Fancontrol f├╝r einen leisen Rechner

Wie richtet man eine L├╝ftrersteuerung (Fancontrol) unter Ubuntu ein? Das funktioniert ganz einfach.

Installation

Wir ben├Âtigen folgende Pakete, damit wir die Sensoren auslesen, aber auch kontrollieren k├Ânnen. Danach werden die Sensoren gesucht.

sudo apt install lm-sensors fancontrol
sudo sensors-detect --auto

Diese Konfiguration lassen wir in modules abspeichern, wenn danach gefragt wird.

Fehlen am Ende Sensoren, starten wir sensors-detect noch einmal, nur ohne „–auto“-Option. Aber normalerweise sollten bei halbwegs aktueller Hardware alle Sensoren gefunden werden.

Hardwareerkennung

Die L├╝fter m├╝ssen nun noch konfiguriert werden. Dazu wird automatisch die maximale und minimale Drehzahl der Fans ermittelt und getestet, ab welcher Drehzahl sie ├╝berhaupt anfangen zu laufen. Die Startdrehzahl ist meist h├Âher als die Minimaldrehzahl.

Eine Einschr├Ąnkung meinerseits: Ich w├╝rde den L├╝fter der Grafikkarte nicht ├╝ber die Software laufen lassen. pwmconfig zeigt folgende Meldung an:

Found the following devices:
hwmon0 is acpitz
hwmon1 is nvme
hwmon2 is amdgpu
hwmon3 is coretemp
hwmon4 is it8620

Found the following PWM controls:
hwmon2/pwm1 current value: 69
hwmon2/pwm1 is currently setup for automatic speed control.
In general, automatic mode is preferred over manual mode, as
it is more efficient and it reacts faster. Are you sure that
you want to setup this output for manual control? (n)

Die Grafikkarte (amdgpu) ist bei mir hwmon2. Die lassen wir auf der automatischen Temperaturregelung und antworten bei der Frage nach diesem Sensor mit no (n).

Den Rest der L├╝fter wollen wir i.d.R. kontrollieren und antworten somit im Anschluss auf alle Fragen mit yes (y).

sudo pwmconfig

Das dauert naturgem├Ą├č eine Weile und ist in der Regel mit Krach verbunden. ­čÖé
Am Ende speichern wir die Konfiguration „8) Save and quit“.

Grafische Oberfl├Ąche

Wir m├Âchten das ganze selbstverst├Ąndlich auf dem Desktop mit einer grafischen Oberfl├Ąche bedienen. Dazu installieren wir Fancontrol-GUI.

Zuerst die Abh├Ąngigkeiten:

sudo apt install libkf5config-dev libkf5auth-dev libkf5package-dev libkf5declarative-dev libkf5coreaddons-dev libkf5dbusaddons-dev libkf5kcmutils-dev libkf5i18n-dev libkf5plasma-dev libqt5core5a libqt5widgets5 libqt5gui5 libqt5qml5 extra-cmake-modules qtbase5-dev libkf5notifications-dev qml-module-org-kde-kirigami2 qml-module-qtquick-dialogs qml-module-qtquick-controls2 qml-module-qtquick-layouts qml-module-qt-labs-settings qml-module-qt-labs-folderlistmodel cmake build-essential gettext git 

Nun das Hauptprogramm:

git clone https://github.com/Maldela/fancontrol-gui.git
cd fancontrol-gui
mkdir build
cd build
cmake .. -DCMAKE_INSTALL_PREFIX=/usr -DBUILD_KCM=on -DBUILD_PLASMOID=on
make -j
sudo make install

Fancontrol

Jetzt k├Ânnen wir die L├╝fterkurven so einstellen, wie wir es wollen. Allerdings gibt es nur gerade „Kurven“, denn Fancontrol kennt nur jeweils zwei definierbare Werte.

fancontrol

In diesem Beispiel werden die beiden 120er-L├╝fter in der Seite meines Corsair Air 240 ├╝ber die Temperatur der Grafikkarte gesteuert (Kontrolliert von:).

Die Namen kann man ├Ąndern, indem man auf den generischen Namen ├╝ber dem Diagramm klickt.

Stresstest

Funktioniert auch alles so, wie es soll? Wir m├╝ssen das System unter Last setzen. Wir greifen dazu zu zwei Tools: Stress-NG und GLMark2:

sudo apt install stress-ng glmark2

Stress-NG starten:

stress-ng --cpu 16 --timeout 600

GLMark starten:

glmark2

Auch eine Empfehlung f├╝r eine voll ausgelastete CPU ist Prime 95. Passendes Paket herunterladen, entpacken und aus diesem Ordner mprime starten.

./mprime -m

Nun m├╝ssen die L├╝fter schneller drehen. Steigt die Temperatur zu stark an, m├╝ssen wir Hand an die L├╝fterkurven legen.

Meine Konfiguration

Neun L├╝fter werkeln in meinem Rechner. Die k├Ânnen einem geh├Ârig auf den Sack gehen, wenn sie alle auf einmal laufen.

  1. 80er R├╝ckseite (├╝ber den Wandlern)
  2. 80er R├╝ckseite (├╝ber den Wandlern)
  3. 120er Seite
  4. 120er Seite
  5. 80er Wasserk├╝hlung
  6. 120er Radiator
  7. 120er Radiator
  8. 80er HDD-K├Ąfig
  9. 120er Boden

Diese L├╝fter sind in vier Gruppen zusammengefasst:

  1. CPU (1x 80er CPU, 2x 120er Radiator)
  2. Seite (2x 120er)
  3. Massenspeicher (1x 80er, 1x 120er)
  4. Wandler (2x 80er)

Die Gruppen sind via PST (s.u.) miteinander verbunden. Man kann aber auch ein PWM-Splitter-Kabel oder einen Hub kaufen. Nun kann man pro Anschluss auf dem Mainboard gleich 10 L├╝fter in einer Gruppe anschlie├čen. Der Strom f├╝r diese vielen L├╝fter kommt ├╝ber einen SATA-Anschluss und belastet so nicht das Mainboard (s.u.).

Empfehlung

Ich mache ja nun schon einige Jahrzehnte „in Rechnern“ und seit mehr als 20 Jahren in PC-Modding. Da habe ich schon einige L├╝fter geh├Ârt und auch sterben sehen.

Das absolute Hammer-Preis-Leistungsverh├Ąltnis f├╝r Leute, die nur ihren Rechner k├╝hlen wollen, bietet die F-Serie von Artic Cooling.┬á Das sind langlebige, leise und vor allem mehr als preiswerte L├╝fter:

80 mm L├╝fter: F8 PST PWM
120 mm L├╝fter: F12 PST PWM
140 mm L├╝fter: F14 PST PWM

PWM ist die Abk├╝rzung f├╝r Pulsweitenmodulation.
PST bedeutet PWM-Sharing Technologie

├ťber PWM wird die L├╝fterdrehzahl geregelt. Auf einem Mainboard hat man nur eine begrenzte Anzahl von Anschl├╝ssen f├╝r Fans.

Hier kommt PST ins Spiel: Am Stecker des L├╝fters ist eine Buchse f├╝r einen zweiten L├╝fter. Die Drehzahl des ersten L├╝fters in der Kette wird ausgelesen und gesteuert, der in das Kabel eingesteckte L├╝fter wird einfach mit gesteuert.

Man kann mehrere L├╝fter hintereinander stecken, aber Vorsicht: Nicht ├╝bertreiben! Schaut in das Handbuch Eures Mainboards, wie viel Watt ein Anschluss ausgeben kann. Mehr als drei L├╝fter w├╝rde ich pers├Ânlich ohne R├╝cksicherung nicht anschlie├čen.

Fazit

Unter Vollast, mit einigen parallel laufenden Stress-Threads hat meine schon einige Jahre alte Cryorig A40 AIO-Wasserk├╝hlung den alten i5 4670K absolut im Griff: max. 60 Grad CPU-Temperatur (als Peak!) unter Prime95 sind ein verdammt guter Wert.

Der Witz bei genau dieser Wasserk├╝hlung ist, dass sie einen L├╝fter auf der Wasserpumpe hat, die die Wandler neben der CPU k├╝hlt. Das bietet sonst keine andere AIO. Bei denen schmoren die Wandler im eigenen Saft, wenn die CPU unter Last l├Ąuft, was der Systemstabilit├Ąt nicht zutr├Ąglich ist.

Auch die GPU AMD RX570 lief unter mehreren Instanzen von GLMark2 mit maximal 76 Grad. Ein sehr erfreuliches Ergebnis.

Bei dem ganzen Spa├č blieb der Rechner so leise wie nie. Die alte Bitfenix Recon geht in den verdienten Ruhestand.

├ťber den Autor

Hessi

Michael "Hessi" He├čburg ist ein erfahrener Technik-Enthusiast und ehemaliger Informatiker. Seine Website, die er seit ├╝ber 25 Jahren betreibt, deckt vielf├Ąltige Themen ab, darunter Haus & Garten, Hausrenovierung, IT, 3D-Druck, Retrocomputing und Autoreparatur. Zudem behandelt er gesellschaftspolitische Themen wie Datenschutz und ├ťberwachung. Hessi ist seit 20 Jahren freiberuflicher Autor und bietet in seinem Blog fundierte Einblicke und praktische Tipps. Seine Beitr├Ąge sind sorgf├Ąltig recherchiert und leicht verst├Ąndlich, um Leser bei ihren Projekten zu unterst├╝tzen.

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