Auf der Retro­bör­se 5

Lese­dau­er 13 Minu­ten

Bereits zum fünf­ten Mal fand in Bochum die Retro­bör­se statt. Da wir zu fünft waren, fuh­ren wir mit mei­nem alten Espace zur Bör­se. Was wir dort alles erleb­ten will ich Euch nicht vor­ent­hal­ten. Bereits zum fünf­ten Mal fand in Bochum die Retro­bör­se statt. Die „Rhein-Main-Gang”, eine Unter­men­ge der Home­Con, traf sich mit­ten in der Nacht, also um 07:30 Uhr in FFM. Da wir zu fünft waren (Anta­Baka, Dra­co, Erby, Hes­si und Quark­beu­tel), fuh­ren wir mit mei­nem alten Espace zur Bör­se. Auch wenn die hin­te­ren Sit­ze eher für Kin­der geeig­net sind, da sie zu tief am Boden ange­bracht sind, pass­ten wir da alle beque­mer rein, als in ein nor­ma­les Auto.


(Bei der Abfahrt foto­gra­fiert: Mes­se­turm in Frankfurt)

Hin­ten hat­te ich nur drei Sit­ze mon­tiert und die rest­li­chen zu Hau­se gelas­sen. Dra­co sass ganz hin­ten, vor ihm Anta­Baka und Erby. Quark­beu­tel gab den Bei­fah­rer. Die Hin­fahrt lief rei­bungs­los und wir hat­ten nur einen kur­zen Stau. Zum Leid­we­sen Quar­kis bin ich maxi­mal 130 km/​h gefah­ren, bei ihm zit­tert die Nadel immer um die 200 km/​h. Das stör­te gera­de Erby weni­ger, der nahe­zu sofort ein­schlief und so die ange­reg­ten Gesprä­che wäh­rend der Fahrt ver­pass­te. Legen­där aber sei­ne Fähig­keit aus dem Tief­schlaf zu erwa­chen und sich ansatz­los an der Dis­kus­si­on zu beteiligen.

Dra­co dozier­te über die Nach­tei­le der non­ver­ba­len Online­kom­mu­ni­ka­ti­on in Foren und der Tat­sa­che, dass man sich im Real Life oft­mals bes­ser lei­den kann als im Cyber­space. Nicht­des­to­trotz tausch­ten wir noch die von uns igno­rier­ten Benut­zer aus, wie es Kin­der vor der Fuss­ball­welt­meis­ter­schaft mit Pan­ni­ni-Bild­chen machen, und stell­ten fest, dass wir die glei­chen „Bild­chen” sammelten. 🙂

Um 10:00 Uhr waren wird dann auch pünkt­lich in Bochum, wo wir kurz die Lage vor der Bör­se im Fal­ken­heim check­ten und dann wie üblich zu „unse­rem” Bis­tro mar­schier­ten um erst­mal in Ruhe zu Früh­stü­cken. Ohne eine ange­mes­se­ne Dosis Kof­fe­in könn­te man ja schliess­lich ein Schnäpp­chen auf der Bör­se über­se­hen. Die Tup­per­büch­se (der Espace besteht aus GFK) park­ten wir auf unse­rem übli­chen Park­platz, ein paar Meter vom Ein­gang ent­fernt. Kei­ne Ahnung, was die Leu­te immer mit der Park­platz­not haben. Schät­ze, eini­ge hät­ten halt ger­ne eine Drive-In-Retrobörse.

Nach so einer lan­gen Fahrt tut fri­sche Luft gut und so nah­men wir den Weg zum Bis­tro per Pedes. Aber was war das?
Cool, da sehe ich ein weis­ses Opel Rekord C Cou­pe, schö­nes Auto! Und so selten!
Ach, da ist ja noch eines, in gold-braun-metallic…
Und…
Wah!
Ein rotes Kadett A Coupe!
Und ein gel­ber Man­ta A!

O.k. da hat wohl ein Opel-Club eine Wall­fahrt nach Bochum orga­ni­siert. In der Luft hängt der Geruch nach unge­rei­nig­ten Abga­sen. Tief ein­at­men! Ja, so war frü­her die Stadt­luft: wür­zig und unge­sund! Die­ser Retro­trip beamt uns mit allen Sin­nen zurück in die gute, alte Zeit!


(Man­ta A, Kadett C, Rekord C)


(Kadett A, links im Hin­ter­grund unser Bistro)

Im Bis­tro schien die Zeit eben­falls ste­hen­ge­blie­ben zu sein. Es sah alles genau­so aus, wie letz­tes Jahr. Wir bestell­ten Kaf­fee, Rühr­ei oder fran­zö­si­sches Früh­stück und waren vol­ler Vor­freu­de auf die kom­men­den Schnäppchen.

Auf dem Weg zurück zur Aka­de­mie­stras­se begeg­ne­ten wir auf der Stra­ße eini­gen Freaks und Nerds. Die kön­nen sich noch zu gut tar­nen, man erkennt sie doch. Schwer zu sagen wor­an, aber die meis­ten sind viel­leicht modisch unauf­fäl­lig und eher prak­tisch geklei­det, Anfang 30 bis Anfang 50 und haben ent­we­der ein ent­spann­tes Grin­sen im Gesicht oder lau­fen bereits mit die­sem Schnäpp­chenkauf-Adler­blick her­um. Allen gemein sind mit­ge­brach­te Trans­port­be­hält­nis­se – meist Ruck­sä­cke, aber wir sahen auch schon Trol­lies – in denen sie ihre Beu­te für den Rück­trans­port in die hei­mi­sche Zock­erhöh­le ver­stau­en wol­len. Wie dem auch sein, man erkennt halt seinesgleichen.

Nicht so der älte­re Herr, der uns ver­wun­dert und belus­tigt frag­te, in wel­ches Sta­di­on wir denn alle unter­wegs sei­en. Offen­bar dach­te er, er wür­de was ver­pas­sen. Tat er ja auch: Die Retro­bör­se! Unter­wegs kommt der Gedan­ke auf, dass sich der arme Kerl rich­tig wun­dern wür­de, wenn er wüss­te, dass wir uns anschick­ten, gutes Geld für Elek­tronik­schrott aus­zu­ge­ben! Wir beschleu­nig­ten unwill­kür­lich unse­ren Schritt.


(Wer­be­pla­kat der Retrobörse)

Punkt 11:00 Uhr stan­den wir vor der Kas­se. Also gut, also unge­fähr 20 Meter vor der Kas­se, denn der Weg dort­hin war mit unge­dul­di­gen Freaks und Nerds ver­stellt, die alle Ein­lass begehr­ten. Wir ken­nen und has­sen die­ses Phä­no­men auch als „Kas­sen­schlan­ge”.

Die War­te­zeit über­brück­ten wir mit dum­men Sprü­chen und Nerd­ge­sprä­chen über die Vor­tei­le von rus­si­schen File­ser­vern und Bun­des­wehr­ruck­sä­cken. An den Gesprä­chen betei­lig­ten sich dann auch Umste­hen­de. Plötz­lich sah ich ein bekann­tes Gesicht von You­tube: Scor­pi­us stand neben dem Ein­gang und wur­de von männ­li­chen Grou­pies umla­gert. Ich hat­te ihn dann gründ­lich irri­tiert, indem ich prol­lig „Ayyy! Scor­pi­us! Krie­gisch nen Auto­gramm?” über der Hof gröhl­te. Er war sicht­lich pein­lich berührt und rief „Äh? Ah! Der Hes­si!” zurück – so als ob das Wort „Hes­si” eine Ent­schul­di­gung für die­se Sze­ne gewe­sen wäre. Den umste­hen­den Fan­block konn­te er dadurch aber wenigs­tens mit sei­ner Fähig­keit beein­dru­cken, Leu­te anhand ihres Ava­tars erken­nen zu können.

Ja, mein Gott, der Mann ist bekannt aus dem „Fern­se­hen”, da muss er damit leben, dass ihn alle wie einen guten Bekann­ten behan­deln. Das ist sein Schick­sal: Der Fluch der Prominenz.

End­lich sind wir an der Rei­he! Mit zit­tern­den Fin­gern 4,- EUR auf den Tre­sen legen, Stem­pel auf die Hand drü­cken las­sen und los geht’s!
In der Theo­rie zumin­dest. Prak­tisch hät­te mich bei dem – durch die Men­schen­mas­sen vor­ge­ge­be­nen – Tem­po jede Oma mit Rola­tor wüst schimp­fend über­holt. Man liess sich also mit dem Strom durch die Gän­ge schie­ben und erriet, solan­ge man nicht an einem Stand vor­bei­kam, die Mar­ke des Deos der umge­ben­den Men­schen – sofern sie dan­kens­wer­ter Wei­se über­haupt eines benutzten. 🙁


(Elek­tronik­schrott­an­häu­fun­gen)


(Prop­pen­voll)


(Video­freak, Scor­pi­us, HOL2001 und Controlport2)

Kurz nach der Trep­pe in den ers­ten Stock bekam ich einen mas­si­ven Flash­back! Aus den Augen­win­kel sah ich ein petrolfar­be­nes klei­nes Gerät mit einem schwar­zen Bild­schirm und einer weis­sen Tas­ta­tur! Wie ein Blitz durch­fuhr es mich: Die­ses Teil hat­te ich als Kind! Kein Zwei­fel. O.k., ich hat­te das die let­zen 33 Jah­re voll­kom­men ver­drängt, aber das war mein „Logic 5″! Ja gut, es war echt scheis­se weil kom­pli­ziert und lang­wei­lig, da bin ich voll­kom­men ehr­lich. Zudem frass das Ding 9V-Blö­cke wie kein zwei­tes. Auf ein elek­tro­ni­sches Mas­ter­mind hat­te selbst damals nie­mand gewar­tet, aber im hier und jetzt schob ich alle bei­sei­te, die zwi­schen mir und mei­nem ganz per­sön­li­chen hei­li­gen Gral der fünf­ten Retro­bör­se standen.


(Logic 5)

Das Preis­schild des Händ­lers Look Collec­ti­bles zeig­te eine freund­li­che „4”, die ich dis­kus­si­ons­los hin­nahm und mei­nen Schatz schnell im mit­ge­brach­ten blau­en Ikea-Beu­tel – der All­zweck­waf­fe jedes pro­fes­sio­nel­len Ein­käu­fers – ver­schwin­den liess. Das fing ja schon mal gut an. Ich war sicher, dass ich heu­te mei­ne Video­pac-Samm­lung annä­hernd ver­voll­stän­di­gen könn­te. Ich soll­te mich irren, bit­ter irren. 😉


(Der lee­re Platz ganz unten, qua­si zwi­schen den bei­den Joy­sticks, unter dem G7000: Da stand mein Logic 5! 🙂

Video­pacs konn­te ich kaum wel­che aus­ma­chen, dabei waren auf der letz­ten Retro­bör­se gan­ze Last­wa­gen­la­dun­gen davon vor­han­den. Nach­fra­gen bei den Ver­käu­fern erga­ben, dass die das Zeug nicht mehr mit­schlep­pen wür­den, kauft sowie­so nie­mand. Soll­te ich der letz­te G7000-Fan auf Erden sein? 🙁

Ich liess mich wei­ter mit dem Strom trei­ben – die Freun­de hat­te ich längst ver­lo­ren. Nur ab und zu sah man ein Stück ver­trau­te Fri­sur oder eine bekann­te Jacke in der Fer­ne. Plötz­lich hör­te ich hin­ter mir einen ver­trau­ten köl­schen Dia­lekt: Der Video­freak! Und in sei­nem Schlepp­tau: Der Schl­on­kel aus dem Forum64! Den habe ich gleich aus einem Web-Video wiedererkannt.

Ja, das ist schon komisch, wenn man von jeman­den wild­frem­den ange­spro­chen wird, der meint: „Ah! Der Schl­on­kel ist auch da!”. Um es abzu­kür­zen: Er hat mich net erkannt: Mein Ava­tar wäre nicht grau genug und ich hät­te offen­sicht­lich zugenommen.
Ja, dan­ke, hab­bisch ver­stan­den. Nun… klei­ne Sün­den (Scor­pi­us) bestraft der lie­be Gott eben unmittelbar.

Wir haben uns dann noch nett unter­hal­ten, obwohl ich durch das frü­he Auf­ste­hen und die 200km Fahrt mit der Rhein-Main-Gang (die Stim­mung an Bord hat­te schon etwas von einer Kegel­ver­eins­fahrt nach Mal­le) ziem­lich müde und daher eher maul­faul war. Aber ich muss sagen: Der Schl­on­kel ist ein Super­typ! Da gibt es kei­ne Dis­kus­si­on drüber.


(Typi­scher Nerd)


(Auch typi­sche Nerds: Mon­ty Mole und Thomas)


(Noch mehr typi­sche Nerds: Sign-Set, Spider‑J, DER­ho­ques, Mon­ty Mole, Scor­pi­us und eine poten­ti­el­le Return-Magazin-Kundin)

Nach und nach erwies sich die Retro­bör­se als Forum64-User-Tref­fen. Das war ein ange­neh­mer Neben­ef­fekt. Aus­führ­li­che Gesprä­che erga­ben sich trotz­dem kei­ne, da jeder auf der Suche nach Schnäpp­chen und daher rast­los war. Wir soll­ten wäh­rend des Tages fol­gen­de Fore­nu­ser tref­fen: Video­freak, Mar­qui­sor, Sign-Set, Fin­chy, Cam­per, Schl­on­kel, Cyber­dy­ne, HOL2001, Mon­ty Mole, Spider‑J und Cochin. Nicht getrof­fen haben wir @rndt, Bru­no, Plus4Vampyre, Tronix2009, 68kBase1,Kratznagel und Controlport2, die aber alle glaub­wür­dig ver­si­cher­ten eben­falls die Bör­se besucht zu haben. 🙂

Die Devi­se hiess also wie­der: In der Men­ge Abtau­chen und zu neu­en Fisch­grün­den schie­ben las­sen. Manch­mal wünscht man sich eine Auf­nah­me­fä­hig­keit wie der klei­ne Robo­ter aus dem Film „Num­mer 5 lebt”: „Mehr Input!”. Aber so war es ver­mes­sen auch nur glau­ben zu wol­len, dass man im Vor­bei­ge­hen einen gan­zen Stand nach inter­es­san­ten Gegen­stän­den abscan­nen könn­te. Drei, vier, fünf oder sechs Run­den waren nötig um das Gefühl los­zu­wer­den, man habe etwas in der Mas­se von ange­bo­te­nen Waren übersehen.


(Rech­ner, Modu­le, Zubehör)


(Schie­re Mas­sen an Modulen!)


(Rela­tiv sel­te­ne Gerä­te und wie­der: Modu­le, Modu­le, Modu­le – nur nicht für das G7000)


(Ata­ri-Kram)


(Na was wohl? Module!)


(Zur Abwechs­lung mal ein paar Module)


(Spiel… äh… module)


(Kein Home­Con-Bericht ohne Don­key Kong! Hier als Modul für Ata­ri 8‑Bit-Rech­ner)


(Sign­Set zeigt einem Kun­den, wo er Modu­le fin­den kann!)


(HOL2001 freut die gro­ße Aus­wahl an Spielmodulen)


(Die Sega-Ecke)


(„Fin­ger weg! Ich hab’s zuerst gese­hen!”. Dra­ma­ti­sche Sze­ne an den Wühlkisten)

Ab und zu kam der trä­ge Men­schen­fluss gänz­lich zum Erlie­gen. Meis­tens lag das dar­an, dass zwei oder drei Per­so­nen ein­fach ste­hen­blie­ben und sich ange­regt unter­hiel­ten. Man hat­te sich offen­bar län­ger nicht gese­hen und es gab viel zu erzäh­len. Schön, aber doch nicht mit­ten im Gang, oder? Dafür gibt es doch das Bistro!

Dort fand auch die Rhein-Main-Gang zu Mit­tag wie­der zuein­an­der. Der Blut­zu­cker­spie­gel ist unten und es ist zudem Zeit, sei­ne Beu­te zu begut­ach­ten und ande­ren zu prä­sen­tie­ren: „Schaut! Ich ganz allei­ne habe die­ses sel­te­ne Gerät ergat­tert!”. Zustim­men­des Gebrum­me und – zwi­schen zwei Bis­sen an der Bock­wurst – sogar aner­ken­nen­de Wor­te: „Oh! Schön!”.

Auch ich zie­he mei­ne Fän­ge aus der Tasche: das „Logic 5”, einen Game Gear-Mas­ter-Sys­tem-Con­ver­ter und einen Game Gear TV-Tuner. Einst ein gesuch­tes und teu­res Zube­hör­teil, nun aber, in Zei­ten von DVB‑T, denk­bar sinn­los. Ein­zig der Video­ein­gang ist inter­es­sant, daher frag­te ich auch gleich den neben uns sit­zen­den Scor­pi­us, der erst neu­lich ein Game Gear-Snip­pet ver­öf­fent­lich­te, ob die Klin­ken­buch­se drei- oder vier­po­lig wäre. Sie ist drei­po­lig, ein ein­fa­ches Adap­ter­ka­bel mit Klin­ken­ste­cker und zwei Cinch­ste­ckern funk­tio­niert damit einwandfrei.


(Logic 5 von MB)


(Quark­beu­tel mit sei­nem neu­en Game & Watch „Don­key Kong”)


(Dra­co geniesst den Kaffee)


(Erby geht es auch gut)


(Wahl­frei­heit: sau­be­re oder dre­cki­ge Kaffeepötte)

Die Prei­se im Bis­tro waren äus­serst mode­rat, die Bedie­nung flott und das Essen gut. Man konn­te dort sogar Kaf­fee­pöt­te mit Inhalt für 5,- Euro käuf­lich erwer­ben. Am Ein­gang gab es die für das glei­che Geld, nur leer. Mei­ne Fra­ge an den Ver­an­stal­ter Jens, wie­so die gleich teu­er wären, beant­wor­te­te er mit: „Die hier sind sau­ber, die oben durch den Kaf­fee schmut­zig.”. Ah, so!

Als wir uns aus­rei­chend gestärkt hat­ten, tra­fen wir noch Cochin im Bis­tro. Die Welt ist ein Dorf. Für einen Schwatz blieb lei­der kei­ne Zeit, wir muss­ten zurück in’s Getüm­mel, alte Schät­ze suchen.

Auf die nächs­te Retro­bör­se neh­me ich ein Fie­ber­ther­mo­me­ter mit. Mei­ne Her­ren! Was eini­ge der Hoch­glanz­händ­ler als Prei­se auf­rie­fen schreit ja direkt nach einer rek­ta­len Fie­ber­mes­sung.

Zwei pas­sen­de Anek­do­ten zum The­ma „Feil­schen”:

Ich: „Was kos­tet das Video­pac?„
Er: „7,- Euro!„
Ich: „Ach, o.k., hat sich erle­digt, dan­ke.”. Ich feil­sche nicht bei sol­chen Mond­prei­sen, schi­cke mich an zu gehen.
Er: „Ja, was woll­test Du denn zah­len?„
Ich: „3,- EUR, wie die let­zen Male auch.„
Er: „Neee, alles wird teu­rer.„
Ich: „Ja, klar, trotz­dem zah­le ich nicht soviel Geld für ein Video­pac. Kein The­ma.”. Will wie­der gehen.
Er: „Du musst was sagen.„
Ich: „Äh? Was denn?„
Er: „Vier Euro?„
Ich: „Nö, drei Euro!„
Er: genervt, winkt ab
Ich: „Kein Pro­blem.”, dre­he mich um, will wie­der gehen
Er: „Nein! Nein! Drei Euro! Nimm es mit!„
Ich zah­le
Er: „Willst Du den gan­zen Sta­pel haben? Jedes Vide­pac für 2,- Euro?„
Ich woll­te nicht, die hat­te ich alle und dann ist auch mal Schluss mit Dop­pel­käu­fen.

Ande­rer Händ­ler:
Er: „Habe ein G7000 mit vier oder fünf Video­pacs: 55,- Euro!„
Wir schau­en uns das Ding an: OVP, Kon­so­le und vier Pacs, die ich schon habe.
Ich: „Och, scha­de, die habe ich schon alle, von den Kon­so­len habe ich auch zwei und die OVP… mein Gott, egal.„
Er: „O.k.: 30,- Euro!„
Ich: „Äh, ich habe das nicht zu feil­schen gesagt. Ich kann nur ein­fach nicht noch mehr von dem Zeug sam­meln, irgend­wann ist mal gut.”

Anta­Baka fühl­te sich an die berühm­te Feilsch-Sze­ne aus „Leben des Bri­an” erin­nert. Mir ging es genau­so, ich woll­te nicht feil­schen, es wur­de mir aufgezwungen.

Mir war das alles letzt­lich zu Kon­so­len­mäs­sig dort. Ja, das sage ich als Tele­spiel-Fan! Mil­lio­nen SNES­se und Mil­li­ar­den Mas­ter­sys­tem­mo­du­le. Lau­te hoch­prei­si­ge Sam­mel­din­ger mit denen ich nichts anfan­gen konn­te. 25,- Euro für ein olles Modul? Hal­lo? Ich mag das Zeug, bin aber kein Hardcoresammler.

Einer mei­ner Lieb­lings­händ­ler ist der Micha­el, ein ech­ter Floh­markt­pro­fi. Sei­ne Gerä­te mögen nicht schön sein, nicht auf Hoch­glanz poliert, aber dafür kann man alles aus­führ­lich tes­ten und sei­ne Prei­se sind wirk­lich volks­nah. Auch mein ande­rer Stamm­händ­ler, hin­ten links in der Ecke, des­sen Namen ich nie erfragt habe, war wie­der da. Auch bei ihm tätig­te ich eini­ge Frust­käu­fe, von Video­pacs auch bei ihm nicht viel zu sehen. Lei­der schnapp­te mir Anta­Baka an die­sem Stand ein Par­ker-Modul für das G7000 weg. Aber, um ganz ehr­lich zu sein, ich hät­te es sowie­so übersehen.

Als Not­kauf sehe ich Dra­cos Apple ][ mit zwei Dis­ket­ten­lauf­wer­ken an. Er fand irgend­wie nichts ande­res und da die alten Apple noch 6502-CPUs benut­zen, nahm er das Ding eben mit. Mit der CPU kennt er sich aus und ich bin mir ver­dammt sicher, dass er auch dafür wie­der etwas „aus Res­ten und mal eben schnell” baut, das uns wie­der vom Hocker reisst.

Es gab auf der Retro­bör­se nicht nur altes Zeug zu kau­fen, man fand auch aktu­el­les rund um das The­ma „Retro”.

Ganz neu war der Stand der „Return”, das Maga­zin „für die Genera­ti­on C64”. Die Prä­sen­ta­ti­on war sehr pro­fes­sio­nell auf­ge­macht und fiel sofort in’s Auge. Kos­ten­los wur­den dort wun­der­ba­re Pos­ter des Titel­bil­des der aktu­el­len Aus­ga­be ver­teilt, die eine 3D-Ver­si­on des C64-Klas­si­kers „Impos­si­ble Mis­si­on” zeig­ten. Quark­beu­tel nutz­te die Gele­gen­heit und kauf­te die ihm feh­len­den Aus­ga­ben nach – also alle beide. 🙂


(Aus­ga­be 0410)


(Stand der Return)

Der CSW-Ver­lag lud zu einer Lesung Con­stan­tin Gil­lies’ aus sei­nem brand­neu­en Buch „Der Bug”. Die­se stand um 15:00 Uhr im Bis­tro auf dem Programm.


(„Was habe ich denn da geschrie­ben?!?”, Con­sta­nin Gil­lies berei­tet sich auf die Lesung vor.)


(Hat Spass: Con­stan­tin Gillies)


(„Der Bug” ist span­nen­de Lek­tü­re: Ein CSW-Mit­ar­bei­ter ver­sank im neu­en Buch, wäh­rend alle ande­ren der Lesung lauschten)


(Nach der Lesung: Ver­le­ger Enno Coners und Autor Con­stan­tin Gillies)

Auf dem CSW-Stand gab es Zeit­schrif­ten, Bücher und aller­lei Retro-Devo­tio­na­li­en zu kau­fen: Joy­sticks, Kaf­fee­be­cher und sogar Space-Inva­ders-Eis­wür­fel­be­rei­ter fan­den eben­falls ihre Abneh­mer. Ganz neu erschien im Ver­lag der „Elek­tro­spie­ler”, die zwei­te Zeit­schrift neben dem bekann­ten „Retro Maga­zin”.


(Stand des Ver­eins zum Erhalt klas­si­scher Computer)

Natür­lich durf­te auch der Ver­ein zum Erhalt klas­si­scher Com­pu­ter nicht feh­len. Auf sei­nem Stand tra­fen wir den Cam­per und den Cyber­dy­ne, die neu­gie­ri­gen Besu­chern unter ande­rem Cyber­dyn­ses por­ta­blen LCD-C64, ein Vec­trex und ein DDR-Tele­spiel zeigten.


(Fuss­ball einig­te sonst so ver­schie­de­ne Sys­te­me im Spiel)

Ganz im Zei­chen der nahen­den Fuss­ball­welt­meis­ter­schaft konn­te man im Aus­stel­lungs­raum an allen mög­li­chen Sys­te­men gegen­ein­an­der im Fuss­ball antreten.

Scor­pi­us hat zu der gan­zen Ver­an­stal­tung noch ein schö­nes Snip­pet gedreht – das mitt­ler­wei­le sechs­und­sech­zigs­te! ^_​^

Nach­mit­tags mach­ten wir uns erschöpft auf dem Heim­weg. Wäh­rend der Fahrt dis­ku­tier­ten wir die Ange­bo­te und waren von der Kon­so­len­las­tig­keit der Retro­bör­se etwas ent­täuscht. Die Ver­an­stal­ter kön­nen nichts dafür, wir neh­men an, dass das Ange­bot schlicht durch die Nach­fra­ge ent­stan­den ist.

Die nächs­te Retro­bör­se fin­det Ende Sep­tem­ber wie­der im Fal­ken­heim in Bochum statt. Die Bay­ern müs­sen nicht solan­ge war­ten, denn bereits am 24. Juli kön­nen sie die Retro­bör­se in Rosen­heim besuchen.

Nach ins­ge­samt 525km, einer Ereig­nis­lo­sen Heim­fahrt und einer Phan­tom­tank­stel­le, die wohl nur unser Navi kann­te (dan­ke, Becker!), waren wir wie­der in Frank­furt am Main. Es hat uns exakt 75,- EUR gekos­tet, durch fünf geteilt waren das 15,- EUR pro Nase. Beim Geld­wech­seln muss­ten die Jungs mir wie einen Doo­fen erklä­ren, wel­che der bun­ten Schei­ne ich raus­ge­ben soll­te – ich war nur noch müde und froh bald wie­der mit mei­nen Ein­käu­fen zu Hau­se zu sein.

Dort sor­tier­te ich mei­nen klei­nen Beu­tel:
- Tetris-Taschen­rech­ner: geschenkt
- N64-Con­trol­ler 3,-
- grü­nes XBox-Gehäu­se: 3,-
- Tuner Sega GG: 2,50
- Mas­ter Gear-Con­ver­ter: 2,50
- Super GB-SNES: 2,50
- 3x N64-Modu­le + XONOX (RHood/​Karate) + MD HangOn/​WC90 + Pit­fall SNES + Qbert VCS + Qbert G7000 + Moon­Pa­trol VCS: 27,-
- 4x Video­pac: 9,- EUR
- Logic 5: 4,-

Für 15,- Euro Ver­sand­kos­ten hät­te ich bei Ebay den gan­zen Krem­pel nicht ein­kau­fen kön­nen, inso­fern war der Besuch der Retro­bör­se mal wie­der eine rich­ti­ge Ent­schei­dung gewesen. 🙂

Bil­der- und Videonachweise:
Sascha Bader
Lars Bern­ho­fen von Lust-auf-Nost­al­gie
Boris Kret­zin­ger vom Return­ma­ga­zin
Timo Leßm­öll­mann von crea​ti​ve​emo​ti​ons​.de
Scor­pi­us vom Cir­cuit Board

Dan­ke Leu­te, dass Ihr mir die Bil­der zur Ver­fü­gung gestellt habt. Ich hat­te mei­ne Kame­ra völ­lig vergessen. 🙁

Schreibe einen Kommentar

Ich bin mit der Datenschutzerklärung und der Speicherung meiner eingegebenen Daten einverstanden.