Das pas­sen­de Zugfahrzeug

Lese­dau­er 6 Minu­ten

Das idea­le Zug­fahr­zeug – Eine Glau­bens­sa­che. Kei­ne Fra­ge. Dabei muss man nicht glau­ben – man muss nur wis­sen. Hier zei­ge ich Dir, wie Du das idea­le Zug­fahr­zeug findest.

Grund­über­le­gun­gen

Ich neh­me als Grund­la­ge unse­ren Tab­bert Kor­nett, der maxi­mal 1.500 kg wie­gen darf. ca. 8 Meter lang, 2,40 Meter breit. Ein nor­ma­ler Fami­li­en­wohn­wa­gen. Ein Ein­ach­ser. Zwei­ach­ser lie­gen ein­fach gei­ler auf der Bahn, sind aber auch schwe­rer zu ran­gie­ren. Mehr zum idea­len Wohn­wa­gen fin­dest Du hier.

Wenn Ihr natür­lich einen viel klei­ne­ren, leich­te­ren Wohn­wa­gen zie­hen wollt, es gibt auch wel­che für Kleinst­wa­gen, kei­ne Fra­ge, dann müsst Ihr mei­ne Aus­füh­run­gen eben geis­tig übertragen.

Was ist ein Zugfahrzeug?

Da stel­len wir uns mal ganz dumm: Mein alter Espace konnte/​durfte bei 1.300 kg Leer­ge­wicht 1.800 kg zie­hen. 2,2 Liter Ben­zi­ner, 107 PS, Handschalter.

Die Gespann­fah­rer unter den Espace-Freun­den sagen uni­so­no: Der J637 (und vor allem der J638) sind als Schal­ter idea­le Zug­fahr­zeu­ge für einen Wohn­wa­gen. Bereits der JE fiel im direk­ten Ver­gleich dazu völ­lig ab.

Also: die Leu­te sind vom Espace ange­tan und ich hät­te damit auch sicher­lich den Wohn­wa­gen gezo­gen, aber eigent­lich hal­te ich den Espace dafür für zu leicht. Auch wenn der Espace einen Wohn­wa­gen mit bis zu 1.560 kg Gesamt­ge­wicht auch mit 100 km/​h hät­te zie­hen dürfen.

Mei­ne per­sön­li­che Idealvorstellung

Mei­ne Vor­stel­lung eines idea­len und ver­nünf­ti­gen Zug­fahr­zeu­ges: schwer, hoch, breit, gerin­ge Über­hän­ge. Tur­bo­die­sel mit Wand­ler­au­to­ma­tik. Oder ein gro­ßer Tur­bo­ben­zi­ner (aber die sau­fen). Oder ein Elek­tro­fahr­zeug – wenn es denn einen so gro­ßen Wohn­wa­gen zie­hen dürfte.

Math rulez!

Wenn Du dann also Dein Traum­au­to gefun­den hast, kommt der Rea­li­tätscheck. Nein, Du musst nicht mit Dei­ner Wohn­do­se zum Auto­händ­ler fah­ren! Allein die tech­ni­schen Daten rei­chen aus, um die Eig­nung eines Fahr­zeu­ges als Zug­fahr­zeug zu berechnen:

https://​zug​wa​gen​.info

Hier wählst Du Fahr­zeug und Wohn­wa­gen aus und der Rech­ner spuckt Dir aus, ob Du mit dem Gespann glück­lich wer­den kannst, schweiß­ge­ba­det am Urlaubs­ort ankommst, oder mit dem Ret­tungs­hub­schrau­ber zum nächs­ten Kli­ni­kum geflo­gen wirst.
Unse­ren Kor­nett gibt es nicht in der Daten­bank, des­we­gen wähl­te ich die Com­tesse 540 und pass­te Leer- und Gesamt­ge­wicht an. Die Abmes­sun­gen pas­sen aber (Luft­wi­der­stand).

Bei­spie­le

Rodi­us und Rexton

rodius mit wohnwagen
Tab­bert am Rodius

rodius zugwagen

Leis­tung: 4,4 Sterne
Gewicht: 5 Sterne

Flach­land: 268 Punkte
Schleu­der­ge­fahr 228
Gebir­ge: 296
Durch­zug: 256

1048 Punk­te gesamt
„Gutes Gespann”

Der Rext­on hat fast iden­ti­sche Wer­te, auch wenn er etwas leich­ter als der Rodi­us ist. Tat­säch­lich ist der Rodi­us im direk­ten Ver­gleich mit dem Rext­on einen Hauch ner­vö­ser und die Hin­ter­ach­se taucht auf Boden­wel­len mehr ein. Das liegt bei­des am lan­gen hin­te­ren Über­hang des Rodi­us. Trotz­dem ist die Gespann­fahrt damit mehr als ange­nehm und der Ver­brauch groß­ar­tig. „Gutes Gespann” unter­schrei­be ich. Bis nach Kroa­ti­en? Auf einer Arschbacke.

Tra­jet

wohnwagen am trajet
Der Tab­bert am Trajet

trajet

Lei­tung: 3 Sterne
Gewicht: 3,4 Sterne

Flach­land: 203 Punkte
Schleu­der­ge­fahr: 151
Gebir­ge: 160
Durch­zug: 102

616 Punk­te gesamt
„Gespann ist geeignet”

Der Tra­jet… na ja, das Anfah­ren am Berg brauch­te schon Kon­zen­tra­ti­on, wenn man nicht ein­fach die Kupp­lung bei 5.000 U/​min schlei­fen las­sen woll­te. Beru­higt hat­te mich das lei­se Knar­zen der hin­te­ren Fens­ter ihn ihren Dich­tun­gen auch nicht.
Es ging, war aber nicht so ent­span­nend, wie gehofft. Der Ver­brauch lag bei deut­lich über 10 Litern.
„Gespann ist geeig­net”. Ja, über län­ge­re Stre­cken, z.B. bis nach Kroa­ti­en, ist man schon froh, wenn man dort ange­kom­men ist.

Das Upgrade auf Rexton/​Rodius hat sich in unse­rem Fal­le gelohnt.

 

Was ist mit den bei­den ande­ren Fahr­zeu­gen, die wir im Auge hatten?

Der Gala­xy und der Carens? Bei­de als Auto­ma­tik und Diesel?

Wie zuvor erwähnt: Den Gala­xy mit Wand­ler zu bekom­men ist nicht leicht (gewe­sen).

KIA Carens

Der Carens… das war so:

Wir ste­hen beim Kia-Händ­ler und mei­ne Frau sitzt im Büro und ver­han­delt bereits. Ich leh­ne im Tür­rah­men und bin nicht begeister.
Ver­käu­fer: „Gefällt er ihnen nicht?“
Ich: „Doch, ist hübsch und nett.“
Aber Sie füh­len nichts bei dem Auto, oder?
Doch, Angst!

Ich saß zur Pro­be in dem Auto und schau­te durch das klei­ne Heck­fens­ter. Stell­te mir vor, wie ich das Tab­bert-Logo innen­spie­gel­fül­lend auf dem Fla­schen­kas­ten sehen würde.
Neeee, neeee, echt nicht!
Hat­te ich recht?

carens wohnwagen
Der Tab­bert am Carens

Leis­tung: 4 Sterne
Gewicht: 2,5 Sterne

Flach­land: 179 Punkte
Schleu­der­ge­fahr: 120
Gebir­ge: 213
Durch­zug: 217

729 Punk­te gesamt
„Für die­ses Gespann wer­den eini­ge Kennt­nis­se und Erfah­run­gen mit Wohn­wa­gen empfohlen“.

Hier sieht man, war­um der Zug­wa­gen­rech­ner kei­ne Gesamt­punkt­zahl aus­gibt (die habe ich selbst errech­net): Der Tra­jet hat 616 Punk­te, der Carens immer­hin mehr als 100 Punk­te mehr!
Aber das täuscht! Der Motor reißt beim Durch­zug und im Gebir­ge alles raus, aber das Fahr­zeug ist ein­fach viel zu leicht für die­sen Wohnwagen!

Ja, lie­ber Carens-Fah­rer, Du hast da ganz ande­re Erfah­run­gen gemacht und ziehst auch noch einen viiiiel schwe­re­ren Wohn­wa­gen mit genau die­sem Auto! Ganz entspannt.

Oder mit einem Zafi­ra (den von Opel, nicht den von Peugeot).
Oder einen Mokka.
Oder mit einem Touran.
Oder mit einem B‑Max.
Oder mit einem Fiat 500X
Oder mit einem Freemont.

Spielt kei­ne Rol­le, alles das glei­che Spiel.
Macht mal, ist nicht mein Ding und ich hof­fe, ich muss nie­mals die­sel­be Auto­bahn mit Euch teilen.

Focht Gala­xy

galaxy wohnwagen
Gala­xy 140 PS TD Auto­ma­tik am Tabbert

Der Gala­xy: lei­der nur mar­gi­nal bes­ser als der Carens.

Und wenn ich den Espace noch fah­ren wür­de? Der als Zug­fahr­zeug bei den Fans einen guten Ruf hatte?

Rönö Espaß

Espace

Das hät­ten mei­ne Ner­ven nicht mit­ge­macht. Vor allem nicht als Gespann-Anfän­ger, der ich mit dem Tra­jet war. Jedes ande­re ins Auge gefass­te Fahr­zeug war besser.

Aber… einen habe ich noch!

KIA Pican­to

picanto wohnwagen
Tab­bert am Picanto

picanto wohnwagen

Frü­her hat­ten die den Pican­to auch als Schal­ter in der Daten­bank. Damals stand da IIRC: „Mög­li­cher­wei­se lau­te­rer Motor am Berg (7.000 U/​min)”. 😀 Das wäre er schon im Begren­zer, sorry. 😀

SCNR! Das Bild ist schon echt. Aber in Erman­ge­lung eines Trak­tors (und eines Movers), einer nicht ein­mal drei Meter brei­ten Stra­ße und einer Wie­se, auf der wir damals noch den Wohn­wa­gen vor dem Bau der Gara­ge abstell­ten, war der Pican­to schon eine gute Rangierhilfe.
Nein, da geht nichts kaputt. Auch bei 25 kg Stütz­last nicht, das hat doch nur fahr­dy­na­mi­sche Gründe.

Tipps

Der Weg ist das Ziel

Denkt dar­an, dass der Urlaub mit der Fahrt beginnt und endet. Wollt Ihr auf dem Heim­weg all die Ent­span­nung durch ein ner­vö­ses Gespann wie­der verlieren?

Pau­sen machen! Res­sour­cen nutzen!

Regel­mä­ßi­ge Pau­sen machen. Einen Kaf­fee im Wohn­wa­gen trin­ken, die eige­ne Toi­let­te benut­zen. Im Wohn­wa­gen über­nach­ten. Nutzt den Wohn­wa­gen schon wäh­rend der Fahrt!

Pas­sen­des Zugfahrzeug

Zu klei­nes Zug­fahr­zeug? Das hat alles nichts mit einem „über­le­ge­nen“ Fahr­zeug­her­stel­ler, fal­schem Hel­den­tum oder „fah­re­ri­schen Kön­nen“ zu tun, son­dern nur mit Physik.

Pas­sen­des Getriebe

Ich sage immer noch: Eine Wand­ler­au­to­ma­tik ist das bes­te Getrie­be für ein Zug­fahr­zeug. Fin­ger weg von Dop­pel­kupp­lungs-Getrie­ben, die sind für schnel­les Fah­ren ent­wi­ckelt wor­den und sind auf kei­nen Fall für das Zie­hen schwe­rer Las­ten geeignet.

Wenig Was­ser mitführen

Denkt dar­an: Ihr müsst kei­ne Ton­nen an Lebens­mit­teln mit­neh­men, denn dort, wo Ihr hin­wollt, leben Men­schen, die auch in Super­märk­ten ein­kau­fen. Seid bit­te nicht typisch deutsch! Füllt auch nicht den Frisch­was­ser­tank voll, das ist sinnfrei.

Gewicht kon­trol­lie­ren

Die Stütz­last mög­lichst aus­nut­zen und das Gespann und den Wohn­wa­gen ein­zeln auf einer Waa­ge wie­gen las­sen. Die gibt es in Stein­brü­chen und bei Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men für Klein­geld in die Kaf­fee­tas­se. Macht das einen Tag vor der Abfahrt.
Oder auch den neu­en Wohn­wa­gen nach dem Kauf direkt wie­gen. Die Anga­ben im Fahr­zeug­schein stim­men oft nicht – und wenn Ihr weni­ger laden könnt, müsst Ihr noch bes­ser planen.
Die Stütz­last lasst sich auch mit einem Stück Dach­lat­te und einer Per­so­nen­waa­ge mes­sen. Da braucht es kei­ne teu­re Deichselwaage.

Sicher­heits­zu­be­hör kaufen

Pflicht­zu­be­hör an einem Wohn­wa­gen sind aller­dings: Anti-Schlin­ger-Kupp­lung, AAA-Brem­sen (selbst­nach­stel­lend). Ein ein­fa­ches Rei­fen­druck-Kon­troll-Sys­tem für den Ziga­ret­ten­an­zün­der. Auch ein Anhän­ger-ESP ist zwar nicht bil­lig, ret­tet im Zwei­fel aber Leben.

Brem­sen! Brem­sen! Bremsen!

Wenn der Wohn­wa­gen anfängt zu schlin­gern, dann gibt es nur eine Sache, die Ihr machen müsst: BREMSEN!

Es ist lebens­ge­fähr­li­cher Schwach­sinn, dass man das Gespann durch Gas­ge­ben „gera­de zie­hen“ könnte!
Brem­sen bringt den Wohn­wa­gen durch des­sen Auf­lauf­brem­se dazu selbst zu brem­sen (das Anhän­ger-ESP macht genau dies!) und Ihr baut dabei noch Geschwin­dig­keit ab, was im Fal­le des Fal­les Leben rettet.

Gewichts­ver­tei­lung

Die schwe­ren Din­ge in den unte­ren Fächern über der Ach­se plat­zie­ren. Nur leich­te Din­ge nach oben, vor­ne oder hinten!

Einen Fahr­rad­trä­ger am Heck soll­te man nicht ein­mal für ein Kin­der­rad benut­zen, da selbst so ein gerin­ges Gewicht – auch bei einer sonst opti­ma­len Gewichts­ver­tei­lung mit pas­sen­der Stütz­last – das Fahr­ver­hal­ten des Wohn­wa­gens deut­lich nega­tiv beeinflusst.

Der ADAC hat zur Gewichts­ver­tei­lung ein Video gemacht, das es abso­lut trifft:

Fazit

Sucht Euch ein Auto aus, das Euch gefällt und checkt es mit dem o.a. Zug­wa­gen­rech­ner gegen. Wenn das passt, dann passt es.

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