Aus­zug!

Lese­dau­er 4 Minu­ten

Der Aus­zug ist end­lich durch! Ich muss geste­hen, dass wir es ohne einen glück­li­chen Zufall nicht geschafft hät­ten. Am letz­ten Tag des Miet­ver­tra­ges – die Tep­pi­che lagen noch in allen Zim­mern und irgend­wie hat­ten wir am Ende noch drei Auto­la­dun­gen Möbel und Klein­kram in der Woh­nung ver­streut und wir gif­te­ten uns schon echt an – setz­te ich mich ent­nervt auf die Trep­pen­stu­fen, nahm mein Han­dy und check­te mei­ne Mails. War­um auch immer, ich hat­te natür­lich bes­se­res zu tun! Aber da war eine Rück­fra­ge­mail von Sssan­gYong. Ging um die exak­ten Ersatz­tei­le, die am Rodi­us defekt waren. Zwei Gum­mi­la­ger und eine ein Wel­len­ein­gangs­la­ger mit Dich­tung. Die schick­ten eine Explo­si­ons­zeich­nung und ich sol­le die Tei­le auswählen.

Bah! Das wuss­te doch nur Ver­gölst. Die sind um die Ecke. Ich benö­tig­te etwas ande­res als die Woh­nung und taper­te dahin. Ich war etwas zu früh, die waren noch im Mit­tag (isso in unse­rem Ort – und mitt­woch­nach­mit­tags ist hier eh alles zu), öff­ne­ten aber eini­ge Minu­ten frü­her. Der Kol­lesch, der den Rodi­us mach­te, war nicht da. Aber der jun­ge Kol­le­ge woll­te die Kar­re schnell auf die Hebe­büh­ne packen. Ich also zurück­ge­lau­fen und mit dem Auto zurückgekommen.

Auf dem Weg zurück kommt ein Ker­le direkt vor mir aus der Spar­kas­se. Ich lese: „Ent­rüm­pe­lun­gen” auf sei­ner Jacke.
Lau­fe wei­ter hin­ter ihm her.
Hmmm, Ent­rüm­pe­lun­gen… das passt doch!
„Ent­schul­di­gung! Sie machen Ent­rüm­pe­lun­gen? Haben Sie heu­te zufäl­lig Zeit?”
Hat­te er!
Und er kann­te das Haus und unse­re Ver­mie­te­rin, weil er auch neben­her noch im eigent­li­chen Job als Land­schafts­gärt­ner unter­wegs ist!
Wow! Es gibt doch einen Gott!

Er heißt Abdul, wohnt im Flücht­lings­heim und arbei­tet für ein Ent­rüm­pe­lungs­un­ter­neh­men. Er kommt aus Syri­en und hat­te dort ein gro­ßes Haus mit 2.000 Gar­ten und eine Fir­ma, mit der er oft im Liba­non war. Durch den Krieg hat er alles verloren.
Bemer­kens­wert, dass er sei­ne gute Lau­ne und sei­ne posi­ti­ve Aus­strah­lung nicht ver­lo­ren hat, son­dern es auch noch schaff­te, uns mitzureißen.

Am Ers­ten um 12:00 Uhr war Schlüs­sel­über­ga­be. Abdul hat­te erst wie­der am spä­ten Nach­mit­tag einen Gar­ten­pfle­ge­ter­min und half so auch am zwei­ten Tag beim Putzen.

Das war dann am Ende die lee­re Wohnung:
Hier die Tour im VOLLBILD!

In der Tour gibt es zahl­rei­che Info­bo­xen zu der Woh­nung. Was war gut, was war schlecht. Nun… wir sind heil­froh dort raus zu sein und emp­feh­len auch nie­man­den die­se Woh­nung zu mieten.

Es ist eine hell­hö­ri­ge 1990er Yup­pie-Woh­nung mit maro­den Lei­tun­gen, undich­ten Wän­den und schlecht iso­lier­ten Fens­tern, einer Hei­zung, die immer wie­der Lie­be durch einen Hei­zungs­men­schen benö­tigt und drei­ßig Jah­ren alten Bädern.
Der Sanie­rungs­stau ist so hoch, dass sich selbst die Spar­kas­sen­ver­si­che­rung bei einem Was­ser­scha­den wei­ger­te, eine Repa­ra­tur zu bezah­len, bei der die Lei­tun­gen wie­der Unter­putz ver­legt werden.

Im Schlaf­zim­mer kann man auch nachts das Fens­ter nicht öff­nen, weil der Stra­ßen­lärm wirk­lich nervt. Am Wochen­en­de bla­sen die Hill­bil­lies um 4:30 Uhr mit ehr­lich geschätz­ten 100 km/​h durch den Ort. BÄÄÄÄM! Und man steht senk­recht im Bett.
Die Stra­ße hat eine ganz üble Cha­rak­te­ris­tik. In den unte­ren Stock­wer­ken fällt das nicht auf, aber bei uns ist es wirk­lich krass gewesen.

Jeden Tag, auch am Wochen­en­de, bim­melt die benach­bar­te Kir­che vier­mal am Tag Sturm. 07:00, 12:00, 18:00 und um 19:30 Uhr.
Die Akus­tik in der Woh­nung ist dann so, dass man sich im hin­te­ren Anbau nicht mehr unter­hal­ten kann, geschwei­ge denn einen kla­ren Gedan­ken beim Schrei­ben fas­sen kann.
Aber egal, das haben wir hin­ter uns.

Dann der Ober­klop­per! Die Ver­mie­te­rin woll­te, dass wir die Küche mit­neh­men, die eigent­lich ihr gehört. Mei­ne Frau™ hat­te die alte Press­span-Bau­markt­kü­che beim Ein­zug nach Abspra­che mit der Ver­mie­te­rin durch eine von Ikea ersetzt aber die alten Elek­tro­ge­rä­te behalten.
Die Elek­tro­ge­rä­te soll­ten wir auf unse­re Kos­ten ent­sor­gen. Die Küche haben wir klein gemacht, aber den Kühl­schrank in der Woh­nung gelas­sen und den Herd in den Kel­ler gestellt.

Sie hat sich nie um die Repa­ra­tu­ren geküm­mert, die von Art und Umfang in ihrem Zustän­dig­keits­be­reich lagen.
Egal, kann man alles in den Info­bo­xen in der VR-Tour lesen.

umzug küche entsorgen
Küche prak­tisch wort­wört­lich klein geschla­gen und entsorgt.
Hier fällt auf, dass in die­ser Woh­nung alles aus Kunst­stoff kaputt­ging. Ich weiß nicht, ob hier irgend­was aus­düns­tet, dass Weich­ma­cher angreift. Bei der nur fünf Jah­re alten Geschirr­spül­ma­schi­ne von Mie­le brach der Öff­nungs­griff ab. Im Kühl­schrank split­ter­ten die Boxen im Gefrier­be­reich, wenn man TK-Packun­gen nur hineinlegte!

umzug container entsorung
Soviel dazu, dass wir den Con­tai­ner nie­mals voll bekommen!

umzug container entrümplung
Na ja, ist gewis­ser­ma­ßen gestri­chen voll.

ssangyong rodius umzug stauraum platz
Unglaub­lich: Wir haben mit dem gan­zen Rest aus dem Kel­ler, also Rega­le, Fahr­rad, Blu­men­kü­bel – sowie natür­lich den Put­zu­ten­si­li­en und dem Werk­zeug auch an die­sem Tag den Rodi­us voll bekommen!

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Was für ein Gerümpel!

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Wo kam das alles noch her?

Egal, wir sind nun froh, dass wir es hin­ter uns haben, auch wenn im Haus sicher 90 % der Din­ge noch nicht an dem Platz ste­hen, an dem sie am Ende ste­hen sollen.

1 Gedanke zu „Aus­zug!“

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