Mil­ton Brad­ley Logic 5

Lese­dau­er 6 Minu­ten

Auf der letz­ten Retro­bör­se fiel mir durch Zufall ein Mil­ton Brad­ley (heu­te: Has­bro) Logic 5 in die Hän­de. Ich hat­te die­sen Mas­ter­mind-Com­pu­ter aus dem Jah­re 1977 bereits als Kind, ver­dräng­te die Erin­ne­rung dar­an aber erfolg­reich, weil die­ser Kol­le­ge nicht gera­de der Brül­ler war. Das mar­kan­te Design in petrol, rot und grün stach mir gleich in’s Auge, aber das ist eine ande­re Geschich­te. An die­ser Stel­le will ich ein­fach eini­ge nütz­li­che Infor­ma­tio­nen über das Gerät zusam­men­tra­gen die etwas wei­ter gehen, als die übli­chen Bil­der­chen von Gerät und Verpackung.

Zuge­ge­ben: Die Infos zu dem Kas­ten, der aus­ser­halb Deutsch­lands und Groß­bri­tan­ni­ens meist „Comp IV” und in Japan „Pytha­li­go­ras” (ver­trie­ben durch Taka­ra Tomy) hiess, sind mehr als rar gesät. Aber soviel gibt es über das Gerät auch gar nicht zu sagen.

Es han­delt sich bei die­sem Klein­od der MB-Desi­gn­ab­tei­lung um eine Art Mas­ter­mind-Com­pu­ter­geg­ner. „Mas­ter­mind” oder „Super­hirn” sind Dir ein Begriff? Nein? Bei Mas­ter­mind geht es dar­um, dass ein Spie­ler ver­deckt eine Kom­bi­na­ti­on aus vier far­bi­gen Ste­ckern auf ein Spiel­brett steckt und der Mit­spie­ler ver­sucht die­se zu erra­ten. Der Erstel­ler der Kom­bi­na­ti­on gibt Rück­mel­dung in der Form von: „Drei Far­ben kor­rekt, eine davon an der rich­ti­gen Posi­ti­on.” Das Logic 5 macht das glei­che, nur eben mit Zah­len statt Farben:

Das Gerät legt dazu eine geord­ne­te, drei- bis fünf­stel­li­gen Zah­len­kom­bi­na­ti­on mit den Zif­fern 0 bis 9 an, die der Spie­ler erra­ten muss. Jede Zif­fer kommt nur ein ein­zi­ges Mal in die­sem Code vor. Die Ein­ga­be erfolgt über eine Num­mern­tas­ta­tur, die Aus­ga­be durch rote LEDs auf einem ein­fa­chen Dis­play. Die­ses zeigt an, wie vie­le Zif­fern erra­ten wur­den und wie vie­le davon an der kor­rek­ten Stel­le im Code stehen.

logic5
(MB Logic 5)

logic5a
(Logic 5)

display
(Das Dis­play des Logic 5)


Spielen

Das Logic5 benö­tigt einen 9V-Block oder ein Gleich­strom­netz­teil mit 9V Aus­gangspan­nung, 2,5mm Klin­ken­ste­cker und dem Plus­pol vor­ne. Die Bat­te­rie kann ein­ge­legt blei­ben, da die Buch­se die Bat­te­rie beim ein­ste­cken trennt. Dies ist aber nicht emp­feh­lens­wert, da Bat­te­rien zum Aus­lau­fen neigen.

1. Gerät ein­schal­ten. Kei­ne Sor­ge, auch wenn man die LEDs nur ganz leicht glim­men sieht: Der Num­ber­crun­cher hat nicht die Bits abge­ge­ben, der zeigt nur nichts an – völ­lig normal.

2. Für einen optio­na­len Selbst­test die Tas­ten 7, E, 1, 2, 3, 4, 5 und E hin­ter­ein­an­der ein­ge­ben. Wenn alles in Ord­nung ist, wer­den alle LEDs (bis auf die „R”) flackern.

3. Um zu spie­len, drü­cke die Tas­te „R”. Die LEDs leuch­ten durch­ein­an­der auf und sol­len so eine gewis­se Rechen­leis­tung vortäuschen.

rechnen
(Teil der Rechensequenz)

ready
(Fer­tig gerech­net, bereit zur Eingabe)

4. Alle Ein­ga­ben wer­den mit der Tas­te „E” abge­schlos­sen. Das Logic 5 kann eine Kom­bi­na­ti­on aus drei, vier oder fünf Zah­len erstel­len. Den Schwie­rig­keits­grad wählt man ein­fach, indem man beim ers­ten Ein­tip­pen einer gera­te­nen Kom­bi­na­ti­on die­se eben nach drei, vier oder fünf Zah­len mit der Tas­te „E” abschliesst. Die Büch­se benutzt dann nur sovie­le Stel­len, wie man eintippte.

2 1
(Zwei Zif­fern rich­tig, eine an der kor­rek­ten Position)

2 2
(Zwei Zif­fern rich­tig, zwei an der kor­rek­ten Position)

5. Eine Zif­fern­fol­ge besteht immer aus unter­schied­li­chen Zah­len. „1,2,3,4,5” kann es geben, nicht aber „1,2,3,4,1” oder „3,3,3,3,3”.

6. Das Logic 5 zeigt nun im Dis­play an, wie vie­le Zif­fern rich­tig erra­ten wur­den und wie vie­le sich davon an der kor­rek­ten Stel­le befin­den. Spiel man mit meh­re­ren Spie­lern koope­ra­tiv, so kann man nun das Gerät weitergeben.

7. Macht man wei­ter nichts, dann blinkt die „R”-LED nach 30 Sekun­den lang­sam, nach wei­te­ren 30 Sekun­den blinkt sie schnell. Irgend­wann soll sich das Gerät angeb­lich abschal­ten – aber das bezwei­fe­le ich stark. Es hat ja nur einen mecha­ni­schen Schalter.

8. Hat man die Kom­bi­na­ti­on schliess­lich erra­ten, wird das Dis­play hek­tisch anfan­gen zu blin­ken. Mei­ner Mei­nung nach ist dies ein ein­deu­ti­ges Zei­chen des schlech­ten Verlierers. 😛

9. Drückt man jetzt die Tas­te „E”, so wird der glei­che Code für das nächs­te Spiel ver­wen­det, so dass die­ser durch einen Mit­spie­ler erra­ten wer­den muss, wenn man im „Geg­ner­mo­dus” spie­len möchte.

Drei­stel­li­ge Zah­len sind ja noch bequem für den Nor­mal­sterb­li­chen im Kopf zu hand­ha­ben, aber bei einer fünf­stel­li­gen Fol­ge ist ein Hilfs­blatt nütz­lich. Das Logic 5 wur­de tat­säch­lich mit so einem Block aus­ge­lie­fert. Schön, wenn Ihr einen beim Kauf dazu­be­kom­men hat­tet, aber nicht schlimm, wenn nicht. Ich habe da schnell was vor­be­rei­tet: Aus­wer­tungs­block. Die eng­li­sche Ori­gi­nal­an­lei­tung (ohne Aus­wer­tungs­block) für den „Com­pIV” könnt Ihr beim Hand­held­mu­se­um her­un­ter­la­den.

Innen­le­ben

Spie­len ist immer die eine Sache und sicher auch unheim­lich wich­tig. Aber eben­so inter­es­sant ist es, zu sehen, was das Teil zum ticken bringt. Also flugs zum Schrau­ben­dre­her gegrif­fen und nachgesehen.

ti dcs 7827
(TMX0904)

Platine
(Gesam­tes Innenleben)

Platine a
(Hand­ge­malt und daher leicht nach­zu­bau­en: Rück­sei­te der Hauptplatine)

Herz­stück ist ein Mikro­con­trol­ler von TI, der TMS0904. Ver­mut­lich ein Able­ger des TMS0970 – oder gar mit die­sem iden­tisch. Eini­ge Quel­len legen nahe, dass das Logic V eigent­lich mit einem TMS0970 bestückt wäre. Die­ser Chip ist ein Able­ger des TMS1000, einem 4‑Bit-Micro­con­trol­ler, der in Taschen­rech­nern und eini­gen ande­ren elek­tro­ni­schen Spie­len ein­ge­setzt wur­de, als da wären: „Code Name Sec­tor”, „Wiz-a-Tron” – oder eben dem Taschen­rech­ner „TI-1270”.

In mei­nem Gerät wer­kelt ein TMX0904NL (DCS 7827). Das „X” in TMX0904 steht eigent­lich für Vor­se­rien­ex­em­pla­re, viel­leicht habe ich also wirk­lich eine Vor­se­ri­en­pla­ti­ne erwischt, auch wenn die Seri­en­num­mer „139720” recht hoch ist. Die „4757-X3” steht sehr wahr­schein­lich für die Arti­kel­num­mer des Logic 5.

Ande­re Logic 5 /​ Comp IV /​ Pytha­li­go­ras wer­den durch einen TMC0904NL (CTP 7810) betrie­ben. Wobei ich den Ver­dacht habe, dass „CTP” und „DCS” für die Fer­ti­gungs­stät­te und „7810” und „7827” für das Jahr 1978 und für die Kalen­der­wo­chen (10, 28) stehen.

Made in…?

Als zwei­tes fällt auf, dass das Logic 5 ein Kind vie­ler Väter ist und im Vor­griff auf die glo­ba­li­sier­te Welt aus Tei­len zusam­men­gefri­ckelt wur­de, die aus aller Her­ren Län­der stam­men. Schon das Typen­schild mag sich nicht ent­schei­den, woher der petrolfar­be­ne Plas­tik­kas­ten stammt. Sin­ga­pur oder Irland? Irland war sei­ner­zeit das Chi­na Euro­pas, dort wur­de das Spiel­zeug letzt­lich zusam­men­ge­baut. Der Con­trol­ler stammt aus Sin­ga­pur, das Gehäu­se aus Deutsch­land und die Tas­ta­tur aus Hong Kong. Naja, wenigs­tens schrie­ben die über­all drauf, woher es kam – kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit aus heu­ti­ger Sicht.

madeinirgendwo
(Made in Ire­land und Made in Singapore)

madeingermany
(Made in W.-Germany)

tastatur grid
(„Made in Hong Kong” auf hand­ge­mal­ter Platine)

Ein­ga­be, bitte!

Sehr selt­sam mutet die Kon­struk­ti­on der Tas­ta­tur an: Die sei­ner­zeit übli­chen Knack­schal­ter fin­den sich auch im CX40-Joy­stick von Ata­ri und bestechen nicht gera­de durch Lang­le­big­keit. Rich­tig schräg ist aber die „Feder­kon­struk­ti­on”: Gum­mi­kap­pen auf einem Papier­strei­fen! Soll man das lachen oder wei­nen? Soll man es bewun­dern oder ver­wun­dert den Kopf schütteln?

Tastatur pappe oben
(Vor­der­sei­te der „Federn”)

Tastatur pappe unten
(Rück­sei­te der „Federn”)


Emulator

Für Palm-Gerä­te gibt es sogar einen „MAME ROM ” Das Pro­gramm ist Free­ware und eine schö­ne Alter­na­ti­ve, wenn man einen Palm, aber eben kein Logic 5 besitzt.

Fazit

Das Logic 5 ist gar nicht mal so schlecht. Die Bedie­nung ist schlüs­sig, sobald man das Spiel­prin­zip ver­stan­den hat. Ein­zig die Nut­zung eines Schreib­blo­ckes wirkt aus heu­ti­ger Sicht nicht ganz logisch, aber wie soll man das ohne gra­fi­sches Dis­play anders hand­ha­ben? Die Ver­ar­bei­tung ist robust und die leicht mil­chi­gen LEDs haben im Zusam­men­spiel mit der glit­zern­den Dis­play­ab­de­ckung, dem Chrom und der schrä­gen Farb­ge­bung einen ver­dammt hohen Retro­f­un­fak­tor, der dadurch noch ver­stärkt wird, dass man die Haupt­pla­ti­ne und das IC durch die rot-trans­pa­ren­te Dis­play­ab­de­ckung sehen kann. Das Gerät ist also nicht nur einer ech­ter Hin­gu­cker in der Vitri­ne, son­dern auch ein net­ter Zeit­ver­treib für Leu­te, die die­se Art Spie­le mögen.

Alle Bil­der zum Logic5:
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