PrÀsentieren leicht gemacht

Jeder kennt und ertrĂ€gt sie notgedrungen. GefĂŒhlt sind 80% der PrĂ€sentationen schlicht eine Zumutung fĂŒr das Publikum. Simple Grundregeln verhindern aber Frust bei den Zuhörern.

  1. Eine Folie ist keine Tafel!
    Maximal fĂŒnf bis sechs Stichworte (auf keinen Fall ganze SĂ€tze, nicht einmal HalbsĂ€tze) nacheinander auf einer Folie erscheinen lassen! Die Folie ist eigentlich nur Dein Spickzettel, das Publikum soll weder Deinen Text abschreiben, noch die kommenden Punkte lesen, wĂ€hrend Du noch sprichst. Gleiches gilt fĂŒr die Bilder: wenige Bilder und diese nacheinander erscheinen lassen. Die Bilder sollten nicht komplexe Inhalte haben.
    Nochmal: Eine Folie ist keine Tafel!


  2. Bitte mit Stil!
    Weniger ist mehr! Beleidige die Zuhörer nicht mit zappelnden Figuren, verschiedenen Schriftarten (gar in verschiedenen Farben!), sich in die Folie hinein drehenden Bildern oder anderen peinlichen Kinderkram. Wenn man den Effekt nicht bemerkt und er unter einer halben Sekunden dauert, dann ist er gut. Entferne BildhintergrĂŒnde. Es sieht nicht schön aus, wenn sich ein weißer Hintergrund um das eigentliche Motiv des Bildes befindet. 


  3. Unbunt ist besser!
    Benutze gedeckte Farben. Benutze als Hintergrund keine weiße oder schwarze FlĂ€che. Ein dezenter Farbverlauf ist gut, solange im Verlauf nicht die Schriftfarbe des Textes auftaucht und der Text dadurch teilweise schwer (oder gar nicht) lesbar wird. Diese sollte sowieso schwarz sein. Benutze am besten eine serifenlose Linear-Antiqua-Schriftart, wie Vedana in einer GrĂ¶ĂŸe, die man auch aus der letzten Reihe noch bequem lesen kann.


  4. Mut zum Ausblenden!
    Erstelle erst einmal Deine PrĂ€sentation, so wie Du sie Dir wĂŒnschst. Eine Folie sollte dabei nur ein Unterthema beinhalten. Schnell wirst Du bemerken, dass die Zeit fĂŒr die ganzen Folien gar nicht ausreicht. Sei selbstkritisch: Ist das Unterthema wirklich wichtig? Bauen die folgenden Folien zwangsweise darauf auf? Nein? Dann blende die Folie aus und gehe die PrĂ€sentation noch einmal durch. Fehlt die Folie wirklich? Nein? Super!
    Tipp: Du musst die Folie nicht wirklich löschen, ausblenden reicht ja vorerst. Vielleicht musst Du spÀter den Vortrag mit mehr Zeit nocheinmal irgendwo halten?


  5. Ordnung muss sein!
    Elemente der PrĂ€sentation (Bilder, Grafiken und Überschriften) sollten nach Möglichkeit gleich groß und ordentlich ausgerichtet sein. Wiederkehrende Elemente (Thema, Veranstaltung, Name, etc.) mĂŒssen auf jeder Folie immer an der gleichen Stelle auftauchen, sonst sieht es so aus, als ob die Schrift springen wĂŒrde. Dein Publikum darf zu Recht erwarten, dass Du Dir MĂŒhe beim Erstellen der PrĂ€so gibst. Zolle ihm Respekt. Erstelle dazu eine Folien-Vorlage, die Du dann mit Inhalten fĂŒllst. Bleibst Du bei dieser Vorlage, kannst Du einzelne Folien einer PrĂ€sentation in anderen PrĂ€sentationen wiederverwenden.


  6. Lass Dir Zeit!
    Kommt es Dir vor, als redest Du viel zu langsam, ist die Geschwindigkeit vermutlich genau richtig. Sprich also langsam, laut und vor allem betont. Das gibt Dir auch mehr Zeit zum Denken und lĂ€sst Dich souverĂ€ner erscheinen, da Du dann die ĂŒblichen selbst bestĂ€tigenden Worte wie „genau“ oder „ja“, bzw. die ganzen „Äh“s minimieren kannst. Eine Folie sollte fĂŒr zwei bis drei Minuten sichtbar sein. Dauert Dein Vortrag also eine Stunde, brauchst Du maximal 30 Folien. Bei 15 Minuten eben nur fĂŒnf bis sieben Folien.


  7. Körpersprache!
    Nicht
    am Pult festhalten, das steht auch ohne Dich! Nicht dauernd auf die Leinwand oder Deine Notebook schauen! Die interessiert das nicht, Dein Publikum ist der Adressat. Keinen (zitternden!) Laserpointer benutzen. Das PrĂ€sentationsprogramm hat bessere Möglichkeiten zum Hervorheben einzelner Punkte, als Beispiel ein dezenter Zoom. Das Publikum immer anschauen, Blickkontakt halten! Die schlafen Dir sonst direkt ein, wenn sie das Thema nicht sonderlich interessiert. Lass die Arme nicht runter hĂ€ngen! HĂ€nde aus den Taschen! Stell Dir einen SĂŒdeuropĂ€er vor, die machen es richtig: Unterstreiche Deine Worte mit Gesten. Das wirkt sicherer, auch wenn es Dir gerade nicht so vorkommen sollte.


  8. Aussehen!
    Dein Style sollte zum Publikum passen, nicht zum Thema. Trage ich etwas ĂŒber Windows-SicherheitlĂŒcken vor Angestellten vor, erscheine ich sicher nicht im „I’m root, on your knees“- oder „127.0.0.1 sweet 127.0.0.1“-T-Shirt. Die verstehen das sowieso nicht. Aber auch auf einem C3 kommen fettige Haare und fleckige Shirts und Hosen nicht sonderlich gut an.


  9. Böse Nachfragen
    Es gibt immer jemandem unter den Zuhörern, der ein Arsch ist und am Ende des Vortrags unangenehme, unpassende, unhöfliche und grenzĂŒberschreitende Fragen stellt. Bleib gelassen und bereite Dich auf solche Fragen vor. Stelle Dir vor, Du hĂ€ttest keine Ahnung vom Thema, bist ein kleines Licht und willst mal richtig den Larry raushĂ€ngen lassen und den Vortragenden grillen. Okay? Hast Du Dir Fragen ausgedacht? Lass Dich auf keinen Fall davon provozieren. Merkst Du, dass der Möchtegern-Griller das Thema nicht verstanden hast, dann sagst Du einfach, dass Du Dich selber wohl nicht klar genug ausgedrĂŒckt hĂ€ttest und erklĂ€rst es eben noch einmal. Ruhig ausfĂŒhrlich, denn die Zeit fĂŒr einen Vortrag ist ja begrenzt. 🙂
    Die meisten Zuhörer sind aber nett und haben echte Fragen.
    Kommt gar keine RĂŒckmeldung aus dem Publikum, dann war wohl Dein Vortrag erschöpfend (im positiven Sinne) – oder eben langweilig. 🙂


  10. Publikum beteiligen!
    Stelle eine Frage in den Vortragsraum. Vorzugsweise eine unterhaltsame Frage, ein niveauvolles Wortspiel oder einen Scherz zum Thema. Interagiere mit dem Publikum. LÀchele und nicke besonders aufmerksamen Zuhörern zu. Ein Vortrag ist kein Kino, eher Theater. Gib aber weder den Kasper noch Angeber.


  11. AuthentizitÀt!
    Sei authentisch. Meist geht es im Vortrag um etwas, das Dich beschĂ€ftigt, das Dich antreibt. Sprich ruhig auch ĂŒber Irrwege und RĂŒckschlĂ€ge und ĂŒber Zweifel. Wichtig: erlĂ€utere Deine persönlichen GrĂŒnde. Zeige Begeisterung fĂŒr das Thema. NatĂŒrlich nur, wenn es den Zeitrahmen nicht sprengen wĂŒrde. In einer AbschlussprĂ€sentation auf einer Schule kann man das auf zwei, drei SĂ€tze beschrĂ€nken. Das weckt Empathie im Publikum und kann in der anschließenden Fragerunde das gefĂŒrchtete „grillen“ verhindern. Das Publikum soll verstehen, dass Du ein Mensch bist.


  12. Vorbereitung!
    Du solltest das Thema beherrschen. Übe die PrĂ€sentation vorher mehrfach mit einer Stoppuhr! Bleibst Du in der Zeit? Klappt die freie Rede? Wie gesagt: Die Folien sind nur Dein Spickzettel.


  13. Struktur!
    Überlege Dir vor dem Erstellen der PrĂ€so eine Struktur, einen logischen Ablauf/Aufbau und ein Ziel.
    Stelle Dich auf der ersten Folie mit Namen und der Qualifikation fĂŒr das Thema vor.
    Formuliere das Thema als spannende Frage: Warum willst Du etwas grĂŒnden, warum ist die Banane krumm oder warum kann etwas eine Zukunft haben?
    Daraus machst Du Dir eine Gliederung und schreibst drauf los. Die Gliederung kann ruhig Deine zweite Folie sein. Wenn das Thema nicht als Frage zu formulieren ist, dann schreibe das (Lern-) Ziel als dritte Folie zur Motivation. Mit diesen Folien erklĂ€rst Du den Zuhörern, was in den nĂ€chsten Minuten auf sie zukommt. Alle Beteiligten fĂŒhlen sich dadurch besser.


  14. Einstieg schaffen!
    Das Tollste an den ersten Folien ist aber: Du hast damit den Einstieg in den Vortrag geschafft!
    Das kannst Du fast alles noch von den Folien ablesen, bist aber gezwungen die Stichworte in SĂ€tze packen und kommst so ganz automatisch in „tiefere GewĂ€sser“ um gleich darauf „frei zu schwimmen“. – um hier mal eine Bildsprache zu benutzen. 🙂 Nachher darfst Du aber niemals die Folien vorlesen, das kann das Publikum selber. Aber Du hast ja eh nur Stichpunkte auf den Folien, nicht wahr? Da kommst Du nicht in Versuchung.


  15. Bleib beim Thema!
    Schweife nicht zu weit ab, das verwirrt die Zuhörer. Behalte die Zeit im Auge. DafĂŒr gibt es spezielle Vortrags- und Zeitscheiben-Timer. Die kannst Du auf dem Handy oder auf dem Notebook laufen lassen, welche auf dem Pult stehen. Ab und zu ein verstohlener Blick und Du weißt, ob Du noch in der Zeit liegst.


  16. Benutze eine Fernbedienung!
    Es gibt spezielle Presentator-MÀuse, aber auch kostenlose Tools, die zum Beispiel eine Wii-Remote zur Fernsteuerung des PrÀsentationsprogramms zweckentfremden. Solange die Wii-Remote nicht rosa ist, lenkt die auch die Zuhörerschaft nicht ab.


  17. Fachbegriffe , Handout und Fragen?
    Versuche allzu spezifische Fachbegriffe zu vermeiden oder erklĂ€re sie. Bereite Dich auf Fragen vor. Was könnte gefragt werden? Das unterscheidet sich von Publikum zu Publikum. Plane am Ende Deiner PrĂ€sentation etwas Zeit fĂŒr Fragen ein. Nett wĂ€re noch ein Handout am Ende zu verteilen, in dem stichpunktartig die PrĂ€sentation wiederholt wird. Kommunizierst Du dies am Anfang, minimierst Du gegebenenfalls nerviges Mitschreiben des Publikums.


  18. Technik ausprobieren!
    Funktioniert Dein Notebook? Passt es an den Beamer? Ist die PrĂ€so auf dem Notebook-Platte? Hast Du ein Backup auf einem USB-Stick? Steht am Veranstaltungsort auch ein Ersatz-Rechner mit Deinem PrĂ€sentationsprogramm zur VerfĂŒgung? Auch in der gleichen Version? Mach noch ein Backup als JPG-Files. Jedes OS hat einen Bilderviewer, den man zur Not zur PrĂ€sentation verwenden kann.


Beispiele:

Hier einige Videos von PrÀsentationen, die mir gut gefallen haben.


David Kriesel: SpiegelMining – Reverse Engineering von Spiegel-Online
Kanal: media.ccc.de


David Kriesel: Traue keinem Scan, den du nicht selbst gefÀlscht hast
Kanal: media.ccc.de


Florian Dingler: Vorstellung des DRP
Kanal: homecondotnet

Über den Autor

Hessi

Michael "Hessi" Heßburg ist ein erfahrener Technik-Enthusiast und ehemaliger Informatiker. Seine Website, die er seit ĂŒber 25 Jahren betreibt, deckt vielfĂ€ltige Themen ab, darunter Haus & Garten, Hausrenovierung, IT, 3D-Druck, Retrocomputing und Autoreparatur. Zudem behandelt er gesellschaftspolitische Themen wie Datenschutz und Überwachung. Hessi ist seit 20 Jahren freiberuflicher Autor und bietet in seinem Blog fundierte Einblicke und praktische Tipps. Seine BeitrĂ€ge sind sorgfĂ€ltig recherchiert und leicht verstĂ€ndlich, um Leser bei ihren Projekten zu unterstĂŒtzen.

Schreibe einen Kommentar

Ich bin mit der DatenschutzerklÀrung und der Speicherung meiner eingegebenen Daten einverstanden.