War­um ich poli­tik­ver­dros­sen bin

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Frü­her™ hat­te ich eine poli­ti­sche Mei­nung, die von den Par­tei­en tat­säch­lich gespie­gelt wur­de. Es mag sein, dass sich mei­ne Ein­stel­lung änder­te, das will ich nicht abstrei­ten. Eher glau­be ich aber, dass ich schlicht zu viel von par­tei­in­ter­nen Que­re­len und Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit­be­kom­me, als mei­ner Zunei­gung zu der einen oder ande­ren Par­tei zuträg­lich ist.

Geschich­te wie­der­holt sich nicht
Neh­men wir mal zum Ver­gleich die Pira­ten und die Grü­nen: Hät­ten die Poli­ti­ker der Grü­nen in den 1980ern Jah­ren bereits über Twit­ter ver­fügt, so hät­ten die sich – wie die Pira­ten Ende der 2.000er – sel­ber hin­aus­ge­ke­gelt. Ich ent­sin­ne mich noch – ich durf­te 1987 zum ers­ten Mal wäh­len – und dach­te, dass ich doch die Grü­nen wäh­len könn­te, die haben mit dem Umwelt­schutz schließ­lich ein nach­voll­zieh­ba­res Anlie­gen. Der sau­re Regen war sei­ner­zeit eines der Top-The­men. Aus mei­nem Vor­ha­ben wur­de aber lei­der nichts, da ich in einer Nach­rich­ten­sen­dung einen Her­ren mit ver­filz­ten, schul­ter­lan­gem Haar und einem Fus­sel­bart sah, der (augen­schein­lich in Jute gehüllt) auf einem Tisch saß und im schlep­pen­dem Ton­fall lamen­tier­te: „Aber.… der Josch­ka hat gesagt, dass…”. Oh! Mein! Gott! Ich schal­te­te direkt um und wähl­te eine ande­re Partei.

Ja, natür­lich könn­te man jetzt sagen, dass die Aus­strah­lung die­ses selt­sa­men Her­ren so kurz vor der Wahl mit Kal­kül statt­fand. Mich wür­de es nicht wun­de­ren, hät­te ich sei­ner­zeit „heu­te” auf dem ZDF geschaut. Das ZDF ist tra­di­tio­nell ein eher dem kon­ser­va­ti­ven Lager zuge­wand­ter Sender.

Auf der ande­ren Sei­te sind die Par­tei­en abr genau­so bunt auf­ge­stellt wie die Bevöl­ke­rung und bekannt­lich hat jede Par­tei eben ihre ver­schie­den aus­ge­rich­te­ten Flü­gel. War­um soll­te also ein Sen­der auf so pla­ka­ti­ve Bil­der wie den jute­rau­chen­den Tisch­sit­zer ver­zich­ten? Der bil­det eben auch einen Aspekt der Par­tei ab.

Ein digi­ta­ler Licht­blick
Die nächs­te neue Par­tei, die mein Wohl­wol­len hat­te, waren die Pira­ten. Als ITler stand das aber auch zu erwar­ten. Gran­di­os gestar­tet und eben­so gran­di­os geschei­tert. Wobei es durch­aus ver­schie­de­ne Mei­nun­gen zu den Grün­den des Schei­terns gibt. Die einen mei­nen, dass die Wäh­ler ver­schreckt wur­den, weil sie direk­te Demo­kra­tie vor­leb­ten und sich damit selbst hand­lungs­un­fä­hig mach­ten, die ande­ren sehen dies als Stär­ke an und glau­ben, dass bei denen das „Mar­ke­ting” ver­sagt hät­te und die Par­tei sich durch unkon­trol­lier­te Twit­ter-Bei­trä­ge unwähl­bar gemacht hät­te. Ich per­sön­lich war davon abge­schreckt, dass die Pira­ten von rechts­ra­di­ka­len Poli­ti­kern unter­wan­dert wurden.

rm ‑f Beden­ken
Dann gab es noch die FDP. Zu Gen­schers Zei­ten noch eine respek­ta­ble Par­tei, mutier­te sie unter Wes­ter­wel­le zur Spass­par­tei, wan­del­te unter Rös­ler zum Selbst­be­die­nungs­la­den der Lob­by­is­ten und unter Lind­ner zur… naja… zur Lind­ner-Par­tei. Über deren Pla­ka­te im Modelstyle – mit iPod-Kopf­hö­rern im Ohr und dem iPho­ne vor der Nase – lach­te selbst mei­ne 16-Jah­re alte Toch­ter. Über deren Slo­gan „Digi­tal first, Beden­ken second!” konn­te sie nur trau­rig den Kopf schütteln.

Die FDP war eigent­lich schon früh eine Par­tei des Daten­schut­zes. „Digi­tal first, Beden­ken second!” ist hin­ge­gen eine bedau­er­li­che Kehrt­wen­de bei den bür­ger­li­chen Rech­ten. Ja, die FDP-Anhän­ger wer­den nun auf­schrei­en: „So war das nicht gemeint! Daten­schutz steht in unse­rem Par­tei­pro­gramm!”. War­um druckt man dann aber sol­che Pla­ka­te? Glaubt die FDP, dass die Wäh­ler so ver­gess­lich sind? Glau­ben die wirk­lich, dass die Leu­te nach der Abstra­fung der FDP bei der Bun­des­tags­wahl 2013 der Par­tei wie­der ver­trau­en wür­den? Ja, die FDP glaub das – und zwar lei­der voll­kom­men zu Recht.

Jetzt kann man an den Men­schen ver­zwei­feln und ihnen ein kur­zes Gedächt­nis unter­stel­len. Per­sön­lich glau­be ich aber, dass die FDP, eben­so wie die AfD, sehr viel Stim­men von Pro­test­wäh­lern bekom­men hat. Lind­ner pro­fi­lier­te sich, auf Neu­wah­len hof­fend, folg­lich auch in den Jamai­ka-Ver­hand­lun­gen als „kom­pro­miss­lo­ser Macher mit star­ken Grund­sät­zen”. Sofern man ihm dies glau­ben mag.

Geschich­te wie­der­holt sich doch
Über die AfD muss ich wohl kaum noch ein Wort ver­lie­ren. Poli­tisch fischen sie sowohl bei den ver­meint­lich, wie auch tat­säch­lich abge­häng­ten Men­schen unse­rer Gesell­schaft. Nach bewähr­tem Rezept aus der Wei­ma­rer Repu­blik: „Wir hier, die dort.”

Vor eini­gen Jah­ren nahm ich ein Inter­view mit mei­ner Groß­mutter auf Video auf. Ich ließ sie erzäh­len. Von ihrer frü­hen Kind­heit in der Nähe von Mari­en­wer­der (West­preus­sen). Von dem Umzug der Fami­lie nach Kas­sel. Von der Leh­re im Kauf­haus Tietz (Kauf­hof) – und von der Macht­er­grei­fung der Nazis. „Mein Vater war arbeits­los. Als der Hit­ler kam, hat­te er auf ein­mal wie­der Arbeit.”, sie zuck­te dazu nur die Schultern.

Sie erzähl­te aber auch von dem Ver­schwin­den jüdi­scher Arbeits­kol­le­gen und der Fami­lie Nuss­baum, mit deren Enkeln sie als Kind gespielt hat­te. Sie erzähl­te vom Feu­er­sturm, der die Stadt ver­wüs­te­te und von der Suche nach ihren Eltern in den Trüm­mern. Vom Ver­lust ihres Man­nes in Frank­reich. Von der Kriegs­ge­fan­gen­schaft ihres Vaters, der in gleich zwei Welt­krie­gen kämpf­te, aber immer unpo­li­tisch geblie­ben war (oder gera­de des­halb?). Sie erzähl­te auch davon, dass ihr Vater von der SA zusam­men­ge­schla­gen wur­de, weil er einen SA-Trupp auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te nicht mit erho­be­ner Hand grüßte.

Trotz all der Erfah­run­gen hat­te sie im Inter­view zur Wahl der Nazis nur zu sagen, dass ihr Vater wie­der Arbeit fand. Es ist leicht, rück­bli­ckend in einer demo­kra­ti­schen Wohl­stand­ge­sell­schaft lebend, mei­ne Groß­mutter zu ver­ur­tei­len, von ihr mehr poli­ti­sches State­ment zu ver­lan­gen. Es ist eben­so leicht von den Wäh­lern der AfD ein Bekennt­nis zu unse­ren demo­kra­ti­schen Grund­wer­ten zu ver­lan­gen, wenn man sel­ber nicht Hartz 4 oder eine schma­le Ren­te bezieht. Wenn man sel­ber nicht in den struk­tur­schwa­chen und bevöl­ke­rungs­ar­men Gegen­den Deutsch­lands lebt (in die sich so gut wie nie ein Nicht-Ein­hei­mi­scher ver­irrt – und vor dem doch alle irgend­wie Angst haben). Der Rest der AfD-Wäh­ler weiß hin­ge­gen sehr genau, was sie da tun. Völ­lig unab­hän­gig vom unter­stell­ten Bil­dungs­grad und Intelligenzquotienten.

Ja, ich bin abge­schweift. Was ich damit aber sagen will ist: Jedes Land in Euro­pa hat ein rech­tes Lager, war­um nicht auch wir?  So hat man die­se Leu­te wenigs­tens gut im Auge. Die (ehe­ma­li­gen) gro­ßen Volks­par­tei­en soll­ten sich aber hüten die AfD auf­zu­wer­ten, indem sie deren The­men übernehmen.

Die gro­ße Ent­täu­schung
Und die­se gro­ßen Volks­par­tei­en? Was machen die? Die eine mer­kelt seit Jahr­zehn­ten so vor sich hin, hat aus dem Schei­tern von „uns Bir­ne” nichts gelernt. Sie posi­tio­niert sich bei Digi­tal­the­men so, als wären die frü­hen 1980er Jah­re nicht ver­gan­gen. Und wenn die Kanz­le­rin mal etwas sagt, das in die Zeit passt, könn­te man nur noch schrei­en. „Daten­schutz darf Big Data nicht auf­hal­ten!” bedeu­tet doch nur, dass sie einen unge­zü­gel­ten Kapi­ta­lis­mus ohne Kon­trol­le und Bür­ger­rech­te haben will. Indiskutabel.

Der Able­ger der Par­tei – aus einem Bun­des­land, wel­ches über Jahr­zehn­te durch den Län­der­fi­nanz­aus­gleich vom Agrar­land zu einem halb­wegs moder­nen Bun­des­land auf­ge­päp­pelt wur­de und nun den Län­der­fi­nanz­aus­gleich kip­pen will, weil sie zu Abwechs­lung mal sel­ber zah­len müs­sen – ist an Bigot­te­rie kaum zu über­bie­ten. Ja, das ist viel­leicht der CSU gegen­über unfair und ten­den­zi­ell, aber die sind mir nur als Que­ru­lan­ten, Ewig­gest­ri­ge, „Ausländermaut”-Fordernde, Gly­pho­sat-Betrü­ger und Ehe­bre­cher bekannt. CSU-Poli­ti­ker stol­pern von einer Plei­te – und von einem Fett­napf in den nächsten.

Die alte Tan­te
Der Schulz wäre tat­säch­lich mal eine Alter­na­ti­ve zur Mer­kel gewe­sen. Aber okay, auch Ronald McDo­nald oder Alfred E. Neu­mann wären Spit­zen­al­ter­na­ti­ven gewe­sen, aber die haben schon einen rich­ti­gen Job. Wo ich gera­de von anstren­gen­den Per­so­nen rede: Nah­les und TSG mögen etwas jün­ger als Schulz sein, aber sie haben (wie CDU/​CSU) kei­ne Ant­wor­ten auf die kom­men­den Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit.

Vor „Schuuuulz” gab es die net­ten Stein-Din­gens-Onkels, die man äus­ser­lich (wie auch inhalt­lich) nicht so recht aus­ein­an­der­hal­ten konn­te. Und wie­der­um davor? Schar­ping. Autsch. Gegen den wirkt selbst die Mer­kel gera­de­zu cha­ris­ma­tisch. Ich das Gefühl nicht los, dass alle Kanz­ler­kan­di­da­ten der SPD nach Schrö­der von der glei­chen schlech­ten Mar­ke­ting­agen­tur betreut wur­den. Mar­ke­ting sechs, set­zen, SPD!

Mir fällt ein­fach nicht mehr zur SPD ein.
Außer Erin­ne­run­gen.
Mein ver­stor­be­ner Stief­va­ter, ein bekann­ter Anwalt aus Kas­sel, trat nach Jahr­zehn­ten ent­täuscht aus der SPD aus, nach­dem ihm Ger­hard Schrö­der die Par­tei ent­frem­de­te. Seit sei­nen Tagen als Stu­dent war er Mit­glied der SPD gewe­sen und arbei­te­te als jun­ger Anwalt in der Kanz­lei von Eli­sa­beth Sel­bert. Wer mag ihm also den Aus­tritt verdenken?

Durch mei­nen Onkel, den von mir so genann­ten „Roten Hans”, einem alten Par­tei­freund vom Hans Eichel und Hol­ger Bör­ner, wur­de ich als Kind Mit­glied bei den „Fal­ken”, eine Art Pfad­fin­der der SPD. Wir saßen um das Lager­feu­er, die Gitar­re wur­de geschred­dert und wir into­nier­ten alte Arbei­ter­kampf­lie­der. „Die Inter­na­tio­na­le”, „Die Moor­sol­da­ten”, „Auf, auf zum Kampf!”, usw., usf. Ich hass­te es! Die Fal­ken redu­zie­ren ihre poli­ti­sche Bot­schaft auf einen anstren­gen­den, alt­mo­di­schen Anti­fa­schis­mus und das Rufen von „Freund­schaft!”. *seufz*

Auf einem IT-Lehr­gang sang ich mal zusam­men mit einem über­zeug­ten FDP­ler „Die Inter­na­tio­na­le”. Als wir end­lich fer­tig waren, dreh­te sich der Kol­le­ge vor uns um und mein­te nur völ­lig tro­cken: „Ihr zwei habt doch echt ne Macke.”. Wir grins­ten ihn nur fröh­lich an.

Die neue SPD
Die neue SPD sind Die LINKEN (sor­ry, SPD). Die SPD hat alle sozia­len The­men den Lin­ken über­las­sen. Seit Schrö­der ist das ja nicht mehr sooo ange­sagt. Die SPD küm­mert sich nun lie­ber um den brei­ten schwin­den­den Mit­tel­stand, Euro­pa, Rent­ner, die gro­ßen Kon­zer­ne, Rent­ner, Euro­pa, Euro­pa und Rent­ner. Die Lin­ke hat(te) tat­säch­lich ein paar Poli­ti­ker mit Pro­fil und Cha­ris­ma. Von der Elo­quenz eines Gysi kön­nen ande­re Poli­ti­ker nur träu­men. Die Lin­ken erwe­cken aber sonst nicht den Ein­druck, dass sie regie­ren wol­len – oder gar können.

Die Par­tei
Stich­wort „die Par­tei”! (Der Über­gang ist mir gelun­gen, was?) Für mich die Par­tei, die man wäh­len soll­te, wenn man Pro­test­wäh­ler ist. Teil­wei­se wirk­lich gute Aktio­nen, die den Par­tei­en­zir­kus gekonnt auf die Schip­pe nehmen.

Die ande­ren
Ach ja, da kann ich mei­nen Stimm­zet­tel ja gleich ver­bren­nen. Nicht mal als Pro­test­stim­me zu gebrau­chen. Die haben meis­tens nur irgend­ein „Spe­ci­al­in­te­rest” als Kern­the­ma. Ein­zig „Demo­kra­tie in Bewe­gung” scheint da ganz inter­es­sant zu sein. Aber war­um soll­te ich die wäh­len? Damit ich mei­ne Stim­me mal in der Zei­tung sehen kann? Bei den auf­ge­schlüs­sel­ten Wahl­er­geb­nis­sen mei­nes Wahl­be­zir­kes? Ist mir schon so mit den Pira­ten gegan­gen, muss ich nicht wiederholen.

Bun­des- vs Kom­mu­nal­po­li­tik
Was ganz beson­ders weh tut, sind die Auf­trit­te der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker. Nein, es sind nicht nur die Web­auf­trit­te, die Pla­ka­te mit den pein­lich-schmal­zi­gen Jung- und Alt­po­li­ti­ker­por­traits, auch nicht die sinn- und inhalts­lee­ren Wahl­kampf­slo­gans. Es tut echt weh, wenn man sich mit die­sen Leu­ten unter­hält und deren Aus­sa­gen mit denen der Bun­des­po­li­ti­ker der glei­chen Par­tei vergleicht.

Ich kom­me super mit den Leu­ten der FDP aus. Kom­mu­nal ver­steht sich. Ich kann mit denen wirk­lich kon­struk­ti­ve Gesprä­che füh­ren, wir haben die glei­chen Ansich­ten bei Digi­tal­the­men und bei der Infrastruktur.

Spre­che ich mit den Leu­ten der CDU, so sage ich denen, dass sie in der fal­schen Par­tei sind, denn sie wür­den die The­men ver­tre­ten, die tra­di­tio­nell die SPD ver­trat. Das ist denen tat­säch­lich bewusst und auch irgend­wie unangenehm.

Die Leu­te der SPD…? Es ist ein Dra­ma! Die Web­auf­trit­te sind bes­ten­falls dritt­klas­sig, die Kon­takt­per­so­nen um die 70 Jah­re alt, der Nach­wuchs uncha­ris­ma­tisch und die Wer­be­mit­tel stam­men aus den 1970er Jah­ren. Elek­tro­ni­sche Kor­re­spon­denz ken­nen die meis­tens gar nicht. Die Basis ist über­al­tert und auch sonst wort­wört­lich von gestern.

Gar kei­nen Kon­takt hat­te ich bis­her mit den Grü­nen. Tat­säch­lich. Die müs­sen sich vir­tu­ell irgend­wo rum­trei­ben, wo ich mich nicht rumtreibe.

Mehr direk­te Demo­kra­tie?
Ich bin tat­säch­lich jemand, der glaubt, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein her­vor­ra­gen­des poli­ti­sches Sys­tem besitzt, dass genau so demo­kra­tisch ist, wie es sein soll­te. Ich habe Angst vor der „Schwar­min­tel­li­genz” der Wäh­ler, das gebe ich zu. War­um? Weil ich sel­ber meh­re­re Male aus dem Bauch her­aus eine Mei­nung hat­te, die ich nach einer wei­te­ren Recher­che zu dem betref­fen­den The­ma um 180 Grad dreh­te. In Zei­ten der „gefühl­ten Wahr­hei­ten” habe ich wirk­lich Angst vor mei­nen Mitbürgern.

Aller­dings gebe ich zu, dass mir der Ein­fluss der Wirt­schaft auf die Poli­tik abso­lut nicht recht ist und ich der Mei­nung bin, dass Abge­ord­ne­te haar­klein auf­lis­ten müs­sen, von wem sie Gel­der, Sach- und Dienst­leis­tun­gen anneh­men, für wen sie unent­gelt­lich tätig sind und mit wel­chen „Bera­tern” sie Kon­takt haben. Ähn­li­che For­de­run­gen stellt Abge­ord­ne­ten­watch.

Und nun?
Ich weiss es nicht. Ich habe auch lang­sam kei­ner­lei Ahnung mehr, wen ich wäh­len soll­te. Dass ich wäh­len gehe, allei­ne um den Pro­test­wäh­lern eine Stim­me ent­ge­gen zu set­zen, das steht für mich aber außer Fra­ge. Wäh­len ist für mich die ers­te Bürgerpflicht.

Nach­trag 24.01.2018:
Ich bin heu­te tat­säch­lich Mit­glied in der SPD gewor­den. Ich möch­te auf jeden Fall ver­hin­dern, dass die SPD in eine Gro­Ko geht und so Steig­bü­gel­hal­ter der CDU/​CSU wird. Mer­kel hat ihren poli­ti­schen Zenit bereits vor Jah­ren über­schrit­ten. Den Par­tei­en muss klar wer­den, dass sie so nicht wei­ter machen kön­nen. Sie brau­chen eine Erneue­rung und Ver­jün­gung. Nein, damit mei­ne ich nicht, dass Leu­te U50 mal ran soll­ten, son­dern eher Leu­te U30 eine Chan­ce bekom­men soll­ten. Schulz hat zudem sein Wort an die Wäh­ler gebro­chen, denn er schloss vor den Wah­len eine Gro­Ko noch aus. Auf kei­nen Fall möch­te ich, dass die AfD in Deutsch­land Oppo­si­ti­ons­füh­rer wird, das wäre das fal­sche Zei­chen für Euro­pa.

Noch ein Nach­trag (19.05.2021):
Nach­dem die Mit­glie­der­ab­stim­mung mit dem Ergeb­nis für den Ver­bleib in der Gro­Ko ende­te, trat ich wie­der aus der SPD aus. Eine Ent­schei­dung, die sich mit der Auf­stel­lung von Olaf Scholz als Kanz­ler­kan­di­tat für mich als kor­rekt her­aus­stell­te. Der Laden ist kom­plett über­al­tert. Unse­re Gesell­schaft aber eben­falls. „Denk ich an Deutsch­land in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht”.

Und die CDU der­weil? Lasch, lascher, Laschet. Oder als Alter­na­ti­ve so wei­ße, ver­bit­ter­te alte Män­ner wie März, deren neo­li­be­ra­len Träu­me Deutsch­land rui­nie­ren und zu einem Selbst­be­die­nungs­la­der der glo­ba­li­sier­ten Wirt­schaft machen wür­den.

Die Par­tei scheint mit Son­ne­borns Schwach­fug am unters­ten Punkt ange­langt zu sein.

Zu allem Über­fluss haben sogar die Aluhut-tra­gen­den Quer­den­ker eine eige­ne Quatsch-Par­tei gegrün­det, die sei­fen­bla­sen­pus­ten­de Basis, in die eini­ge Schau­spie­ler (die nicht so intel­li­gent oder inte­ger sind, wie die Rol­len, die sie dar­stel­len) wohl bereits ein­ge­tre­ten sind.

Die Grü­nen sind erstarkt, ich fra­ge mich nur, was deren genaue Zie­le sind, und wie sie die­se umzu­set­zen geden­ken.

Die Lind­ner-Par­tei dreht sich vor allem um Lind­ner, der sich mut­maß­lich auch mit der AfD ins Bett legen wür­de. Mei­ne Güte, was ver­mis­se ich ech­tes poli­ti­sches Urge­stein wie den Gen­scher.

Die AfD mit dem Penis-Logo wird immer rech­ter und unbe­deu­ten­der. Schein­bar bekom­men nun auch die Rent­ner und Abge­häng­ten mit, dass die­se natio­nal­neo­li­be­ra­le Par­tei sie als Belas­tung für den Volks­kör­per ansieht und sie nichts mehr zu lachen hät­ten, wür­de die­se Par­tei in der Lage sein, Geset­ze ver­ab­schie­den zu las­sen.

Irgend­wen ver­ges­sen? Ach ja, Die Lin­ke! Was soll man da sagen? Kann man die wäh­len, nur weil sie gegen die AfD sind? Nein! Glei­ches gilt im Umkehr­schluss.

Die Rän­der sind wie immer unwähl­bar und die Mit­te kor­rupt und über­al­tert. Aber wäh­len muss man ja gehen, wenn man die­se Rän­der nicht erstar­ken las­sen will. Die ein­zi­ge Par­tei, die einen erkenn­ba­ren Plan für Deutsch­lands Zukunft hat, sind wohl lei­der die Grü­nen. Spie­gelt sich auch in den Umfra­ge­er­geb­nis­sen wieder.

 

1 Gedanke zu „War­um ich poli­tik­ver­dros­sen bin“

  1. Da steckt viel Wah­res drin. Und dann pas­sie­ren noch so net­te Din­ge wie mit Elke Twes­ten (über Lis­te gewählt, zur CDU gewech­selt und damit die hauch­dün­ne Mehr­heit im Land­tag zunich­te gemacht) oder Caro­la Rei­mann – in den Bun­des­tag direkt gewãhlt, weni­ge Wochen spä­ter aber lie­ber Lan­des­mi­nis­te­rin gewor­den -, was einem als Wäh­ler immer wie­der vor Augen führt – oder füh­ren kann – wie wert­voll doch der Wäh­ler ist, wenn einer erst­mal gewãhlt ist. Dass die Leu­te dann kei­nen Bock mehr auf Wahl und Poli­ti­ker haben, kann ich inzwi­schen wirk­lich ver­ste­hen. Ich wäh­le trotz­dem noch, aber mir fällt es ähn­lich schwer wie Dir, was Wähl­ba­res zu finden. 

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