Raspberry-Ersatz für 15 EUR: T95max

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Lesedauer 5 Minuten

Mit dieser TV-Box als Raspberry-Ersatz funktioniert Armbian sofort. Einfach das Image auf eine mSD-Karte schreiben, einstecken und booten.

Ich war wirklich erstaunt, dass ich nur die mSD-Karte in die Box stecken musste und das Ding sofort mit Armbian startete. Durch den im Vergleich zum Raspberry Pi 3 doppelt so großen Arbeitsspeicher kann man auf der Box auch anspruchsvollere Server laufen lassen.

Eine Raspberry-Alternative, die 15 EUR kostet? Die T95max ist eine TV-Box mit 4 GB RAM und 32 GB eMMC-Speicher. Ihr Alwinner H6 SoC werkelt auch im Orange Pi 3 und bewies bereits dort, dass er den Raspberry Pi 3 locker abhängen kann. Im direkten Vergleich zum Raspberry Pi 3B+ ist sie satte 55 EUR billiger.

Preisvorteil?

Die Zeiten sind leider vorbei, in dem es solche Boxen noch für schlanke 30 EUR gab. Ja, die hatten nur die Hälfte an RAM und eMMC und waren damit besser mit einem Raspberry Pi 3 vergleichbar. Diese hier kostet immerhin 50 EUR und hat dafür aber auch satte 4 GB RAM und 32 GB eMMC. Wie ich auf die angegebenen 10 EUR komme, rechne ich Euch jetzt einmal vor. Ihr werdet über den Preisvorteil erstaunt sein!

Raspberry-Ersatz

Vorteile

Diese Box hat den Vorteil (zu anderen TV-Boxen), ein kompletter Nobrainer zu sein. Das gesamte Zubehör ist bereits im Lieferumfang enthalten und das Gerät ist fix und fertig aufgebaut. Wir benötigen nur noch eine Micro-SD-Karte und können direkt ohne Bastelarbeiten loslegen.

Auf der Haben-Seite summieren sich hier für diese TV-Box:

  1. „SD-Karte“ bereits eingebaut
  2. Netzteil
  3. HDMI-Kabel
  4. Gehäuse
  5. IR-Port & Fernbedienung (spart einen USB-Port!)
  6. Passives Kühlsystem
  7. optischer SP/DIF-Ausgang!
  8. analoger Videoausgang (entfallen ab Raspi 4)

Nachteile

„Natürlich“ funktioniert das WLAN, wie bei fast allen TV Boxen, nicht. Halb so wild, denn WLAN-USB-Sticks mit Linux-Kompatibilität gibt es für unter zehn Euro auf Amazon. Dieser hier zum Beispiel kann sogar in den Monitor-Mode versetzt werden: besserer WLAN-Stick

Ebenso gibt es keinen GPIO-Anschluss.

Preisvergleich

T95max TV-Box mit H6-SoC, der sogar noch etwas schneller als ein Raspberry Pi 3B+ ist. Preise sind von Geizhals.de und Amazon.

  RPi 3 B+ T95max
RAM 2 GB 4 GB
Board 69,90 inkl.
Netzteil 7,90 inkl.
Gehäuse 4,50 inkl.
Kühlkörper 1,30 inkl.
HDMI-Kabel 3,90 inkl.
mSD-Karte 32 GB 6,98 eMMC inkl.
Fernbedienung 9,99 inkl.
Preis Zubehör 34,39 inkl.
Gesamt 104,29 49,99
Preisvorteil   54,30

Wie bewertet man den größeren RAM? Schwierig. Wir nehmen ihn als Gottesgeschenk und Sahnehäubchen einfach mal so hin.

Benötigen wir kein GPIO sowie WLAN – und kommen mit nur zwei statt vier USB-Ports aus – so spart uns die TV-Box als Raspberry-Ersatz rund 55 EUR im Vergleich.

Komplett ausstattungsbreinigt kostet uns ein TV-Box-Mainboard somit eigentlich … nichts.

Lassen wir aber einfach einmal den absurden Preis für die Raspis komplett aussen vor und konzentrieren uns auf das Zubehör: Dieses kostet für den Raspberry rund 35 EUR. Die Box kostet 50 EUR, also kostet die Hauptplatine der Box im direkten Vergleich 15 EUR. Ein Raspberry Pi 3B+ kostet laut Geizhals rund 70 EUR, also haben wir 55 Euro gespart. Cool, oder? Nun steht unseren Projekten kein absurd hoher Preis mehr im Wege.

Wer mehr wissen will, kann sich meinen Artikel zu Pi-Alternativen durchlesen. Die gibt es bereits für weniger Geld. Aber diese Box hier ist eben so leicht zu konfigurieren, wie ein Raspberry Pi.

Raspberry-Ersatz?

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Der H6 ist ein wenig schneller als ein Raspberry Pi 3 und hat in diesem Falle natürlich viel mehr RAM. Möchte man einen Preisvergleich zu einem Raspberry Pi anstellen, so hat die TV-Box durch ein mitgeliefertes Netzteil, ein Gehäuse, das HDMI-Kabel und die 32 GB eMMC „SD-Karte“ einen Preisvorteil von in etwa 25 Euro. Nicht eingerechnet ist die Fernbedienung, die für den Raspberry Pi ebenfalls mit ca. 10 Euro zu veranschlagen wäre. Diese ist wichtig für den Einsatz als Mediaplayer. Wir verrechnen sie einfach mit der WLAN-Karte, okay? 🙂

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Durch den fehlenden GPIO-Port kann man nun keine Hardware-Bastelprojekte starten, aber alles, was mit einem Raspberry Pi an Serveranwendungen funktioniert, funktioniert auch mit der T95max.

Natürlich ist die TV-Box signifikant größer als ein Raspberry (und vor allem ein Zero), aber sie ist immer noch um Größenordnungen kleiner als ein mITX-Rechner. Vom Energieverbrauch fange ich erst gar nicht an. Die Leistung ist ganz grob mit der eines Intel Atom 435 zu vergleichen.

Los geht es!

Voraussetzungen

Installation

Das Image laden und mit Etcher auf die SD-Karte schreiben. Karte in die Box stecken, Netzteil einstecken, fertig.

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Zugriff

Box ist mit dem LAN verbunden? Dann im Router nach der zugewiesenen IP-Adresse der Box suchen, oder sie sich mittels Angy IP Scanner anzeigen lassen. Mittels SSH auf die Box zugreifen.

  • Benutzername ist root
  • Passwort ist 1234

Jedes normale Betriebssystem hat eine SSH-Funktionalität. Nur Windows nicht. Da benötigt Ihr eben PuTTY.

Sobald wir Zugriff auf die Box haben, können wir viele Projekte starten.

Support?

Hervorragenden Support gibt es im Armbian-Forum für die H6-TV-Boxen.

Was kann man damit machen?

Prädestiniert ist so eine Box durch den analogen Videoausgang, den aktuelle Raspberry Pi 4 nicht mehr bieten, unter anderem für den Einsatz an einem alten Röhrenfernseher, an dem man stilechter als an einem aktuellen TV viele Retrospiele zocken kann. Aber natürlich kann man den Spielspaß auch an einem Fernseher mit HDMI-Eingang haben. Man könnte sich mit dieser TV-Box auch einen Arcadeautomaten aufbauen.

Generell ist diese Box durch die vorhandenen Anschlüsse und die Fernbedienung von Natur aus besser als Medienplayer geeignet, als ein Rapsberry Pi. Aber das war bei einer TV-Box auch nicht anders zu erwarten. 🙂

Hier einige Beispiele, wofür man die Box benutzen kann:

  • Mediacenter (openELEC)
  • Retro-Spielekonsole (EmuELEC)
  • Zabbix-Server
  • PI-hole
  • PI.alert
  • RPort
  • Octoprint
  • ioBroker (Smarthome-Zentrale)
  • Webserver
  • Router / Accesspoint
  • Firewall (mit USB-Gigabit-NIC)
  • Dashy
  • Retrospiele-Konsole
  • Kleines NAS
  • Desktop-Ersatz für einfache Aufgaben im Internet und Office
    usw. usf.

Hardware / Design

  • Gutes, schlichtes Design (Geschmackssache)
  • Sehr stabiles Gehäuse (ohne Display)
  • erstaunlich wertige Fernbedienung
  • gute Kühlung

Fazit

Zum günstigen Kurs hat man hier eine Komplettlösung mit Gehäuse, Netzteil und 32 GB großen eMMC-Speicher, den man mit null Konfigurationsaufwand innerhalb von fünf Minuten zu einem Linux-Server machen kann.

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8 Gedanken zu „Raspberry-Ersatz für 15 EUR: T95max“

  1. Mit Interesse habe ich Ihren interessanten Beitrag über diese RasPi Alternative gelesen.

    Ich spiele mit dem Gedanken, eine Jukebox für meine Musiksammlung zu bauen. Dafür gibt es mit Volumio eine Distro für den RasPi. Die T95max wäre dafür mit Anschlüssen ideal ausgestattet.

    Sollte – nach Ihrer Einschätzung – Volumio auf der T95max laufen?
    Wie schätzen Sie die Performance im Vergleich zum RasPi ein?

    Vielen Dank.

    Antworten
    • Ich habe Benchmarks gemacht:
      https://hessburg.de/raspberry-pi-alternative-fuer-5-euro/#Benchmarks
      Volumio kenne ich leider nicht. Ich habe aber intern eine Liste mit spannenden Raspi-Projekten. Da füge ich es mal hinzu.
      Irgendwann werde ich die abarbeiten und Artikel darüber schreiben.
      Nach einer flüchtigen Recherche habe ich aber Zweifel, da die Volumio-Entwickler wohl Pakete im Raspbian-Image ohne Dokumentation und Nachinstallationsscript geändert haben, so dass wohl nur deren eigenes Image läuft und das ist für den Raspberry optimiert.
      Das kommt mehr als selten vor und ist nun wirklich ein schlechter Stil.
      Kodi bietet doch auch eine Musikverwaltung an, wäre das keine Alternative?
      Oder Subsonic?

  2. Danke für Ihre Erläuterungen.

    Kodi ist bestimmt eine Alternative, wenn Zweifel an Volumio bestehen. Subsonic kenne ich nicht, soll ein Mediaserver sein.

    In beiden Fällen ist mir die Softwareinstallation nicht ganz klar:
    – oben verlinktes Armbian: Debian Buster oder Ubuntu Focal
    – dann Kodi / Subsonic aus einem Repo

    Oder eine der erwähnten Distros. Allerdings ist openELEC eingestellt.
    Alternative: libreELEC H6 Tanix TX6

    Soweit ich gelesen habe, soll es teilweise Probleme beim Booten und / oder der Hardwarebeschleunigung geben.

    Haben Sie allenfalls etwas davon bereits auf der T95max getestet?

    Antworten
    • Ach, wie nett, es gibt Images von libreELEC für TV-Boxen? Das wusste ich gar nicht. Na ja, ist aber naheliegend.
      Ich benutze die Boxen nur headless, also ohne Ein- und Ausgabegeräte, als dedizierte Server für exakt definierte Aufgaben.
      Daher installiere ich immer erst das Armbian und danach ganz normal die Software, die darauf laufen soll.
      Von der Karte ziehe ich zum Schluss zur Sicherheit ein Backup, wenn alles so läuft, wie es soll.

      Fast nie gibt es dabei Probleme. Präsent sind mir noch Nzyme, aber das bekam ich nicht einmal auf einem Raspberry 2 an den Start. Vermute, dass das nur mit einem Vierer läuft.
      Bei, Einsatz als Printserver fehlten die Scannertreiber für die ARM-Architektur, es gab nur die Druckertreiber. Aber das Problem hat natürlich auch ein Raspberry Pi.

      Ich verstehe es recht, dass „Jukebox“ tatsächlich eine bedienbare Medienzentrale meint? Wäre es nicht eine Idee, so einen AIO-PC von MSI mit Touch auf Ebay-Kleinanzeigen zu kaufen? Die haben eine AMD-APU auf der dann auch wirklich alles läuft. Ist so „schnell“ wie ein RPi4.

      Oder hier: mit viel schnellerer Pentium-CPU von Lenovo: KLICK

      Wäre das nicht eine Idee, wenn es nicht auf die Größe des Gerätes ankommt? Man spart sich Monitor, Tastatur und Maus.

  3. Das wäre die Idee, mit optischem Anschluss direkt an den Verstärker. Diese Hardware ist aber eher gross fürs Regal und hat häufig nervige Lüftergeräusche. Da scheint ein kleiner Laptop fast besser geeignet.

    Deshalb spricht – neben dem Preis – einiges für die T95max. Die Bedienung könnte über das Web Interface erfolgen.

    Bleiben als offene Fragen, ob die libreELEC H6 Distro für Tanix TX6 laufen würde (sonst Kodi auf Armbian Buster) und die Performance bei einer grösseren Musiksammlung.

    Obs ein Versuch Wert wäre?

    Antworten
    • Ach, so eine Box kann man immer mal brauchen, oder? 🙂 Ich habe leider nie den SP/Dif-Ausgang an der Box getestet, wenn da Armbian drauf läuft.

      Mir fällt aber gerade ein, dass ich sehr gerne mein Handy über WLAN mit meinem Onkyo-7.1-Receiver benutzt hatte. Auf so ein Handy passt schon ne Menge Zeug. Oder ein einfaches Tablet mit einer großen mSD-Karte? Oder von einem NAS via WLAN?

      Dann aber auch irgendwie mindestens über Bluetooth 5.0, oder? So eine Box (Werbung) an die Anlage anschließen und mit einem alten (BT5.0) Handy oder Tablet darauf streamen?
      Sorry, wenn ich Verwirrung gestiftet habe, ich dachte nur, dass es nett wäre, wenn Du vom Sofa aus Musik streamen könntest.

      Irgendwie habe ich meine Ansprüche so heruntergeschraubt, dass ich schon zufrieden bin, wenn die Google Nest Mini Spotify im ganzen Haus streamen. Muss es lauter sein, steht in der Küche noch eine Soundtouch 30. Aber ich bin kein Fan des Bose-Sounds, der ist anstrengend. Ich bin eher der Freund von guten 1-Wege-Systemen. Das ist für mich entspanntes Musikhören. Vielleicht mag ich deswegen die Nest Minis?

      Edit: Moment …. Kodi hat ein Webinterface? *such* Settings → Services → Control → Allow remote control via HTTP.
      Krass! 🙂 Na dann … 🙂 Aber wie gesagt: optischer Ausgang? Solltest Du vielleicht vorher im Armbian-Forum nachschauen?

    • Danke für die Info.
      1.) Das ist eine komplett andere Box. Die Namen sind eh immer sehr ähnlich, egal von wem die kommt.
      2.) Kommt das bei so einem China-Kram öfter vor.
      3.) Das sollte jedem Käufer von solchen Gadgets klar sein, dass die OOTB einfach nur Käse sind, oder? Siehe Dir doch die Bewertungen an, da sind die Leute selten zufrieden.
      3.) Sobald da Armbian drauf ist, ist Ruhe – und das sollte immer erstes Ziel sein, bevor man die Box als Alternative zum Raspi nutzt.
      Ich verstehe nicht, wie man eine TV-Box mit einem aufgeblähtem Android laufen lassen will, die Installation von PiHole unter Armbian ist doch nicht kompliziert.
      Bis eine TV-Box mit Android bootet, dauert doch echt ewig.

      Ich war völlig erstaunt, dass es PiHole als APK gibt. WARUM? 🙁
      Wer traut denn bitte schon Android über den Weg, zumindest wenn es mit Google Diensten daher kommt?

      Hast Du mal eine TV-Box gebootet? Davon bekommt man Aggressionen. Mir ist noch keine untergekommen, die nicht schnarch langsam gewesen ist. Der Einsatz als Server verbietet sich mit Android nicht zuletzt deswegen.
      Und genau deswegen soll die Box auch nur unter Armbian laufen.

      Schön, dass Du nicht zu WinFuture verlinkt hast. Diese ganzen Tech-Seiten haben allesamt keine Ahnung von dem, worüber sie schreiben. Die lesen die Meldungen auf richtigen Portalen wie Heise, oder gar in Foren und schreiben dann daraus einen vollkommen inhaltsleeren, aber reißerischen Artikel.

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