Bil­li­ger Trick: Kabel schnell fixieren

Lese­dau­er 4 Minu­ten

Eine Lei­tung auf einer Mau­er fixie­ren, in die man kei­ne Kabel­schel­le schla­gen kann ist kein Pro­blem. Hier die ein­fa­che und schnel­le Lösung. Nach­her ist man immer schlau­er – und nach­her fehlt dann ger­ne aus­ge­rech­net dort eine Dose, wo man sie brau­chen wür­de. Man behilft sich mit losen Kabeln hin­ter den Möbeln, aber das ist kei­ne Dau­er­lö­sung. Nach­träg­lich ein Kabel für Sat, Netz­werk oder Strom unter Putz zu legen ist bei einer Reno­vie­rung mit einem Bohr­ham­mer schnell gemacht. Aber wie befes­ti­ge ich das Kabel, wenn kei­ne Kabel­schel­le in den Hohl­kam­mer­stei­nen hal­ten will? Aber wie fixie­re ich das Kabel?

ACHTUNG:

Ich haf­te nicht für Schä­den, die Ihr beim Befol­gen die­ser Anlei­tung anrich­tet. Irr­tü­mer sind aus­drück­lich vorbehalten. 
Wenn Euch die Bude abfa­ckelt, Euch die Sat-Schüs­sel, der Switch oder die Netz­werk­kar­ten explo­die­ren, Ihr eine gefa­ckelt bekommt, Euch beim Ein­at­men der Kle­be­dämp­fe ver­gif­tet, Euch ein Loch mit der Klebe­pis­to­le ein Loch in den Pul­li brennt, oder die Hand an den Kopf klebt: Ich bin nicht schuld! Ich sage nicht: „Macht es genau so!”, ich sage nur: „Ich habe es so gemacht”. Jeder muss sel­ber wis­sen, was er da tut. 

- Instal­la­ti­ons­zo­nen (auch bei LAN- oder Sat-Kabeln) nach DIN 18015–3 beachten!
- Sta­tik beach­ten! In der Regel dür­fen kei­ne Mau­ern unter 30cm Stär­ke waa­ge­recht geschlitzt wer­den! (das Mau­er­werk, der Putz aber schon)
- Elek­tro­in­stal­la­tio­nen dür­fen nur durch Fach­kräf­te ange­schlos­sen werden!

IMG 20160331 142852
(Hohl­meis­sel auf Bohrhammer)

IMG 20160331 143653
(Wand, aufgestemmt)

Dau­ernd ver­bie­gen sich die Nägel der güns­ti­gen Kabel­schel­len. Ärger­lich. Gutes Mate­ri­al müss­te man haben. Was haben die Elek­tri­ker damals im Haus genommen?

DSCF0057
(Fach­ge­rech­te Arbeit)

Aha! Die haben auf der Fuge in den Mör­tel gena­gelt. Jo! Beim Auf­mei­ßeln genau die Fuge zu tref­fen ist Glückssache.

Ich habe Zwei-Kom­po­nen­ten-Kle­ber und auch Powerkne­te. Es gibt auch Spe­zi­al­kle­ber für sol­che Aktio­nen, der aber auch zu lan­ge zum Abbin­den braucht.
Alles viel zu teu­er für so eine mehr oder weni­ger ein­ma­li­ge Arbeit.
Es geht ein­fa­cher und billiger:

Heiß­kle­ber!

Hier­bei bin ich kon­ser­va­tiv und neh­me nur die Sticks von Pat­tex. Die hal­ten wenigs­tens. Das Bil­lig-Zeug ist raus­ge­wor­fe­nes Geld. Das ist mei­ne Erfah­rung – ich wer­de nicht von Hen­kel für so eine Aus­sa­ge bezahlt, wür­de mich aber auch nicht weh­ren, wenn die mir des­halb einen Kle­ber-Prä­sent­korb schi­cken würden. 😀

Kabel fixieren
(Kabel mit Heiss­kle­ber fixiert)

Oh Gott! Heiß­kle­ber könn­te che­misch mit dem Kabel reagieren!

Ethy­len­vi­nyl­ace­tat (Heiß­le­ber­ma­te­ri­al) wird auch in der Elek­tro­in­dus­trie (Kabel- und Solar­pa­neliso­la­ti­on) ver­wen­det und kommt dort zwangs­wei­se auch mit Poly­vi­nyl­chlo­rid (PVC, Kabel­man­tel) in Kon­takt. Die Weich­ma­cher in PVC-Kabeln kön­nen aber umge­kehrt tat­säch­lich diver­se Hart­kunst­stof­fe auf­lö­sen. PVC sel­ber ist aber sehr resis­tent und wird z.B. und u.a. nur durch chlo­rier­te Koh­len­was­ser­stof­fe, Ester oder star­ke Oxi­da­ti­ons­mit­tel angegriffen.

Die Iso­lie­rung geht durch die Hit­ze kaputt!
Heiß­kle­ber ver­lässt die Düse mit bis zu 200 Grad Cel­si­us, stimmt. Der Schmelz­punkt von chlo­ri­nier­ten PVC (i.d.R. das Man­tel­ma­te­ri­al der übli­chen Ver­le­ge­ka­bel) liegt bei 395 Grad Cel­si­us. Natür­lich liegt die dau­er­haf­te Betriebs­tem­pe­ra­tur die­ser Kabel meist nur zwi­schen 60 und 90 Grad Cel­si­us. Der Kle­ber ist aber bereits nach weni­gen Sekun­den auf Zim­mer­tem­pe­ra­tur abge­kühlt. Die Zer­set­zung von PVC beginnt bei dau­er­haf­ten Tem­pe­ra­tu­ren über 180 Grad. Also ist hier alles im grü­nen Bereich.

Auf Heiß­kle­ber hält kein Putz!
Auf PVC, dem Man­tel­ma­te­ri­al des Kabels und der übli­chen Kabel­schel­len aber auch nicht. Wo ist also das Problem?

Heiß­kle­ber hält nicht auf Steinen!
Ich war auch erst skep­tisch, aber das hält abso­lut super. Ein­fach in den Abstän­den wie die Kabel­schel­len benut­zen. Das hält auf jeden Fall, bis das Kabel ein­ge­gipst ist.

War­um nicht mit Pla­cken aus Elek­tri­ker­gips fixieren?

Der braucht aber zu lan­ge zum Aus­här­ten. Oder willst Du das Kabel 20 Minu­ten lang an der Wand fest­hal­ten? Da ist man ja Stun­den beschäf­tigt. Und in der Zeit här­tet der Rest von dem Gips aus, sodass man jedes Mal wie­der ein biss­chen Gips anrüh­ren muss.

Das macht so kein Elektriker!

Doch, das habe ich ja daher, sonst käme ich ja nicht auf die Idee.

Wenn man nach der Fixie­rung mit Elek­tri­ker­gips den Schlitz schließt, dann beeilt Euch, denn das Zeug bin­det extrem schnell ab. Die ange­ge­be­nen 15 Minu­ten sind see­ehr opti­mis­tisch, wenn Ihr den Gips etwas fes­ter anmischt.

Hat aber den Vor­teil, dass man nach einer hal­ben Stun­de mit der nor­ma­len Spach­tel­mas­se die Ober­flä­che glatt zie­hen kann. Mit dem Elek­tri­ker­gips braucht man das nicht zu ver­su­chen, der ist für die schnel­le Aus­här­tung gedacht, nicht für glat­te Ober­flä­chen. Da wir in den meis­ten Räu­men aus „raum­kli­ma­tech­ni­schen” Grün­den den Putz „nur” mit Sili­kat­far­be gestri­chen haben, wür­de man jede Macke im Putz sehen. Mit der beschrie­be­nen Metho­de sieht man nach­her rein gar nichts.

Ach ja: Arbei­tet gefäl­ligst sau­ber und kommt nicht mit dem Spruch: „Ich schlei­fe das nach­her glatt.”. Das funk­tio­niert nicht. Punkt. Macht es gleich rich­tig, dann sieht man nach­her auch kei­ne Übergänge.

Und noch ein Tipp: Nicht die fer­ti­ge Spach­tel­mas­se im Töp­fen neh­men, die zieht sich beim Aus­här­ten zu sehr zusammen.

Hin­wei­se:

War­um habe ich kei­ne Schlitz­frä­se genom­men? Ich muss/​darf nur das Kabel im Putz ver­le­gen. Die Stei­ne dür­fen bei die­ser 12er-Wand nicht hori­zon­tal geschlitzt werden.
Eine Mau­er­nut­frä­se macht eine rie­si­ge Saue­rei und ich muss am Ende doch noch den Strei­fen Putz weg­mei­ßeln, der ste­hen­bleibt. Mit dem Hohl­mei­ßel ist die Sache aber schnell und sau­ber erle­digt. Die aus­ge­ris­se­ne und schräg zulau­fen­de Kan­te macht zudem das Ver­spach­teln deut­lich ein­fa­cher, als eine gera­de, schar­fe Kante.

Ich wie­der­ho­le mich:
- Instal­la­ti­ons­zo­nen nach DIN 18015-3 beim Kabel­ver­lauf beachten!
- Sta­tik beach­ten! In der Regel dür­fen kei­ne Mau­ern unter 30cm Stär­ke waa­ge­recht geschlitzt wer­den! (Stei­ne, nicht der Putz)
- Elek­tro­in­stal­la­tio­nen dür­fen nur durch Fach­kräf­te ange­schlos­sen werden.

Schreibe einen Kommentar

Ich bin mit der Datenschutzerklärung und der Speicherung meiner eingegebenen Daten einverstanden.