Von gel­ben Ton­nen und igno­ran­ten Monopolisten

Lese­dau­er 8 Minu­ten

Ich den­ke wir sind uns alle dar­über einig, dass die Fir­ma Dua­les Sys­tem Deutsch­land nur am Pro­fit und nicht an der Umwelt inter­es­siert ist, rich­tig? So ganz klar ist uns ein­fa­chen Bür­gern auch nicht, wie ein pri­va­tes Unter­neh­men mit einer fast lächer­li­chen Mit­ar­bei­ter­zahl zu einem Mono­po­lis­ten mit abso­lu­ter Markt­macht kom­men konn­te, und war­um wir den mit jedem Kauf von Pro­duk­ten in Plas­tik­ver­pa­ckung teu­er finan­zie­ren müs­sen. Von gel­ben Ton­nen und igno­ran­ten Monopolisten.

Es steht auch außer Fra­ge, dass die zen­tra­le Tren­nung von Wert­stof­fen sinn­vol­ler ist, als dies den Haus­hal­ten zu über­las­sen, die das eh nicht rich­tig machen und Glas und Pap­pe in den gel­ben Sack stop­fen, oder Rest­müll und Kat­zen­streu unter Bio­müll tarnen.

Der Sack suckt!

Aber las­sen wir ein­fach mal die­se Ein­zel­fäl­le außer Acht und neh­men für einen Augen­blick an, dass der Ruf der Deut­schen als Abfall­trenn­welt­meis­ter und Umwelt­scho­ner berech­tigt ist. War­um zum Teu­fel fah­ren wir dann mit unse­rem die­sel­be­trie­be­nen Auto von einer Aus­ga­be­stel­le für gel­be Säcke zur nächs­ten, um am Ende doch wie­der mit lee­ren Hän­den dazu­ste­hen? Ich weiß nicht, wie das bei Euch ist, aber bei uns in See­heim-Jugenheim sind gel­be Säcke Man­gel­wa­re und folg­lich stets ver­grif­fen. Wenn man mal das Glück hat, wel­che zu ergat­tern, dann darf man nur eine Rol­le mit­neh­men. Aus ande­ren Gemein­den, zum Bei­spiel Seli­gen­stadt, ken­ne ich es so, dass wie durch Zau­ber­hand (oder eher durch die Jugend­feu­er­wehr, IIRC) die gel­ben Säcke in aus­rei­chen­der Zahl alle paar Wochen vor die Haus­tür gelegt wurden.

Nichts für Grobmotoriker

Hat man dann so einen Sack befüllt und möch­ten ihn aus dem das Elend tar­nen­den Abfall­be­häl­ter zie­hen, so kann man davon aus­ge­hen, dass er bei der Akti­on zer­reißt, man die Foli­en und Joghurt­be­cher wie­der ein­sam­meln und in einen neu­en gel­ben Sack packen muss. Der wie­der­um lässt sich nur schlecht zu kno­ten, denn sol­che Säcke wer­den nicht von Pro­dukt­de­si­gnern, son­dern von Con­trol­lern mit spit­zen Excels­heet ent­wi­ckelt, denen die Hand­ha­bung völ­lig egal ist. Das ist ja das Pro­blem der Ehe­frau­en, sofern sol­che Leu­te über­haupt eine haben.

Olfak­to­ri­sche Belästigungen

Das nächs­te Pro­blem an die­sen Weich­ma­cher aus­düns­ten­den Ärger­nis­sen ist nach der Fül­lung die Lage­rung bis zur Abho­lung. In der Woh­nung fin­det sich meis­tens kein Platz dafür, aber auch bei Haus­be­sit­zern lan­den die Säcke meis­tens im Kel­ler. Aus den Augen, aus dem Sinn rächt sich, denn nach einer ver­pass­ten Abho­lung gilt: In der Nase, wie­der im Sinn. Aus Umwelt­schutz­grün­den soll­te man den Plas­tik­müll weder mit kost­ba­rem Was­ser aus­spü­len, noch im Geschirr­spü­ler rei­ni­gen – auch wenn das dem Bild der eben­so gelang­weil­ten, wie für­sorg­li­chen Haus­frau durch­aus ent­spre­chen würden.

Rea­le Welt vs. gel­ber Sack

Hat man also genug gel­be Säcke im Kel­ler gehor­tet, gibt dem Lei­dens­druck nach und stellt sie end­lich an die Stra­ße, kann man davon aus­ge­hen, dass die nächs­te Wind­böe den Hau­fen über die gan­ze Stra­ße ver­tei­len wird. Bei kräf­ti­ge­rem Wind zer­rei­ßen die Säcke ger­ne auch mal und der gan­ze Müll lan­det bei jeman­den in den Kel­ler­fens­ter­ab­fän­gen. Klingt kon­stru­iert? Nein, lei­der nicht, dass pas­sier­te uns dau­ernd. Beim Auf­sam­meln ver­fluch­te ich regel­mä­ßig jeden ein­zel­nen BWL-Stu­den­ten auf die­ser Welt. Was der Wind nicht erle­digt, erle­di­gen Nach­bars Kat­zen oder die Waschbären.

Pro und Contra

Was spricht bit­te für die­se dün­nen, schwer zu beschaf­fen­den Säcke? Tut mir leid, mir fällt nichts ein. Sie sind umwelt­schäd­lich in der Her­stel­lung sowie dem Ver­trieb, unprak­tisch in der Hand­ha­bung und ein Ärger­nis in der Lage­rung und der Bereit­stel­lung. Ein­zig der Her­stel­ler pro­fi­tiert davon. Aber eine gel­be Ton­ne bedeu­tet doch viel mehr Mate­ri­al­ver­brauch und auch der Trans­port ist umwelt­schäd­li­cher! Wie lan­ge wird so eine Ton­ne hal­ten? 20, 25 Jah­re? Wie­vie­le gel­be Säcke hat die bis dahin ein­ge­spart? Wie­vie­le Wege und Sprit­kos­ten gespart? Tja, gel­be Säcke sind oben­drein auch noch umweltschädlich.

Ander­orts

In mei­ner Hei­mat­stadt, Kas­sel, ver­such­te man in der Ver­gan­gen­heit das Dua­le Sys­tem aus­zu­boo­ten, was kra­chend schei­ter­te. Der Mono­po­list und Lob­by­ist ist ein­fach zu sehr mit der Poli­tik und den Ver­wal­tun­gen ver­floch­ten. Das Geschäft ist ein­fach zu lukra­tiv, vor allem, wenn man nur Geld ein­neh­men und wie­der ver­tei­len muss. Davon bleibt für wenig Auf­wand viel hän­gen. Wer wür­de so einen Job frei­wil­lig auf­ge­ben? Nun, wenigs­tens hat­ten die Bür­ger in Kas­sel bis­her die Mög­lich­keit eige­ne gel­be Ton­nen zu beschaf­fen und zu nut­zen. Die­se wur­den auch abge­holt, kei­ne Fra­ge. Mitt­ler­wei­le wer­den die gel­ben Ton­nen mei­nes Wis­sens nach auch gestellt.

Und hier?

An wen wen­de ich mich, wenn ich eine eige­ne gel­be Ton­ne haben will? An die Gemein­de? Nein, die sei nicht zustän­dig, gel­be Säcke holt die Fir­ma Knet­ten­brech. Ich sol­le die fra­gen. Ich rief also im Janu­ar die Fir­ma an und bekam die Aus­kunft, dass ich mir ger­ne eine der genorm­ten gel­ben Ton­nen anschaf­fen darf und die wür­den sie auch lee­ren. Außer, das Abhol­fahr­zeug wür­de aus­fal­len, denn das Ersatz­fahr­zeug hät­te kei­ne Hebe­vor­rich­tung. Nun, damit kön­nen wir leben – und so besorg­ten wir uns Mit­te März für 120 Euro eine die­ser gel­ben Ton­nen. Mei­ne Vor­freu­de war gro­ße, denn ich has­se die­se gel­ben Säcke wirk­lich wie die Pest.

Unfass­ba­res Glück!

Die Ton­ne wur­de schnell gelie­fert. Es war eine Freu­de den Müll so ein­fach lagern und los­wer­den zu kön­nen. End­lich kein Gefum­mel mehr. Die Ton­ne aus der Küche direkt in die Ton­ne draus­sen gekippt! Wie ein zivi­li­sier­ter und an der Umwelt inter­es­sier­ter Mensch! Ein tol­les Gefühl. Die Abho­lung geschah auch wie ver­spro­chen. Wie kann eine Müll­ton­ne nur so glück­lich machen?
Wir leb­ten im sieb­ten Müllhimmel!

Unfass­ba­re Wut!

Für genau vier Wochen! Nach der zwei­ten Abho­lung hing ein Zet­tel ohne Absen­der an unse­rer Ton­ne: Die sei die letz­te Abho­lung gewe­sen, wir soll­ten wie­der gel­be Säcke benutzen.

Schul­di­ger gesucht!

Wow. Ein­fach nur wow! Mit nach­voll­zieh­ba­rem Groll rief ich den Auf­trag­ge­ber der Fir­ma Ket­tel­bach, die Fir­ma Reso, an. Die­se teil­ten mir mit, dass gel­be Ton­nen grund­sätz­lich nicht abge­holt wer­den, und das eine fal­sche Aus­kunft gewe­sen sei. Gut, also gab ich der Fir­ma Reso bei Goog­le eine ent­spre­chen­de Rezen­si­on, mach­te mei­nem Ärger ordent­lich, aber halb­wegs sach­lich Luft. Das hat­te zur Fol­ge, dass mich die Fir­ma anrief und mir in zwei Gesprä­chen von je über einer hal­ben Stun­de ver­such­te zu erklä­ren, dass sie kei­ne Schuld an der gan­zen Sache hät­ten und die Rezen­si­on unfair wäre. Die Müll­wa­gen hät­ten gar kei­ne Hebe­vor­rich­tung und die Mit­ar­bei­ter müss­ten die Ton­nen mit der Hand leeren.

Alter­na­ti­ven aufgezeigt

Aber ich könn­te doch einen 1.000 Liter Con­tai­ner mie­ten (IIRC um die 30 Euro im Monat?), der wür­de dann auch abge­holt wer­den. Die Zufahrt zu unse­rem Haus ist sehr steil, ich sah mich schon schrei­end von so einem Con­tai­ner den Berg her­un­ter­ge­zo­gen zu wer­den. Auch die Stra­ße an sich ist Hand­brem­se-letz­te-Zacke-steil. Nein, ein über­gro­ßer, teu­rer Con­tai­ner war kei­ne Option.

Resi­gna­ti­on

Ich änder­te mei­ne Rezen­si­on und lob­te statt­des­sen die tadel­lo­se Sperr­müll­ab­ho­lung, denn schließ­lich hat­te sich die Kol­le­gin wirk­lich rüh­rend und lan­ge um die Auf­klä­rung des Fal­les und mei­ne Kun­den­zu­frie­den­heit bemüht.
Die Sache war für mich erle­digt. So ist das eben mit Mono­po­lis­ten, die Struk­tu­ren wie Behör­den und Zwangs­kun­den haben.

Dann pas­sier­ten aber drei Dinge:

Lügen

1. Unser Nach­bar frag­te, war­um wir die Ton­ne nicht mehr raus­stel­len wür­den. Er wol­le sich auch ger­ne eine anschaf­fen, auch wenn die teu­er wäre. Unse­re Ant­wort erstaun­te ihn, denn er sah sel­ber wie unse­re Ton­ne mit­tels einer Hebe­vor­rich­tung ent­leert wur­de. Mei­ne Augen wur­den zu Schlit­zen, denn ich has­se es, wenn man mich belügt. Aber ich hät­te sel­ber dar­auf kom­men kön­nen, dass die Fahr­zeu­ge eine Hebe­vor­rich­tung haben, denn wie soll­ten sonst die Miet­con­tai­ner geleert wer­den können?


Arroganz

2. Die ZAW sen­de­te über die App eine Info mit fol­gen­dem Wortlaut:

Kei­ne Lee­run­gen der gel­ben Ton­nen mehr

Eigen­in­itia­tiv ange­schaff­te gel­be Ton­nen dür­fen gern wei­ter­hin als Zwi­schen­la­ger für die Gel­ben Säcke genutzt wer­den. An den Abfuhr­ta­gen müs­sen die Gel­ben Säcke aber ent­nom­men und bereit­ge­stellt werden.

Wer­den pri­vat ange­schaff­te Gefä­ße durch den Ent­sor­ger bei der Abfuhr beschä­digt, so greift hier das Pri­vat­recht und der Ent­sor­ger müss­te in jedem Fall die Ton­ne erstat­ten. Aus die­sem Grund wird das Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men kei­ne gel­ben Ton­nen mehr lee­ren. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu die­sem The­ma fin­den Sie hier

Wie bit­te? Die ZAW bestimmt, wo ich mei­ne gel­ben Säcke lagern darf? Ich darf sie nun in einer gel­ben Ton­ne lagern? Geht es noch? Was habe Ihr denn bit­te für eine Eigenwahrnehmung?
Eine genorm­te Abfall­ton­ne geht kaputt? Geläch­ter! Ich hat­te schon schwar­ze Ton­nen, die sicher­lich ab und zu mit 100 Kilo Müll befüllt wur­den und die auch nach zehn Jah­ren noch abso­lut in Ord­nung waren.
Auf jeden Fall muss der Scha­den erstat­tet wer­den? Hier­mit erklä­re ich den Haf­tungs­aus­schluß: Wenn die Ton­ne beschä­digt wer­den soll­te, zah­le ich die.


Hybris

3. Alles Aus­re­den, sicher. Aber die wol­len sie noch bekräf­ti­gen, denn unter „hier” fin­det sich ein Link zu einem Arti­kel auf der ZAW-Web­site, den ich hier zitiere:

Immer wie­der wird im LaDa­Di über die Gel­ben Säcke dis­ku­tiert.

Ach was? War­um wohl? Und war­um gebt Ihr nicht end­lich den Wün­schen der Bevöl­ke­rung nach, die Eure Jobs bezahlt?


Bei der jüngs­ten Abfuhr sorg­te ein Zet­tel des Ent­sor­gungs­un­ter­neh­mens für Auf­re­gung in der Bevöl­ke­rung. Es war ein Hin­weis, dass die gel­ben Ton­nen zukünf­tig nicht mehr geleert wer­den. Dies nimmt der ZAW zum Anlass, wie­der­holt über die Rege­lun­gen zum Gel­ben Sack aufzuklären.

Aha, ich bin also nicht allei­ne mit mei­ner Ton­ne. Ihr könnt das 1.000 Mal wie­der­ho­len, das macht die gan­ze Sache nicht nach­voll­zieh­ba­rer, son­dern damit beför­dert Ihr als kom­mu­na­les Unter­neh­men nur wei­ter den Frust in der Bevöl­ke­rung und treibt den Lagern der Demo­kra­tie­fein­de und den Nicht­wäh­lern Leu­te zu.


Bereits seit 1993 liegt die Ent­sor­gung von Ver­pa­ckungs­ab­fäl­len aus­schließ­lich in der Ver­ant­wor­tung der pri­va­ten Wirt­schaft, z. B. Dua­les Sys­tem Deutsch­land GmbH, Land­bell AG. Schon beim Kauf eines Pro­duk­tes wird die Ein­samm­lung und Ent­sor­gung über den Ein­kaufs­preis bezahlt und ist somit auch nicht im Gebüh­ren­haus­halt des ZAW ent­hal­ten.

Bereits seit 1993… des was so, des bleibt so. Bas­ta! Geht es noch, lie­ber Öffent­lich­keits­ver­ant­wort­li­cher bei der ZAW?
Und der zwei­te unvoll­stän­di­ge Satz soll genau was bedeu­ten? Mei­ne gel­be Ton­ne nimmt Euch Geld weg? Das wür­de ich bit­te mal genau­er erklärt bekom­men. Und… was leis­tet Ihr bit­te genau für Euer Geld?


Der ZAW als öffent­lich-recht­li­cher Ent­sor­gungs­trä­ger ist kein Ver­trags­part­ner der Sys­tem­be­trei­ber und hat kei­nen Ein­fluss auf die Ver­trags­ge­stal­tung und Ein­sam­mel­mo­da­li­tä­ten der Gel­ben Sack Abfuhr.

Pon­ti­us Pila­tus – Die Flüs­sigs­ei­fe mit dem Hauf der Unschuld. Okay, was ist dann also bit­te noch ein­mal genau Eure Auf­ga­be und Daseins­be­rech­ti­gung? Bevol­ke­rungs­ver­är­ge­rung? Loka­les Sprach­rohr der Industrie?


Für die Ein­samm­lung der Gel­ben Säcke im LaDa­Di ist seit Anfang des Jah­res die Fir­ma RESO zustän­dig, die wie­der­um für bestimm­te Kom­mu­nen die Fir­men Knet­ten­brech + Gur­du­lic sowie Remon­dis als Sub­un­ter­neh­men ein­setzt. Auf­trag­ge­ber der Fir­ma RESO ist das Dua­le Sys­tem Deutsch­land GmbH, das zur­zeit für den LaDa­Di als Sys­tem­füh­rer für alle dua­len Sys­te­me fungiert. 

Ja, ja, das haben wir auch schon alle ver­stan­den. Und wir wis­sen auch, dass es für den Auf­trag­ge­ber (die Bür­ger) immer ein schlech­ter Deal ist, wenn es Sub-sub-sub-sub-Unter­neh­mer gibt, denn jedes Sub hält ordent­lich die Hand auf.
Aber schaut doch mal: Wie­viel Zeit, Geld und Arbeits­lohn wür­de es ein­spa­ren, wenn der Mit­ar­bei­ter Eures Sub-sub-sub-sub-Unter­neh­mers (mit dem Ihr ja irgend­wie gar nichts zu tun habt) statt pro Haus­halt fünf­mal zwi­schen Bür­ger­steig und Müll­wa­gen zu pen­deln, nur zwei­mal hin und her gehen müss­te, wenn er nur gel­be Ton­nen durch die Gegen schie­ben müss­te. Vom gerin­ge­ren Die­sel­ver­brauch im Leer­lauf (und weni­ger Emis­sio­nen) fan­ge ich erst gar nicht an.


Die der­zei­ti­ge Auf­trags­ver­ga­be durch die dua­len Sys­te­me läuft bis Ende 2024. Bis dahin erfolgt die Abfuhr von Leicht­ver­pa­ckun­gen über den Gel­ben Sack. Eigen­in­itia­tiv ange­schaff­te gel­be Ton­nen dür­fen gern wei­ter­hin als Zwi­schen­la­ger für die Gel­ben Säcke genutzt wer­den. An den Abfuhr­ta­gen müs­sen die Gel­ben
Säcke aber ent­nom­men und bereit­ge­stellt wer­den. Dies hat ver­si­che­rungs­recht­li­che Grün­de.

Ah! Ver­trags­recht­lich! Das ist schön. Inter­es­siert aber die Bür­ger nicht. Ich über­set­ze das mal: Wenn jeder eine gel­be Ton­ne kau­fen wür­de, hät­te der Her­stel­ler der gel­ben Säcke kei­ne Abneh­mer mehr. Die wur­den ihm aber durch Eure Ver­trä­ge zuge­si­chert. Tja, dann soll­te die Poli­tik, die die Bür­ger ver­tritt, mal auf eine schnel­le Ände­rung die­ser umwelt­schä­di­gen­den Ver­trä­ge drängen!


Wer­den pri­vat ange­schaff­te Gefä­ße durch den Ent­sor­ger bei der Abfuhr beschä­digt, so greift hier das Pri­vat­recht und der Ent­sor­ger müss­te in jedem Fall die Ton­ne erstat­ten. Aus die­sem Grund wird das Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men kei­ne gel­ben Ton­nen mehr lee­ren. Die Gel­ben Säcke wer­den seit Beginn des Jah­res ganz­jäh­rig alle 14 Tage abgeholt.

Aus­re­den wer­den wie­der­holt – und da der letz­te Satz eines Tex­tes immer im Gedächt­nis bleibt, wur­de hier irgend­was pseu­do-erfreu­li­ches ein­ge­setzt: Die Abho­lung alle zwei Wochen. Oh! Wir sind Euch ja so dank­bar, dass wir die­sen Ser­vice nun auch im gan­zen Jahr und nicht nur in den Som­mer­mo­na­ten bezah­len müssen.

Fazit

Leu­te, wie leben doch nicht in einem Drit­te-Welt-Land, in dem die Indus­trie die Rah­men­be­din­gun­gen bestimmt und wir den Müll in Säcken in den Stra­ßen sta­peln müs­sen. Wir leben in einer Demo­kra­tie und jede Par­tei, die end­lich die­se Müll-Mafia in ihre Schran­ken weist, hat mei­ne Stim­me. Ich soll­te eine Peti­ti­on ver­öf­fent­li­chen, die genau das for­dert. Ken­ne mich damit aber nicht aus und freue mich folg­lich über jeden Hinweis.

2 Gedanken zu „Von gel­ben Ton­nen und igno­ran­ten Monopolisten“

  1. Lie­bes Haus Hessburg,

    Du hast völ­lig Recht mit dei­nen Ansich­ten hin­sicht­lich der Müll­ent­sor­gung im Land­kreis Darm­stadt-Die­burg. Lei­der ist die Müll­ent­sor­gung ein hoch­gra­dig poli­tisch belas­te­tes The­ma, des­sen Grad ver­mut­lich nur noch vom Sport über­trof­fen wird und an den Sub-Sub-Sub-Con­trac­tor-Kon­struk­tio­nen kön­nen sich Trans­port­un­ter­neh­men eine Schei­be abschneiden.

    Vor eini­gen Jah­ren, als am Don­ners­tag­abend noch immer nicht die gel­ben Säcke vom Diens­tag abge­holt waren – im Som­mer wohl­ge­merkt – beschwer­te ich mich laut­stark beim dama­li­gen Abhol­un­ter­neh­men. Es gab Aus­re­den zur Ent­schul­di­gung (zu wenig Per­so­nal, LKW kaputt etc). Ganz ehr­lich, das ist nicht mein Pro­blem. Wer Ver­trä­ge ein­geht hat zu lie­fern. Zum Glück wech­sel­te dann kurz­fris­tig der Auf­trag­neh­mer, es bes­ser­te sich. Kurz dar­auf wech­sel­te ich für eini­ge Jah­re nach Ost­eu­ro­pa, in ein Land, des­sen Haupt­ex­port­gut Arbeits­kräf­te sein könnten.

    Dort wur­de der Müll ger­ne mal um 5.30 Uhr mor­gens abge­holt (jeden Tag!) bzw. ver­ein­zelt im Som­mer sogar um 1.30 nachts. Gut, dass muss auch wie­der nicht sein, aber ansons­ten wäre die Stadt bin­nen Tagen im Müll ver­sun­ken. Zudem stan­den an jeder Ecke grö­ße­re Con­tai­ner, falls man tren­nen woll­te oder grö­ße­re Sachen hat­te. Erstaun­li­cher­wei­se funk­tio­nier­te es dort ganz gut, ich glau­be aber auch, dass in schlech­te­ren Vier­teln man nicht so zuver­läs­sig abholte.

    Wie­der in Deutsch­land, erle­be ich, dass die eben­falls von mei­ner Mut­ter teu­er ange­schaff­te Ton­ne nicht mehr abge­holt wird (Grü­ne wie bei Euch). Statt­des­sen, kämpft man um Säcke und lagert die­se halb/​ganz voll im Kel­ler bzw. Unter­stand. Ent­we­der hat man also das Zeug wochen­lang im Haus rum­gam­meln oder lockt Tie­re an. Naja.

    Man kann nur hof­fen, dass es bes­ser wird irgend­wann, aber das wird eher nichts.

    Trotz­dem schö­ne Grü­ße aus Pfungstadt.
    Benjamin 

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    • Hal­lo Benjamin,

      tut mir leid für die extrem spä­te Ant­wort, wie Du siehst, habe ich die Site neu gestal­tet und vier mei­ner Web­sites wie­der zu einer hin­zu­ge­fügt. Dabei gin­gen eini­ge Kom­men­ta­re ver­lo­ren, die ich erst jetzt wie­der herstelle.

      Dan­ke, dass ich mich jetzt nicht mehr wie ein ver­rück­ter Que­ru­lant füh­le. Geht aber offen­bar auch ande­ren so wie uns. Latent ist da eh ein gro­ßer Bedarf vor­han­den, sie­he die freu­di­gen Reak­tio­nen unse­rer Nach­barn auf unse­re Gel­be Ton­ne und deren nicht druck­rei­fen Kom­men­ta­re zur Reak­ti­on der ZAW. Die scheint hier sich ja bei uns den grot­ten­schlech­ten Ruf hart erar­bei­tet zu haben. Aber die haben wohl einen Frei­brief der Poli­tik, tun zu dür­fen, wor­auf immer sie Bock haben. Gib klei­nen Leu­ten Macht und Du wirst ihren wah­ren Cha­rak­ter erken­nen. Ist echt was dran.

      Wie Du selbst schriebst, läuft es in ande­ren Län­dern sogar noch ein­mal geschmei­di­ger als in ande­ren deut­schen Kom­mu­nen (auf die ich nei­disch bin).

      Eines der Argu­men­te, die ich von der Fir­ma Reso gegen gel­be Ton­nen hör­te, war, dass die Leu­te auch ande­ren Müll dar­in ent­sor­gen wür­den. Ja, kann mit Papier und Bio­müll auch pas­sie­ren, so what?

      Ich stel­le mir den Kalen­der mal auf Ende 2023 und wer­de dann zuse­hen, dass vor der neu­en Aus­schrei­bung mal was pas­siert. Eine Peti­ti­on oder so etwas in der Art. Ich neh­me die Sache durch die arro­gan­ten Ant­wor­ten näm­lich mitt­ler­wei­le sehr per­sön­lich. Ich kann alles lei­den, aber kei­ne Leu­te, die Bür­ger von oben her­ab behan­deln und abkanzeln.

      Gruß
      Michael 

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