Blau­äu­gig losgefahren

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So, ich habe nun mei­ne ers­te grö­ße­re Tour blau­äu­gig mit dem Flie­Wa­Tüüt gefah­ren. E waren um die 80 Kilo­me­ter bis zum Cam­ping­platz. Die Fahrt war ein rei­nes Expe­ri­ment für mich.

Navi­ga­ti­on

Ging Über­land. Auf Neben­stra­ßen. Teil­wei­se ohne Mit­tel­mar­kie­rung. Nie­mand ist da schnel­ler als 70 gefah­ren. Ich geste­he, dass ich hoff­te, dass Maps mir die Lade­sta­tio­nen mit Schu­ko-Dose für Pedel­ecs und E‑Bikes anzei­gen wür­de, wenn ich die App auf die Navi­ga­ti­on mit einem Fahr­rad umstel­len wür­de. Tja, kanns­te kni­cken. Goog­le steht mit bei­den Maps-Bei­nen fest im zwan­zigs­ten Jahrhundert.

Im Vor­feld hat­te ich wohl­weis­lich in Epperts­hau­sen, das auf hal­ber Stre­cke liegt, eine Tank­stel­le ange­ru­fen, da ich kei­ner­lei Infor­ma­tio­nen über E‑Bike-Lade­sta­tio­nen im Netz fin­den konn­te. War­um auch immer. Jeden­falls mein­te der Tank­wart, dass ich bei ihm nicht laden könn­te, aber im Ort wäre eine Fahr­rad-Lade­sta­ti­on an der Bürgerhalle.

Das Han­dy flog lose im Hand­schuh­fach umher und plärr­te sei­ne Befeh­le trotz­dem laut und ver­ständ­lich durch die geschlos­se­ne Klap­pe. Lei­der ver­gaß ich vor Fahrt­an­tritt die Navi­ga­ti­on auf „Auto“ umzu­stel­len, was ich schnell bemerk­te, als es mich auf Feld­we­ge umlei­ten wollte.

Unter­wegs ging mein Han­dy aus, Akku leer. Kei­ne Navi­ga­ti­on mehr. Gut, Epperts­hau­sen fand ich auch so. Auch die Hal­le war ausgeschildert.

Blau­äu­gig!

Aber an der Hal­le kei­ne Spur von E‑Bike-Lade­sta­tio­nen. Nur eine für Typ 2 von der Ent­e­ga. Die ist klein und bunt. Kann man durch­aus für aus den Kau­gum­mi-Auto­ma­ten gezo­gen und als dort für Räder auf­ge­stellt ansehen.

Noch ein wenig im Ort her­um­ge­irr­te und stumpf Leu­te gefragt. Sogar einen mit E‑Bike. Kei­ner hat eine Ahnung.

Also zur ange­ru­fe­nen Tan­ke gefah­ren, den Tank­wart am Kit­tel über die Kas­se gezo­gen und ins Gesicht geschrien, ob er sie noch alle hat, mich mit­ten im Nichts stran­den zu lassen.
Oder so ähnlich. 🙂

Not­la­dung

Der Ker­le hat­te ein schlech­tes Gewis­sen und schloss eine Schu­ko-Dose im Außen­be­reich auf. Den T bis an die Kan­te des Bord­stei­nes gefah­ren, das Kabel gaaaaaa­anz lang aus­ge­zo­gen uuuuund…

Nur drei­ßig Zen­ti­me­ter zu kurz! 🙁

Der Tank­wart sucht eine Drei­er-Dose, in der Zeit habe ich bau­ern­schlau aber ein­fach die­ses Plas­tik-Zieh-mich-nicht-zu-weit-raus-Seil etwas nach hin­ten gescho­ben, sodass ich auch ohne win­di­ge Drei­er-Dose laden konn­te. Mer­ke: Wenigs­tens ein Zwei-Meter-Ver­län­ge­rungs­ka­bel in den Twi­zy legen!

Dem Tank­wart drück­te ich vier Euro in die Hand. Ein­mal Voll­la­den kos­tet zu Hau­se rund zwei Euro. Passt schon. Bil­li­ger als mit dem Ben­zi­ner ist es allemal!

Noch eine Überraschung!

In der Zwi­schen­zeit zum Rewe gegan­gen, ein­kau­fen. Gepäck hat­te ich kei­nes dabei, das lag bei Frau® im Auto, die im die­sel­be­trie­be­nen All­rad-Mons­ter und den Kin­dern vor­ge­fah­ren war. Da ich auch die Sei­ten­schei­ben zu Hau­se lie­gen gelas­sen hat­te, soll­te man Din­ge wie das Note­book im Ruck­sack zum Ein­kau­fen bes­ser mitnehmen.

Nach einer Drei­vier­tel­stun­de zurück­ge­kom­men und an der Tan­ke einen Lader für den Ziga­ret­ten­an­zün­der gekauft. Teu­er, ist klar, aber der soll für sei­ne Hil­fe doch auch Spaß haben. In den Twi­zy gesteckt… nichts. WTF? Der Vor­be­sit­zer hat­te so einen Mini-Heiz­lüf­ter auf das Arma­tu­ren­brett geklet­tet und die Zulei­tung fest ver­lö­tet. Offen­sicht­lich hat er dabei die Steck­do­se abge­klemmt. War­um? War­um nur? Da ist doch eine Siche­rung drin, die die Lei­tun­gen vor Über­last schützt! Toll! Also kei­ne wei­te­re Navigation.

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­ta­ly­sa­tor Twizy

Der Akku war mitt­ler­wei­le von 18 auf 55 Pro­zent gela­den. Ich order­te noch einen Kaf­fee, ein Bröt­chen und ein Crois­sant. Hör­te den Leu­ten zu, die sich nach Fei­er­abend dort tref­fen. Waren so zwi­schen 45 und 55 Jah­re, schät­ze ich mal. Als ich fer­tig war, stand der Akku bei 58 Pro­zent und ich schwätz­te mit den Leuten.

Man muss ja vor­sich­tig sein, aber die Typen waren kei­ne Quer­den­ker, son­dern end­lich mal ganz nor­ma­le Leu­te. Hat­ten den Twi­zy selbst mal durch den Ort gefah­ren und frag­ten mich alles Mög­li­che zu der Kis­te. Dafür besit­ze ich den aber zu kurz.

Einer der dort Äpp­ler und Bier tan­ken­den Jungs frag­te mich, als er mein Ziel „Karl­stein“ hör­te, ob ich auf den Cam­ping­platz wol­le. Er ist da mit sei­ner Wohn­do­se auch öfter und besucht abseits sei­ner Cam­ping­aus­flü­ge dort einen Bekann­ten, der Dau­er­cam­per ist. Wir ver­ab­re­de­ten uns ganz locker. Die Welt ist ein Dorf, oder?

Unse­re eige­ne Wohn­do­se steht dort unver­än­dert seit drei Jah­ren. Damals war der TÜV, die sack­teue­ren AAA-Brem­sen und die Rei­fen ganz neu gemacht. Seit­dem steht das Ding sich die Rei­fen eckig, denn wir fan­den durch Haus­sa­nie­rung und Coro­na ein­fach kei­nen frei­en Zeits­lot für eine Urlaubsfahrt.

Mitt­ler­wei­le war die Bat­te­rie zu 80 Pro­zent gefüllt. Mehr als genug. Ich woll­te los, blieb aber an einem der ande­ren Kol­le­gen hän­gen, der spä­ter hin­zu­kam und mich auch über den Twi­zy aus­frag­te. Er ist Tech­ni­ker für Elek­tro­mo­to­ren und hielt leicht ange­hei­tert mir einen Vor­trag über Moto­ren­ty­pen und die chi­ne­si­sche Men­ta­li­tät. Letz­te­re ken­ne ich selbst, da mei­ne Ex bei einem bekann­ten Auto­mo­bil-Ersatz­teil-Groß­händ­ler im Import arbei­tet und vor­her für den tai­wa­ni­schen Roll­er­her­stel­ler SYM (San­yang Motors) arbei­te­te und zur Qua­li­täts­kon­trol­le bereits nach Chi­na rei­sen muss­te. Gefühlt nennt sich jede zwei­te Fir­ma in Asi­en San(g)y(a)ong. Die haben aber alle nichts mit­ein­an­der zu tun.

Wei­ter! Wei­ter! Weiter!

Also ich mich los­ei­sen konn­te, war der Akku fast voll. Gut, nun konn­te ich Gas… Strom geben. Die Jungs woll­ten sehen, dass ich rich­tig Strom gebe. Ich den­ke, dass sie im Fei­er­abend­ver­kehr vol­ler Stin­ker nichts hören konn­ten, habe trotz­dem alles gegeben. 😀

Ohne Navi­ga­ti­on bin ich dies­mal die schnells­te Stre­cke gefah­ren: die auto­bahn­ähn­li­che B45. Schon auf der Auf­fahrt zog ein LKW nach links. Okay, der fuhr locker die übli­chen 90 km/​h. Die hän­gen­den Brem­sen waren mitt­ler­wei­le so weit run­ter­ge­schlif­fen, dass der Twi­zy end­lich auf der Gera­den in den Begren­zer lief. Immer­hin 85 km/​h.

Ich kam so schnell vor­an, wie die Füll­stand­an­zei­ge abnahm. Da die Bat­te­rie aber voll war, muss­te ich nicht auf eine spar­sa­me Fahr­wei­se ach­ten. Trotz­dem fuhr ich fast ohne zu Brem­sen bis zum Platz. Man gewöhnt sich dar­an durch Reku­pera­ti­on zu ver­zö­gern. Dies­mal ging aber durch Seli­gen­stadt über die Fäh­re, das spart exakt 14 Kilo­me­ter und kos­te­te auch nur drei Euro.

Auch auf der Fäh­re kam ich mit Leu­ten ins Gespräch. War nicht anders zu erwarten.

Lan­ge Ankunft

Auf dem Platz benö­tig­te ich für 300 Meter über den Platz eine hal­be Stun­de. Nicht weil der Akku leer war oder die Geschwin­dig­keits­be­gren­zung so nied­rig war, son­dern, Ihr ahnt es: Ich wur­de festgelabert.

Der Twi­zy kommt augen­schein­lich bei „älte­ren“ Män­nern her­vor­ra­gend an. Ich kann es mir nicht erklären.

Abends noch die Kin­der auf einer Pri­vat­stra­ße T fah­ren las­sen. Vor allem der Sohn mei­ner Frau hat nur despek­tier­li­che Adjek­ti­ve für mein Flie­wa­tüüt übrig, ließ sich aber von der Begeis­te­rung sei­nes Kum­pels anste­cken. Die­ser Kum­pel will nun sei­ne Mut­ter bela­bern, dass er ab 14,5 Jah­ren den Füh­rer­schein für einen Twi­zy 45 machen darf.

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Fri­seur, Gas einkaufen!

Am nächs­ten Mor­gen noch schnell ein paar Pro­zent auf den Akku gela­den. Aller­dings über eine CEE-Schu­ko-Außen­steck­do­se, die den Wohn­wa­gen ver­sorgt und ein Ver­län­ge­rungs­ka­bel. Passt, nichts wird warm.

Mit 30 km Restreich­wei­te eine Tour von 28 Kilo­me­tern in Angriff genom­men. Esel, Eis und so…

Zum Fri­seur in Seli­gen­stadt gefah­ren. Die Park­platz­su­che in der Stadt gestal­tet sich schon geschmei­dig mit einem Twi­zy. Ein­mal muss­te ich sogar in den schma­len Gas­sen von Seli­gen­stadt den Geräusch­ge­ne­ra­tor für zwei älte­re Damen ein­schal­ten. Ich grüß­te, sie grüß­ten, alle zufrie­den und entspannt.
Danach eine 11, sowie eine 5 kg Gas­fla­sche beim „Satt­ler“ geholt. Die fünf Kilo pas­sen zwi­schen Sitz und Tür. Ob irgend­wann die Schei­be her­aus­fal­len könn­te? Tat sie dies­mal nicht.

Auto­bahn!

Auch zurück bin ich ein Stück auf der A45 gefah­ren. Das war kein Ding, da auf dem Abschnitt sowie­so eine Bau­stel­le ist. Aller­dings auch eine Auf­fahrt ohne Beschleu­ni­gungs­strei­fen. Hat aber gut funktioniert.

Zurück mit den letz­ten kWh. Restreich­wei­te sechs Kilo­me­ter, als ich ankam. Das ließ mich aber kom­plett ent­spannt. Am Tag zuvor stress­ten mich noch 18 % Restreich­wei­te vollkommen.

Twi­zys Rache

Alles gut? Weit gefehlt!

Män­ner fah­ren ohne Sei­ten­schei­be! Män­ner unter­küh­len sich! Män­ner bekom­men die Schei­ße­rei! Dann ist ein Mann ein Mann!
Eigent­lich woll­ten wir zusam­men abrei­sen, aber durch Twi­zys Rache ver­län­ger­te ich unfrei­wil­lig mei­nen Auf­ent­halt auf dem Platz um wei­te­re drei Tage. Erst dann fühl­te ich mich wie­der in der Lage ohne „Unfäl­le“ die Stre­cke bewäl­ti­gen zu können.

Wäh­rend­des­sen bestell­te ich noch einen Typ2-Schu­ko-Adap­ter bei Eval​bo​.de. Kur­ze Mail an den Betrei­ber des Shops und gefragt, ob die Lie­fer­zeit wirk­lich 5 bis 8 Tage wären. Er kön­ne mor­gen früh via DHL die­sen Adap­ter schi­cken. Passt. Solan­ge will /​ kann ich noch hierbleiben.
DHL lie­fert doch immer pünkt­lich. Ja, klar. Nur dies­mal nicht. Fol­gen­den Sta­tus sah ich zwei Tage lang: „Sen­dung wur­de bei Absen­der abge­holt.”. Dan­ke, DHL.

Mal sehen, wel­che Lade­säu­len auf dem Rück­weg lie­gen und wie ich die­se frei­schal­ten, bzw. bezah­len kann. Pri­mär suche ich aber einen Aldi-Markt auf der Strecke.

Das schil­de­re ich dann aber in Teil 2.

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