Prä­sen­tie­ren leicht gemacht

Lese­dau­er 5 Minu­ten

Jeder kennt und erträgt sie not­ge­drun­gen. Gefühlt sind 80% der Prä­sen­ta­tio­nen schlicht eine Zumu­tung für das Publi­kum. Simp­le Grund­re­geln ver­hin­dern aber Frust bei den Zuhörern.

  1. Eine Folie ist kei­ne Tafel!
    Maxi­mal fünf bis sechs Stich­wor­te (auf kei­nen Fall gan­ze Sät­ze, nicht ein­mal Halb­sät­ze) nach­ein­an­der auf einer Folie erschei­nen las­sen! Die Folie ist eigent­lich nur Dein Spick­zet­tel, das Publi­kum soll weder Dei­nen Text abschrei­ben, noch die kom­men­den Punk­te lesen, wäh­rend Du noch sprichst. Glei­ches gilt für die Bil­der: weni­ge Bil­der und die­se nach­ein­an­der erschei­nen las­sen. Die Bil­der soll­ten nicht kom­ple­xe Inhal­te haben.
    Noch­mal: Eine Folie ist kei­ne Tafel!
  2. Bit­te mit Stil!
    Weni­ger ist mehr! Belei­di­ge die Zuhö­rer nicht mit zap­peln­den Figu­ren, ver­schie­de­nen Schrift­ar­ten (gar in ver­schie­de­nen Far­ben!), sich in die Folie hin­ein dre­hen­den Bil­dern oder ande­ren pein­li­chen Kin­der­kram. Wenn man den Effekt nicht bemerkt und er unter einer hal­ben Sekun­den dau­ert, dann ist er gut. Ent­fer­ne Bild­hin­ter­grün­de. Es sieht nicht schön aus, wenn sich ein wei­ßer Hin­ter­grund um das eigent­li­che Motiv des Bil­des befin­det. 
  3. Unbunt ist besser!
    Benut­ze gedeck­te Far­ben. Benut­ze als Hin­ter­grund kei­ne wei­ße oder schwar­ze Flä­che. Ein dezen­ter Farb­ver­lauf ist gut, solan­ge im Ver­lauf nicht die Schrift­far­be des Tex­tes auf­taucht und der Text dadurch teil­wei­se schwer (oder gar nicht) les­bar wird. Die­se soll­te sowie­so schwarz sein. Benut­ze am bes­ten eine seri­fen­lo­se Line­ar-Anti­qua-Schrift­art, wie Veda­na in einer Grö­ße, die man auch aus der letz­ten Rei­he noch bequem lesen kann.
  4. Mut zum Ausblenden!
    Erstel­le erst ein­mal Dei­ne Prä­sen­ta­ti­on, so wie Du sie Dir wünschst. Eine Folie soll­te dabei nur ein Unter­the­ma beinhal­ten. Schnell wirst Du bemer­ken, dass die Zeit für die gan­zen Foli­en gar nicht aus­reicht. Sei selbst­kri­tisch: Ist das Unter­the­ma wirk­lich wich­tig? Bau­en die fol­gen­den Foli­en zwangs­wei­se dar­auf auf? Nein? Dann blen­de die Folie aus und gehe die Prä­sen­ta­ti­on noch ein­mal durch. Fehlt die Folie wirk­lich? Nein? Super!
    Tipp: Du musst die Folie nicht wirk­lich löschen, aus­blen­den reicht ja vor­erst. Viel­leicht musst Du spä­ter den Vor­trag mit mehr Zeit noch­ein­mal irgend­wo halten?
  5. Ord­nung muss sein!
    Ele­men­te der Prä­sen­ta­ti­on (Bil­der, Gra­fi­ken und Über­schrif­ten) soll­ten nach Mög­lich­keit gleich groß und ordent­lich aus­ge­rich­tet sein. Wie­der­keh­ren­de Ele­men­te (The­ma, Ver­an­stal­tung, Name, etc.) müs­sen auf jeder Folie immer an der glei­chen Stel­le auf­tau­chen, sonst sieht es so aus, als ob die Schrift sprin­gen wür­de. Dein Publi­kum darf zu Recht erwar­ten, dass Du Dir Mühe beim Erstel­len der Prä­so gibst. Zol­le ihm Respekt. Erstel­le dazu eine Foli­en-Vor­la­ge, die Du dann mit Inhal­ten füllst. Bleibst Du bei die­ser Vor­la­ge, kannst Du ein­zel­ne Foli­en einer Prä­sen­ta­ti­on in ande­ren Prä­sen­ta­tio­nen wiederverwenden.
  6. Lass Dir Zeit!
    Kommt es Dir vor, als redest Du viel zu lang­sam, ist die Geschwin­dig­keit ver­mut­lich genau rich­tig. Sprich also lang­sam, laut und vor allem betont. Das gibt Dir auch mehr Zeit zum Den­ken und lässt Dich sou­ve­rä­ner erschei­nen, da Du dann die übli­chen selbst bestä­ti­gen­den Wor­te wie „genau” oder „ja”, bzw. die gan­zen „Äh„s mini­mie­ren kannst. Eine Folie soll­te für zwei bis drei Minu­ten sicht­bar sein. Dau­ert Dein Vor­trag also eine Stun­de, brauchst Du maxi­mal 30 Foli­en. Bei 15 Minu­ten eben nur fünf bis sie­ben Folien.
  7. Kör­per­spra­che!
    Nicht
    am Pult fest­hal­ten, das steht auch ohne Dich! Nicht dau­ernd auf die Lein­wand oder Dei­ne Note­book schau­en! Die inter­es­siert das nicht, Dein Publi­kum ist der Adres­sat. Kei­nen (zit­tern­den!) Laser­poin­ter benut­zen. Das Prä­sen­ta­ti­ons­pro­gramm hat bes­se­re Mög­lich­kei­ten zum Her­vor­he­ben ein­zel­ner Punk­te, als Bei­spiel ein dezen­ter Zoom. Das Publi­kum immer anschau­en, Blick­kon­takt hal­ten! Die schla­fen Dir sonst direkt ein, wenn sie das The­ma nicht son­der­lich inter­es­siert. Lass die Arme nicht run­ter hän­gen! Hän­de aus den Taschen! Stell Dir einen Süd­eu­ro­pä­er vor, die machen es rich­tig: Unter­strei­che Dei­ne Wor­te mit Ges­ten. Das wirkt siche­rer, auch wenn es Dir gera­de nicht so vor­kom­men sollte.
  8. Aus­se­hen!
    Dein Style soll­te zum Publi­kum pas­sen, nicht zum The­ma. Tra­ge ich etwas über Win­dows-Sicher­heit­lü­cken vor Ange­stell­ten vor, erschei­ne ich sicher nicht im „I’m root, on your kne­es”- oder „127.0.0.1 sweet 127.0.0.1”-T-Shirt. Die ver­ste­hen das sowie­so nicht. Aber auch auf einem C3 kom­men fet­ti­ge Haa­re und fle­cki­ge Shirts und Hosen nicht son­der­lich gut an.
  9. Böse Nach­fra­gen
    Es gibt immer jeman­dem unter den Zuhö­rern, der ein Arsch ist und am Ende des Vor­trags unan­ge­neh­me, unpas­sen­de, unhöf­li­che und grenz­über­schrei­ten­de Fra­gen stellt. Bleib gelas­sen und berei­te Dich auf sol­che Fra­gen vor. Stel­le Dir vor, Du hät­test kei­ne Ahnung vom The­ma, bist ein klei­nes Licht und willst mal rich­tig den Lar­ry raus­hän­gen las­sen und den Vor­tra­gen­den gril­len. Okay? Hast Du Dir Fra­gen aus­ge­dacht? Lass Dich auf kei­nen Fall davon pro­vo­zie­ren. Merkst Du, dass der Möch­te­gern-Gril­ler das The­ma nicht ver­stan­den hast, dann sagst Du ein­fach, dass Du Dich sel­ber wohl nicht klar genug aus­ge­drückt hät­test und erklärst es eben noch ein­mal. Ruhig aus­führ­lich, denn die Zeit für einen Vor­trag ist ja begrenzt. 🙂
    Die meis­ten Zuhö­rer sind aber nett und haben ech­te Fragen.
    Kommt gar kei­ne Rück­mel­dung aus dem Publi­kum, dann war wohl Dein Vor­trag erschöp­fend (im posi­ti­ven Sin­ne) – oder eben langweilig. 🙂
  10. Publi­kum beteiligen!
    Stel­le eine Fra­ge in den Vor­trags­raum. Vor­zugs­wei­se eine unter­halt­sa­me Fra­ge, ein niveau­vol­les Wort­spiel oder einen Scherz zum The­ma. Inter­agie­re mit dem Publi­kum. Läche­le und nicke beson­ders auf­merk­sa­men Zuhö­rern zu. Ein Vor­trag ist kein Kino, eher Thea­ter. Gib aber weder den Kas­per noch Angeber.
  11. Authen­ti­zi­tät!
    Sei authen­tisch. Meist geht es im Vor­trag um etwas, das Dich beschäf­tigt, das Dich antreibt. Sprich ruhig auch über Irr­we­ge und Rück­schlä­ge und über Zwei­fel. Wich­tig: erläu­te­re Dei­ne per­sön­li­chen Grün­de. Zei­ge Begeis­te­rung für das The­ma. Natür­lich nur, wenn es den Zeit­rah­men nicht spren­gen wür­de. In einer Abschlussprä­sen­ta­ti­on auf einer Schu­le kann man das auf zwei, drei Sät­ze beschrän­ken. Das weckt Empa­thie im Publi­kum und kann in der anschlie­ßen­den Fra­ge­run­de das gefürch­te­te „gril­len” ver­hin­dern. Das Publi­kum soll ver­ste­hen, dass Du ein Mensch bist.
  12. Vor­be­rei­tung!
    Du soll­test das The­ma beherr­schen. Übe die Prä­sen­ta­ti­on vor­her mehr­fach mit einer Stopp­uhr! Bleibst Du in der Zeit? Klappt die freie Rede? Wie gesagt: Die Foli­en sind nur Dein Spick­zet­tel.

  13. Struk­tur!
    Über­le­ge Dir vor dem Erstel­len der Prä­so eine Struk­tur, einen logi­schen Ablauf/​Aufbau und ein Ziel.
    Stel­le Dich auf der ers­ten Folie mit Namen und der Qua­li­fi­ka­ti­on für das The­ma vor.
    For­mu­lie­re das The­ma als span­nen­de Fra­ge: War­um willst Du etwas grün­den, war­um ist die Bana­ne krumm oder war­um kann etwas eine Zukunft haben?
    Dar­aus machst Du Dir eine Glie­de­rung und schreibst drauf los. Die Glie­de­rung kann ruhig Dei­ne zwei­te Folie sein. Wenn das The­ma nicht als Fra­ge zu for­mu­lie­ren ist, dann schrei­be das (Lern-) Ziel als drit­te Folie zur Moti­va­ti­on. Mit die­sen Foli­en erklärst Du den Zuhö­rern, was in den nächs­ten Minu­ten auf sie zukommt. Alle Betei­lig­ten füh­len sich dadurch besser.
  14. Ein­stieg schaffen!
    Das Tolls­te an den ers­ten Foli­en ist aber: Du hast damit den Ein­stieg in den Vor­trag geschafft!
    Das kannst Du fast alles noch von den Foli­en able­sen, bist aber gezwun­gen die Stich­wor­te in Sät­ze packen und kommst so ganz auto­ma­tisch in „tie­fe­re Gewäs­ser” um gleich dar­auf „frei zu schwim­men”. – um hier mal eine Bild­spra­che zu benut­zen. 🙂 Nach­her darfst Du aber nie­mals die Foli­en vor­le­sen, das kann das Publi­kum sel­ber. Aber Du hast ja eh nur Stich­punk­te auf den Foli­en, nicht wahr? Da kommst Du nicht in Versuchung.
  15. Bleib beim Thema!
    Schwei­fe nicht zu weit ab, das ver­wirrt die Zuhö­rer. Behal­te die Zeit im Auge. Dafür gibt es spe­zi­el­le Vor­trags- und Zeit­schei­ben-Timer. Die kannst Du auf dem Han­dy oder auf dem Note­book lau­fen las­sen, wel­che auf dem Pult ste­hen. Ab und zu ein ver­stoh­le­ner Blick und Du weißt, ob Du noch in der Zeit liegst.
  16. Benut­ze eine Fernbedienung!
    Es gibt spe­zi­el­le Pre­sen­ta­tor-Mäu­se, aber auch kos­ten­lo­se Tools, die zum Bei­spiel eine Wii-Remo­te zur Fern­steue­rung des Prä­sen­ta­ti­ons­pro­gramms zweck­ent­frem­den. Solan­ge die Wii-Remo­te nicht rosa ist, lenkt die auch die Zuhö­rer­schaft nicht ab.
  17. Fach­be­grif­fe , Handout und Fragen?
    Ver­su­che all­zu spe­zi­fi­sche Fach­be­grif­fe zu ver­mei­den oder erklä­re sie. Berei­te Dich auf Fra­gen vor. Was könn­te gefragt wer­den? Das unter­schei­det sich von Publi­kum zu Publi­kum. Pla­ne am Ende Dei­ner Prä­sen­ta­ti­on etwas Zeit für Fra­gen ein. Nett wäre noch ein Handout am Ende zu ver­tei­len, in dem stich­punkt­ar­tig die Prä­sen­ta­ti­on wie­der­holt wird. Kom­mu­ni­zierst Du dies am Anfang, mini­mierst Du gege­be­nen­falls ner­vi­ges Mit­schrei­ben des Publikums.
  18. Tech­nik ausprobieren!
    Funk­tio­niert Dein Note­book? Passt es an den Bea­mer? Ist die Prä­so auf dem Note­book-Plat­te? Hast Du ein Back­up auf einem USB-Stick? Steht am Ver­an­stal­tungs­ort auch ein Ersatz-Rech­ner mit Dei­nem Prä­sen­ta­ti­ons­pro­gramm zur Ver­fü­gung? Auch in der glei­chen Ver­si­on? Mach noch ein Back­up als JPG-Files. Jedes OS hat einen Bil­der­view­er, den man zur Not zur Prä­sen­ta­ti­on ver­wen­den kann.

Bei­spie­le:

Hier eini­ge Vide­os von Prä­sen­ta­tio­nen, die mir gut gefal­len haben.


David Krie­sel: Spie­gel­Mi­ning – Rever­se Engi­nee­ring von Spiegel-Online
Kanal: media​.ccc​.de


David Krie­sel: Traue kei­nem Scan, den du nicht selbst gefälscht hast
Kanal: media​.ccc​.de


Flo­ri­an Ding­ler: Vor­stel­lung des DRP
Kanal: homecondotnet

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