Kauf­kraft­rech­ner

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Immer wie­der liest man Sät­ze wie die­sen: „Der Golf I kos­te­te im Jahr 1980 nur 10.000 DM, dies sind heu­te umge­rech­net ca. 5.000 EUR.”. Da fällt jedem sofort auf, dass dies Unsinn ist. Hier kannst Du den kor­rek­ten Betrag herausfinden.

Bit­te einen Betrag ein­ge­ben

 

Gül­tig­keits­jah­re: 2020/​2021
Gilt bis: Ende 2021

Zu die­sem Zeit­punkt war der aktu­ells­te Stand der BMF-Daten­samm­lung zur Steuerpolitik:
Dezem­ber 2020, erschie­nen am 08. März 2017 (für die Jah­re 2020/​2021)
Die Daten ent­stam­men jeweils der Tabel­le: „Dop­pel­ver­die­ner­ehe­paar mit zwei Kin­dern (Auf­tei­lung des Brut­to­lohns 2/​3 zu 1/​3; Steu­er­klas­se III

kaufkraftrechner
kauf­kraft­rech­ner

Was ist das hier?

Frü­her war alles bil­li­ger? Stimmt das wirk­lich? Hier kannst Du es mit dem Online­rech­ner über­prü­fen. Die Berech­nung nutzt die Daten des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Finan­zen. Die Jungs soll­ten am bes­ten wis­sen, was der Otto Nor­mal­ver­brau­cher verdient.

War­um das alles:
Immer wie­der liest man Sät­ze wie die­sen: „Der Golf I kos­te­te im Jahr 1980 10.000 DM, dies sind heu­te umge­rech­net ca. 5.000 EUR.”. Da fällt jedem sofort auf, dass das Unsinn ist. Hier kannst Du den kor­rek­ten Betrag her­aus­fin­den. Es gab nie einen neu­en Golf zu so einem Kurs.

Die kor­rek­te Fra­ge wäre also: Ist ein Golf X heu­te teu­rer als damals ein Käfer, Golf I oder Golf II? Daten ein­ge­ben und staunen!

Das rich­ti­ge Ergeb­nis wäre: ca. 12.000 EUR – statt der oft kol­por­tier­ten 5.000 Euro. (Stand 2014)

 

Bei­spie­le

Ein Käfer kos­te­te im Jah­re 1967 min­des­tens 4.485 DM, das wären fünf­zig Jah­re spä­ter umge­rech­net 14.564 teu­er ver­dien­te Euro­nen. Im Ver­gleich kos­tet aber ein Golf min­des­tens sat­te 19.300 Euro und ein Polo ist ab 13.500 Euro zu haben.

Umge­kehrt geht es aber auch, wie man am Bei­spiel des Fiat 128 sieht, der sogar etwas bil­li­ger wur­de: 5.500 DM in 1969 (ent­spre­chen ca. 15.770 Euro in 2016) – die Fiat Tipo Limou­si­ne ist erfreu­li­cher Wei­se bereits ab 14.000 Euro im Pro­gramm. Gut, über den Fiat 128 sag­te man sei­ner­zeit, er brin­ge kei­nen Luxus mit, böte nur Grund­aus­stat­tung. Die hat ein Tipo natür­lich, dafür fehlt es ihm an aktu­el­len Assis­tenz­sys­te­men. Der Ver­gleich zwi­schen 128 und Tipo ist also durch­aus statthaft.

Den Golf als Nach­fol­ger des Käfers zu sehen ist sehr nost­al­gisch. Ein Käfer bot 1967 weder Luxus, noch Platz und modern war er damals schon sehr lan­ge nicht mehr. Der Golf ein hal­bes Jahr­hun­dert spä­ter ist modern, hat eine zeit­ge­mä­ße Aus­stat­tung und bringt auch mehr Assis­tenz­sys­te­me (wenn auch teils Auf­preis­pflich­tig) mit, als der Tipo – was die Preis­dif­fe­renz zwi­schen Käfer und Golf erklärt.

War­um nimmst Du Autos für die­sen Vergleich?
Naja, soll ich Brot neh­men? 1.000 g Brot kos­te­ten 1967 nach Quel­len­la­ge 1,21 D‑Mark. Das wären 2017 in etwa 3,90 Euro. Ich bekom­me beim Dis­coun­ter ein Krus­ten­brot für 1,15 Euro. Brot ist also bil­li­ger gewor­den! Um sat­te 70%! Wow! Aber wel­che Brot­sor­te wird in den Ver­brau­cher­preis­ta­bel­len angegeben?

Heu­te haben wir unglaub­lich vie­le Brot­sor­ten und auch jede Men­ge Anbie­ter. Ich kann auch locker beim Bäcker 5 Euro für ein Brot aus­ge­ben. Aber selbst der bie­tet meist nur noch irgend­wel­che auf­ge­ba­cke­nen Roh­lin­ge, die er aus Fabri­ken bezieht. Nicht alles was hinkt ist also ein Vergleich.

Vie­le Pro­duk­te sind durch die fort­schrei­ten­de Indus­tria­li­sie­rung schlicht güns­ti­ger gewor­den. Eini­ge Roh­stof­fe haben hin­ge­gen einen enor­men Preis­an­stieg erlebt, wie zum Bei­spiel Gold. Arbeits­kraft war in den 1960er bil­lig, heu­te teuer.

Und noch etwas: Nicht nur die Mehr­wert­steu­er hat sich in den letz­ten 50 Jah­ren fast ver­dop­pelt. In der EU fie­len die Zöl­le weg, Zöl­le aus ande­ren Län­dern erhöh­ten sich teils. So ganz ein­fach sind die Ver­glei­che also nie.

Klar, das klingt alles lang­wei­lig und passt nicht zum Sche­ma: „Frü­her war alles bes­ser und bil­li­ger!”. Aber Ihr seht, dass frü­her eben nicht alles bil­li­ger war. Ganz im Gegenteil.

 

Wie­so rech­nest Du nicht mit Brot- oder Immobilienpreisen?

War­um soll­te ich das? Die Bedürf­nis­se der Men­schen ver­schei­ben sich immer und immer wie­der. In der frei­en Markt­wirt­schaft herr­schen Ange­bot und Nach­fra­ge. Die Men­schen sind (in einer idea­li­sier­ten Welt) eben nicht bereit mehr als einen gewis­sen Pro­zent­satz ihres Ein­kom­mens für ein gewis­ses Pro­dukt (oder eine Dienst­leis­tung) zu bezahlen.

Aus­ser­dem: Soll ich den Preis für ein Brot anset­zen, wel­ches Anno­dun­nemal aus lokal ange­bau­ten, per Hand geern­te­ten Roh­stof­fen von Bäcker auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te in Hand­ar­beit geba­cken wur­de? Heu­te ist die Brot­fer­ti­gung bei den meis­ten Bäckern aus­ge­la­gert wor­den. Die backen nur noch indus­tri­ell gefer­tig­te Roh­lin­ge auf, die dort pro­du­ziert wer­den, wo es momen­tan am güns­tigs­ten ist.

Und ja: Mir ist klar, dass man von den 100% Gehalt, die man zur Ver­fü­gung hat, heu­te aus mehr Pro­dukt­grup­pen wäh­len kann. Frü­her gab es keine/​weniger Weis­se Ware, ein­fa­che­re Unter­hal­tungs­elek­tro­nik und kei­ne Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie. Auf der ande­ren Sei­te ändert sich aber auch bestän­dig die Wer­tung, was „not­wen­dig” für ein Leben in unse­rer Gesell­schaft ist – und was nicht. Frü­her war ein Radio ein pfänd­ba­res Luxus­gut, dann wur­de es ein unpfänd­ba­rer Appa­rat für die Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung. Heu­te ist ein Radio qua­si obso­let und wur­de durch das Smart­pho­ne ersetzt.

 

Wie funk­tio­niert das?

Er setzt das Ver­hält­nis des ehe­ma­li­gen ver­füg­ba­ren Ein­kom­mens und des ehe­ma­li­gen Pro­dukt­prei­ses auf das aktu­el­le ver­füg­ba­re Ein­kom­men und errech­net dar­aus den Preis, den das Pro­dukt heu­te kos­ten würde.

Die­ser Rech­ner benutzt als Grund­la­ge die Daten­ba­sis des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Finan­zen für einen ver­hei­ra­te­ten (oder in einer Lebens­ge­mein­schaft leben­den), allein­ver­die­nen­den Arbeit­neh­mer mit zwei Kin­dern. Ab 2005 wer­den die Daten eines Dop­pel­ver­die­n­er­haus­hal­tes mit zwei Kin­dern (2÷3 zu 1/​3, Steu­er­klas­se III/​V) zu Grun­de gelegt. Die­se sind für frü­he­re Zeit­räu­me nicht verfügbar.

Prin­zi­pi­ell gilt: das ver­füg­ba­res Jah­res­ge­halt abzüg­lich Steu­ern, zuzüg­lich Zula­gen wie Kin­der­geld, ist der Geld­be­trag der dem Haus­halt zur Ver­fü­gung steht. Die­ser bil­det hier die Berechnungsgrundlage.

 

Gibt es Dia­gram­me dazu?

Schön dass Du fragst, denn ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte.
Hier gibt es die Dia­gram­me zur Ein­kom­mens­ent­wick­lung, zur Ein­kom­mens­ver­än­de­rung und zur Kaufkraftäquivalenz.

Die Daten des DeSta­tis bezo­gen sich auf 100% Gehalt, die im Jahr 1995 fest­ge­legt wur­den. Ich habe die Daten des BMF für die­ses Jahr ver­wen­det, da ich schau­en woll­te, ob die Kur­ve nach­voll­zieh­bar ist.

Die Daten des INSM *sic* rech­nen uns alle ärmer. Auch wenn dort die Trans­fer­leis­tun­gen nicht berück­sich­tigt sind und es sich um einen Allein­ver­die­ner han­delt, so sind deren Gehalts­an­ga­ben weit unter­halb der der offi­zi­el­len Quellen.
Ich sage es mal so: Ist halt für Arbeit­neh­mer bei Gehalts­ver­hand­lun­gen doof, wenn der Chef einem mit dem INSM-Fly­er zeigt, dass man doch bereits ein weit über­durch­schnitt­li­ches Salär erhal­ten würde.

Einkommensentwicklung Quellen
Unter­schie­de in den Quel­len, bei der INSM feh­len die Trans­fer­leis­tun­gen, die aber die enor­me Dif­fe­renz nicht erklären.
Kaufkraftaequivalenz
Kauf­kraft­äqui­va­lenz

 

Gibt es Quellenangaben?

Ja, natür­lich. Pri­mä­re Quel­le sind und blei­ben die Daten des Finaz­mi­nis­te­ri­ums. Das BMF soll­te am genau­es­ten wis­sen, wie hoch die Jah­res­ge­häl­ter der Bevöl­ke­rung sind.

Zeit­räu­me und Differenzen

Das BMF lie­fert also die aktu­el­len (1960 bis heu­te) Daten. Für die Zeit davor gibt es aber kei­ne Erhe­bun­gen durch das Minis­te­ri­um. Jetzt kommt das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt (DeSta­tis) ins Spiel, die haben die Daten von 1948 bis heu­te… aber… huch! Die­se Daten unter­schei­den sich ja von denen des BMF!
Dem­nach wären wir alle viel „rei­cher” als das BMF behauptet!
Oha!
Also dann eben die Daten der Ren­ten­kas­sen? Die haben die Daten von 1891 bis heute!
Oh weia!
Dem­nach wären wir alle viel „ärmer” als uns das BMF erzählt!

Wie gesagt: Für mich ist das BMF die ver­trau­ens­wür­digs­te Quel­le. Wenn man sich die Daten ansieht, dann bemerkt man, dass die sich immer weni­ger unter­schei­den, je wei­ter man in der Ver­gan­gen­heit zurück­geht. Bis in die 1970er-Jah­re lag die Dif­fe­renz zwi­schen den Anga­ben des BMF und der Ren­ten­ver­si­che­rung zwi­schen 0 und 5 Pro­zent. Ab 1995 bei 10% lau­fend stei­gerd bis sie 2015 bei 26% ankam. Dabei waren die Anga­ben der Ren­ten­ver­si­che­rung immer gerin­ger als die des BMF.

Sche­ren
Ab den 1980er-Jah­ren (mit dem Ende des Wirt­schafts­wun­ders, des­sen Abschwung mit der Ölkri­se in den 1970ern ein­her­ging) ging die Sche­re zwi­schen Arm und Reich immer wei­ter aus­ein­an­der. Die ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Arbeit­neh­mer ver­dien­ten weni­ger – oder die Ren­ten­ver­si­che­run­gen nah­men weni­ger Bei­trä­ge ein. Ab der Wie­der­ver­ei­ni­gung stei­ger­te sich die­ser Effekt noch.

Da liegt auch das Pro­blem der Daten des Finanz­am­tes: Die wei­ter aus­ein­an­der gehen­de Sche­re zwi­schen Arm und Reich ver­fälscht die­se Daten. Aber laut DeSta­tis sol­len ja die Jah­res­durch­schnitts­ge­häl­ter noch viel höher lie­gen, als nach dem BMF. Dazu kommt noch, dass ich eben hier den klas­si­schen Vier-Per­so­nen-Haus­halt zugrun­de lege. War­um eigent­lich? Nun, der Rech­ner befasst sich mit der Ver­gan­gen­heit – und frü­her war ein Vier-Per­so­nen-Haus­halt eben üblich. DeSta­tis ver­öf­fent­licht aber seit 1999 sol­che Daten nicht mehr – nur noch einen all­ge­mei­nen Verbraucherindex.

Fazit
Wie dem auch sei: Die Daten des DeSta­tis bekom­me ich auch (und gera­de) über die Jah­re nicht mit den Daten des BMF und denen der Ren­ten­ver­si­che­rung unter einem Hut. Da stimmt nicht ein­mal im Ansatz die Steigerungsrate.
Folg­lich grün­det die­ser Rech­ner (sie­he auch wei­ter unten „Teue­rungs­ra­te”) von 1891 bis 1960 auf den Daten der Ren­ten­ver­si­che­rung und ab 1960 auf den Daten des BMF.

 

Aber die Wiki­pe­dia hat eine Infla­ti­ons­vor­la­ge, die teil­wei­se ganz ande­re Zah­len ausgibt!

Die machen es sich ganz ein­fach und neh­men den Ver­brau­cher­preis­in­dex. War­um das ein Denk­feh­ler ist, habe ich ja schon wei­ter oben erklärt.
Nur mal so als Tipp:
Wenn der Käfer im Jahr 1938 für 990 RM (künst­li­cher Preis, der etwa einem Jah­res­ge­halt ent­spre­chen soll­te) ange­bo­ten wur­de, rech­net die Wiki­pe­dia dies in „ca. 4.300 Euro” um.
Ein Arbei­ter ver­dien­te 995 RM im Jahr.
Also ent­spre­chen heu­te 4.300 Euro einem aktu­el­len Jahresgehalt?
Es gab damals Spar­mar­ken und Sam­mel­he­fet für den Kauf eines Käfers. Wäre der so bil­lig gewe­sen, wären die nicht nötig gewesen.
Die haben damals doch kei­ne Autos ver­schenkt, Leute!
Selbst die 990 RM waren mas­siv sub­ven­tio­niert. Oder wären gewe­sen, wenn es denn den KdF-Wagen regu­lär zu kau­fen gege­ben hätte.
Noch Fra­gen Kienzle?
Ja, Hau­ser! Sind die echt so blöd?
BTW: Die Auto­bild gibt auch so lus­ti­ge Zah­len an. Bei denen wur­den frü­her auch alle Autos qua­si ver­schenkt. Naja, kennt man ja: Bild bildet.
Das ein­zi­ge, was die bil­den ist Populismus.

Wie­so gibt es eine Lücke in den 1920er Jahren?

1922 und 1923 war die Infla­ti­on so hoch, dass es dazu kei­ne Daten gibt. Älte­re erzähl­ten dazu immer wie­der ger­ne fol­gen­de Geschichten:
Die Mut­ter ging mit einem Wäsche­korb vol­ler Geld zum Bäcker. Als sie dort ankam, war das Geld wie­der so wenig wert gewor­den, dass es nicht für ein Brot reich­te.
Der Opa ver­kauf­te 1921 sein Haus und freu­te sich sehr über den schö­nen Gewinn. Ein Jahr spä­ter konn­te er für das Geld nur noch ein Laib Brot kau­fen.

 

Wie­so gibt es in den Dia­gram­men sonst kei­ne Brü­che, wie bei der Euroeinführung?

Beim Euro war der Wech­sel­kurs 1:1,95583. Es gab zwar wäh­rend der Wäh­rungs­re­form 1948 einen Umrech­nungs­kurs für Bar­ver­mö­gen, der bei ca. 1:0,065 (100:6,5) lag, aber alle lau­fen­den Pos­ten wie Gehäl­ter, Steu­ern und Mie­ten wur­den mit einem Ver­hält­nis von 1:1 fest­ge­legt – folg­lich gibt es da kei­ne „Kan­te” in den Dia­gram­men. Wir ent­sin­nen uns: Damals blüh­te der Schwarz­markt und es waren Unmen­gen an Bar­geld im Umlauf. Bei­spiel: Eine Kon­ser­ven­do­se us-ame­ri­ka­ni­sches Cor­ned Beef konn­te 1947 über 1.000 RM kos­ten. So wur­de der Preis dafür auf 65 DM gede­ckelt. Immer noch ver­dammt viel Geld, aber es galt eben „Ange­bot und Nachfrage”.

 

Wie lau­tet die Formel?

Mei­ne For­mel für die Jah­re vor 2002:
Heu­ti­ger Preis = (aktu­el­les Jahresgehalt/(damaliges Jahresgehalt/Preis))/Eurowechselkurs 2002
(Wech­sel­kurs war: 1:1,95583)

…und die für nach 2002:
Heu­ti­ger Preis = aktu­el­les Jahresgehalt/(damaliges Jahresgehalt/​Preis)

Letzt­lich ist aber das Script mit 380 Zei­len weit­aus umfang­rei­cher, als man denkt. Aber im Gro­ben ist dies die For­mel ohne den Kor­rek­tur­fak­tor (s.u.) für die Ein­zel- und Doppelverdienerhaushalte.

 

Wie­so gibt es hier kei­ne Teuerungsrate?

Die eigent­li­che Grund­idee ist, dass die durch­schnitt­li­che Bevöl­ke­rung nicht „rei­cher” wird. Eini­ge Publi­ka­tio­nen gehen (zurecht!) sogar davon aus, dass sich jün­ge­re Genera­tio­nen weni­ger leis­ten kön­nen als die Eltern­ge­nera­ti­on. Ich gehe also davon aus, dass die Infla­ti­on fort­lau­fend durch Gehalts­er­hö­hun­gen mehr oder weni­ger aus­ge­ge­li­chen wird.

Wie­so steigt mein eige­nes Ein­kom­men nicht so wie im Dia­gramm dargelegt?
Das liegt an der sich öff­nen­den Sche­re zwi­schen Arm und Reich. Steigt Dein Gehalt nicht, gehörst Du ver­mut­lich eher zur (wei­ter schwin­den­den) Mit­tel­schicht. Die Hans-Böck­ler-Stif­tung stell­te 2016 fest, dass 10% der Bevöl­ke­rung über 50% des Net­to­ver­mö­gens besa­ßen (Ver­mö­gen ist nicht gleich Ein­kom­men, aber es gibt natür­lich auch Kapi­tal­erträ­ge – und Steu­ern sowie ggf. Abga­ben dar­auf). Die unters­ten Schich­ten besit­zen nur 1% des Net­to­ver­mö­gens. Men­schen aus der Mit­tel­schicht stei­gen aber immer sel­te­ner auf, sie rut­schen heu­te schnel­ler in die Armut als frü­her. Das Jah­res­durch­schnitts­ge­halt wird also wei­ter stei­gen – nur eben ohne Dich.

 

Wofür ist der Kor­rek­tur­fak­tor gut?

Das Ver­hält­niss des Ein­zel­ver­die­n­er­haus­hal­tes zu einem Dop­pel­ver­dienser­haus­halt lag 2005, der erst­ma­li­gen Ver­öf­fent­li­chung die­ser Daten, bei 1:1,598. Die­ses Ver­hält­nis stieg bis 20014 – im Schnitt um 0,01 Punk­te – auf letzt­lich 1:1,628 (Stand 2016).

Lei­der benö­ti­ge ich für die Daten­ba­sis von vor 2005 die­sen Kor­rek­tur­fak­tor. Die­ser wird auch künf­tig jedes Jahr um 0,1 Punk­te stei­gen, da alle älte­ren Daten vor 2005 mit 1:1,5945 (-0,1/Jahr) umge­rech­net wer­den. Dies ändert nichts an den Daten an sich, die blei­ben natür­lich völ­lig unver­än­dert, son­dern hilft, nur sie auch wei­ter­hin ver­gleich­bar zu machen. Es zählt nur das Ver­hält­nis der Ein­kom­men zueinander.

Die Gegen­prü­fung fand mit den Daten für den Ein­ver­die­n­er­haus­halt der letz­ten 55 Jah­re statt. Die Abwei­chung von den ech­ten Daten zu den durch den Kor­rek­tur­fak­tor errech­ne­ten liegt in den End­ergeb­nis­sen der jewei­li­gen Jah­re bei 100,- EUR/​DM Aus­gangs­wert bei maxi­mal +/- 1,- EUR/​DM. Der Kor­rek­tur­fak­tor hat also ca. 1% nicht-pro­gres­si­ve Unge­nau­ig­keit. Damit kann ich leben.

Die Grün­de für die sich öff­nen­de Sche­re zwi­schen den Ein­zel- und Dop­pel­ver­die­n­er­haus­hal­ten lie­gen pri­mär dar­in, dass der klas­si­sche Ein­zel­ver­die­n­er­haus­halt der Wirt­schafts­wun­der­jah­re nicht mehr die Lebens­wirk­lich­keit in der Bun­des­re­pu­blik wie­der­spie­gelt. Die­se Daten wei­ter­hin zu ver­wen­den, wür­de den Rech­ner am Ende unbrauch­bar machen.

 

Ist das Ergeb­nis genau?

Die­ser Rech­ner ist so genau, wie es die Daten des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Finan­zen sind. Ich habe ihn nach bes­ten Wis­sen und Gewis­sen erstellt und mir sehr vie­le Gedan­ken gemacht, wel­che Daten­ba­sis ver­trau­ens­wür­dig ist. Man darf aber nicht ver­ges­sen, dass sich vie­le Pro­duk­te (nicht nur Pro­dukt­ka­te­go­rien!) im Lau­fe der Zeit unter­schied­lich ent­wi­ckelt haben.

Letzt­lich spie­len auch vie­le volks­wirt­schaft­li­che Fak­to­ren eine Rol­le, so dass das Ergeb­nis natür­lich nur eine gro­be Nähe­rung dar­stel­len kann. Die eigent­li­che Grund­idee ist, dass die durch­schnitt­li­che Bevöl­ke­rung nicht „rei­cher” wird. Eini­ge Publi­ka­tio­nen gehen sogar davon aus, dass sich jün­ge­re Genera­tio­nen weni­ger leis­ten kön­nen als die Elterngeneration.

Ja, die durch­scnitt­li­che Bevöl­ke­rung und deren Ein­kom­men… was ist das genau? Es liegt natür­lich auf der Hand, dass die Ein­kom­mens­ver­tei­lung kei­ner gauß­schen Nor­mal­ver­tei­lung ent­spricht. Tat­säch­lich geht die Sche­re zwi­schen Arm und Reich immer wei­ter auf, was auch schon die OECD fest­ge­stellt hat. Der Gini­ko­ef­fi­zi­ent ver­schlech­ter­te sich in Deutsch­land weit mehr als in jedem ande­ren Land der OECD.

Eigent­lich müss­te ich den Gini­ko­ef­fi­zi­en­ten, bzw. die Lorenz-Kur­ve auch noch in mei­ne Berech­nun­gen ein­flie­ßen las­sen. Die durch­schnitt­li­che Kauf­kraft nach mei­nem Rech­ner wür­de dann aber extrem abneh­men – und mit ihr ver­mut­lich auch die Akzep­tanz des Rech­ners, oder?

Je wei­ter man in die Ver­gan­gen­heit geht, um Ein­kom­mens- und Aus­ga­ben­da­ten mit denen von heu­te zu ver­glei­chen, des­to unge­nau­er wird die gan­ze Sache selbst­ver­ständ­lich ebenfalls.

Die Bun­des­bank hat die Pro­ble­ma­tik des Kauf­kraft­ver­glei­ches his­to­ri­scher Wäh­run­gen genau­er aus­ge­führt.

Ist das aktuell?

Nicht ganz. Das BMF ver­öf­fent­licht die Daten meist Ende März, bzw. Anfang April des Fol­ge­jah­res. Ich muss die­se dann noch ein­pfle­gen. Manch­mal erschei­nen aber auch Dop­pel­aus­ga­ben, deren Daten sich noch leicht ändern können.

 

War­um habe ich manch­mal das lau­fen­de Jahr und nicht das Vor­jahr im Rechner?

Das BMF kann hell­se­hen. Nein, ich neh­me an, dass die die lau­fen­den Ein­künf­te hoch­rech­nen. Ist nicht schlimm, denn die­se Zah­len flie­gen mit der nächs­ten Dten­samm­lung aus dem Rechner.

 

Was ist mit der DDR-Mark?

Ich arbei­te dar­an. Eine belast­ba­re Daten­ba­sis dafür zu fin­den ist nicht tri­vi­al. Die Mark der DDR war eine Binnenwährung.
Der offi­zi­el­le Kurs in der DDR war 1:1.
Inof­fi­zi­ell konn­te man die Mark im Westen
1950 1:6,
1970 1:1,8,
1975 1:2,2
1980 1:2,5
1987 1:4
1988 1:4,4
1989 1:3
1990 1:1, 1:3 und letzt­lich 1:2
tauschen.

Auf der Stra­ße lagen die Kur­se zwi­schen 1:5 und 1:20, je nachdem.
Das Pro­blem war ja auch die Ille­ga­li­tät der Aus­fuhr (und damit natür­lich auch der Ein­fuhr!) der Mark aus der DDR.

Ich kann kei­ne Prei­se von Pro­duk­ten des täg­li­chen Lebens als Anhalt oder auch nur für eine Veri­fi­zie­rung der spär­lich vor­han­de­nen Daten ver­wen­den, denn die meis­ten Pro­duk­te hat­ten eine staat­li­che Preis­bin­dung (Ein­zel­han­dels­ver­kaufs­preis, aka EVP).

Im Netz kann ich nur Bruch­stü­cke von Daten fin­den. Eini­ge schei­nen völ­lig an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen zu sein. Ande­re wur­den offen­bar aus dem offi­zi­el­len Inlands­pro­dukt der DDR genom­men und ein­fach durch die Zahl der Erwerbs­tä­ti­gen geteilt. Dol­le Show.

Die Quel­len­la­ge ist ein Desas­ter, vie­les scheint nicht digi­ta­li­siert wor­den zu sein. Ich wer­de Anti­qua­ria­te für wei­te­re Recher­chen besu­chen müssen.

„Pffffft!” – das war tat­säch­lich(!) das Geräusch der Mit­ar­bei­ter bei der Bun­des­bank, dem Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt und des Bun­des­am­tes für Finan­zen, als ich von denen Daten für die Jah­re von 1960 bis 1989 aus der DDR haben woll­te. Aber wir blei­ben in Kontakt. 🙂

Ich will aber auch die Prei­se von vor 1891 umrechnen!

Das geht immer wei­ter in die Rich­tung, dass es absurd wird, je wei­ter man in der Zeit zurück­geht. Es spie­len der­ma­ßen vie­le Fak­to­ren eine Rol­le, die man ent­we­der gar nicht über­tra­gen kann, oder die frü­her gar nicht doku­men­tiert wurden.

Die Gesell­schaft ist im stän­di­gen Wan­del. Nimm doch bit­te mal das übli­che Fami­li­en­mo­dell des Wirt­schafts­wun­ders (1950er bis 1980er): Vater Haupt­ver­die­ner, Haus­frau, zwei Kin­der. Und heu­te? In der Regel sind bei­de Eltern­tei­le berufs­tä­tig (müs­sen es sein) und Kin­der gibt es immer weni­ger. Die Mit­tel­schicht schrumpft, die Ein­kom­mens-Sche­re immer wei­ter auf, aber auch die gro­ßen Erb­schaf­ten neh­men zu. Die Erb­schaf­ten zäh­len nicht als Ein­kom­men. Auf der ande­ren Sei­te haben wir die Genera­ti­on Y, die ers­te Genera­ti­on, der es schlech­ter als der Eltern­ge­nera­ti­on ging. Ande­re sagen, das wäre ein­fach nur eine Genera­ti­on, die ger­ne jam­mert (das glau­be ich aller­dings nicht). Hin­zu kom­men sol­che sub­stanz­lo­sen Schat­ten­wäh­run­gen wie Bit­Coin & Co, die nicht gold­ge­deckt sind und ihren Wert rein durch die Fan­ta­sie der Men­schen erhal­ten. Das wird in der Zukunft noch alles sehr span­nend werden. 

Zurück zum The­ma: Wie defi­niert man denn die „Mit­tel­schicht” z.B. im Mit­tel­al­ter (das weder fins­ter, noch irgend­wie homo­gen war)? Die meist loka­len Wäh­run­gen wur­den frü­her mehr durch Tausch­han­del umgan­gen, als heu­te. So ger­ne ich das sel­ber wüss­te, so unse­ri­ös wäre eine Kauf­kraft­um­rech­nung aus Zei­ten, von denen wir zu wenig Auf­zeich­nun­gen haben, und die ein­fach viel grö­ße­re regio­na­le Unter­schie­de hatten.

Noch ein Ein­wand: Was ist mit der Arbeits­zeit? Soweit mir bekannt ist, muss­ten die Men­schen im Mit­tel­al­ter unter dem Strich weni­ger für ihren Lebens­un­ter­halt arbei­ten, als wir heu­te. Ist Lebens­zeit eine Art Wäh­rung? Dann waren die Men­schen frü­her rei­cher als wir heute. 😉

Eine Kauf­kraft­um­rech­nung in die­sen Zei­ten kann man nur in einem enge­ren Zeit­raum ver­glei­chen und auch da eher mit mate­ri­el­len Tausch­gü­tern also mit Wäh­run­gen. Damals konn­te man wohl als Bei­spiel noch Dör­fer inklu­si­ve Men­schen „kau­fen”. Laut Armi­das war so ein Dorf in etwa soviel wert wie die Rüs­tung eines Edel­man­nes. Wie willst Du das heu­te berech­nen? In unse­rem Kul­tur­kreis ste­hen Men­schen gewöhn­lich nicht mehr zum Verkauf. 😀 

Wo wir gera­de bei schlech­ter Umrech­nung sind: Nach dem Zwei­ten Welt­krieg haben die Leu­te Schmuck gegen Kar­tof­feln getauscht und der Schwarz­markt in den Städ­ten flo­rier­te. Der Über­gangs­wäh­rung wur­de nicht ver­traut. Soll ich nun einen Kar­tof­fel-Euro-Rech­ner entwerfen?

Ich kann die Daten teil­wei­se nicht verifizieren

Tja, dafür kann ich nichts. Die Leu­te geben Ihre Steu­er­erklä­run­gen eben nicht immer zeit­nah ab. Ich ver­wen­de aber für einen aktu­el­len Rech­ner immer die neu­es­ten Daten­samm­lun­gen und ände­re die Daten nicht nach­träg­lich um die weni­gen Euro im Jahr.
Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen hat eini­ge Publi­ka­tio­nen der Daten­samm­lung zur Steu­er­po­li­tik nach­träg­lich ver­än­dert und neu hoch­ge­la­den. Du kannst aber in frei­en frei­en Quel­len wie dem Doc­Play­er (hier: 2017) suchen.
Die Daten, die den Kauf­kraft­rech­ner betref­fen, wur­den aber nur mar­gi­nal um ca. einen zwei­stel­li­gen Betrag im Jahr geändert.
Daten­samm­lung aus 2017 schreibt:
2016: 48,605 Euro

Daten­samm­lung aus 2019 schreibt:
2016: 48.509 Eur

Nun­ja, was sagt uns das? Haben gerin­ger Ver­die­nen­de Haus­halt Ihre Steu­er­erklärund um Jah­re ver­spä­tet abge­ge­ben? Das steht zu vermuten.

Ich will auch Auto­prei­se umrech­nen, fin­de aber kei­ne ori­gi­na­len Preislisten!

auto​-preis​lis​te​.de ist Dein Freund. Wenn es die­se Sei­te nicht geben wür­de, müss­te man sie erfin­den! Mei­ne Hoch­ach­tung vor die­ser wun­der­ba­ren und vor allem kos­ten­lo­sen Samm­lung, die Alex­an­der Seidt zusam­men­ge­tra­gen hat.

Wei­ter­füh­ren­de Links

Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Finan­zen: Daten­samm­lun­gen zur Steuerpolitik
Deut­sche Bun­des­bank: Kauf­kraft­ver­glei­che his­to­ri­scher Geldbeträge