TEFI-Token – was steckt dahinter?

 

[GASTBREITRAG]

Vorweg: Ich halte nichts von KryptowĂ€hrungen. GrĂŒnde dafĂŒr gibt es mehr als genug, angefangen beim Energieverbrauch. Ehrlich gesagt halte ich auch nichts von Spekulationen jeglicher Art. Ich habe ein tief sitzende Aversion gegen alle Aktionen bei denen Menschen versuchen Geld möglichst aus dem Nichts zu erzeugen. TeDeFi und den TEFI-Token kannte ich erst recht nicht. So kam es, dass mich die beilĂ€ufige Frage eines meiner Ă€ltesten Freunde im Chat, ob ich denn „Krypto-Kram“ machen wĂŒrde, mich erst mal zum ĂŒblichen Rant ansetzen lassen wollte.

Aber diese Diskussion hatte ich zu oft mit ihm in den letzten Jahren, so blieb es beim „Nein, das weißt du doch“ als Antwort. Ich schob noch den Hinweis nach, dass die einzige KryptowĂ€hrung die ich halte, irgendein wohl belangloser Coin namens EMC2 ist, den ich einmal von ihm in einer homöopathischen Dosis geschenkt bekam, als es vor vielen Jahren einen kurzen Hype darum gab. Damit war das Thema auch schon wieder erledigt.

Zumindest dachte ich das. Doch acht Tage spĂ€ter begehe ich einen Fehler, der meine darauffolgende Woche in ungeahnter Weise beeinflussen wĂŒrde: Meine knappe Antwort „Ja“ auf eine aufpoppende Frage landet bei der falschen Person, nĂ€mlich besagtem Freund.

Als Crypto-MillionÀr auf der Insel

Stunden spĂ€ter, den Fehler hatte ich schon lĂ€ngst bemerkt, schallte mir ein digitales „Ja?“ zurĂŒck. Ich klĂ€rte den Fehler auf. Da ich zuvor auf seinem Instagram-Kanal ein aktuelles Bild mit der Akropolis im Hintergrund gesehen hatte, fragte ich noch nach, ob er wieder lĂ€nger in Griechenland weilt, wie so oft in den letzten Jahren – und wie lange es wohl dieses Mal dauern wĂŒrde. „HĂ€nge in Athen fest, die FĂ€hren streiken. Und dann bleibe ich, bis ich Crypto-MillionĂ€r bin.“ Dem offensichtlichen Scherz entgegnete ich entsprechend mit einer Nachfrage, wie lange das denn dauern wird. Um mich kurzzufassen: Es stellte sich schnell raus, dass sein Scherz einen erstaunlich ernsten Hintergrund hatte.

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TatsĂ€chlich hatte er in den letzten drei bis vier Wochen die lĂ€cherliche Summe von 100 Dollar in irgendeinen Krypto-Mist investiert und durch simples Zocken mit Kursfluktuationen ca. alle drei Tage seine Investition verdoppelt. Er hatte dabei nicht nur einen Gewinn von mehr als 30.000 Dollar gemacht, sondern sich knapp ein Drittel davon auch tatsĂ€chlich ausgezahlt. Als jemand, der durch seine Jugend mit Bits und Bytes das Prinzip des exponentiellen Wachstums gleichermaßen mit der Muttermilch aufgenommen hat, werde ich schlagartig hellhörig.

HĂ€tte sein ganzes Geld noch in diesem dubiosen Kryptogedöns gesteckt, dann hĂ€tte ich so etwas gedacht wie „Du hast nur, was du wirklich hast.“, aber tatsĂ€chlich hat hier alles geklappt und funktionierte auch weiterhin. Er hatte einen Teil des Geldes ganz real und handelte mit dem Rest seines Gewinns dort fröhlich weiter, und zwar nebenbei, wĂ€hrend wir uns schrieben. Mein erster Gedanke ist, was immer das ist, es kann unmöglich lange anhalten, egal was irgendwelche Krypto-Nerds vor sich hinschwurbeln. Das kann nur ein Schneeballsystem sein.

Auch er ging davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es einer der unzĂ€hligen Scams ist, enorm hoch ist. Nur war er bereits ein realer Gewinner des Systems. $100,- zu verlieren fĂŒr eine Chance auf exponentielle Vermehrung des Einsatzes? So wie er es getan hatte, könnte doch auch ich einfach die ursprĂŒnglichen 100 Dollar herausnehmen, sobald ich einen kleinen Gewinn gemacht habe. Bei exponentiellem Wachstum wĂŒrde sich der zu erwartende Gewinn nur um ein paar Tage verzögern. Wenn die 100,- weg sind und diese Gefahr sah ich als verdammt hoch an, ist das bei der kleinen Summe noch vertretbar. Einen Teufel wĂŒrde ich allerdings tun, ernsthaft Geld dort hineinzustecken.

Seine morgendliche „Trading View“ in Griechenland (all rights reserved)

Ich mĂŒsste nur eisern sein und kurzfristig alle verfĂŒgbare Zeit mit dem Traden verbringen. Weil der Kurs alle 10 Minuten ein Update erfĂ€hrt, hatte er sich dafĂŒr sogar extra den Wecker so gestellt, dass dieser alle 18 Minuten klingelte. So verpasste er keinen Kursstand. Mit anderen Worten: Er hatte seit mehr als drei Wochen keinen richtigen Schlaf gehabt und sollte eigentlich nicht zurechnungsfĂ€hig sein.

Das schreckte mich als SelbststÀndigen mit meinem vollkommen aus jeglicher Bahn geworfenen Schlafverhalten auch nicht wirklich ab. Im Gegenteil, das machte es plausibler, wie er es in kurzer Zeit schaffen konnte, fast alle Gelegenheiten zur Vermehrung des Tokens, der zusÀtzlich seit Wochen robust heftig am steigen war, zu erwischen.

Das zusĂ€tzliche Wachstum betrug immerhin im Schnitt 120 Prozent pro Monat. Was fĂŒr mich natĂŒrlich nach ausgemachtem Blödsinn klang, aber wenn es viele Glaubende gibt, dann kann das schon passieren. Hauptsache ich verpasse den Absprung nicht. Mist! Ich dachte tatsĂ€chlich darĂŒber nach, obwohl das gegen meine selbstauferlegten Prinzipien geht.

Recherchen zu TeDeFi

Am nĂ€chsten Tag habe ich mir erstmals nĂ€her angesehen, um was es dabei gehen soll. Der TEFI-Token des TeDeFi Networks. Aha. Das Ding ist ein Bot fĂŒr Telegram, das ist ja furchtbar. Auf die Schnelle findet sich was mit Google. Was soll ich sagen, interessiert mich gelinde gesagt einen Scheiß. Warum, wieso, weshalb und wofĂŒr? Gelaber. Am Ende wollen sie einfach nur Geld damit verdienen und labern dafĂŒr vorher ausgemachten Stuss, Ă€hnlich wie die meisten BerufskĂŒnstler, wenn sie leichtglĂ€ubigen Trotteln ihre Werke erklĂ€ren. Also nicht mal wirklich ĂŒberflogen.

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Viel interessanter ist deren Website. Was ist denn das? Spartanisch, aber das ist ja heutzutage schwer angesagt. Möglichst viel Bild und wenig Information, dafĂŒr lieber mit großspurigen und leicht verdaulichen Textblöckchen arbeiten. Dazu die obligatorische Roadmap als Grafik.

FĂŒr jeden etwas dabei!

Das Team – unglaublich – die Nachnamen auf den Anfangsbuchstaben gekĂŒrzt? Sehr dubios!

Die Fotos, fĂŒr jeden was dabei, vom Nerd und Hipster ĂŒber Sportlertyp, bis zu Leuten, die ich in einer Shishabar erwarten wĂŒrde. Startupgedöns eben. Aber das konnte mir egal sein. Wichtiger war: Sind die echt? Ein Impressum gibt es nicht und keinerlei Adressangaben oder gar eine GeschĂ€ftsform. Die Links unter den Fotos fĂŒhren zwar zu irgendwelchen Social-Media-Profilen, aber das heißt noch nichts. Oha, einige Social-Media-Icons sind gar nicht verlinkt.

Unter „Partners“ steht, von wem sie angeblich unterstĂŒtzt werden. Schön, ich kenne das Krypto-Zeug sowieso nicht, hilft also nicht wirklich weiter. Aber dennoch mal anschauen, dachte ich. Die Links unter den Logos der Supporter fĂŒhren auf Artikel ĂŒber das TeDeFi Network, die offenbar allesamt bezahlte Werbeartikel sind. Sehr vertrauenerweckend. Ich ging zwar sowieso mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent aus, dass das mehr als dubios ist, dennoch hĂ€tte ich mich natĂŒrlich lieber positiv ĂŒberraschen lassen.

Mein Ansatz war, dass ich gewissermaßen das Prinzip des „Gaming the System“ anwenden wollte, indem ich mich bewusst auf die Wahrscheinlichkeit einlasse, dass hier unredliche Absichten der Personen hinter diesem Projekt vorliegen könnten und versuche das Angebot ausnutzen, solange es noch geht, um dann hoffentlich meinen Gewinn noch rechtzeitig einzusacken, bevor die vielleicht am Ende mit dem Großteil des Geldes der Investoren verschwinden, falls es sich um einen Scam handeln sollte.

Versteuern?

Grundlegend wichtig vor so einer Entscheidung: wie mĂŒsste ich eigentlich Gewinne daraus versteuern? Denn ich bin ja kein BetrĂŒger. Aha, okay! Wie private VerĂ€ußerungsgeschĂ€fte. Und ausnahmslos alle meine Transaktionen protokollieren. Fein, die Entscheidung war gefallen, ich wollte es machen. NatĂŒrlich musste mir mein Freund detailliert erklĂ€ren, wie ich da ĂŒberhaupt starte, weil mich das ganze Zeug nicht die Bohne interessiert.

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Kryptobetrug?

Vorher fand ich aber noch Zeit mich wie ein Neuland-Trottel auf einer Website zum Thema „Wie erkenne ich Kryptobetrug?“ einzulesen. Was soll ich sagen? TeDeFi hat bei der Warnzeichen-Checklist nach meiner Auffassung jedes Mal einen recht eindeutigen Treffer erzielt. TatsĂ€chlich hat mich das mehr gefreut als abgeschreckt, denn auf mein GespĂŒr scheint noch Verlass zu sein. Ich war sowieso angefixt!

Erst mal musste ich auf Binance, der grĂ¶ĂŸte Krypto-Handelsplattform der Welt, Geld einzahlen und das in an den Dollarkurs gekoppelte BUSD umwandeln. Wer sich gruseln will, der sollte vorher den Wikipedia-Artikel ĂŒber Binance lesen. Ich sage nur, fĂŒr die USA mĂŒssen sie angeblich eine andere Plattform anbieten und SEPA-Transfers sind ihnen nicht mehr gestattet.

Ehrlich gesagt wĂŒrde ich denen normalerweise mein Geld nur anvertrauen, wenn es gar nicht anders geht. Nicht ohne Grund gibt es den Leitsatz „Not your keys, not your coin!“ Aber es hilft ungemein, wenn man sich zunĂ€chst, Ă€hnlich wie bei einem Schwimmbadbesuch, bei Binance abschreckt, bevor man sein Geld ausgerechnet an einen Telegram-Bot transferiert!

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Positive Überraschung!

Ich stieg also nun wirklich ein und investierte reales Geld in einen windigen Chatbot unbekannter Herkunft. HĂ€tte man jemand das zwei Tage vorher gesagt, dann hĂ€tte ich die Person wohl ausgelacht. TatsĂ€chlich hat mich der Bot aber positiv ĂŒberrascht. Er sieht zwar aus wie von Dilettanten zusammen gepfuscht, aber er ist angenehm intuitiv und einfach zu bedienen. FĂŒr Doofe gewissermaßen. Wobei ich daraus jetzt keine RĂŒckschlĂŒsse auf die Zielgruppe ziehen wollte. Das Traden macht sogar Spaß und kann tatsĂ€chlich unterhaltsam und sehr spannend sein.

TedefiBot

Bequem kann man stundenlang vor dem Rechner sitzen und vor sich hin traden, der Kurs Ă€ndert sich meistens tatsĂ€chlich nur alle zehn Minuten. TEFI kaufen und verkaufen kostet keine GebĂŒhren. Die Leute hinter dem TeDeFi Network verdienen am stark steigenden Kurs krĂ€ftig mit, da 15 Prozent der limitierten Tokens fĂŒr das Team reserviert sind. Das Zocken mit den Kursschwankungen funktionierte tatsĂ€chlich so effektiv wie erhofft. Schöne neue Welt. Ich ertappte mich beim Gedanken, dass es traumhaft wĂ€re, wenn man so sein Geld verdienen könnte.

Entspannte „Trading View“ auf der Insel (all rights reserved)

Parallelen zum LUB-Token-Scam?

Nebenbei las ich immer wieder in den deutsch und englischsprachigen Telegram-Chats zum Thema, um herauszufinden, ob die das Ganze auch fĂŒr Fraud halten. Dort wurden von Warnern gerne Vergleiche zum LUB-Token Scam gezogen, der ebenfalls auf einem Telegram Bot basierte und bei dem nach einer vermeintlich erfolgreichen Phase eines Tages keine Auszahlungen mehr erfolgten. Es war in diesen Chat-Gruppen Ă€ußerst erschreckend mitzubekommen, wie sehr sich Leute Dinge schönreden können. Denn Warnungen dieser Art werden dort oft gar nicht ernst genommen. Stattdessen glaubt man dann lieber den absurdesten aber positiv klingenden Argumenten, die gegen einen Scam sprechen, hebt die Stimmung mit animierten Memes und schwadroniert von irgendwelchen Hatern, die angeblich aus persönlichen GrĂŒnden Gegenstimmung machen wollen. Nichts soll den Geldregen stören.

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Gier frisst Hirn?

Dabei sind einige der Indizien fĂŒr den Ernst der Lage alles andere als Stimmungsmache. Denn es wurden dort auch Screenshots von einem Chat mit BTC-ECHO gezeigt, die zuvor einen von TeDeFi gesponserten Beitrag zurĂŒckgezogen hatten, weil die Redaktion Sorge hatte, dass es sich um einen Scam handeln könnte und dies nun erst ausfĂŒhrlich prĂŒfen wollten, bevor der bezahlte Artikel, also die Werbung, wieder online geht. Bis heute ist der Artikel offline.

Ich muss sagen, dass ich es erbĂ€rmlich finde, dass die meisten anderen Websites dieser Branche sich offenbar einen Dreck um das Wohlergehen ihrer Leser scheren und lieber Geld mit Anzeigen von auffĂ€llig zweifelhaften Anbietern schalten. In dieser Szene gilt offenbar fĂŒr die meisten Anleger und Medien Gier frisst Hirn und die Moral kommt zuletzt. BTC-ECHO scheint hier zu den positiven Ausnahmen zu gehören.

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Zu weiteren Warnungen, die meine innere Alarmglocke anschlugen ließen, gehörte das GerĂŒcht, dass die vom TeDeFi Network angekĂŒndigten AntrĂ€ge auf ein Listing bei CoinMarketCap und CoinGecko angeblich gar nicht gestellt wurden. Dieses GerĂŒcht wurde durch den Screenshot eines Chats mit CoinGecko belegt, spĂ€ter allerdings durch eine bewusst sehr unverbindlich gehaltene Antwort von CoinMarketCap zumindest fĂŒr CMC widerlegt. Dennoch sagte mir meine Intuition, dass der Termin des Listings ein Zeitpunkt fĂŒr das potenzielle Ende von TeDeFi sein könnte, falls es sich bei diesem Token tatsĂ€chlich um einen Betrug handeln sollte. Zwei Tage spĂ€ter sollte ich herausfinden, wie richtig mein BauchgefĂŒhl war, obwohl ich von der Materie eigentlich keine Ahnung habe.

Auf den zweiten Blick

Zwischendurch hatte ich mich im ĂŒbermĂŒdeten Zustand ein paar Mal richtig dumm verzockt und dadurch beim Wachstum meiner TEFI-Token versehentlich die Handbremse angezogen. Hinzu kam eine Nachtphase, in der sich einfach keine sinnvolle Möglichkeit zum Handeln anbot. Der Spaß war verflogen und hatte sich in ein lĂ€stiges Warten verwandelt.

Gelangweilt fing ich an, mehr ĂŒber die Macher hinter TeDeFi herausfinden zu wollen. Zuerst widmete ich deren Website einen deutlich intensiveren zweiten Blick. Europa und Kalifornien haben ein strenges Datenschutzgesetz, richtet man sich mit seinen Angeboten an EU-BĂŒrger oder Kalifornier, wie es das TeDeFi Netzwerk nachweislich z. B. durch die deutschsprachige Übersetzung des Telegram-Bots macht, dann muss es einen Link zur Datenschutzvereinbarung geben. Die Seite hat aber keinerlei DatenschutzerklĂ€rung, das könnte sofort abgemahnt werden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein seriöses Team, dem angeblich auch ein Deutscher angehört, einen derartig fahrlĂ€ssigen Fehler begeht, der empfindliche Strafen nach sich ziehen kann. Schon gar nicht, nachdem die DSGVO in aller Munde war und Wellen bis in die USA geschlagen hat.

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Gleiches gilt fĂŒr die Seite ihres Hauptunternehmens, das sich P2blockchain nennt. Auch hier, obwohl die Seite sich sogar eindeutig an andere Unternehmen richtet, lĂ€sst sich keine Unternehmensform, Adresse, Telefonnummer oder Privacy Policy finden. Immerhin: Auf der TeDeFi-Website befindet sich ein Link zu den TOS im Cookie-Banner. Die GeschĂ€ftsbedingungen sind fĂŒr ein Unternehmen, das finanzielle Transaktionen anbietet, lĂ€cherlich kurz gefasst. Ich bin kein Rechtsanwalt, aber ich glaube dennoch beurteilen zu können, dass das nicht ausreichend fĂŒr solch ein Unternehmen ist.

Die Domains sind bei speziellen Privacy-Anbietern registriert, die die IdentitĂ€t ihrer Auftraggeber schĂŒtzen sollen. Warum benötigt ein Dienstleister, der seinen potenziellen Kunden Blockchain-Lösungen anbieten möchte, mit Dynadot den gleichen Dienstleister wie Wikileaks, um seine IdentitĂ€t zu verheimlichen?

Wer sind die?

Auf den Linkedin-Profilen des Teams kann man erkennen, dass P2blockchain wahrscheinlich 2018 gegrĂŒndet wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die Domain registriert. Auf der WaybackMachine von archive.org finden sich die ersten archivierten EintrĂ€ge zu p2pblockchain.org aber erst ab November 2021.

Bei der Suche zu p2pblockchain findet man unter callupcontact.com eine Telefonnummerangabe, sowie mit der 4184 Pike Steet eine Adresse in San Diego, Kalifornien, der Eintrag bezieht sich eindeutig auf p2pblockchain.org. Die angegebene Straße in San Diego existiert allerdings nicht.

Über TeDeFi mangelt es im Netz nicht an Berichterstattung, zumindest könnte man das meinen, aber die meisten Artikel sind als Anzeige markiert, also gekauft. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Generell findet man im Netz zu P2blockchain fast nur kostenlose gehostete Pseudowebseiten, die offenbar dazu dienen, Suchmaschinen mit fast identischen Texten ĂŒber das Unternehmen zu fĂŒttern, die Vertrauen erwecken sollen. Sehr lustig ist die Adressangabe auf einer dieser Seiten: Sesame Street 123, Suite 101, New York.

Die Domain tedefi.com wurde im Juli registriert. Schaut man sich die Twitter Profile des Teams genauer an, dann fĂ€llt auf, dass all diese Profile erst im Juni oder Juli 2021 anfingen aktiv zu werden. Also zum Zeitpunkt, als auch die TeDeFi-Domain registriert wurde. Die Profile sind allerdings schon deutlich lĂ€nger bei Twitter registriert, in mir kam sofort der Gedanke an gekaufte Profile aus dubiosen Quellen fĂŒr unredliche Zwecke auf.

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Bei den Profilen von Artem Shirokov und Jeremy Merrell existiert allerdings jeweils noch ein Ă€lterer Tweet mit einem merkwĂŒrdigen Text der keinen rechten Sinn ergeben will. Sehr auffĂ€llig: Beide Tweets [1] [2] wurden am selben Tag zur fast gleichen Uhrzeit verfasst, dem 6. Februar 2021, kurz nach 02:00. Der Gedanke an einen kurzen Test gekaufter Profile kam mir in den Sinn. VerdĂ€chtig ist auch die AktivitĂ€t der Profile auf LinkedIn, die jeweils ebenfalls erst vor wenigen Monaten begannen. Das kann man sich alles nicht mehr schönreden.

Niemandem aus dem Team wurde eine FÀhigkeit von anderen Personen bestÀtigt. Die berufliche Laufbahn der Teammitglieder scheint sich auf UniversitÀten und spÀtere SelbststÀndigkeit zu beschrÀnken. Die beiden Ausnahmen sind Jeremy Merrel und Shawn Cassady,

Jeremy gibt als ehemaligen Arbeitgeber eine Tochterfirma von Dell an, die ĂŒber 10,000 Mitarbeiter verfĂŒgt. Sollte das jemand einfach nur behaupten, wĂ€re es recht unwahrscheinlich, dass dieser Fake bei der hohen Anzahl an Mitarbeitern jemals irgendjemanden auffĂ€llt.

Lustig ist Shawns ehemaliger Arbeitgeber. Der Brand Designer von TeDeFi war frĂŒher drei Jahre lang bei Studio One Twelve als Senior Brand Designer tĂ€tig. Der auf seinem Profil verlinkte LinkedIn-Eintrag dieses Unternehmens ist nicht sehr aussagekrĂ€ftig, tatsĂ€chlich findet sich unter der dort angegebenen Adresse ein Haarsalon dieses Namens. Der Link fĂŒhrt ĂŒber Redirects auf irgendeinen China-Trash. Bleibt zu hoffen, dass der Mann frĂŒher bei einem anderen Unternehmen dieses Namens tĂ€tig war.

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Auch mit Google finde ich ĂŒber die Mitglieder des Teams im Prinzip nichts, was meine Zweifel entkrĂ€ften könnte. Zumindest lĂ€sst sich keiner der Funde eindeutig einer dieser Personen zuordnen. So findet man z. B. keinen Eintrag, wenn man gezielt nach „Berlin“ und „Marko Schreiner“ sucht. Dieser Name kommt in Verbindung mit Berlin einfach nicht vor.

Es findet sich allerdings ein weiterer Jeremy Merrel, der ebenfalls aus Houston kommt und der auch ein Profil auf LinkedIn hat. Über den gibt es unzĂ€hlige EintrĂ€ge, das erschwert die Suche ungemein.

Sebastian V., nun, was den angeht 
 bei dem hat es wohl nicht fĂŒr ein Social-Media-Profil gereicht, also gibt es nicht einmal einen Nachnamen fĂŒr die weitere Recherche. Auf Twitter findet sich ĂŒbrigens ein User namens p2pblockchain. Sehr aktiv, aber offenbar hat der mit dem Unternehmen P2Pblockchain und TeDeFi rein gar nichts zu tun.

Ich gehe auf Nummer sicher

Obwohl das fĂŒr mich ganz eindeutig aussieht, war ich nach dieser Recherche dennoch verunsichert. Bin ich etwa zu konservativ, dass ich gerne wissen möchte, bei wem ich da ĂŒberhaupt Geld investiere? Meinen Einsatz habe ich dann etwas frĂŒher abgezogen, als ursprĂŒnglich geplant, was reibungslos funktioniert hat. Der Grund fĂŒr die Eile lag in meiner oben erwĂ€hnter Intuition bezĂŒglich des Listings auf CoinMarketCap.

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Eine kurze Recherche zum LUB-Token-Scam ergab nĂ€mlich, dass damals ungefĂ€hr ab dem zu erwartenden Termin fĂŒr das CMC-Listing alle Auszahlungen ausblieben. Da das Listing des TeDeFi Network kurz bevor stand, befĂŒrchtete ich, dass es nun auch so weit sein könnte, falls auch hier tatsĂ€chlich etwas nicht stimmen sollte.

Als Spielgeld ließ ich den Gewinn ĂŒbrigens trotz aller Zweifel im System. Auch bei mir gilt wohl Gier frisst Hirn. Mit nur ca. 35 Dollar dauert es aber deutlich zu lange, um schnell eine lukrative Steigerungsrate meines winzigen Kryptovermögens zu erreichen, sodass sich der Zeitaufwand leider nicht lohnt. TĂ€glich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass entweder ein böses Ende folgt oder der Token deutlich weniger profitabel werden könnte. Ich bin wohl ein bis zwei Wochen zu spĂ€t eingestiegen.

Außerdem steht mit dem Staking ein nĂ€chster Schritt bevor, der ideal wĂ€re, um sich mit dem Geld aus dem Staub zu machen.

Panik bricht aus!

Wenige Stunden nachdem ich meinen ursprĂŒnglichen Einsatz gesichert hatte, brach richtig Panik in den TeDeFi-Chats aus, weil die Auszahlungen ausblieben und der Support stundenlang nicht reagierte. Da ich mit eigenen Augen sehen wollte, dass der Ernstfall eingetreten ist, habe ausprobiert, ob es mir gelingt mein restliches Geld abzuziehen. NatĂŒrlich ging das auch bei mir nicht. Keine Frage, dass ich all meine Zweifel bestĂ€tigt sah und mein GlĂŒck nicht fassen konnte, in letzter Minute mein Geld gerettet zu haben. Eine Aktion wie aus dem Bilderbuch. Aber meinen Gewinn nun tatsĂ€chlich verloren zu haben, das hinterließ ein schales GefĂŒhl in mir, obwohl diese Möglichkeit als Variante zu meinem Plan gehörte.

Auszahlungen verzögert

Der TeDeFi-Support meldete sich am Folgetag in den Telegram-Chats bat um Geduld und behauptete, die Auszahlungen wĂ€ren wegen Wartungsarbeiten im Zuge der Vorbereitung des Stakings verzögert, wĂŒrden nun abgearbeitet und nach und nach alle ausgezahlt. Ich hielt das fĂŒr eine reine Hinhaltetaktik, war aber verwundert, dass die sich ĂŒberhaupt noch die MĂŒhe machen, sich bei ihren vermeintlichen Opfern zu melden. Als die Ersten im Chat berichteten, dass bei ihnen die Auszahlung angekommen ist, habe ich es weiterhin bezweifelt. Denn das könnten alles auch gefakte Profile sein. Als auch bei mir in Binance der Eingang tatsĂ€chlich erfolgte hob ich fasziniert meine linke Augenbraue und starrte unglĂ€ubig auf mein Postfach.

Die inzwischen erfolgten Auszahlungen ĂŒberzeugen mich trotzdem nicht. Zur Strategie eines guten Betrugs gehört es seine Opfer mit Tricks in Sicherheit zu wiegen. Ein guter BetrĂŒger wĂŒrde genau das machen. Eine kurze Panik auslösen, die sich schnell auflöst, weil sie unberechtigt war. Dadurch steigt das Vertrauen, denn nach einem heftigen Schreck wirkt sogar einfaches Wort halten vertrauensbildend. FĂŒr amĂŒsante, grandios dreiste Betrugsstrategien, empfehle ich die Serien Sneaky Pete und Better Call Saul anzusehen. DafĂŒr habe ich leider keine Zeit, denn natĂŒrlich habe ich die 35 Dollar sofort wieder beim Tedefi-Bot eingezahlt, bin ja angefixt und Gier frisst Hirn.

Fazit

Es bleibt spannend: wann, wie und ob? Ich kann jedem natĂŒrlich nur raten, von so einem Kram die Finger zu lassen, außer man will sie sich verbrennen. Ist das TeDeFi Network nun ein Scam oder nicht? Die Antwort darauf muss sich zum jetzigen Zeitpunkt jeder selber geben. Aber wie es auch ausgeht, entweder sind sie ein unfassbar unseriös auftretendes Team, das gegen viele fundamentale Regeln verstĂ¶ĂŸt oder sie sind verdammt schlechte BetrĂŒger. Wie auch immer, sie sollten sich bei ihrem öffentlichen Auftritt mehr MĂŒhe geben. Obwohl es dennoch in beiden FĂ€llen erstaunlich gut fĂŒr sie zu laufen scheint.

 

8 Gedanken zu „TEFI-Token – was steckt dahinter?“

  1. Sorry aber der erste Abschnitt zeigt schon das Du absolut null Ahnung von der Materie hast. Und wenn man von etwas keine Ahnung hat, sollte man auch nicht darĂŒber schreiben oder sich zumindest vorher ein solides Grundwissen aneignen


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    • Vielen Dank fĂŒr Deine eloquente und erhellende Argumentationskette mit vielen neuen Informationen zu diesem Themenkomplex, sowie der prĂ€zisen inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Artikel und der Widerlegung der Recherchen des Autors. Dir auch ein frohes neues Jahr.

    • WĂŒrde er nicht, denn er _will_ glauben. In der heutigen Zeit sind Fakten unwichtig. Was zĂ€hlt, ist die gefĂŒhlte Wahrheit und der unerschĂŒtterliche Glaube. Man ist Teil einer kleinen, „wissenden“ Elite. Fehler gesteht man auf keinen Fall ein.

    • So, nun haben die alles abgeschaltet. Tedefi.com wird nicht einmal mehr aufgelöst(!), was sehr, sehr seltsam ist. Die Profile auf Twitter und Linkedin wurden auch gelöscht.
      Die ersten Betroffenen erstellen Selbsthilfe- und Beweissammlungsgruppen auf Telegram.
      Wieso holt man nicht im Vorfeld Infos ĂŒber die HintermĂ€nner ein, bevor man IRGENDWEM (wirklich irgendwem) echtes Geld ĂŒbergibt?
      Aber klar, „der kleine Bruder“ wusste nicht, wovon er da schreibt. Wie viel Geld hast Du Experte denn verloren? 🙂
      BTW: Deren Website ist in der Waybackmachine erstaunlich gut konserviert: https://web.archive.org/web/20211124222718/https://tedefi.com/

  2. Es gibt eine… Ă€h… Selbsthilfegruppe auf Telegram.
    https://t.me/TeDeFi_Scam_Group

    Dort sollen laut Gruppenbeschreibung „Beweise“ gesammelt werden. Mal abgesehen davon, dass das im Nachhinein schlecht möglich ist, gibt es dort drei Lager:

    Admins und Realisten: Ihr seid alle selbst schuld, aber auch die Influencer mĂŒssen zur Rechenschaft gezogen werden!

    User 1: Ruft Hacker und Anonymous! Interpol! Cyberpol! Die MainzelmĂ€nnchen! Anzeigen! Hochprofessioneller Scam, den selbst wir Experten nicht erkennen konnten! Und hört auf zu lĂŒgen, dass Ihr das vorher wusstet!

    User 2: Wir sind selbst daran schuld! SchĂŒtzt die Influencer!

    Die beiden letzten Gruppen sind oftmals nicht fÀhig einen kurzen deutschen Satz inhaltlich und grammatikalisch verstÀndlich zu formulieren.

    Der o. a. Link zur Waybackmaschine wurde dort geteilt und dazu gesagt, dass es Hackern gelang, diese Site wiederherzustellen. Viele der Leute wissen nicht genug von diesem Neuland, um sich eine Meinung bilden zu können – was sie aber nicht davon abhĂ€lt, diese als „Wahrheit“ herauszuposaunen.

    Die wollen dort auch nicht lesen, dass sie aus vielen verschiedenen Richtungen gewarnt wurden und die Warnenden auch in den Gruppen beschimpften, dass sie keine Ahnung hĂ€tten. Die stecken sich die Finger in die Ohren und sagen dauernd laut: „ANZEIGE! ANZEIGE! ANZEIGE!“.

    Man stellt sich als frisch ĂŒber den Tisch gezogener hin und leugnet immer noch hartnĂ€ckig eigene Fehler. Willkommen im 2022!

    Die verlangen alle Hilfe – also am liebsten ihr Geld zurĂŒck.
    Aber das ist gar nicht weg!
    Das hat nun nur irgendjemand anderes. 😀

    Einen Teil davon haben vermutlich die Inluencer, die fĂŒr die unreflektierte Werbung von den Machern direkt oder indirekt bezahlt wurden. „Aber die haben doch selbst Geld verloren!“ Nicht so viel, wie die Werbung eingebracht hat, aber hey… *krokodilstrĂ€nen*
    Dass diese Leute jetzt auch noch „Hilfe“ anbieten wollen, ist schon sehr schrĂ€g. Vorher löschten die immer wieder warnende Kommentare, denn die sind ja geschĂ€ftsschĂ€digend.

    BTW: Der Sinn der Gruppe erschließt sich mir nicht, aber unterhaltsam ist es alle Male. 😀

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  3. Wer nun glaubt, er könne die Verluste von der Steuer absetzen (das wird in der Telegram-Gruppe tatsÀchlich so empfohlen), der sollte sich vorher diesen Artikel durchlesen:
    https://www.vlh.de/kaufen-investieren/abgeltungssteuer/schneeballsystem-steuern-auch-auf-scheingewinne-faellig.html
    Ich kann jetzt auch nicht empfehlen, die Scheingewinne nicht dem Finanzamt zu melden, denn das wÀre ein Aufruf zu einer Straftat. Ja, Steuerhinterziehung ist eine Straftat.
    Also das heißt im schlimmsten Fall: Das Geld weg und auf die nicht ausgezahlten Gewinne mĂŒsst Ihr auch noch Steuern zahlen.

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  4. Wenn Sie aufgrund einer gefĂ€lschten digitalen Investition belogen wurden und Geld verloren haben, wenden Sie sich bitte an JOLLXXXXXXXXXXX. Ich wurde von einer Scheinfirma um 84.000 Euro betrogen. XXX. JOLLXXXXXXXXX XXX HAT MIR GEHOLFEN, MEIN GELD ZURÜCKZUNEHMEN. Sie können sie auf Google suchen, wenn Sie dasselbe durchgehen.

    Anmerkung von Hessi:

    LOL! Nun versuchen weitere Scammer die Scammer-Opfer abzurippen! Unglaublich, aber mit denen kann man es augenscheinlich machen, denn die sind schlicht zu gutglĂ€ubig. Niemand kann Euch die Kohle zurĂŒckbringen, primĂ€r keine windigen Websitebetreiber, die es nötig haben Kommentarspam in schlechtem Deutsch unter passenden Artikeln zu platzieren. RUMSCHREIEN geht gar nicht, denn wer schreit, der lĂŒgt. Also Leudies: Fall nicht auf so einen Mist rein. Die Kohle ist ja nicht weg, die hat nun nur jemand anderes – und die seht ihr nicht mehr wieder.

    Wenn Ihr Eure persönlichen Daten dort eingebt, dann gute Nacht! Schaut Euch doch mal die Site an! Die „Kundenbewertungen“ sind alle seltsam gleich und die Bilder sehen verdĂ€chtig so aus, als ob sie entweder Stockphotos wĂ€ren oder aus sozialen Netzwerken „ausgeliehen“ wurden. Dann noch „TrustPilot“ unter diese Lobpreisungen zu setzten, ohne zu Trustpilot zu verlinken, das kann man nur mit leichtglĂ€ubigen Scammer-Opfern machen.
    Ach ja: Wenn Ihr in der Telegram-TeDeFi-Selbsthilfegruppe seid und Einladungen fĂŒr jeden freigeschaltet habt, dann werdet Ihr zu jeder Menge anderer Scammer-Gruppen wie „Kraken KryptowĂ€hrung“ eingeladen. Diese Gruppen sind auch voller Fakepostings von Jubelpersern, die allesamt innerhalb von Tagen steinreich wurden.

    Wie mehrfach gesagt: Leute, seit nicht blöd und glaubt nicht jeden Scheiss in diesem Internet. Ich habe manchmal den Eindruck, dass gerade fĂŒr die Digital Natives das Internet Neuland ist. Wir, die wir von Mailboxen ĂŒber das Usenet bis zum WWW die Entwicklung und die AuswĂŒchse in Echtzeit miterlebten, haben es vielleicht einfacher.

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