Alles über den Pho­to Play 2000

Lese­dau­er 13 Minu­ten

Es gibt genü­gend Leu­te, die Face­book skep­tisch gegen­über­ste­hen. Gera­de im Retro­be­reich fin­det man das oft, obwohl sich gera­de die­se Leu­te seit Jahr­zehn­ten mit IT-Tech­nik befas­sen. Ich fin­de Face­book gut – nicht zuletzt, weil ich dar­über einen Pho­to Play-Auto­ma­ten geschenkt bekom­men habe. 😉

Wie ich an mein Gerät kam

Es gibt genü­gend Leu­te, die Face­book skep­tisch gegen­über­ste­hen. Gera­de im Retro­be­reich fin­det man das oft, obwohl sich gera­de die­se Leu­te seit Jahr­zehn­ten mit IT-Tech­nik befas­sen. Ich fin­de Face­book gut – nicht zuletzt, weil ich dar­über einen Pho­to Play-Auto­ma­ten geschenkt bekom­men habe. 😉

Ein alter Klas­sen­ka­me­rad, der Cars­ten, den ich seit fast 30 Jah­ren nicht mehr gese­hen habe und den ich eigent­lich nur noch über Face­book „kann­te”, dach­te an mich, als ein befreun­de­ter Auto­ma­ten­auf­stel­ler, der Horst, eini­ge Pla­ti­nen und Auto­ma­ten los­wer­den woll­te. Für die Pla­ti­nen woll­te er zwar noch einen schma­len Euro haben, denn er hat­te die über Jah­re hin­weg gesam­melt, aber die Auto­ma­ten soll­ten alle­samt in die Pres­se. Die Pla­ti­nen gab ich gleich an den Rei­ner vom For-Amu­se­ment-Only e.V. wei­ter, bzw. haben die das direkt unter sich aus­ge­macht. Neben eini­gen Geld­spie­lern, die mich nun wirk­lich nicht reiz­ten und für die ich auch ver­geb­lich auf den Home­Cons warb, hat­te Horst aber auch noch einen Pho­to Play-Automaten.

Bei einem Pho­to Play han­delt es sich um einen „Arca­de­au­to­ma­ten” ohne Joy­sticks und But­tons, denn die Spie­le benut­zen alle aus­schliess­lich den Touch­screen des Gerä­tes. Alle Spie­le sind gewalt- und jugend­frei, der öster­rei­chi­sche Her­stel­ler Fun­world nennt das Kon­zept „posi­ti­ve Games” – aber dazu spä­ter mehr.

typenschild
(Bau­jahr 1998)

Der ein­zi­ge Haken an der gan­zen Sache ist, dass sich der Auto­mat in mei­ner Geburts­stadt Kas­sel befand, ich aber in Seli­gen­stadt lebe. Gut dass es nicht mehr lan­ge bis zur win­ter­li­chen Ver­wand­ten-Geburts­tags­ral­lye dau­er­te, zu der wir sowie­so nach Kas­sel muss­ten. Bei mehr als unwirt­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren mon­tier­te ich früh am Mor­gen schnell den Hän­ger an den Zigeu­ner­ha­ken unse­res fran­zö­si­schen Mini­vans und ab ging es nach Kassel.

Dort ange­kom­men eil­ten wir gleich zum Horst in sein Geschäft. Wow! Der Auto­mat sah viel, viel bes­ser aus als ich erwar­tet hat­te, so dass ich schon Zwei­fel hat­te, ob der von mir mit­ge­brach­te Kas­ten Gla­abs­bräu 1744 denn eine aus­rei­chen­de Ges­te gewe­sen sei. Horst zeig­te mir noch schnell das bei­lie­gen­de Zube­hör und er beton­te, dass das Gerät im Prin­zip lau­fen wür­de, aber dazu bis zu einer hal­ben Stun­de benö­ti­gen wür­de. Kor­rekt, der Moni­tor zuck­te nur noch beim ein- und aus­schal­ten. Der Rest ist PC-Tech­nik. Zu mei­ner Zeit als Feri­en­job­ber bei Löwen­au­to­ma­ten war in den Pho­to Plays ein AMD 5×86 133 PR 75 in der schnel­len und über­tak­tungs­freu­di­gen ADZ-Ver­si­on ver­baut. Bei sehr guter Küh­lung lie­fen die­se CPUs bis 200 MHz – der wohl schnells­te 486er der Welt. Dass aber 1998 immer noch ein 486er in den Auto­ma­ten ver­baut wur­de, erstaun­te mich dann doch etwas. Ich mach­te mir aber wenig Sor­gen um die Hard­ware, da ich in mei­nem Fun­dus noch das eine oder ande­re Ersatz­teil bereit hielt.

anleitung
(Super: Die Anlei­tung lag dabei!)

Erst woll­te ich den Moni­tor zum Trans­port aus­bau­en, staun­te aber nicht schlecht, als sich die­ser als fest im Gehäu­se ver­schraubt erwies. Horst mein­te, dass die­se Gerä­te die 230km (inklu­si­ve Ver­wand­ten­ral­lye) auf einem Hän­ger zurück nach Hau­se weg­ste­cken kön­nen – die sei­en soli­de gebaut. Decke unter­ge­legt, Spann­gur­te drum, eine Pla­ne drü­ber gezurrt und schon war alles verstaut.
Aber erst stan­den ja die Geburts­ta­ge auf dem Plan. Mei­ne Groß­mutter wur­de 90, mein Schwie­ger­va­ter 70. Vol­les Pro­gramm war also angesagt.

home again
Sicher zu Hau­se angekommen)

cab
(Gut gekühlt: Das Cabinet)

Kurz nach 02:00 Uhr waren wir wie­der zu Hau­se, aber der Auto­mat muss­te draus­sen war­ten, wir waren so müde, dass wir nur noch in’s Bett fie­len. Am nächs­ten Mor­gen lag der Auto­mat erwar­tungs­ge­mäss immer noch auf dem Hän­ger, war aber gut durch­ge­fro­ren. Wir wuch­te­ten das Gerät nur noch in das Erd­ge­schoss – und kei­nen Meter wei­ter, denn er ist abar­tig schwer. Wie gesagt: Der Moni­tor lässt sich nicht so ein­fach raus­zie­hen, wie bei einem nor­ma­len Arca­de­au­to­ma­ten, hin­zu kommt, dass der PC im Inne­ren in einem Stahl­blech­ge­häu­se steckt. Schon ein kom­plett lee­res, nor­ma­les Arca­de-Cab wiegt eine gan­ze Men­ge. Ein Pho­to Play ist deut­lich schwerer.

Haf­tungs­aus­schluss

ACHTUNG! NICHT NACHMACHEN!

  1. Dies ist kei­ne Anleitung!
  2. Der Arti­kel dient der per­sön­li­chen Dokumentation!
  3. Die­ser Arti­kel soll nicht die bei­lie­gen­den Anlei­tun­gen, Ein­bau­hin­wei­se oder Instal­la­ti­ons­an­lei­tun­gen ersetzen!
  4. Die­ser Arti­kel soll einen gro­ben Über­blick über die anfal­len­den Arbei­ten ermöglichen.
  5. Der Arti­kel erhebt kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit oder gar Korrektheit.
  6. Hier beschrei­be ich, wie ich die­se Arbei­ten als Laie erle­digt habe – nicht, wie man sie kor­rekt oder nach hand­werk­li­chen Stan­dards, Vor­schrif­ten oder Geset­zen erledigt.
  7. Ich leh­ne jede Ver­ant­wor­tung, Haf­tung und Gewähr­leis­tung ab. Jeder muss selbst wis­sen, was er macht.
  8. Eini­ge Arbei­ten sind durch Fach­frem­de nicht zuläs­sig, respek­ti­ve gesetz­wid­rig und bedür­fen teil­wei­se min­des­tens der Abnah­me durch einen aus­ge­bil­de­ten Berech­tig­ten.
  9. Eini­ge Hand­lun­gen und Arbei­ten sind im öffent­li­chen Bereich (Stra­ßen­ver­kehr, Strom­netz, Luft­raum, Inter­net, etc.) ver­bo­ten oder ver­sto­ßen gegen Lizenz­ver­ein­ba­run­gen, was straf- oder zivil­recht­li­che Kon­se­quen­zen nach sich zie­hen kann.
  10. 230 Volt sind töd­lich!
  11. Kein Back­up? Kein Mitleid!
  12. Mei­ne 3D-Model­le sind nur Mach­bar­keits­stu­di­en, kei­ne geprüf­ten, funk­ti­ons­fä­hi­gen Bau­tei­le.
  13. Die beschrie­be­nen Tätig­kei­ten sind in der Fol­ge rein aka­de­mi­scher Natur.
  14. Beden­ke, dass durch Dei­ne Arbei­ten Drit­te an Leib und Leben gefähr­det wer­den kön­nen und Du per­sön­lich dafür haf­test.

Mit dem Wei­ter­le­sen stimmst Du die­sem Haf­tungs­aus­schluss zu.

Inne­rer Aufbau

monitor
(Nicht ein­fach aus­zu­bau­en: der Monitor)

pc
(Stahl­blech­ge­häu­se des PCs)

Das Ding muss­te sich aber vor allem erst ein­mal akkli­ma­ti­sie­ren. Im kal­ten Gerät kann sonst Kon­dens­was­ser zu Kurz­schlüs­sen füh­ren – gera­de wenn noch Staub dazu kommt. Bei moder­ne­ren Com­pu­tern kön­nen sogar die Die (der Kern aus Sili­zi­um) der CPU plat­zen, wenn eine tief­ge­kühl­te CPU sich beim Ein­schal­ten schlag­ar­tig im Kern auf weit über 80 Grad erhitzt.

Auch im inne­ren prä­sen­tier­te sich der Auto­mat über­ra­schend sau­ber. Er hat­te immer­hin 12 Jah­re und mehr als 15.000 Betriebs­stun­den auf der Uhr. Nach eini­gen Stun­den zer­leg­te und rei­nig­te ich den Rech­ner und check­te die Kabel­ver­bin­dun­gen im Cab. Sah alles in Ord­nung aus, nur woll­te der Rech­ner nicht „ansprin­gen”. Am inter­nen Kabel lag Netz­span­nung an, also ver­mu­te­te ich einen Defekt am AT-Netz­teil des Rech­ners. Dafür sprach auch, dass der Auto­mat erst nach eini­ger Zeit star­ten woll­te. Ich habe es nicht gemes­sen, den­ke aber, dass das Power-Good-Signal nicht anlag. Ver­mut­lich sind aus­ge­trock­ne­te Kon­den­sa­to­ren mal wie­der Schuld, dar­an liegt es in den meis­ten Fällen.

Alles ueber den Photo Play 2000 1
(Pas­sa­bel sau­ber: der PC von innen)

psu
(Defek­tes Netzteil)

hdd
(3,5″ IDE-HDD mit 3,2 GB Kapa­zi­tät im han­dels­üb­li­chen Wechselrahmen)

hinten
(Lau­ter Legacy-Schnittstellen)

DSC 0808
(Kom­bi­nier­te Sound‑, I/O- und IDE-DMA/33-ISA-Kar­te (IDE nicht bestückt))

DSC 0809
(Con­trol­lerkar­te für den Touch­screen, ISA)

vga
(Cir­rus Gra­fik­kar­te, PCI. Bil­li­ger ging es wohl nicht – reicht aber dicke)

dx4-100
(i486 DX4-100, kleins­te CPU der Pho­to Plays. Man beach­te: kei­ne Wärmeleitpaste!)

Das iCOMP-Rating von 435 ist auf dem DX4 auf­ge­druckt. Ein 5×86 wür­de hier einen Wert von 610 errei­chen. Aber auch der schwä­che­re Intel-Pro­zes­sor ist mit den Game­play kei­nes­wegs über­for­dert, die Soft­ware wur­de mit Augen­mass geschrieben.

cache
(Ver­mut­lich 128KB ech­ter 12ns Cache, es gab auch Boards von PCChips mit Fake-Cache-Bausteinen)

edo-ram
(4MB EDO-Ram – für PTS-DOS voll­kom­mend ausreichend)

Reparatur

Im Kel­ler durch­wühl­te ich mei­ne Netz­teil­kis­te. Mist! Nur noch ATX-Netz­tei­le!? Mei­nen sei­ner­zeit sel­ber gebau­ten ATX-auf-AT-Adap­ter konn­te ich auch nicht mehr fin­den… Guter Rat war also teu­er. Zum Glück hat­te ich aber eini­ge Tage zuvor mei­nen IPCop in Ren­te geschickt. mehr als 10 Jah­re lang leis­te­te mir mein selbst­ge­bau­ter Rou­ter 24/​365 treue Diens­te, muss­te aber beim Wech­sel nach Voda­fone einer Easy­box wei­chen. Sein Strom­ver­brauch war ein­fach nicht mehr zeitgemäß.

DSC 0836
(IPCop, AMD K6-166@200, pas­siv gekühlt, 10 Jah­re Dauereinsatz)

Der Rou­ter steck­te noch im Ser­ver­schrank, also war wie­der schrau­ben ange­sagt. Nach fünf Minu­ten hielt ich aber das Objekt der Begier­de in mei­nen Hän­den: Ein AT-Netz­teil von Sea­so­nic. Auch nach einem Jahr­zehnt Dau­er­ein­satz war es immer noch flüs­ter­lei­se. Typisch Sea­so­nic: gemacht für die Ewigkeit! 🙂

Das olle „Noname”-AT-Netzteil flog aus dem Pho­to Play und das Sea­so­nic ersetz­te es. Inter­es­sant war, dass das alte Netz­teil, wie für AT-Netz­tei­le eigent­lich unüb­lich, kei­nen Netz­schal­ter besass. AT-Netz­tei­le wer­den in der Regel durch einen Netz­schal­ter an der Front des PCs vom Netz getrennt. Die­ses hier war wohl intern gebrückt wor­den. Macht aber nichts, bleibt der Schal­ter eben auf „An”.

Ich lag rich­tig, was den Feh­ler betraf, denn der Auto­mat star­te­te nach dem Aus­tausch ein­wand­frei und zeig­te bis auf die feh­len­de Mar­quee-Beleuch­tung kei­ne wei­te­ren Feh­ler. Ein sehr schö­nes Geschenk zur Weihnachtszeit!

marquee
(Blieb dun­kel: das Marquee)

So weit, so gut. Aber was kommt da für eine Lam­pe rein? Ich hat­te kei­nen Plan! Aber Tan­te Goog­le konn­te mir hel­fen, denn auf der Fas­sung der Lam­pe stand eine VDE-Num­mer: 26.719. Das heisst auf gut Deutsch: Fas­sung G.23 – na, dann ist ja alles klar. G.23, kennt ja jeder. Also bei Rei­chelt nach­ge­se­hen: Aha! Das sind Ener­gie­spar­lam­pen, oder wie sie damals hies­sen: Neonlampen.

Inter­es­sant ist, dass der im Bau­haus anwe­sen­de Mit­ar­bei­ter der Fir­ma Osram mit dem Bezei­chung „G.23” nichts anzu­fan­gen wuss­te. Er blät­ter­te hek­tisch in sei­nen Pro­spek­ten, fand aber nichts. Der Bau­haus­mit­ar­bei­ter kann­te die Fas­sung zwar, war aber beschäf­tigt, so dass ich sel­ber nach­sah – den Osram-Ker­le im Schlepp­tau. Uii! War ihm das pein­lich, als er dann sel­ber die pas­sen­de Lam­pe sei­ner eige­nen Fir­ma im Regal sah. Klar, kann pas­sie­ren, man kann nicht alles wissen.

Die Anlei­tung von Fun­world schwieg sich zur Watt­zahl aus, also wähl­te ich die kleins­te mit nur fünf Watt. Die ist zudem die kür­zes­te und daher blieb der Spot auf dem Glo­bus, und der Schat­ten des Ran­des tritt nicht so stark hervor.

lampe
(ca. so groß wie eine Ker­zen­lam­pe: G.23 mit 5 Watt)

Alles ueber den Photo Play 2000
(Wie neu: Marquee)

E inbau eines lei­sen Lüfters

In einer Knei­pe stört ein lau­ter Hoch­leis­tungs­lüf­ter eher weni­ger. Da spielt Musik und alle reden durch­ein­an­der. Allei­ne im Par­ty­kel­ler (oder wo immer so ein Auto­mat bei Euch steht) kann einen das Jau­len aber in den Wahn­sinn trei­ben. Klar, laut bedeu­tet in dem Fall, dass das Ding auch einen ordent­li­chen Luft­durch­satz hat… trotz­dem, das war ein­fach viel zu laut. Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten: zwei lang­sa­me­re Lüf­ter ein­bau­en oder einen gro­ßen. Da ich noch einen 12er 24V-Lüf­ter von NMB mit pas­sen­dem Git­ter hier rum­lie­gen hat­te, war das ja kei­ne Fra­ge. Trotz­dem hät­te ein wei­te­rer Lüf­ter das Luft­vo­lu­men mehr erhöht als mein ein­zel­ner 12cm-Lüf­ter. Des­we­gen haben Autos mehr Ven­ti­le, statt ein­fach nur grö­ße­re („16V”, bspw.).
Mit den 12 Volt des Auto­ma­ten arbei­tet der neue 24V-Lüf­ter unhör­bar lei­se – so soll es sein.

vergleich
(Grö­ßen­ver­gleich der Lüfter)

Der ori­gi­na­le Lüf­ter war schlicht an die 12V des Netz­tei­les ange­schlos­sen und tat sei­nen Dienst, rein tech­nisch gese­hen, wie am ers­ten Tag. Aller­dings sah er auch nach 12 Jah­ren Arbeit in stau­bi­ger, niko­tin­hal­ti­ger Umge­bung aus. Ein wirk­lich tap­fe­rer klei­ner Kerl von NMB Mine­bea, der wie­der ein­mal zeigt, dass deren Lüf­ter für den pro­fes­sio­nel­len Ein­satz gedacht sind. Manch­mal fin­det man bei Pol­lin Lüf­ter von NMB für den klei­nen Euro, aber Vor­sicht: schaut Euch vor­her das Daten­blatt an, nicht dass sich der PC, ange­trie­ben durch den Luft­strom des Lüf­ters, quer durch Euer Arbeits­zim­mer bewegt. 🙂 NMB hat natür­lich auch lei­se Fans – ein­fach vor dem Kauf in das Daten­blatt schauen.

DSC 0887
(Kei­mi­ger Lüfter)

Ganz prag­ma­tisch liess ich die Stich­sä­ge auf­heu­len und jag­te sie durch die abnehm­ba­re Rück­wand des Cabi­nets – mein Lüf­ter brauch­te Raum! Die Kabel ver­lö­te­te ich, iso­lier­te sie ordent­lich mit Schrumpf­schlauch und ver­sah sie mit Zugentlastungen.

löt
(Schrumpf­schlauch & Zugentlastung)

innen
(Ver­schraub­ter 12cm-Lüf­ter, bläst nach aussen)

aussen
(Fer­tig ein­ge­baut und super­lei­se; trotz­dem macht der ordent­lich Wind)

Tja, das war schon alles an War­tungs­ar­bei­ten: Netz­teil- und Lam­pen­tausch sowie Geräusch­re­du­zie­rung durch einen gro­ßen Lüf­ter. Nun haben wir einen Auto­ma­ten, der einen erstaun­lich hohen WAF hat und von den Kin­dern sowie­so geliebt wird. Wäh­rend ich noch an dem Gerät arbei­te­te, wur­de es von allen Fami­li­en­mit­glie­dern stän­dig bela­gert und jeder muss­te mal eben ein „Test­spiel” machen, um zu sehen, ob auch alles so funk­tio­niert, wie es soll.

test
(Einer der Testläufe)

testspieler
(Spie­le­tes­ter bei der Arbeit)

belagerung
(Stän­di­ge Belagerung)

Jetzt hat er sei­nen vor­läu­fi­gen Platz sogar im Wohn­zim­mer gefun­den – in einer Ecke, in der er nicht son­der­lich auf­fällt. Jeden­falls bleibt er da solan­ge, bis das Gäs­te­bad und ‑zim­mer aus­ge­baut wurden.

Mei­ne Fami­lie lässt mich mitt­ler­wei­le manch­mal sogar auch damit spielen.

Die Tech­nik im Detail

Spie­le

Fun­world, der Her­stel­ler, nennt die Spie­le „posi­ti­ve Games”, da sie alle gewalt- und jugend­frei sind. In allen ver­schie­de­nen Ver­sio­nen befin­den sich immer­hin 37 Spie­le auf dem Auto­ma­ten, die in die Kate­go­rien Kar­ten, Geschick, Logik und Quiz ein­ge­teilt sind. Eine fünf­te Kate­go­rie zeigt die Top-Games an, die Spie­le, die auf die­sem Auto­ma­ten am meis­ten gespielt wurden.

Vie­le Spie­le sind im Prin­zip dop­pelt und drei­fach vor­han­den, so fin­den sich eini­ge sehr ähn­li­che Qui­ze und Fin­de-den-Feh­ler-im-Bild-Spie­le, die sich nur mar­gi­nal von­ein­an­der unter­schei­den. Ziel­grup­pe war aber nie die „Pro-Gamer”-Fraktion, son­dern Otto-Nor­mal-Knei­pen­be­su­cher, der sich nicht erst in die Bedie­nung eines Spie­les ein­ar­bei­ten woll­te, son­dern in den sie­ben Minu­ten, die sein Pils zum zap­fen benö­tig­te mal eben eine Mark ver­zo­cken konn­te, ohne sich über die­se Inves­ti­ti­on ärgern zu müssen.

Inter­es­sant ist, dass sich die Spie­le auch im 1‑Spie­ler-Modus mit meh­re­ren Leu­ten spie­len las­sen. Man steht um den Auto­ma­ten her­um und alle bal­gen sich dar­um den nächs­ten Zug machen zu dür­fen. Ein lau­ni­ger und güns­ti­ger Spiel­spaß. Allen Spie­len gemein ist, dass man die Spie­le meis­tens aus eige­nem Unver­mö­gen ver­liert und nicht des­we­gen, weil der End­geg­ner dem Durch­schnitts­spie­ler kei­ne Chan­ce lässt.

Die Reak­ti­ons­zeit des Touch­screens ist aus­ge­zeich­net, alle Spie­le las­sen sich abso­lut intui­tiv, flüs­sig und ver­zö­ge­rungs­frei bedie­nen. Wer z.B. Soli­taire von Win­dows kennt, wird hier ange­nehm über­rascht sein, wie schnell sich das Spiel spielt, wenn man kein Kilo­me­ter­geld für die Maus bekommt. Der Sen­sor­schirm ist ein­deu­tig das Allein­stel­lungs­merk­mal die­ses Gerä­tes und berei­tet sehr viel Spaß.

Der Her­stel­ler nennt das Bedien­kon­zept „bar­rie­re­frei”. Auch nach län­ge­rer Über­le­gung erschliesst sich mir der Wort­sinn nicht wirk­lich, denn für Rol­li­fah­rer sind die Stan­dard­au­to­ma­ten schlicht zu hoch und ob Men­schen, die Pro­ble­me mit der Moto­rik haben, einen Pho­to Play-Auto­ma­ten bes­ser bedie­nen kön­nen als einen mit ande­ren Ein­ga­be­ge­rä­ten, weiss ich nicht. Ich den­ke, dass sich das „bar­rie­re­frei” eher dar­auf bezieht, dass Spie­ler von drei bis 99 Jah­ren kei­ne Pro­ble­me bei der Bedie­nung haben.

Technik

Bei die­sem Gerät han­delt es sich um einen Pho­to Play von 10/​1998. Die Soft­ware und die Spie­le wur­den im 03/​2003 auf den Stand 2002 gebracht.

CPU

Das Gerät hat nur die kleins­te, aber aus­rei­chen­de CPU der Pho­to Plays, einen Intel 486 DX4-100. Alter­na­tiv gab es die Gerä­te auch mit der deut­lich leis­tungs­fä­hi­ge­ren AMD 5×86−133 P75-CPU, die über einen eige­nen 16K-Level-1-Wri­te-Back-Cache ver­füg­te. Der Aus­tausch der CPU gegen die 5×86 von AMD ging damals ohne Jum­per­wech­sel über die Bühne.

Board

Die CPU fand ihr Zuhau­se auf einem „4DPS-Toma­to II”-Board von Zida mit SiS-Chip­satz, wel­ches mit einem 4MB-EDO-RAM (SIM) bestückt ist. Das Board ver­füg­te über drei ISA- und drei PCI-Steck­plät­ze. Für die Spei­cher­er­wei­te­rung stan­den ins­ge­samt vier SIM-Steck­plät­ze zur Ver­fü­gung. Die Fest­plat­te hing an dem board­ei­ge­nen IDE-Con­trol­ler. Der Level-1-Cha­che (mit 5×86: Level-2-Cache) war mage­re 128KB groß aber immer­hin 12ns schnell.

Steck­kar­ten

Inter­es­sant war die ISA-Kom­bi­kar­te, die über einen eige­nen Molex-Strom­an­schluss und einen digi­ta­len Signal­pro­zes­sor (DSP) ver­fügt und fol­gen­de Funk­tio­nen bereithält:
– IDE-Con­trol­ler DMA/​33 (Anschlüs­se nicht bestückt)
– I/​O‑Schnittstellen für elek­tro­ni­sche Münz­prü­fer und den Data­print (Aus­le­sen der finanz­buch­al­te­ri­schen Daten des Apparates)
– Anschluss für den Setup-Taster
– Anschluss für den Dongle
– Sound­kar­te ESS
Bezeich­nung: PP2000XCI-8000

Auch eher spe­zi­ell war die Con­trol­lerkar­te für den Touch­screen, wel­che über einen seri­el­len Anschluss ver­fügt und einen ISA-Steck­platz belegt.

Abso­lu­te Haus­manns­kost ist dage­gen die Cir­rus PCI-VGA-Kar­te mit 1 MB RAM.

HDD

Die 3,2 GB gro­ße IDE- (ATA-) Fest­plat­te steckt in einem der sei­ner­zeit übli­chen, bil­li­gen Wech­sel­rah­men, wel­cher auch abge­schlos­sen wer­den kann.

Moni­tor

Der ein­ge­bau­te VGA-Moni­tor ver­fügt über eine Band­brei­te von 30 MHz und kann Signa­le mit der Hori­zon­tal­fre­quenz von 31,46 kHz, 35,2 kHz und 35,5 kHz syn­chro­ni­sie­ren. Die Ver­ti­kal­fre­quen­zen kön­nen 50 bis 90 Hz betra­gen. In einem abge­schirm­ten Gehäu­se befin­det sich die gesam­te Elek­tro­nik des Moni­tor, von vor­ne kann man die Hel­lig­keit und die Schär­fe ein­stel­len, von der Rück­sei­te ist die Bild­la­ge und der Kon­trast zugänglich.

Touch­screen

Der ana­lo­ge, seri­el­le RS232-Stan­dard-Touch­screen ist kapa­zi­tiv und besteht aus einer metal­li­sier­ten Glas­plat­te, die auf die Bild­röh­re gelegt wird. Horst mein­te, er hät­te noch nie einen zer­bro­che­nen Touch­screen gehabt – ich sel­ber habe aber wäh­rend des Feri­en­jobs bei Löwen­au­to­ma­ten gleich meh­re­re die­ser sünd­teu­ren Schei­ben ver­kauft. Also vor­sich­tig damit umgehen!

Es gibt noch einen zwei­ten Screen, der sich „Clear Tek” nennt und über eine geätz­te oder polier­te Ober­flä­che ver­fügt. Die­ser ist robus­ter und licht­durch­läs­si­ger. Wei­ter­hin soll­ten auch pla­ne Sen­sor­schei­ben für LCD- und Plas­ma­dis­plays sowie Sony Tri­ni­tron-Bild­röh­ren ver­füg­bar gewe­sen sein.

Die bei­den gän­gigs­ten Sen­sor­flä­chen für gewölb­te 21″-Röhren haben eine Auf­lö­sung von 1024 Berüh­rungs­punk­ten hori­zon­tal und ver­ti­kal inner­halb des kali­brier­ten Berei­ches. Die kön­nen pro Sekun­de bis zu 115 Berüh­run­gen registrieren.

Inter­es­sant ist zudem, dass es für die Touch­screens auch eine ADB-Adap­ter­box für Apple-Rech­ner gab.

touch
(Touch­screen „Micro­touch”)

Betriebs­sys­tem

Nach dem Ein­schal­ten benö­tigt der Pho­to Play 2000 nur weni­ge Sekun­den um spiel­be­reit zu sein. Das liegt dar­an, dass er nur ein DOS boo­ten muss. Die­ses stammt von der rus­si­schen Fir­ma Para­gon und nennt sich PTS-DOS. Die­ses Betriebs­sys­tem ist nicht ein rei­ner Klon von MS-DOS, son­dern wur­de kom­plett neu geschrie­ben, soll daher sehr schnell sein und bie­tet auch vie­le neue/​andere Befeh­le als sein Vorbild.
Rand­be­mer­kung: Auch MS-DOS (eben­falls als Q‑DOS oder PC-DOS bekannt) ist eigent­lich nur ein Klon von CP/​M86, wel­ches spä­ter dann auch als DR-DOS ver­mark­tet wurde.

bootscreen
(Boot­s­creen)

Setup

Das Set­up des Gerä­tes, in dem man z.B. die Laut­stär­ke und die Kali­brie­rung auf­ru­fen kann, sowie das für den Pri­vat­be­reich über­aus prak­ti­sche Free­play akti­vie­ren kann, ruft man mit den Buch­hal­tungs-Knopf auf. Den habe ich lan­ge suchen müs­sen, denn er befand sich nicht an der im Hand­buch beschrie­be­nen Stel­le, son­dern links unten am Monitor­chas­sis – neben dem Betriebs­stun­den­zäh­ler. Dort fin­det man auch die seri­el­le Schnitt­stel­le für den Dataport.

buchhaltung
(Ganz links, von hin­ten zugäng­lich: Setuptaster)

Don­gle

Damit man sich nicht ein­fach einen Pho­to Play-Appa­rat nach­bau­en, oder eigen­mäch­tig Updates ein­spie­len kann, ist die Soft­ware über einen Par­al­lel­port-Don­gle gesichert.

dongle
(Inter­ner Dongle)

Werbung

Eini­ge Spie­le sind direkt mit Wer­bung ver­se­hen. „Sna­ke” zum Bei­spiel sieht dem bekann­ten Spiel auf den Nokia-Han­dys sehr ähn­lich und da lag es wohl nahe, dass am Spiel­feld­rand das Nokia-Logo auftaucht.
Aber auch regio­na­le Unter­neh­men konn­ten auf dem Pho­to Play Wer­bung schal­ten. Dazu lagen den Gerä­ten sogar Antrags­vor­la­gen für die ver­schie­de­nen Bra­chen mit vor­ge­ge­ben Slo­gans vor. Sol­che Wer­bung konn­te auch ein eher unbe­darf­ter Mensch leicht erstel­len: Im Set­up­me­nu gab es im Unter­punkt „Wer­bung” einen klei­nen, aber zweck­mä­ßi­gen Edi­tor, mit dem man ein­fa­che Anzei­gen sehr schnell erstel­len konn­te. Dazu stan­den dem Benut­zer vie­le Hin­ter­grund­bil­der im zeit­ty­pi­schen Design, eine Hand­voll Schrift­ar­ten und ver­schie­de­ne Far­ben zur Ver­fü­gung. Man konn­te bis zu zehn Text­ebe­nen frei auf dem Bild­schirm posi­tio­nie­ren. Der Wer­be­zeit­raum und die ‑häu­fig­keit konn­te eben­falls kon­fi­gu­riert wer­den. Das alles lies sich – ohne einen Blick in das Hand­buch wer­fen zu müs­sen – rea­li­sie­ren. Hat man noch die soge­nann­te „Bedien­freund­lich­keit” der Pro­gram­me jener Deka­de vor Augen, so bestach die­ser Edi­tor durch abso­lu­te Narrensicherheit.

handbuch
(Wer­be­hand­buch mit Vorlagen)

Das Video über den PP2k

„Ja, das ist alles schön und gut, mich inter­es­siert aber kei­nen Meter, wie Du an das Ding gekom­men bist oder wie das Ding funktioniert.”

Gut, dann musst Du Dir eben nur das Video ansehen:

Ein­füh­rung in das Game­play des Pho­to Play 2000Heute sind Gerä­te mit Touch all­ge­gen­wär­tig und völ­lig nor­mal. Damals waren die Pho­to Plays aber extrem cool. Wäh­rend mei­nes Feri­en­jobs kamen mich zum Fei­er­abend öfter mal Freun­de abho­len. Ger­ne und oft auch eine Stun­de zu früh, denn in der Aus­stel­lung stan­den u.a. ver­netz­te Pho­to Plays im Free­play-Modus her­um, die sie natür­lich aus­gie­big bespielten.
Mei­nes Wis­sens nach stellt die Fir­ma Fun­world kei­ne Pho­to Play-Auto­ma­ten mehr her. Die­se Zeit ist ein­fach um. In den Spiel­hal­len ste­hen heu­te nur noch Glücks­spiel­ge­rä­te her­um und auch in Knei­pen fin­det man heu­te nur sehr sel­ten Pho­to Plays, Arca­de-Auto­ma­ten oder gar Flip­per. Eigent­lich scha­de, aber jeder hat ja eine Spiel­kon­so­le – in Form eines Han­dys – in der Tasche dabei.
Für den ordent­li­chen nost­al­gi­sche Flash­back emp­feh­le ich einen Besuch im Arca­de- und Flip­per­mu­se­um Seli­gen­stadt, wel­ches jeden ers­ten Sams­tag im Monat geöff­net hat. Der Ein­tritt kos­tet etwas, aber alle Gerä­te ste­hen auf Free-Play.

 

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