ten boten. Frus­triert davon, dass die Ideen zwar äus­serst inter­es­siert begut­ach­tet wur­den, aber sonst nichts geschah, ver­folg­te er schliess­lich ande­re Ziele.

1991 erschien das Phil­ips CD‑I. Dies war ein inter­ak­ti­ves Video­spiel, das Video­fil­me von CD in Spie­len als Hin­ter­grund und Zwi­schen­se­quenz ein­fü­gen konn­te. Tech­nisch beacht­lich und mit recht gro­ßem Wer­be­auf­wand in den Markt gedrückt, war auch die­ses Sys­tem nicht der vol­le Erfolg. Heu­te, in Zei­ten von pho­to­rea­lis­ti­scher Spie­le­gra­fik und im VR-Zeit­al­ter, wir­ken CD-I-Spie­le selt­sam anachronisch.

Mei­ne Genera­ti­on hat die Video­spiel­ge­schich­te direkt mit­er­lebt. Bereits in der Zeit, als es noch gar kei­ne Pixel auf dem Schirm gab, haben wir gezockt. Auch wenn die Spiuel­ele­men­te bei „Pong” eckig sind, hat ein Pong-Spiel kei­ne Pixel­gra­fik. Da ist alles analog!

Onkel Han­sis Weltraumtechnik

Bei mei­nem Onkel durf­ten wir damals ab und zu an einem „Pong“-Telespiel spie­len. Das war so eine Art sti­li­sier­tes Ten­nis mit zwei Bal­ken und einem ecki­gen Ball. Natür­lich in schwarz/​weiss und Mono, ganz klar. Auch der Ton bestand nur aus zwei ver­schie­de­nen, elek­tro­ni­schen Pieps-Geräuschen.
Mein Onkel sprach fast ehr­fürch­tig über sein Tele­spiel: Es sei ein Abfall­pro­dukt der Mond­lan­dung. Wahn­sinn! Wir waren schwer beein­druckt! Weit weni­ger ehr­fürch­tig ver­brach­ten wir dann vie­le Stun­den mit die­sem archai­schen Video­spiel vor dem flim­mern­den Fern­se­her und hat­ten dabei doch jede Men­ge Spiel­spass. Ich erin­ne­re mich gut an das völ­lig neue Gefühl, etwas auf der Matt­schei­be steu­ern zu kön­nen, statt nur pas­siv das Pro­gramm der drei ver­füg­ba­ren Sen­der zu konsumieren.
Nun ja, vie­les in den 1970ern wur­de als „Abfall­pro­dukt der Welt­raum­fahrt” bezeich­net ohne dass es dies tat­säch­lich war. Die Tef­lon­pfan­ne ist so ein popu­lä­res Bei­spiel der Fehl­in­for­ma­ti­on. Aber was soll’s? „Welt­raum­tech­nik” klang unge­heu­er wich­tig und gab einem pro­fa­nen Spiel­ge­rät den Hauch der Hoch­tech­no­lo­gie. Ich frag­te mich damals manch­mal, ob den Astro­nau­ten auf dem Weg zum Mond wirk­lich so lang­wei­lig gewe­sen war, dass sie „Pong“ spie­len muss­ten – und hat­te dar­an leich­te Zweifel.
Odyssey2001
(„Welt­raum­tech­nik“: Die Odys­sey 2001, der Vor­gän­ger des G7000)

So falsch lag mein Onkel mit der Ein­schät­zung „Welt­raum­tech­nik“ aber gar nicht, denn die ers­ten Tele­spie­le wur­den noch nicht mit Mikro­pro­zes­so­ren betrie­ben, son­dern mit ver­gleichs­wei­se „dum­men“ dis­kre­ten Schal­tun­gen. „Dis­kret” bedeu­tet, dass es kei­ne ICs gab (IC = inte­grier­te Schal­tung = vie­le Bau­tei­le in einem Bau­teil). Auf einer Lei­ter­plat­te befan­den sich alle Bau­tei­le wie Kon­den­sa­to­ren, Wider­stän­de und Tran­sis­to­ren ein­zeln. Es gab kei­ne „schwar­zen Käfer” darauf.

Eben­so ein­fach war tat­säch­lich die Tech­nik gestrickt, mit denen Men­schen auf den Mond geschickt wur­den. Auch dort war von Mikro­pro­zes­so­ren (und auch von „Pong“) nichts zu sehen.

Tat­säch­lich wur­den die Pro­zes­so­ren erst zum Ende der Deka­de immer schnel­ler und leis­tungs­fä­hi­ger, so dass sie die dis­kre­ten Schal­tun­gen der Unter­hal­tungs­elek­tro­nik in Sachen Leis­tung und Kos­ten schla­gen konn­ten. Die Fir­ma Intel brach­te 1977 einen noch heu­te gebräuch­li­chen Micro­con­trol­ler, also eine Art Com­pu­ter­sys­tem (bestehend aus Pro­zes­sor, etwas Spei­cher und den Ein­ga­be-/Aus­ga­be­ein­hei­ten) her­aus, wel­ches auf einen ein­zi­gen Chip pass­te. Unter ande­rem war es bis in die 1990er das Herz­stück der Motor­steue­rung vie­ler VW-Fahrzeuge.

Das neue Konzept

Ein Toch­ter­un­ter­neh­men der nie­der­län­di­schen Phil­ips, die bereits oben erwähn­te Fir­ma Magna­vox aus den USA, ent­wi­ckel­te um die­sen IC her­um ein Tele­spiel­sys­tem, das Odyssey2, in Euro­pa meist als Phil­ips G7000 bekannt. Eini­ge Anlei­tun­gen und Pro­spek­te spre­chen gar vom „Video­pac-Com­pu­ter-Sys­tem G7000“. Die­ses Gerät war bereits eine Spiel­kon­so­le der so genann­ten zwei­ten Genera­ti­on und erschien im Jahr 1978.
Das G7000/​Odyssey2 unter­schied sich vom Ata­ri VCS – nicht zuletzt durch eine Foli­en­tas­ta­tur – kon­zep­tio­nell deut­lich und erin­nert vom Sys­tem­auf­bau an Rech­ner der heu­ti­gen Zeit. Wäh­rend man das VCS sogar aus gänz­lich ande­ren Bau­tei­len – so wie es Cole­co auch mit rich­ter­li­cher Geneh­mi­gung tat­säch­lich mach­te – nach­bau­en konn­te, ver­füg­te das Maganox Sys­tem über deut­li­cher dedi­zier­te Kom­po­nen­ten wie CPU, Sound, Gra­fik, RAM und ganz wich­tig: ein kom­ple­xes ROM! Nicht zuletzt des­we­gen war es deut­lich bes­ser zu pro­gram­mie­ren und raub­te den Spiel­ent­wick­lern nicht den Schlaf, wie es das sper­ri­ge VCS tat.
g7000
(Phil­ips G7000 – aka Odyssey2)
Trotz­dem war aus dama­li­ger Sicht das Ata­ri VCS 2600 das Sys­tem mit der bes­se­ren Gra­fik und dem kom­ple­xe­ren Sound. Aus heu­ti­ger Sicht sind die Unter­schie­de frei­lich nur mar­gi­nal. Bei­de lie­fer­ten erst­mals ein Farb­bild auf dem man unter­schied­li­che Spiel­fi­gu­ren gut erken­nen konn­te, sowie einen mehr­stim­mi­gen Ton, der weit über das bis­her gekann­te, kläg­li­che Piep­sen der „Pong“-Konsolen hin­aus ging.

Leis­tung

Ver­gli­chen mit dem Ata­ri-Sys­tem war das G7000 aber ein ech­ter Num­ber­crun­cher. Die CPU war ein Intel 8048H. Die Anga­ben zur Takt­fre­quenz gehen von 1,79 bis 5,91 MHz, je nach­dem, wel­chen Takt man als mass­geb­lich ansieht, den inter­nen oder den exter­nen. Der Spei­cher auf dem Chip betrug 64 Byte RAM und 1024 Byte ROM. Maxi­mal konn­te der Chip vier KByte adressieren.
8048H
(Herz­stück des G7000: der Intel 8048H Microcontroller)
Der CPU stand ein leis­tungs­fä­hi­ger Gra­fik­pro­zes­sor zur Sei­te, der 8245 mit 3,54 MHz. Die­sen soll­te man nicht mit dem spä­te­ren Intel 8245 ver­wech­seln, einem OnBoard-Gra­fik­chip für PCs.
Die Gra­fik­auf­lö­sung lag bei 256×192 Bild­punk­ten, dabei wur­den aber nur acht Far­ben gleich­zei­tig dargestellt.
Der 8245 kann­te sogar bereits Spri­tes, wie erst viel spä­ter der VIC-II im C64 von Com­mo­do­re. Spri­tes sind Blö­cke von zusam­men­hän­gen­den Bild­punk­ten, die man mit ein­fa­chen Befeh­len auf dem Bild­schirm posi­tio­nie­ren bzw. bewe­gen kann. Der Pro­gram­mie­rer muss also eine Figur nicht Pixel für Pixel ver­schie­ben. Die Spri­tes des G7000 hat­ten eine Auf­lö­sung von 8×8 Pixeln und waren ein­far­big. Maxi­mal vier Stück auf ein­mal zau­ber­te der Gra­fik­chip auf den Schirm.
Eigent­lich sind Spri­tes aus der Not gebo­ren wor­den, dass RAM sehr teu­er war. Ein kom­plet­tes Fern­seh­bild benö­tigt ca. vier Mil­lio­nen Bild­punk­te, ein teu­rer Spass, wenn man die anno 1977 den kom­plet­ten Schirm auf ein­mal im RAM vor­hal­ten wollte.
Die vier frei posi­tio­nier­ba­ren und schnell ver­än­der­ba­ren Spri­tes des 8245 umgin­gen die­ses Pro­blem ele­gant, da man damit hoch­auf­lö­sen­de Gra­fi­ken dort dar­stel­len konn­te, wo sie benö­tigt wur­den. Meis­tens waren das eben die Spiel­fi­gu­ren. Ein Spri­te nahm nur 64 Bit (8×8 Bit) RAM in Anspruch. Ins­ge­samt kam man also auf nur 256 Bit benö­tig­ten Spei­cher für die Spri­tes. Auf die­se Wei­se reich­te der OnChip-RAM des Gra­fik­pro­zes­sors für die Gra­fik­dar­stel­lung aus. Das Sys­tem konn­te so ein­fa­cher und kos­ten­güns­ti­ger pro­du­ziert werden.
Der Gra­fik­chip kann­te wei­ter­hin acht unbe­weg­li­che „grup­pier­te Objek­te”, das sind z.B. Hin­ter­grund­gra­fi­ken und die in fast jedem Spiel vor­han­de­ne High­score­an­zei­ge. Wenn man dar­auf ach­tet, ent­deckt man in vie­len Spie­len die­se zusam­men­hän­gen­de Gra­fik­be­rei­che. Aber auch Spri­tes konn­te man für grö­ße­re, steu­er­ba­re Spiel­fi­gu­ren zusam­men­fas­sen. Farb­ver­än­de­run­gen im Spri­te konn­ten wäh­rend der Aus­tastlü­cke (die Zeit, die der Elek­tro­nen­strahl in der Bild­röh­re des Fern­se­her aus­ge­schal­tet wer­den muss, wenn er z.B. zum Anfang einer neu­en Zei­le oder eines neu­en (Halb-)Bildes zurück­sprin­gen muss) vornehmen.
8245
(Intel 8245)
Fer­ner bot der 8245 einen Zei­chen­ge­ne­ra­tor mit 64 (Son­der-) Zei­chen, die er aus dem ROM bezog, von denen maxi­mal 28 auf ein­mal dar­ge­stellt wer­den konn­ten. Die Son­der­zei­chen traf man in vie­len Spie­len an. Es gab „Bäu­me”, die man auch als Pil­ze ver­wen­den konn­te, klei­ne Stich­männ­chen (Welt­raum­mons­ter, Bur­gen­schlacht) und eben auch viel­sei­tig ver­wend­ba­re Gra­fi­ken wie gro­ße Punk­te, Stri­che, Drei­ecke und eher abs­trak­te Zei­chen, aus denen man z.B. die zer­stör­ten Tür­me in „Bur­gen­schlacht” dar­stel­len konnte.
Der Gra­fik­chip zeich­ne­te sich zudem für die Ton­aus­ga­be ver­ant­wort­lich, bot aber – mit einem Kanal über acht Okta­ven, einem ein­fa­chen Geräusch­ge­ne­ra­tor und die Steue­rung durch ein Schie­be­re­gis­ter mit 24 Bit – nur Haus­manns­kost. Die Laut­stär­ke konn­te in 16 Stu­fen regu­liert wer­den. Trotz­dem war der Klang prä­zi­se und dyna­misch, erin­ner­te aber vom Klang­bild her ein wenig an den Sound der „Pong“-Klone.
Der Haupt­spei­cher wur­de durch den Moto­ro­la MCM 6810p um 128 Bytes auf 192 Byte erwei­tert. Wohl bemerkt: Byte, nicht KByte! Die Grö­ße des ROMs (Fest­spei­cher) war ein KByte on Chip, die 30-poli­gen Spiel­mo­du­le erwei­ter­ten die­sen um zwei, vier, oder acht KByte. Die Modu­le Num­mer 59 und 60 hat­ten sogar 16 KB ROM.
Der ekla­tan­te Man­gel an Spei­cher beding­te, dass die Auf­steck­mo­du­le für BASIC (C7420) und Schach (C7010) eigen­stän­di­ge Rech­ner mit CPU, ROM und RAM waren, die das G7000 nur für die Ver­bin­dung zur Aus­sen­welt (Tas­ta­tur, Gra­fik und Ton) benö­tig­ten. Die­se Modu­le waren aber der­ma­ßen teu­er, dass die meis­ten Kun­den lie­ber zu einem rich­ti­gen Home- oder Schach­com­pu­ter griffen.
Die Leis­tung des Gra­fik­chips schlug sich mehr in der Spiel­ge­schwin­dig­keit, als in aus­ge­feil­ten Spiel­wel­ten nie­der. Das Scrol­ling war sei­den­weich und die Spie­le – vor allem Num­mer 39, „Free­dom Figh­ters” wur­de in höhe­ren Levels unspiel­bar schnell. Es wur­de sogar so rasant, dass älte­re, gro­ße Röh­ren­fern­se­her Schlie­ren auf den Schirm zogen.

Design

Das Ata­ri VCS war 1981 zwar unan­ge­foch­te­ner Markt­füh­rer, aber lei­der genau das Gegen­teil von dem, was ich haben woll­te. Das Design war urame­ri­ka­nisch: Eine „Holz­blen­de” aus Plas­tik, schwar­zes Kunst­stoff­ge­häu­se und sil­ber­ne Kipp­schal­ter – wie aus dem Arma­tu­ren­brett eines 1970er-Jah­re Stras­sen­kreu­zers geschnit­ten – ent­spra­chen kaum dem Geschmack der anbre­chen­den 1980er Jah­re – und mei­nem erst recht nicht.
atari 2600
(Traf nicht mei­nen Geschmack: Ata­ri VCS 2600)
Erschwe­rend kam hin­zu, dass mein Cou­sin Andre­as, der Sohn vom „Welt­raum-Onkel“, mitt­ler­wei­le ein Ata­ri VCS sein Eigen nen­nen durf­te. Auf kei­nen Fall woll­te ich dann auch eines haben. Da muss­te zwin­gend etwas ande­res her.
Das G7000 von Phil­ips war die ein­zi­ge Spiel­kon­so­le, die durch eine ein­ge­bau­te Tas­ta­tur nicht nur wie ein Home­com­pu­ter aus­sah, son­dern auch, mit zwei ver­schie­de­nen Com­pu­ter­mo­du­len, annä­hernd deren Leis­tungs­fä­hig­keit erreichte.
Videopac9
(Num­mer 9, „Com­pu­ter Pro­grammer“, eines der zwei Computermodule)
Das Design wirkt auch heu­te noch frisch und modern, was aber dar­an liegt, dass es ein wenig über­zeich­net ist und wie aus einen Sci­Fi-Film daher­kommt: Rela­tiv flach, pult­för­mig, im ele­gan­ten Sil­ber mit schwar­zen Akzen­ten gehal­ten, war es schon immer ein Hin­gu­cker. Mei­ne Mut­ter hat­te sich damals erst einen brand­neu­en, sty­li­schen Hig­hend-Fern­se­her von Loewe gegönnt, dazu pass­te das Phil­ips G7000 natür­lich per­fekt. Holz­de­kor aus Plas­tik wäre inak­zep­ta­bel gewe­sen. Aber ich hat­te ja lei­der immer noch kein schi­ckes G7000!

Weih­nach­ten nahte

Die Kon­so­le allei­ne kos­te­te um die 400 DM und pro Spiel muss­te man rund 89 Mark anle­gen. Etwas älte­re Modu­le konn­te man im Ange­bot, in den neu auf­kom­men­den Elek­tronik­märk­ten auf der grü­nen Wie­se, für 60 bis 70 Mark erwer­ben. Auf den ers­ten Titeln befan­den sich oft zwei oder drei völ­lig unter­schied­li­che Spie­le, zwi­schen denen mit Hil­fe der Tas­ta­tur gewech­selt wer­den konn­te. Die Modu­le des G7000 waren durch die Bank etwas güns­ti­ger als die für das Ata­ri. Das war ein Argu­ment, wel­ches man den Eltern gegen­über brin­gen konn­te: „Seht her, der Jun­ge ist kostenbewusst!”.
Auch wenn der Leser nun mei­nen könn­te, dass ein Preis von umge­rech­net 200 Euro für eine Spiel­kon­so­le nicht teu­er gewe­sen sei, war dem nicht so. 1981 lag das durch­schnitt­li­che Ein­kom­men in DM exakt so hoch wie 2008 – nur eben in Euro. Die Kon­so­le kos­te­te also preis­an­ge­passt sat­te 400 EUR!
Kurz vor Weih­nach­ten 1981 war ich mit mei­ner Mut­ter und mei­nem Bru­der in der Metro. Wie immer zog es mich zur Video­spiel­ab­tei­lung die­ses Groß­mark­tes. Unse­re Mut­ter konn­te uns dort „par­ken“ und in Ruhe ein­kau­fen. Was woll­ten wir uns auch Lebens­mit­tel oder klas­si­sches Spiel­zeug anse­hen? Wir waren jung, dyna­misch und voll­kom­men technikaffin.
Das Objekt mei­ner Begier­de stand in einer Glas­vi­tri­ne und glit­zer­te sil­bern wie ein Juwel. Es wirk­te im kal­ten Licht der Vitri­nen­be­leuch­tung gera­de­zu über­ir­disch tech­nisch. Als ob es aus dem Schalt­pult eines Ster­nen­zer­tö­rers… ach, was sage ich? Als ob es direkt aus dem Feu­er­leit­stand des Todes­sterns aus­ge­baut wor­den wäre! Für die gan­zen ande­ren Kon­so­len, die dort aus­ge­stellt waren hat­te ich kein Auge. Ata­ri VCS, Inter­ton VC4000, diver­se Pong-Klo­ne – nichts konn­te „mei­nem“ Phil­ips G7000 das Was­ser reichen.
So drück­te ich mir die Nase an der Glas­tür platt, nur Zen­ti­me­ter vom tolls­ten Stück Tech­nik auf die­sem Pla­ne­ten getrennt – und doch uner­reich­bar fern.
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(Wer­be­fo­to des Phil­ips G7000, mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Ver­fü­gung gestellt von Phil­ips Deutsch­land GmbH)

Die Erlö­sung

Nor­ma­ler­wei­se berei­te­te mir das Ende eines jeden Ein­kaufs in der Metro gera­de­zu einen kör­per­lich zu spü­ren­den Tren­nungs­schmerz. Aber an die­sem Abend schöpf­te ich, durch das plötz­li­che Inter­es­se mei­ner Mut­ter an dem Gerät, end­lich Hoff­nung. Sie frag­te mich betont bei­läu­fig, wel­che Spie­le mich denn so inter­es­sie­ren wür­den. Was hat­te das zu bedeu­ten? Soll­te ich die Kon­so­le zu Weih­nach­ten bekom­men? Die Zeit bis dahin dehn­te sich fort­an Rich­tung Unendlichkeit.
Unter dem Weih­nachts­baum lag dann tat­säch­lich ein gro­ßes Paket, wel­ches sich – nach dem hek­ti­schen Zer­reis­sen des bun­ten Geschenk­pa­piers – als die Packung eines G7000 ent­pupp­te. Ich war end­lich im Reich der pro­gram­mier­ba­ren Com­pu­ter angekommen.
Ich war glücklich.
supermampfer
(„Super­mamp­fer“)
weltraummonster
(„Welt­raum­mons­ter“)

Unbe­grenz­te Möglichkeiten

Von Anfang an setz­te Phil­ips auf die Vor­tei­le, die eine Tas­ta­tur mit sich brach­te. Auf dem ers­ten erschie­ne­nen Modul, bei Phil­ips „Video­pac“ genannt, fand sich neben „Auto­rennen“ und „Ren­dez­vous im Welt­raum“ auch das Spiel „Geheim­schrift“. Ein Wort, wel­ches einer der Spie­ler ein­tipp­te, wur­de durch­ein­an­der gewür­felt wie­der auf den Bild­schirm aus­ge­ge­ben. Die Mit­spie­ler muss­ten die­ses Wort erra­ten und kor­rekt wie­der ein­tip­pen. Das kann­te man sei­ner­zeit aus dem Fern­se­hen: In Bla­cky Fuchs­ber­gers Show „Auf los geht’s los“ funk­tio­nier­te das „A‑Z-Spiel“ sehr ähnlich.
Lern­spie­le wie „Kin­der im Ver­kehr“ mach­ten eben­falls von der QWER­TY-Foli­en­tas­ta­tur mit 49 Tas­ten nicht nur Gebrauch – sie wur­den durch die­se erst mög­lich. Ein Kon­zept, wel­ches ganz klar auf die Eltern ziel­te, die ihre Kin­der nicht nur beim Abschies­sen vir­tu­el­ler Raum­schif­fe und Mons­ter vor dem Fern­se­her sehen woll­ten, son­dern die die Anschaf­fung einer Spiel­kon­so­le – mehr oder weni­ger – ratio­nal erklä­ren wollten.
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(Hei­le Wer­be­welt: Kin­der vor dem G7000 – man beach­te das Glas Orangensaft!,
mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Ver­fü­gung gestellt von Phil­ips Deutsch­land GmbH)
In die glei­che Ker­be schlug „Musi­kant“, ein Video­pack mit einer Over­lay­fo­lie, die aus dem G7000 eine Art elek­tro­ni­sches Pia­no machen soll­te. Skur­ril mutet auch aus heu­ti­ger Sicht das Video­pac A, „Lauf­schrift“ an: Man konn­te damit eine Nach­richt auf den Fern­se­her für Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge hin­ter­las­sen wenn man das Haus ver­liess. Den weni­gen Käu­fern war der hand­ge­schrie­be­ne und strom­spa­ren­de Zet­tel offen­bar nicht modern genug.

Cover-Art

Eini­ge Titel, wie „Black­jack“ und „Back­gam­mon“, spra­chen sogar direkt Erwach­se­ne an, die sonst nichts mit einem Video­spiel anzu­fan­gen wuss­ten. Gera­de die ers­ten Modu­le ver­zich­te­ten daher auf eine abs­trak­te oder comic­haf­te Dar­stel­lung auf dem Titel­bild, son­dern fie­len durch einen eher rea­lis­ti­schen Stil auf.
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(Phil­ips-Wer­bung: Erwach­se­ne haben Spass mit dem G7000, mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Ver­fü­gung gestellt von Phil­ips Deutsch­land GmbH)
Die frü­hen Video­pacs wur­den in einer schmuck­lo­sen, schwar­zen Papp­hül­le ver­kauft, auf dem die Num­mer des Spiels in gro­ßer roter Schrift prang­te – Phil­ips num­me­rier­te fast alle Spie­le durch. Erst beim Auf­klap­pen sah man das eigent­li­che Titelbild.
Die spä­te­ren Modu­le wur­den in einer robus­ten Klapp­box aus Kunst­stoff mit gro­ßem Klar­sicht­de­ckel aus­ge­lie­fert. Durch das klei­ne run­de Loch in der Rück­sei­te konn­te man die die Boxen wie einen Bil­der­rah­men an die Wand hän­gen. Ähn­lich zu den spä­te­ren CDs war das Cover gleich­zei­tig das Book­let, bzw. die Anlei­tung, und klemm­te hin­ter dem Deckel der Box.
Fremd­an­bie­ter, wie Ima­gic hin­ge­gen, boten ihre Titel lose in Papp­schach­teln an.
Die Modul­form war bei allen Her­stel­lern die glei­che: Ein gro­ßer Hen­kel erleich­ter­te das Ein- und Aus­ste­cken der Modu­le, die ansons­ten fast die glei­chen Abmes­sun­gen wie beim Mit­be­wer­ber Ata­ri VCS hat­ten. Der Hen­kel stand an der Vor­der­sei­te leicht vor, so dass man die Modu­le auch lose eini­ger­mas­sen sicher über­ein­an­der sta­peln konn­te. Die Kon­takt­leis­te wur­de durch einen gefe­der­ten Schutz aus Metall vor kleb­ri­gen Kin­der­fin­gern verdeckt.
Fast alle Spie­le boten die Anzei­ge des Higs­cor­e­inha­bers im Spiel an, des­sen Namen man kom­for­ta­bel mit der Tas­ta­tur ein­ge­ben konn­te. Wäh­rend man am Ata­ri noch müh­sam ein­zel­ne Buch­sta­ben für den Higs­core mit dem Joy­stick aus­wähl­te – falls das Spiel dies über­haupt anbot – spiel­te man auf dem G7000 bereits die nächs­te Run­de. War noch kein Rekord errun­gen, oder hat­te noch nie­mand sei­nen Namen ein­ge­tippt, so erschie­nen sechs Fra­ge­zei­chen neben der Höchst­punkt­zahl. Der High­score ging aller­dings ver­lo­ren, wenn man die Kon­so­le abschaltete.

Spie­len!

Zwei mei­ner ers­ten Video­pacs waren „Welt­raum­mons­ter” und „Super­mamp­fer”, bei­des dreis­te Kopien der erfolg­rei­chen Spie­le „Space Inva­ders” und „Pac Man”. Das „Welt­raum­mons­ter“ bestach nicht durch die Mas­se der Geg­ner, son­dern durch die Geschwin­dig­keit der Schüsse.
„Super Mamp­fer” hin­ge­gen war tat­säch­lich deut­lich bes­ser als das Ori­gi­nal. Zwar gab es weni­ger Punk­te zu fres­sen, aber die­se beweg­ten sich eigen­stän­dig und fast eben­so schnell wie die Spiel­erfi­gur durch das Laby­rinth, was die Geschich­te nicht leich­ter mach­te. Die viel­fäl­ti­gen Irr­gär­ten, von denen sich eini­ge wäh­rend des Spie­les stän­dig ver­än­der­ten, tru­gen zum höhe­ren Spiel­spass bei.
Zusam­men mit mei­nem Bru­der Mark spiel­te ich die­se Spie­le stun­den­lang – zumin­dest bis wir den Fern­se­her wie­der frei­ge­ben muss­ten – oder uns die Hän­de durch die unför­mi­gen Joy­sticks wehtaten.
Hand­schmeich­ler sehen anders aus!
Die Con­trol­ler des G7000 waren wahr­haft grau­sam: Ein ecki­ges Gehäu­se, das die Fin­ger nach län­ge­rem Spiel ver­kramp­fen liess, sowie ein Feu­er­knopf ohne erkenn­ba­ren Druck­punkt. Die­ser brach zudem oft nach eini­ger Zeit ab, um nur noch aus einem klei­nen scharf­kan­ti­gen Plas­tiknip­pel zu bestehen, der tie­fe, schmerz­haf­te Abdrü­cke im Dau­men hinterliess.
Mit die­sem Han­di­cap konn­te man kaum mehr die Höhen­zü­ge des Highscore–Olymp erklim­men und so ent­brann­te regel­mäs­sig ein Kampf um den ver­blie­be­nen intak­ten Joy­stick. Unnö­tig zu erwäh­nen, dass sich der Knopf nicht dau­er­haft kle­ben liess.
Tat­säch­lich ent­spra­chen die Grund­ge­häu­se der Sticks denen des bekann­ten Vor­gän­gers, der Odys­sey 2001. Der ana­lo­ge Dreh­reg­ler wur­de beim G7000 ein­fach durch einen Joy­stick ersetzt. Auf den ers­ten Blick dach­te man, die Sticks wären mit ihren enor­men Wegen in ana­lo­ger Tech­nik aus­ge­führt. Dem ist aber nicht so. So emp­find­lich der Feu­er­knopf war, so wenig konn­te man Joy­stick an sich zer­stö­ren. Ein dicker Stahl­stift betä­tig­te über eine gro­ße Feder und einen Ring die Foli­en­kon­tak­te der Steue­rung. Der Anschlag mit acht Ein­rast­punk­ten ver­hin­der­te zuver­läs­sig, dass man den Con­trol­ler – wie bei Ata­ri-Joy­sticks üblich – mecha­nisch über­las­ten konnte.
Ob die Sticks abnehm­bar oder fest ein­ge­baut waren, dar­über lässt sich kei­ne Regel auf­stel­len: Die eine Modell­rei­he wur­de so, die ande­re so gebaut. Wer nun aber dach­te, dass abnehm­ba­re Joy­sticks bedeu­te­ten, dass man ein­fach han­dels­üb­li­che Joy­sticks an die Kon­so­le anschlies­sen konn­te, der sah sich ent­täuscht: Die Bele­gung der Anschlüs­se war nicht kom­pa­ti­bel zum übli­chen Standard.
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(kei­ne Hand­schmeich­ler: G7000-Stick)

Pro­gram­mier­ba­re Träume?

Das für mich wich­tigs­te Video­pac war zwei­fel­los „Com­pu­ter Pro­grammer”, wel­ches die Pro­gram­mie­rung der Kon­so­le in Maschi­nen­spra­che (Assem­bler) erlaub­te. Folg­te man der dicken Anlei­tung und schaff­te es, die Befeh­le ohne dop­pel­te Zei­chen auf der hef­tig prel­len­den Foli­en­tas­ta­tur feh­ler­frei ein­zu­tip­pen, wur­de man nach stun­den­lan­ger Arbeit ein­zig mit Männ­chen oder UFOs belohnt, die sich trä­ge über den Bild­schirm beweg­ten. Die Pro­gram­me lies­sen sich gemei­ner Wei­se nicht abspei­chern, so dass alle Mühe ver­geb­lich und ver­lo­ren war, sobald man wie­der etwas spie­len woll­te, oder die Kon­so­le ausschaltete.
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(Inter­face des G7000 Assem­bler­mo­duls „Com­pu­ter Programmer)
Schmerz­haft ver­miss­te ich die Mög­lich­keit ein Mas­sen­spei­cher­ge­rät an das G7000 anzu­schlies­sen. Die damals gän­gi­ge Mög­lich­keit zur Spei­che­rung war der Anschluss eines Kas­set­ten­re­cor­ders. Jedes Kind kann­te die­se „Com­pact-Cas­set­ten“, die auch die ers­ten bezahl­ba­ren Mas­sen­spei­cher für die auf­kom­men­den Home­com­pu­ter dar­stell­ten. Mitt­ler­wei­le wer­den sie seit Jah­ren nicht mehr produziert..
Ohne Spei­cher­mög­lich­keit war die sehr müh­sa­me Ein­ga­be von Assem­bler­pro­gram­men ziem­lich sinn­frei. Erst die spä­ter erschie­ne­ne (Micro­soft-) BASIC-Erwei­te­rung (C7420) brach­te die Anschluss­buch­se für einen han­dels­üb­li­chen Kas­set­ten­re­cor­der mit. Die­ses BASIC-Modul war mehr als nur ein simp­les Video­pac. Es hat­te eine eige­ne CPU, sowie RAM und ROM. Die Brei­te ent­sprach dem Gehäu­se des G7000. Es wur­de hucke­pack hin­ten auf das G7000 gesetzt und mit dem Modul­port über eine Adap­ter­kas­set­te ver­bun­den. Zwei wei­te­re Erwei­te­run­gen kamen in ähn­lich wuch­ti­ger Bau­art auf den Markt: „Schach“ (C7010) und „The Voice“. Letz­te­res ermög­lich­te sogar bei eini­gen Spiel­ti­teln eine Sprach­aus­ga­be. Da aber 2The Voice” nicht über ein Modul mit Kabel mit der Kon­so­le ver­bun­den wur­de, son­dern einen star­ren Anschluss hat, passt es nur auf das G7000 und nicht auf das G7400.
Inter­es­sant war, dass die G7000-Kon­so­le – zumin­dest in Deutsch­land – kei­nen Netz­schal­ter besass, son­dern man den Ste­cker zie­hen muss­te, um sie abzu­schal­ten. Die Modu­le wur­den folg­lich im lau­fen­dem Betrieb gewech­selt, eine Metho­de, die ande­re Kon­so­len mit ihrem bal­di­gen Able­ben belohnt hät­ten und in deren Anlei­tun­gen auch expli­zit vor die­ser Vor­ge­hens­wei­se gewarnt wurde.
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(Video­pac 38 mit cha­rak­te­ris­ti­schen Hen­kel – dar­auf befin­det sich „Super­mamp­fer”)

Und heu­te?

Noch heu­te wer­den Spie­le für das G7000 ent­wi­ckelt und ver­kauft. Natür­lich nicht mehr von Phil­ips oder den ande­ren gro­ßen Spiel­her­stel­lern, son­dern als soge­nann­te „Home­brew-Soft­ware“ von Pri­vat­per­so­nen, rein aus Spass an der Freud.
Jon Dond­zil­la aus den USA ver­treibt das bekann­te „128-in‑1“-Videopac. Auf die­sem Modul sind alle erschie­ne­nen Video­pacs (auch die für den Nach­fol­ger G7400) ent­hal­ten. Da dies ins­ge­samt deut­lich weni­ger als 128 Spie­le waren, besteht der Rest aus den ver­schie­de­nen Lan­des­ver­sio­nen und den oben ange­führ­ten „Home­brew-Pro­gram­men“. Offi­zi­ell sind nur 73 Titel von Philips/​Magnavox und neun von Drit­ther­stel­lern erschie­nen – je nach­dem, wie man die ver­schie­de­nen Vari­an­ten zählt.
Ein­zi­ger Wer­muts­trop­fen des „128-in‑1“-Modul ist die eher umständ­li­che Aus­wahl der Spie­le über die win­zi­gen DIP-Schal­ter. Sehr nett wäre eine Soft­ware­um­schal­tung gewe­sen, die der Leis­tungs­fä­hig­keit des G7000 gerecht wird. Ver­mut­lich hät­te aber die dafür not­wen­di­ge Hard­ware die Her­stel­lung des Moduls zu teu­er gemacht.
Ich habe mich nie von mei­nem G7000 tren­nen kön­nen und bau­te in all den Jah­ren mei­ne Video­pac-Samm­lung immer wei­ter aus. Vie­le Samm­ler sind die reins­ten Mes­sis, mir aber reicht es, wenn ich jedes Modul in der Kunst­stoff­box ein­mal besit­ze und eine bau­glei­che Kon­so­le als Ersatz habe, falls mei­nem Ori­gi­nal­ge­rät etwas zustos­sen sollte.
Mitt­ler­wei­le habe ich auch zwei der drei erschie­ne­nen Brett­spie­le für das G7000, die aller­dings über­deut­lich erklä­ren, war­um die­ses Spiel­gen­re aus­ge­stor­ben ist. Wäh­rend die Titel „Die Suche nach den Rin­gen“ und „Die Ent­de­ckung der Welt“ noch ein­ge­deutscht wur­den, muss­te die „Gre­at Wall­street For­tu­ne Hunt“ auf einen deut­schen Titel und ein eben­sol­ches Hand­buch verzichten.
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(Packung von „Die Suche nach den Ringen.”)
Zusam­men mit mei­ner Frau und unse­ren Kin­dern haben wir neu­lich „Die Suche nach den Rin­gen” gespielt. Dabei ersetzt die Spiel­kon­so­le nicht nur den Wür­fel! Nein! Man erkämpft sich das Wei­ter­kom­men auf dem Spiel­brett in einem Mini­spiel auf dem hei­mi­schen Fern­se­her. Klingt toll, oder? Ja, schon, aber das ist es lei­der nicht.
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(Das Spiel­feld mit Figu­ren von „Auf der Suche nach den Ringen”)
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(Spiel­feld im Ganzen)
Die Mini­spie­le sind immer die glei­chen, und auch nur vier an der Zahl. Die Schwie­rig­keit steigt nicht und liegt auf einem Niveau, wel­ches auch die kurz­sich­ti­ge Oma mit Arthri­tis pro­blem­los vom Ohren­ses­sel aus meis­tern kann. Freu­de kommt aber wenigs­tens dadurch auf, dass man in Teams kämpft und sich so immer gegen­sei­tig anfeuert.
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(Start­me­nü von „Die Suche nach den Ringen“))

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(Over­lay für das Key­board – mit Tas­ten für die Aus­wahl der Laby­rin­the und Monster)
Inter­es­sant ist, dass es die­se Art Spie­le nicht erst mit dem G7000/​Odyssey2 gab, son­dern dass bereits die ers­te Odys­sey über Spie­le mit Over­lay­fo­li­en für den Fern­se­her und Ereig­nis­kar­ten daherkam.
Jeder hat auf dem G7000 sei­ne per­sön­li­chen Lieb­lings­spie­le, meist die, die er damals besass und mit denen er sich somit zwangs­läu­fig aus­ein­an­der­set­zen muss­te. Her­aus­ra­gen­de Spie­le waren aber sicher „Super­mamp­fer“, „Free­dom Figh­ters“ und „Kil­ler Bees“.
Dass aber auch wenig kom­ple­xe Spie­le das Zeug zum Klas­si­ker haben und auch heu­te noch Jung und Alt begeis­tern kön­nen, beweist Video­pac Num­mer 20, „Bur­gen­schlacht”. Dabei ste­hen sich zwei Rit­ter mit je einem Kata­pult und einer Burg gegen­über. Ziel des Spie­les ist, die geg­ne­ri­sche Fes­tung mit geziel­ten Stein­wür­fen nach und nach zu zer­stö­ren. Je län­ger man den Joy­stick nach unten zieht und dann los­lässt, des­to wei­ter fliegt der Stein.
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(Screen­shot Burgenschlacht)
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(Hül­le Burgenschlacht)
Ein simp­les Prin­zip, das jeder ver­steht und wel­ches auch heu­te noch enor­men Spass macht. Selbst mei­ne Kin­der und deren Freun­de spie­len die­ses Spiel sehr ger­ne. Auch – oder viel­leicht gera­de weil – deren Kin­der­zim­mer­ge­rät­schaf­ten die Welt­re­chen­leis­tung von 1970 weit übertreffen. 🙂

Wei­te­re Infos

Wei­te­re Informationen
Emu­la­tor
Wer den G7000 auf sei­nem hei­mi­schen Rech­ner erle­ben will, der kann zu dem Emu­la­tor o2em grei­fen. Die­ser emu­liert auch den Nach­fol­ger Phil­ips G7400 und ist für MacOS, Linux und Win­dows verfügbar.
Vari­an­ten und Nachfolger

Wei­te­re kom­pa­ti­ble Ver­sio­nen des G7000 waren das G7200 (mit ein­ge­bau­ten Grün­mo­ni­tor), der Nach­fol­ger G7400, wel­cher bei vol­ler Kom­pa­ti­bi­li­tät eine etwas bes­se­re Gra­fik bot, sowie das G7401, ein G7400 mit SCART-Anschluss. In Frank­reich wur­de das N60 ver­kauft, das ähn­lich dem G7200 war, aber im klei­ne­ren Gehäu­se eines Mini­tels (ver­gleich­bar mit unse­ren BTX-Ter­mi­nals) daherkam.

Das G7400 hat so gut wie kei­nen Nut­zen aus der bes­se­ren Hard­ware gezo­gen. Die tol­le Gra­fik beschränkt sich aus­schliess­lich auf die Hintergrundgrafiken.

Phil­ips pro­du­zier­te nach dem Tele­spiel­crash von 1983 kei­ne Nach­fol­ger der Video­pac-Com­pu­ter-Serie mehr. Das nie­der­län­di­sche Unter­neh­men schloss sich dem MSX-Kon­sor­ti­um an, wel­che Home­com­pu­ter nach dem Micro­soft-Stan­dard her­stell­te. Der ers­te MSX-Com­pu­ter von Phil­ips, der VG5000, hat­te als Zube­hör die Video­pac­joy­sticks, die unter der Arti­kel­be­zeich­nung VU-0001 ver­kauft wur­den. Die erhält­li­chen Pro­gram­me für das VG5000 kamen auf auf Com­pact­cas­set­ten in den bekann­ten Plas­tik­bo­xen des G7000-Sys­tems daher und waren eben­falls durchnummeriert.
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(Nach­fol­ger G7400)

(G7200 – ein G7000 mit Grünmonitor)
Erschie­ne­nen Modelle:
Vom G7000 erschie­ne­nen ver­schie­de­ne Ver­sio­nen, die sich u.a. wie folgt unterscheiden:
G7000/​00: lose, sil­ber­ne Joy­sticks; Steckernetzteil
G7000/​08: fes­te, schwar­ze Joy­sticks; Steckernetzteil
G7000/​20: lose, schwar­ze Joy­sticks; Steckernetzteil
G7000/​21: fes­te, schwar­ze Joy­sticks; Steckernetzteil
G7000/​22: fes­te, schwar­ze Joy­sticks; inter­nes Netzteil
G7000/​30: lose, schwar­ze(?) Joy­sticks; Steckernetzteil
G7000/​35: lose, schwar­ze Joy­sticks; Steckernetzteil
G7000/​36: fes­te, schwar­ze Joy­sticks; Steckernetzteil
G7000/​37: fes­te, schwar­ze Joy­sticks; inter­nes Netzteil
G7000/​49: fes­te, schwar­ze Joy­sticks; Steckernetzteil
G7000/​53: lose, schwar­ze Joy­sticks; Steckernetzteil
G7000/​54: fes­te, schwar­ze Joy­sticks; Steckernetzteil
G7000/​75: lose, schwar­ze(?) Joy­sticks; Steckernetzteil
Die Joy­sticks des Nach­fol­gers G7400 hat­ten, auch wenn sie von der Form her gleich aus­sa­hen, einen DIN-Ste­cker, so dass man sie nicht an das G7000 anschlies­sen konnte.
Das Flip­per­spiel von Ralph H. Baer
Auf der Clas­sic Game Expo 2000 wur­den ca. zwei Dut­zend nach­pro­du­zier­te Modu­le eines Pin­ball­spie­les von Ralph Baer ver­kauft. Die­ses Spiel wur­de bereits 1978 von ihm geschrie­ben und bot die Mög­lich­keit, dass der Spie­ler die Flip­per-Bum­per frei auf dem Spiel­feld plat­zie­ren konn­te. Die Modu­le wur­den von Ralph Baer signiert, ent­spra­chen aber sonst in der Auf­ma­chung dem Stil zeit­ge­nös­si­schen Videopacs.

Die­ses Flip­per­spiel war qua­si ein Abfall­pro­dukt aus der Ent­wick­lung eines Sys­tems, dass „Teles­ketch“ heis­sen soll­te und von Baer und Len­ny Cope ent­wi­ckelt wur­de. In einer Art Brea­k­out- oder Squash-Game, soll­te der Spie­ler eige­ne Ele­men­te in das Spiel bau­en kön­nen. Dies war wohl die Geburts­stun­de der Leveleditoren. 😉

Pro­to­ty­pen

Wäh­rend das G7000 auf dem US-Markt als Odyssey2 ver­trie­ben wur­de, und es dort nie einen Nach­fol­ger gege­ben hat­te, wur­de in Euro­pa das G7400 lan­ciert. Das G7400 war aber letzt­lich nur ein gra­fisch auf­ge­motz­tes G7000, aber basiert tech­nisch angeb­lich zum Teil auf dem Pro­to­ty­pen des Odyssey3„ einem sehr ambi­tio­nier­ten Pro­jekt, wel­ches die Gren­zen zwi­schen Tele­spie­len und Home­com­pu­tern ver­wischt hät­te. Das Odyssey3 soll­te über ein ein­ge­bau­tes BASIC, eine ordent­li­che (Gum­mi-) Tas­ta­tur und ein Modem ver­fü­gen. Qua­si als Vor­griff auf das CD-i-Sys­tem soll­te es angeb­lich auch an einen Laser­disk­spie­ler anzu­schlies­sen sein und dadurch inter­ak­ti­ve Vide­os und Spie­le ermöglichen.

Schaut man sich den o.a. VG5000 an, so drängt sich, neben der Aus­stat­tung von Joy­sticks und den ähn­li­chen Modu­len, der Ver­dacht beim Anblick von Gehäu­se und Tas­ta­tur auf, dass es sich dabei even­tu­ell um das Design des Odyssey3 han­deln könn­te. Auch der Name scheint ver­däch­tig: V_G5000_”.

Nach­fol­ger im Geiste
Mehr oder weni­ger erfolg­rei­che Spiel­sys­te­me ver­ban­den in den 1990er Jah­ren die Mög­lich­kei­ten von Laser­disk­play­er (Pioneer) und Video-CDs (Phil­ips CD‑I). Aber auch das CD32 von Com­mo­do­re soll nicht uner­wähnt blei­ben. In der heu­ti­gen Zeit ver­fü­gen selbst ein­fachs­te Spiel­kon­so­len über HD-Video­fä­hig­kei­ten für die Zwi­schen­se­quen­zen und die Spie­le­gra­fik kann man (aus­ser bei mensch­li­chen Figu­ren) kaum noch von der Rea­li­tät unterscheiden.
Die nach dem G7000 nächs­te Spiel­kon­so­le, die auf Intel-Tech­nik basier­te war mei­nes Wis­sens nach tat­säch­lich erst die Micro­soft Xbox im Jah­re 2001. Aktu­ell gibt es kei­ne Pla­nun­gen für wei­te­re Intel-basie­ren­de Spiel­sys­te­me, alle moder­nen Kon­so­len arbei­ten mit Hard­ware des PowerPC-Konsortiums.
Das G7000 in der Popkultur

Im Jah­re 1999 ver­öf­fent­lich­te die bel­gi­sche Band „Das Pop“ den Song „Elec­tro­ni­ca for Lovers“. In des­sen Musik­vi­deo wird das G7000 als Arbeits­platz­rech­ner in einem Groß­raum­bü­ro gezeigt, der durch ein selbst­ge­schrie­be­nes Pro­gramm auf einem Video­pac­mo­dul die Gefüh­le einer Arbeits­kol­le­gin für den Pro­gram­mie­rer ent­fes­selt. Im Song­text fin­det sich aber kei­ner­lei Bezug zu dem G7000.

Das Pop – Elec­tro­ni­ca for Lovers
© 1999 Das​Pop​.com

Dank­sa­gun­gen

An die­ser Stel­le möch­te ich Ralph H. Baer dan­ken, der mir mit einem Aus­zug über die Odys­sey aus sei­ner bis­her unver­öf­fent­lich­ten Neu­auf­la­ge sei­nes Buches „Video­ga­mes: In The Begin­ning” sehr schnell und freund­lich gehol­fen hat. Eben­so gestat­te­te er mir die Ver­wen­dung sei­nes obi­gen Portraits.
Mein Dank geht fer­ner an Herrn Wil­de von der Phil­ips Deutsch­land GmbH, Unter­neh­mens­be­reich Con­su­mer Life­style. Phil­ips stell­te mir die obi­gen Wer­be­bil­der für die­sen Arti­kel zur Ver­fü­gung. Sie freu­en sich sehr, dass sich jemand der Video­pac-Sys­te­me annimmt.
Es gibt eini­ge noch heu­te akti­ve Video­spiel­her­stel­ler, die sich nicht für ihre Ver­gan­gen­heit inter­es­sie­ren und von denen ich kei­ne Unter­stüt­zung für Berich­te bekam. Inso­fern kann man das Enga­ge­ment von Phil­ips nicht hoch genug einschätzen.
Mei­ne vie­len Nach­fra­gen zu den unter­schied­li­chen G7000-Ver­sio­nen beant­wor­te­ten die Leu­te im nie­der­län­di­schen Video­pac­fo­rum sehr gedul­dig und freund­lich. Vie­len Dank dafür!

Feh­ler?

Wenn hier irgend­wel­che Feh­ler zu fin­den sind, dann sind die allei­ne auf mei­nem Mist gewach­sen und nicht die Schuld der o.a. Personen.

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