Alten Flie­sen­bo­den verschönern

Lese­dau­er 6 Minu­ten

Wie kann ich einen alten Flie­sen­bo­den im Kel­ler ohne gro­ßen Auf­wand und Dreck moder­ni­sie­ren? Schritt für Schritt im Detail erklärt.

Aus­gangs­la­ge

Unser Kel­ler­raum, der ehe­ma­li­ge Werk­raum, war mit apar­ten 1980er-Jah­re-Flie­sen belegt. Braun, schick. Der gesam­te Boden war schief und wel­lig. Die Flie­sen durch die Sanie­rung der Wän­de mit Sanier­putz  ver­dreckt, was wir den Hand­wer­kern zu ver­dan­ken haben, die nicht sau­ber arbeiteten.

Alter Fleisenboden
Gesaugt

Ziel

Ein pfle­ge­leich­ter, gera­der und hel­ler Boden, wie man ihn auch in einem Neu­bau erwar­ten würde.

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Sockel­leis­ten aufgemalt

Mate­ri­al­kos­ten

Wir gehen von einem 30 qm gro­ßen Raum und eine Stär­ke der Aus­gleichs­mas­se von 3 mm.

  • Rei­ni­ger: 12 Euro
  • Grun­die­rung 33 Euro
  • Aus­gleichs­mas­se = 102 Euro
  • Quarz­sand 10 Euro
  • Far­be 24 Euro

Gesamt­kos­ten: 181 Euro

Kos­ten pro Qua­drat­me­ter: 6 Euro

Qua­li­tät

Ich habe hier nur Mate­ri­al ver­linkt, das ich mir auch selbst kau­fen wür­de. Das habe ich alles nicht wahl­los zusam­men­ge­klickt, son­dern stun­den­lang aus­ge­sucht. Auch aus Eigen­nutz, denn ich wer­de noch die Gara­ge nivel­lie­ren und dann genau die­se Mate­ria­li­en ordern.

Die Far­ben sind was­ser­lös­lich, das ist mir aus vie­len Grün­den wich­tig – aber vor allem kann man das Arbeits­ma­te­ri­al leich­ter rei­ni­gen. Das ist wich­tig, um sau­be­re Ergeb­nis­se zu erzielen.

Werk­zeu­ge

Glei­ches gilt für die Werk­zeu­ge, die ich mir genau so kau­fen wür­de, hät­te ich sie nicht bereits. Okay, bis auf den Wisch­mopp, da benut­ze ich nur Floo­r­dress(1), aber das ist den meis­ten ver­mut­lich zu teu­er. Das kauft man aber auch nur ein­mal im Leben und ver­erbt es dann weiter.

Preis-Leis­tung-Ver­hält­nis

Die Prei­se für das Bau­ma­te­ri­al sind alle­samt – selbst mit Ver­sand – um eini­ges güns­ti­ger, als das, was ich im Bau­markt dafür bezahlt hat­te. Das hät­te ich nicht erwar­tet, sonst hät­te ich es damals eben­falls online geor­dert. Ver­gleicht aber ger­ne selbst.

Tag 1

Heu­te wer­den wir den Raum so weit vor­be­rei­ten, dass wir mor­gen die Aus­gleichs­mas­se aus­brin­gen können.

Rei­ni­gen

Der Dreck der Bau­ar­bei­ten muss weg. Durch­wi­schen reicht nicht. Es blei­ben Putz­res­te übrig, die sich aber recht leicht lösen las­sen – ein denk­bar schlech­ter Unter­grund für Aus­gleichs­mas­se. Die mecha­ni­sche Rei­ni­gung ist unabwendbar.

Man kann so eine Schrub­ber­ma­schi­ne für 32 Euro am Tag im Toom aus­lei­hen. Aber ein Bürs­ten­set für den Akku­schrau­ber ist bil­li­ger und man kann es auch spä­ter viel­fäl­tig einsetzen.

Man muss nicht hin und zurück und hin und zurück zum Bau­markt – noch billiger.

Arbeits­ma­te­ri­al

Fliesen reinigen

Den Mel­le­rud Grund­rei­ni­ger mit der Bürs­te ver­dünnt in die Flie­sen massiert.

Aber es erscheint müh­sa­mer als es ist, die Fahrt zum Bau­markt für das Aus­lei­hen und Zurück­brin­gen wäre ähn­lich zeit­auf­wen­dig. Gründ­li­cher ist es alle Male.

Arbeits­schrit­te
  1. Ggf. mit der Schar­re Putz­res­te entfernen
  2. Boden Fegen
  3. Staub absau­gen
  4. Bürs­ten­rei­ni­gung des Bodens
  5. Was­ser abziehen
  6. Was­ser aufsaugen

Auch wenn Euer Boden nicht dre­ckig aus­sieht, so wisst Ihr nicht, ob da nicht eine schö­ne Schicht Glanz­rei­ni­ger auf den Flie­sen ist, die ver­hin­dern wür­de, dass Euch die Aus­gleichs­mas­se wie­der abplat­zen wür­de. Also schön mit dem Mel­le­rud Grund­rei­ni­ger für Flie­sen alles wie beschrie­ben sau­ber machen.

Grun­die­ren

Der Boden darf noch leicht feucht, aber nicht mehr nass sein. Ggf. gut durch­lüf­ten, oder mit einem Lap­pen die Näs­se aufnehmen.

In den Fugen ist der Haft­grund egal, da hält die Aus­gleichs­mas­se so oder so – nur die Flie­sen sind wich­tig. Die kön­nen mit Was­ser nicht gesät­tigt wer­den, also kann ich ruhig Haft­grund schon jetzt auftragen.

Dabei soll­te man schau­en, dass sich der (was­ser­lös­li­che) Quarz­grund beim Auf­tra­gen gut mit der Rest­feuch­tig­keit ver­mischt. Also sorg­fäl­tig und mit etwas Druck gleich­mä­ßig auftragen!
Arbeits­ma­te­ri­al

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Arbeits­schrit­te
  • Quarz­grund gleich­mä­ßig und sorg­fäl­tig mit der Rol­le auftragen
  • Arbeits­ma­te­ri­al sofort reinigen

Wenn Ihr mit der Rol­le einen Strei­fen auf die Wand malt, ist das über­haupt nicht schlimm, der ist spä­ter genau unse­re Mar­kie­rung für die Scheu­er­leis­te. Prak­tisch, oder? 🙂

Tag 2

Heu­te wer­den wir den Boden nivel­lie­ren und zu einer glat­ten Ober­flä­che verhelfen.

Aus­gleichs­mas­se ausbringen

Der Quarz­grund muss 6 bis 24 h trock­nen. Im Kel­ler kön­nen wir unten weg von 24 Stun­den aus­ge­hen, wenn nicht sogar noch länger.

Arbeits­ma­te­ri­al
Arbeits­schrit­te
  1. Am bes­ten zu zweit arbeiten
  2. Einen Sack Aus­gleichs­mas­se abso­lut klum­pen­frei, aber zügig anrühren
  3. Aus­gleichs­mas­se auf­brin­gen und mit Schie­ber verteilen
  4. Aus­gleichs­mas­se mit Sta­chel­wal­ze entlüften
  5. Zügig von hin­ten nach vor­ne durch­ar­bei­ten, bevor die Mas­se (zu sehr) anzieht
  6. Arbeits­ma­te­ri­al sofort reinigen

Die Aus­gleichs­mas­se nach Anlei­tung anmi­schen (dabei aber die Ober­gren­ze der Was­ser­an­ga­be verwenden),
Pro­fi­tipp eines Hand­wer­kers: noch einen Schluck Quarz­sand ein­rüh­ren, das erhöht die End­fes­tig­keit und der Boden wird etwas rutschfester.

Die Kon­sis­tenz soll­te in etwas der eines Tei­ges für dicke Pfann­ku­chen ent­spre­chen. Das ist Gefühls­sa­che. Die Mas­se muss sich gut ver­tei­len und soll nicht zu schnell aus­här­ten. Ist die Kon­sis­tenz zu dick, bekommt Ihr Buckel in Euren Boden.

Bei mir war jeder Sack etwas anders gemischt. Das sieht man schon an der Far­be auf den Bil­dern. Auch bei glei­cher Was­ser­men­ge ver­hält sich nicht ein Sack wie der ande­re. Kamen wohl aus ver­schie­de­nen Char­gen. Der ein mit Rhein-Sand, der ande­re aus eine Bag­ger­see, was weiß ich?

Jeden­falls ist die Kon­sis­tenz unter­schied­lich, da muss man eben auf­pas­sen und mit Gefühl arbei­ten. Auch die Trock­nungs­zeit kann unter­schied­lich sein, also aufpassen!

Dann gut ein Drit­tel der Mas­se aus dem Bot­tich kip­pen und mit dem Abzie­her oder einer Kel­le gleich­mä­ßig und glatt ver­tei­len. Jede Stel­le des Bodens muss unbe­dingt aus­rei­chend mit der Aus­gleichs­mas­se bedeckt sein!

Gleich wei­ter­ar­bei­ten, nicht war­ten! Nass in nass arbei­ten, am bes­ten, es mischt eine zwei­te Per­son die Aus­gleichs­mas­se immer an, wäh­rend die ande­re die Mas­se aufbringt.

Hier ein Video eines exakt eben­so gro­ßen Rau­mes, bei dem die Fuß­bo­den­hei­zung ver­sie­gelt wurde:

Tag 3

Heu­te strei­chen wir den Boden erstmals.

Erst­an­strich

Arbeits­ma­te­ria­li­en
Arbeits­schrit­te
  1. Boden durch­wi­schen
  2. Boden absau­gen
  3. Boden strei­chen
  4. Arbeits­ma­te­ri­al sofort reinigen

Wie ich soll durch­wi­schen? Nun, Ihr denkt nun, der Boden sei sau­ber, schließ­lich ist er neu, oder? Weit gefehlt! Auf der Ober­flä­che set­zen sich meist noch die leich­tes­ten Stof­fe der Aus­gleichs­mas­se ab. Die­se müs­sen wir ent­fer­nen, sonst hält die Far­be nicht und wir bekom­men kei­ne sau­be­re Ober­flä­che hin.

Nehmt dazu bit­te kei­nen Mikro­fa­ser-Mopp, das habe ich selbst pro­biert und nach weni­gen Bewe­gun­gen ver­schmier­te alles ganz schlimm. Ein Baum­woll-Mopp ist wesent­lich Auf­nah­me-freu­di­ger – auch wenn es eigent­lich nicht so sein sollte.

Nach dem Trock­nen sau­gen wir die letz­ten Par­ti­kel noch auf, Ihr wollt doch eine schö­ne, gleich­mä­ßi­ge Ober­flä­che erzie­len, oder?

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Ers­ter Anstrich noch mit Flecken

Auch wenn der Boden noch nebel­feucht ist, könnt Ihr bereits die Far­be auf­tra­gen, da sie was­ser­lös­lich ist.

Die Far­be bit­te gründ­lich umrühren.

Wie man einen Boden strei­chen soll, muss ich Euch nicht wirk­lich erklä­ren, nicht wahr? Die­se Far­be trock­net rela­tiv zügig, nass-in-nass ist da kaum mög­lich, aber auch nicht nötig.

Per­sön­lich habe ich die Far­be immer im Raum von links nach rechts ver­ar­bei­tet. Vor und zurück gerollt. So 70 oder 80 cm tief, wür­de ich sagen.

Wenn ich ein­mal von links nach rechts durch den Raum war, konn­te ich links wie­der wei­ter­ma­chen, aber mit wenig Druck, ver­steht sich. Dies­mal die Far­be im 90 Grad Win­kel auftragen.

Nun die nächs­te Bahn, und so wei­ter, bis man an der Tür ange­langt ist.

Tag 4

End­lich wird der Boden fertig!

End­an­strich und Scheuerleisten

Arbeits­ma­te­ria­li­en
Arbeits­schrit­te
  1. Sockel­leis­te streichen
  2. Boden strei­chen
  3. Arbeits­ma­te­ri­al sofort reinigen

Wir betre­ten den Raum am bes­ten auf Socken, damit wir kei­nen Schmutz in den Raum hin­ein­tra­gen. Die Sockel­leis­te muss gestri­chen wer­den. Wir könn­ten die Scheu­er­leis­te zum Schluss strei­chen, aber damit ver­lö­ren wir einen wei­te­ren Tag.

Nicht wun­dern, dass die Bil­der das nicht her­ge­ben– jetzt die Scheu­er­leis­ten zu strei­chen ist nur ein Tipp von mir, den ich mir vor­her nicht über­legt hatte.

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Sockel­leis­ten aufgemalt

Die ganz Peni­blen benut­zen nun einen Kreuz­li­ni­en­la­ser, der ist unge­mein prak­tisch, wenn der Raum ein Gefäl­le hat, denn dann fällt das spä­ter optisch nicht mehr auf. Ja, ein Gefäl­le ist auch mit Aus­gleichs­mas­se mög­lich, wenn man ins­be­son­de­re eine Gara­ge hat.

Ist der Boden gera­de, oder Euch das Ergeb­nis egal, dann streicht frei­hän­dig an der Linie ent­lang, die wir beim Grun­die­ren mit Quarz­grund sowie­so hin­ter­las­sen haben. 😉

Abkle­ben ist ziem­lich sinn­los, denn Kel­ler­wän­de sind meis­tens mit einem Rau­putz versehen.

Das macht auch nichts, denn Boden­far­be ist wun­der­bar zu ver­ar­bei­ten. Ein­mal auf­tra­gen reicht i. d. R. abso­lut für ein her­vor­ra­gen­des Ergeb­nis aus, denn mit einem Pin­sel trägt man meis­tens mehr Far­be auf, als mit einer Rolle.

Nun strei­chen wir den Boden in der glei­chen Wei­se wie am Tag zuvor und voll­enden damit unser Werk.

Viel Erfolg beim Nach­ma­chen! Und wenn der Arti­kel Euch gehol­fen hat, dann lasst doch ein Herz für ihn da.

 

 

Hinweise
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