WLAN-Reichweite effektiv erhöhen

Lesedauer 6 Minuten

Dir fehlt es an Reichweite im WLAN? Es ist langsam und unzuverlässig? Gute und teure Lösung: greif zu Produkten von AVM. Billige, gute und sichere Lösung: Nimm Hotspots mit openWRT! Ich zeige Dir, wie das geht!
openWRT ist freie, quelloffene Software, der man mehr vertrauen kann, als jeder “Blackbox” renommierter Hersteller. Persönlich bin ich es mittlerweile komplett leid, mich in die Abhängigkeit von irgendwelchen Herstellern zu begeben, die irgendwann keinen Bock mehr auf die eigene Hardware haben und den Support nach einigen Jahren auslaufen lassen. Okay, das kann Dir bei openWRT auch passieren, aber nicht aus Geldgier, sondern, wenn im Laufe der Zeit die technische Entwicklung stärkere Hardware nötig macht.

openWRT ist in jedem Falle die richtige Wahl, wenn man auch Sicherheit und Nachhaltigkeit Wert legt und der geplanten Obsoleszenz der Industrie entgegentreten will.


Was brauchst Du?
Den alten Router (Marke egal)
Einen oder mehrere Router bzw. Accesspoints mit openWRT


Keine WLAN-Verbindung zwischen Router und Accesspoint!

Den neuen Router, der Dein WLAN erweitern soll, schließt Du mit einem Netzwerkkabel an Deinen alten Router an. Das Kabel NICHT in eine der WAN-Buchsen stechen! Den alten Router lässt Du von den Einstellungen einfach so, wie er ist. Nichts ändern!


Warum über ein LAN-Kabel?

Nun, wer Funk kennt, nimmt Kabel. Aber Spaß beiseite: Es soll doch schnell sein und das WLAN wirklich erweitern, oder? Wie soll das über WLAN bitte funktionieren? Klar, das gibt es alles so zu kaufen und die Hersteller erzählen Dir auch gerne was vom Pferd… kannst Du auch gerne so machen, aber dann isses halt scheiße.

Warum? Der Repeater müsste sich ja noch in einem guten Empfangsbereich befinden, aber dann erweitert er das WLAN nicht weit genug. Rückt er näher an den “Rand” des WLANs, dann sinkt auch die Datenübertragungsrate, die dann prinzipbedingt auch noch halbiert werden muss (ein Repeater, wiederholt halt alles, nicht wahr?). Was am Ende da für eine “Leistung” übrig bleibt, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. BTW: Vergiss dabei auch 5 GHz, damit kannste ne Zweizimmerwohnung versorgen, aber nicht viel mehr.

Es ist sinnlos, die Endgeräte durch die Router auf den jeweils “besten” Hotspot umzuleiten. Das sollen die Endgeräte selber machen. Und das sollten aktuelle Geräte auch können.

Genau aus diesen Gründen kannst Du also die ganzen Steckdosen-Repeater in die Tonne treten. Selbst wenn die Dir mehr Balken anzeigen, hast Du kein schnelleres WLAN. Du kannst halt nur ein paar Meter weiter noch langsamer surfen. Wenn Dir das reicht, dann höre hier auf zu lesen.


Empfehlung

Ich kann die Cudy WR1300 empfehlen. Da kostet das Stück unter 40 Euro. Dafür bekommt man keine fertigen WLAN-Repeater. Das Ding ist richtig leistungsfähig, hat sogar noch einen Gigabit-Switch eingebaut. Und er sieht auch verdammt gut aus. Fast wie ein Xiaomi-Gerät.

Erste Wahl ist immer die openWRT-Website. Allerdings arbeiten die Leute noch an der Umsetzung für den WR1300 (Stand 03/2021), aber einen Snapshot kann kann bereits laden.

Cudy bietet auf der eigenen Website fertige openWRT-Images an, die Du herunterlädst und über das Webend des Routers aufspielst (Firmware-Update).

Ebenfalls hervorragende Geräte, die mit openWRT vom Werk daherkommen, sind die von GL.iNet.
Der MT 300N-V2 “Mango” ist super klein und schon für einen Zwanni (ohne Netzteil!) auf Amazon zu bekommen. Klar, der hat kein 5 GHz-WLAN, dafür ist er klein und süß.

Mit Power over Ethernet (kein Netzteil nötig, wenn Du einen PoE-Switch hast!), aber etwas weniger Durchsatz, kommt für nur 5 Euro mehr der weiße GL-AR 150 (PoE) daher. An solchen Geräten hat man länger Freude und Updates als an den sehr viel teuren Routern, für die es irgendwann eben keine Updates mehr gibt.

“Aber… das sind doch böse chinesische Geräte! Der ist doch voller Spyware und Hintertüren!”
Unsinn! Blödsinn! Dummes Stammtischgeschwätz!
Das ist das, was die US-Regierung den Leuten auch über Huawei erzählt, aber nie beweisen konnte. Im Gegenteil, die NSA lässt Hintertüren in Produkte der heimischen Industrie einbauen, die dann weltweit eingesetzt werden, um Freund und Feind auszuspionieren.

Klar, Geheimdienste haben auch schon ihre Finger nach Linux ausgestreckt, aber die Versuche, Hintertüren einzubauen wurden hoffentlich alle aufgedeckt. So oder so, bei den GL.iNet-Geräte ist die hauseigene Firmware komplett OpenSource und für Jedermann einsehbar!

Vielleicht hast Du auch einen Router übrig, der aber keine neuen Updates mehr bekommt und daher potenziell unsicher ist? Vielleicht kann man ihn auch nicht als AP einsetzen, weil die Firmware total verkorkst ist? Dann schau nach, ob Du dem Ding neues Leben einhauchen (und dabei noch Geld sparen und der Umwelt etwas Gutes tun kannst): Liste der unterstützen Geräte


Aber zum eigentlichen Thema zurück:
Um auch den letzten Zweifel auszuräumen, ersetzen wie die Firmware des neuen Routers, auch wenn sie komplett auf openWRT basiert und im Falle von GL.iNet sogar komplett quelloffen ist, durch ein reines openWRT.
GL-MT300N-V2
GL-AR150
WR1300 (aktuell noch inoffizieller Snapshot)

Die Anleitung sieht kompliziert und lang aus, aber sie ist es nicht. Einfach von oben nach unten abarbeiten, dann geht nichts schief und Ihr seit in fünf Minuten durch.

Anschluss
Nachdem wir openWRT über die Firmware-Update-Funktion installiert haben, ist aus Sicherheitsgründen das WLAN deaktiviert. Wir brauchen also Zugriff via LAN.
Wir schließen den Router mit einem Netzwerkkabel direkt an unseren Rechner an, geben unserer Netzwerkkarte manuell die IP 192.168.1.2 und rufen 192.168.1.1 im Browser auf.

Manche Browser zicken rum und versuchen immer wieder auf https umzuschalten. Der Router ist aber nur unter http erreichbar. Also http://192.168.1.1 eingeben, wenn der Browser die Adresse angeblich nicht öffnen kann.

Das Webend ist völlig offen, man kann als Passwort eingeben, was man will und kommt so oder so rein. Eine große Meldung fordert uns auf, ein Passwort zu vergeben. Das machen wir JETZT! SOFORT!

Danach geben wir unserer Box einen Hostname. Am besten einen sprechenden, denn der erscheint dann auch prominent oben links im Webend, damit man immer sieht, auf welchem Gerät man gerade sein Unwesen treibt.

System, System:

Nun bekommt der Router eine feste IP in der Nähe unseres alten Routers.
Ist die IP, wie bei einer Fritz!Box üblich, die 192.168.178.1, dann geben wir unserem neuen Gerät die 192.168.178.2. Jeder weitere Accesspoint wird fortlaufend durchnummeriert:
192.168.178.2
192.168.178.3
192.168.178.4, etc.
Achtet darauf, dass Ihr keine doppelten IPs vergebt!

Innterfaces, LAN:

Es geht weiter mit Network, Wireless
Hier finden wir gegebenen Falls zwei SSIDs. Einmal für 2,4 GHz und einmal für 5 GHz. Manchmal ist auch schon ein Gastzugang eingerichtet. Alles sind deaktiviert, oder sollten es sein.

Wir klicken jeweils auf Edit und nehmen unsere Änderungen vor:


Den Kanal setzen wir auf “Auto” oder vergeben ihn fest.
Bitte nur 1, 6 oder 11 wählen, das sind die einzigen Kanäle, die sich den Frequenzbereich nicht mit den Kanälen dazwischen teilen müssen. Wenn Du mehrere Accesspoints installieren willst, dann gib denen alle ein und denselben Funkkanal, das macht manchen Clients (IoT-Geräten zum Beispiel) den Wechsel leichter.  (Stichwort: Backup-WLAN im SmartHome)
Die SSID setzen wir auch exakt dieselbe ID wie die des bereits vorhandenen Routers! WICHTIG!

Kommen wir zum Passwort:

Wireless Security: WPA2-PSK ist die aktuell sicherste und kompatibelste Verschlüsselung. Mit WPA3 haben immer noch viele Geräte massive Probleme.
Key: Hier vergeben wir das exakt selbe Passwort wie im bereits vorhandenen Router! WICHTIG!


Advanced Settings: Hier wählen wir DE Germay als Country Code aus, damit das WLAN nicht irgendwie “illegal” in der Gegend rumfunkt und uns dadurch die Bundesnetzagentur auf den Hals hetzt.

Wir klicken auf “Enable” im General Setup, warten einen Moment, schauen, ob das WLAN hochkommt.

Wir machen den Repeater “dumm”
Damit sich die Geräte bei der Vergabe der IP-Adressen (DHCP) und der Namensauflösung (DNS) nicht in die Haare bekommen, und Du das komplette Chaos im Netzwerk hast, bis nichts mehr funktioniert, müssen wir einige Einstellungen vornehmen:

Einige Dienste deaktivieren:
System, Startup:
Deaktivieren und stoppen:
dnsmasq, firewall und odhcpd

DHCP an den Schnittstellen abschalten:
Network, Interfaces, LAN:
Allgemeine Einstellungen, Schnittstelle ignorieren anhaken.

IPv6 Einstellungen: alles auf “deaktiviert” stellen.

Zurück und Änderungen speichern und anwenden, indem wir  oben rechts auf der blaue Feld klicken, das die Settings übernimmt und anwendet.

Wir stecken nun die Netzwerkkabel vom Rechner und Router wieder in den Switch (oder den originalen Router) und stellen unsere Netzwerkkarte zurück auf “Automatisch”, “DHCP”, oder was auch immer in diesem Sinne da steht.

Nun sollte der Router unter der neuen Adresse (z.B. 192.168.178.2) erreichbar sein.

Euer WLAN sollte nun deutlich größer sein und auch einen deutlich besseren Durchsatz bieten.

Fertig!

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