Der Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90

Lese­dau­er 9 Minu­ten

Der (zu) spä­te Konkurrent

Der Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90 hat die Ungna­de der spä­ten Geburt. Als er 1984 von der tai­wa­ni­schen Fir­ma Bit Cor­po­ra­ti­on auf den Markt gebracht wur­de, zeig­te der C64 bereits, wie ein erfolg­rei­cher Com­pu­ter aus­zu­se­hen hat­te. Die Zuta­ten für einen Mil­lio­nen-Sel­ler waren im orwell­schen Jahr sicher kein Spei­cher von küm­mer­li­chen 18 KB und eine (wen auch her­vor­ra­gen­de!) Gummitastatur.

Dazu kam der hap­pi­ge Preis von rund 600 DM mit 34 KB RAM (oder 500 DM mit 18 KB RAM). Der Com­mo­do­re 64 war damals mit 698 DM nicht wesent­lich teu­rer, aber wesent­lich bes­ser – in so ziem­lich jeder Hin­sicht. Umge­rech­net auf heu­ti­ge (2021) Prei­se muss man den Bit 90 schon mit einem guten PC vergleichen:

18 KB-Ver­si­on: 750 Euro
34 K‑Version: 895 Euro
Com­mo­do­re 64: 1.400 Euro!

Das könn­te Ihr auch ger­ne mit ande­ren Gerä­ten aus­rech­nen las­sen: 7
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Mein Gerät

Mein Gerät habe ich 1989 durch einen Zufall erhal­ten. Ich fuhr mei­nen Bru­der zu einem Kum­pel in des­sen Fir­ma. Dort lagen auf einem die­se damals übli­chen „Designer”-Stahlregale ein Sin­c­lair QL (mit Hand­buch und einem Sack voll Micro­dri­ves!) und der Bit90 mit Erweiterungskarten.

Bei­de Gerä­te waren mir bekannt und schon damals hat­te ich den Drang, Gerä­te zu sam­meln, die mir gefie­len, auch wenn ich sie eigent­lich nicht gebrau­chen konn­te. Was hat­te ich bezahlt? Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glau­be, es waren 20 DM.

Kein Scherz. Na ja, bei­de waren damals schon völ­lig unmo­dern und dem Kum­pel mei­nes Bru­ders kam es nicht aufs Geld an, er woll­te den Kram nur los­wer­den. Ich mei­ne, dass die bei­den sich aus einer Art losem Schnei­der CPC 464-„Club” kannten.

Design

Jetzt gehe ich noch ein Stück wei­ter: Für mich ist der Bit90 das Mac­Book Air unter den Home­com­pu­tern. Mit dem Mac­Book Air hat der Bit90 auch die Gemein­sam­keit, dass er ver­mut­lich in eine die­ser Büro-Ver­sand­ta­schen pas­sen wür­de. Oder auch nicht. 🙂

Ein­zig der Enter­pri­se 64/​128 mag ein klein wenig fla­cher sein, aber die­se ele­gan­te Selbst­ver­ständ­lich­keit erreicht auch er bei wei­tem nicht.
So schick das Gerät ist, so wenig wer­tig fühlt es sich an.

Gera­de das gerin­ge Gewicht ist ent­täu­schend. Die sil­ber­nen Kan­ten sto­ßen sich lei­der schnell ab, sodass das Gerät mit der Zeit an Schön­heit verliert.

Bit Corporation Bit90
Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90

Abmes­sun­gen: 330 x 214 x 50 mm (BxTxH)
66 Tas­ten, sepa­ra­ter Cursorblock

Bit Corporation Bit90 Logo
Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90 ver­chrom­tes Logo

 

Bit Corporation Bit90 Typenschild
Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90 Typenschild

Made in Tai­wan – schon, aber wie vie­le wur­den pro­du­ziert? Ist mein Gerät wirk­lich nur das 913ste? Oder gab es ins­ge­samt doch mehr als 300.913 Stück? Ich den­ke, dass es bestimmt eine hal­be Mil­lio­nen Gerä­te am Ende waren. Das ist ja nicht son­der­lich viel.

Soft­ware?

Scha­de eigent­lich, dass dem Gerät kein grö­ße­rer Erfolg beschei­den war, denn der Bit90 bot eine inter­es­san­te Zusatz­funk­ti­on: Eine voll­stän­di­ge Kom­pa­ti­bi­li­tät zum bekann­ten Video­spiel Cole­co Vision!

Die Auf­lö­sung und Farb­tie­fe waren dadurch natür­lich auf 256×192 Pixel bei 16 Far­ben beschränkt, aber damit war er 1984 immer noch im unte­ren Mit­tel­feld der Mit­be­wer­ber angesiedelt.

Die CPU-Lei­tung ging auch in Ord­nung, ein mit immer­hin 3,58 MHz getak­te­ter Z80A fun­gier­te als das Herz des Bit90, was auch die Aus­füh­rung von CP/​M‑Programmen erlaubte.

Gut, der Com­mo­do­re 64 war also nicht der anvi­sier­te Geg­ner des Bit90, denn die Bit Cor­po­ra­ti­on war eigent­lich im Kon­so­len­ge­schäft zu Hau­se. So pro­du­zier­te die­se Fir­ma Spie­le für das Ata­ri VCS und das NES von Nintendo.

Eines der auch hier­zu­lan­de bekann­ten Spie­le war „Bob­by geht heim”, wel­ches von Quel­le ver­trie­ben wurde.

Bit Corporation Bit90 Erweiterungsport
Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90 Erweiterungsport

Oh! Ein Design­feh­ler über dem Cole­co-Schacht (Draht­brü­cke). Aber gut, wenn man sich die ers­ten Ata­ri ST ansieht, die gefühlt dut­zen­de die­ser Draht­brü­cken hat­ten, kann man hier getrost ein Auge zudrü­cken. Damit kamen wir zum Innenleben.

Innen­le­ben

Der Bit90 war also eigent­lich eine auf­ge­bohr­te Spie­le­kon­so­le – genau wie sein Vor­gän­ger, der Bit60. Die­ser war „nur“ zum Ata­ri VCS 2600 kom­pa­ti­bel, aber auch der Bit90 lässt sich durch einen Adap­ter VCS-kom­pa­ti­bel machen. Für mich per­sön­lich stel­len die­ser Adap­ter und ein Bit60 den hei­li­gen Gral dar.

Das ist Hard­ware, die mich abso­lut reizt. Ein Bit60 ist ein mehr als inter­es­san­tes Gerät. Denkt man an die grot­ti­ge Com­pu­ter­er­wei­te­rung für das Ata­ri VCS, wel­ches eben­falls von Quel­le ver­trie­ben wur­de, gehen die Erwar­tun­gen abso­lut in den Keller.

Wenn ich mir aber den gelun­ge­nen und durch­aus leis­tungs­fä­hi­gen Bit90 anse­he, kann ich kaum glau­ben, dass der Bit60 eine abso­lu­te Null­num­mer gewe­sen sein soll. Nur… das VCS war ja kein Gerät, für wel­ches die Ent­wick­ler ger­ne Soft­ware schrie­ben – ganz im Gegen­teil, wie man so vernimmt.

Also gut, der Bit90 ist also eigent­lich eine Spie­le­kon­so­le, ja und ist da sonst nix? Doch schon, zual­ler­erst das gran­dio­se Design: Dun­kel­grü­ne Tas­ten, schwarz ein­ge­fasst und in einem fla­chen, sil­ber­nen Gehäu­se untergebracht.

Dazu die Typen­schil­der in Chrom. Das hat schon was! Und allen Gum­mi­tas­ta­tur­hassern sei gesagt: Bes­se­re Tas­ten die­ser Art hat­te ich noch nicht unter mei­nen Fingern.

Bit Corporation Bit90 Tastatur
Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90 Tastatur
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Hard­ware

Die inne­ren Wer­te waren durch­aus beacht­lich, ent­spra­chen sie doch dem Cole­co Visi­on, wel­ches sei­ner­zeit wohl die bes­ten Arca­de-Games-Umset­zun­gen bot:

  • Zilog Z80A (Z8400A) mit 3,58 MHz
  • 24 KB ROM
  • 18/​34 KB RAM
  • TMS9929 Gra­fik­ein­heit (bekannt u.a. aus dem TI 99/​4a und den MSX-Rechnern)
  • AY‑3–8910 Sound­ge­ne­ra­tor (u.a. auch in: Arca­de-Auto­ma­ten, CPC-Serie, Spec­trum, ST)

Der „krum­me“ RAM-Spei­cher rührt daher, dass das Gerät den Video­spie­cher (TMM2016AP) von 2 KB RAM mit­zählt. Der Gra­fik­chip könn­te bis zu 16 KB RAM dedi­zier­tes Video-RAM ver­wen­den. Im Bit90 sind aber nur die erwähn­ten 2 KB RAM dafür verbaut.

Gra­fik: 256 x 192 (64 x 48 LoRes) Pixel (32 x 24 Zei­chen, ), 16 Far­ben, 32 Spri­tes (ein­far­big). 34 Ebe­nen (pla­nes); Zei­chen, Hin­ter­grund und Rah­men konn­ten jeweils 16 Far­ben annehmen.

Sound: drei Stim­men, Fre­quenz in 1024 Stu­fen ein­stell­bar. Laut­stär­ke in 16 Stu­fen ein­stell­bar.  Ein Hüll­kur­ven­ge­ne­ra­tor, de-/ak­ti­vier­bar für ein­zel­ne Stim­men. Zufalls-/Rausch­ge­ne­ra­tor. Der Sound­chip ist gene­rel fähig, ein Ste­ro-Signal aus­zu­ge­ben, da auch das Cole­co­Vi­si­on kei­nen Ste­reo­sound bot, fehlt die­ser auch hier.

Das Gerät hat einen ech­ten Reset­knopf und einen wacke­li­gen Ein­schalt­knopf (auch das war nicht immer selbst­ver­ständ­lich bei der Kon­kur­renz). Eini­ge Tes­ter monier­ten, dass das Gerät nach eini­gen Stun­den zu heiß wür­de, und dar­auf­hin abstürzte.

Bit Corporation Bit90 Mainboard
Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90 Mainboard

Die Tai­wa­ner ver­ste­hen ihr Hand­werk: der sau­be­re Auf­bau des Bit90 begeis­tert. Man erahnt, war­um auch heu­te die meis­ten Note­books in Tai­wan gefer­tigt werden.

BASIC

Das wirk­lich umfang­rei­che BASIC ließ kaum Wün­sche offen. Auch wenn man alle Befeh­le über Short­cuts auf der Tas­ta­tur abru­fen konn­te, so wie bei z. B. Sin­c­lair üblich, war dies nur eine Drein­ga­be und kei­ne Pflicht, da sich die Befeh­le auch wie gewohnt ein­tip­pen ließen.

Das ist alles super. Aber lei­der gibt es nur einen Line-Edi­tor und das BASIC ist auch nun wirk­lich nicht das schnells­te. Gra­fik­be­feh­le wie Line oder Cir­cle gibt es eigent­lich nicht, da man aber jeden ein­zel­nen Pixel über den Plot-Befehl anspre­chen kann, muss man sich eben kur­ze Gra­fik­rou­ti­nen selbst basteln.

Wer der Her­stel­ler des BASICs ist, bleibt im Dun­keln, aber wie damals üblich dürf­te es sich um Micro­soft han­deln. Die CPU legt ein MBASIC nahe, aber die Befeh­le ent­spre­chen alle ziem­lich genau dem TI 99/​4a, mit dem sich der Bit90 auch die Gra­fik­ein­heit teilt.

Befeh­le:
auto, abs, asc, atn, bye eof, call, chr$, clear, clo­se, cont, copy, cos, data, def, dele­te, dim, edit, else, end, exp, fn, for, fre, gosub, hex$, home, if, in, inkey$, input, inscr, int, joyst, left$, len, let, list, ln, load, log, mid$, music, next, new, on, onerr-goto, open, opti­on-base, out, peek, plot, play, poke, pos, print, read, ran­do­mi­ze, rec, rem, renum, res­to­re, resu­me, return, right$, rnd, run, save, sgn, sin, spc, sqr, step, stop, str$, tab, tan, then, tem­po­tra­ce, to, untrace, val, wait

Bei der Lis­te klappt dem C64-Fan­boy die Kinn­la­de her­un­ter, wäh­rend sich die Hose öff­net. Isso!

Anschlüs­se

Auch hier kann man eigent­lich nicht meckern! Auf den ers­ten Blick wir­ken die Anschluss­mög­lich­kei­ten voll­stän­dig. Tat­säch­lich aber fehlt hier ein essen­zi­el­ler Anschluss: der für ein Diskdrive!

Gerüch­te­wei­se soll es aber tat­säch­lich dafür eine Erwei­te­rungs­kar­te geben, die das (mit wel­chem Con­netc­tor?) nach­rüs­ten wür­de. Der eben­falls feh­len­de Prin­ter-Port ist hin­ge­gen recht ver­brei­tet, respek­ti­ve war im Preis von 600 DM enthalten.

  • Coloeco-Visi­on-kom­pa­ti­bler Modulschacht
  • 2x 9‑polige Standard-Joystickbuchsen
  • Expan­si­ons­port (pro­prit­är, Platinenausführung)
  • Kas­set­ten­re­kor­der (DIN-Buch­se, 2400 Baud)
  • Audio-Aus­gang (DIN-Buch­se)
  • RGB-zei­chen­an­schluss (DIN-Buch­se)

Im Lie­fer­um­fang des Bit90 befan­den sich ein Monitor‑, ein Kas­set­ten­re­cor­der, ein TV-Koax-Kabel, ein exter­nes Netz­teil (nicht Cole­co­Vi­si­on kom­pa­ti­bel!) und ein recht brauch­ba­res Handbuch.

Ein Home­com­pu­ter die­ser Zeit bringt einen RGB(!)-Monitorausgang mit? Ist CP/​M‑kompatibel? Wow! Und hat auf der ande­ren Sei­te eine Gum­mi­tas­ta­tur? Okaaaay…? :-O

Nur zur Ein­ord­nung, die CP/​M‑Kompatibilität war damals so etwas wie DOS-Kom­pa­ti­bi­li­tät, denn sie ermög­lich­te die Ver­wen­dung von tau­sen­den pro­fes­sio­nel­ler Programme.

Ein erwach­se­ner Käu­fer erwar­tet da ein­fach eine brauch­ba­re Tas­ta­tur und mehr als die 32 x 24 Zei­chen pro Bild­schirm, die der arme Bit90 nur bie­ten konnte.

Nun sind wir aber mal ganz ehr­lich: Wofür haben 95 % der C64-Eig­ner das Dis­klauf­werk 1541 ver­wen­det? Um damit Spie­le zu laden! Nun, die meis­ten Spie­le für den Bit90 gab es auf Modul. Coleco-Vision-Module!

Erwei­te­run­gen

Es gab auch diver­se Erwei­te­run­gen für das Gerät. Dar­un­ter natür­lich auch drin­gend nöti­ge Spei­cher­er­wei­te­run­gen. Alle Modu­le lie­ßen sich auch inein­an­der(!) ste­cken, sodass man meh­re­re Erwei­te­run­gen zur glei­chen Zeit nut­zen konnte.

Eine pri­ma Sache, von der C64-Eig­ner sei­ner­zeit nur träu­men konnten.

Bit Corporation Bit90 Printer Interface Card
Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90 Prin­ter Inter­face Card

 

Bit Corporation Bit90 Memory Card
Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90 Memo­ry Card, hier mit 16 K bestückt

 

Bit Corporation Bit90 Expansion Port
Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90 Expan­si­on Port

 

Bit Corporation Bit90 Erweiterungskarten
Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90 Erweiterungskarten

Ver­füg­bar soll­ten(!) fol­gen­de Erwei­te­run­gen sein:

  • 16 KB RAM – bis maxi­mal 32/​48 KB RAM gesam­ter Systemspeicher
  • 32 KB RAM – bis maxi­mal 48/​64 KB RAM gesam­ter Systemspeicher
  • Cen­tro­nics
  • Flop­py­drive
  • Assem­bler­mo­dul (für den Modulschacht?)
  • Lichtfgrif­fel-Erwei­te­rung
  • VCS-Erwei­te­rung
  • RS323C
  • Modem
  • User­port

Wie vie­le Kar­ten man wohl hin­ter­ein­an­der ste­cken konnte?

Tja, also min­des­tens vier oder fünf essen­zi­el­le Modu­le (2x)RAM, Flop­py, Dru­cker, Modem) soll­ten doch mit­ein­an­der lau­fen, wenn die Strom­ver­sor­gung reicht und die Modu­le sich nicht ins Gehe­ge kom­men. Aber ein IBM PC hat­te zu der Zeit meist auch nur einen 8‑Bit-ISA-Bus, der sich die Band­brei­te auch tei­len musste.

Inter­es­sant bei den Erwei­te­rungs­kar­ten ist mit Sicher­heit, dass sie kei­ne Bas­tel­lö­sun­gen ohne Gehäu­se, so wie oft beim CeVi, waren, und dass sie eben hin­ter­ein­an­der gesteckt wer­den kön­nen. Auch hier Hut ab und Ver­nei­gung vor der Bit Copo­ra­ti­on, die ein wirk­lich durch­dach­tes Gesamt­sys­tem entwickelten.

Fazit

Anvi­sier­te Zielgruppen:
Nun, was haben sich die Leu­te bei der Bit Cor­po­ra­ti­on mit die­sem Gerät (und auch vor­her mit dem Bit60) gedacht? Sie erhoff­ten, dass sie die Leu­te als Kun­den gewin­nen könn­ten, die bereits ein Cole­co Visi­on (oder mit der VCS-Erwei­te­rung: ein Ata­ri 2600) besa­ßen und die nach dem Tele­spiel-Crash im Jahr zuvor nun auf einen Home­com­pu­ter umstei­gen woll­ten. Wow! Das waren ja Mil­lio­nen von poten­zi­el­len Kun­den! Dann noch die CP/​M‑kompatibilität, die pro­fes­sio­nel­len Ein­satz verhieß!
Welch ein Markt, was für Chancen!

Rea­li­tät:
Hat aber lei­der nicht funk­tio­niert, bzw. nur im begrenz­ten Umfang, denn auf den Com­mo­do­re 64 wüte­te 1984 bereits die Raub­ko­pie­rer­sze­ne mit Ver­teil­zen­tren auf allen bun­des­wei­ten Schulhöfen.

Was ist gei­ler als ein altes Modul, das man im Regal ste­hen hat?
Richtig!
Eine raub­mord­ko­pier­te Kas­set­te oder Dis­ket­te voll mit den neu­es­ten Games!

Gut, im Jahr 1984 kos­te­ten die güns­tigs­ten Dis­ket­ten immer noch rund fünf DM, meist aber 7,50 DM auf­wärts, was bei einem Taschen­geld von sagen wir mal 20 oder 25 Euro im Monat schon sehr teu­er war, aber auf so eine Dis­ket­te pass­ten auch schon mal vier oder fünf Spie­le, manch­mal auch mehr.

Finan­ziers:
Bei den Groß-/El­tern, den Geld­ge­bern, hat­te zu die­ser Zeit der Com­mo­do­re 64 den (nicht halt­ba­ren) Ruf, nütz­lich für die Schu­le zu sein, Kin­der und Eltern woll­ten also meis­tens einen CeVi und damit war das Ren­nen schon entschieden.

Grün­de des Scheiterns:
Cole­co-kom­pa­ti­bel, CP/​M‑kompatibel – das Soft­ware­an­ge­bot für die­sen Rech­ner kann man also nur als exzel­lent bezeich­nen, ohne Dis­kus­si­on! Mit Erwei­te­rung konn­te man auch noch War­um schei­ter­te das Gerät also?

Dem Ding ging es wie vie­len guten Pro­duk­ten, die sich gegen schlech­te­re am Markt nicht durch­set­zen konn­ten: Ford Edsel, Beta­max, Video 2000, Moto­ro­la ROKR, DAT, Mini­Disk – die Lis­te lie­ße sich lang fort­set­zen, aber das wohl übels­te Pro­dukt, dass sich uner­klär­li­cher­wei­se viel zu weit ver­brei­ten konn­te, war wohl „Win­dows”. Eigent­lich reicht das schon als Begrün­dung, denn die Men­schen sind in der Mas­se eher dumm, als dass sie eine Schwar­min­tel­li­genz aus­bil­den würden.

Nach­ah­mer:
Eini­ge Jah­re spä­ter folg­te Com­mo­do­re mit dem C65 den glei­chen Gedan­ken­gän­gen und dach­te, es sei eine knor­ke Idee, einen auf­ge­bohr­ten 8‑Bitter (den schnells­ten sei­ner Zeit) auf den Markt zu brin­gen. Die­sen könn­ten die Kun­den ein­fach gegen den ollen C64 aus­tau­schen und alles an Peri­phe­rie  behalten.

Am Ende gab es weni­ger C65 als Bit90. So kann es gehen. Wir soll­ten aber auch kurz eine Gedenk­mi­nu­te für den Enter­pri­se 64/​128 ein­le­gen, auch ein tol­les Gerät, das viel zu wenig Kun­den fand. 😉

Aktu­el­le Situation:
Tja, alles in allem ist der Bit Cor­po­ra­ti­on Bit90(1) also eigent­lich ein traum­haf­tes Gerät, dem lei­der der Erfolg ver­sagt blieb. Dafür ist es eben heu­te ein wirk­lich schö­nes Samm­ler­stück, das Kon­so­len- und Home­com­pu­ter­in­ter­es­sier­te glei­cher­ma­ßen anspricht, was die Preis­ent­wick­lung in letz­ter Zeit auch widerspiegelt.


Anmerkung:

Die­ser Arti­kel ent­stand als ers­ter „Füll­ar­ti­kel” für die Home­Con-Web­site, die am nächs­ten Tag das ers­te Mal live geschal­tet wur­de. Ich grün­de­te die Home­Con zusam­men mit Hol­ger Groh. Eini­ge Wochen spä­ter fand in mei­nem ehe­ma­li­gen Wohn­ort, Seli­gen­stadt, die ers­te Home­Con mit einem über­wäl­ti­gen­den Erfolg statt.

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