Auto­schein­wer­fer aufbereiten

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Nach drei­zehn Jah­ren und 170.000 Kilo­me­tern – davon 80% Auto­bahn – waren die Schein­wer­fer des Pican­tos so lang­sam fer­tig. Der Kunst­stoff (Poly­car­bo­nat) war matt und die Beschich­tung der Schein­wer­fer gelb­lich gewor­den. Vor dem letz­ten TÜV ret­te­te ich mich noch damit, dass ich die Schein­wer­fer ein­fach mit Sili­kon­öl abrieb. Das funk­tio­niert tat­säch­lich ganz gut und auf den ers­ten Blick – und für ein paar Wochen – sehen die Schein­wer­fer wie­der gut aus. Aber das kaschiert nur das Pro­blem rein optisch. Die Licht­aus­beu­te wird dadurch nicht besser.


(Mat­te Scheinwerfer)


(Schein­wer­fer mit Sili­kon­öl leid­lich aufgehübscht)

Wie immer an die­ser Stel­le: der all­seits belieb­te Haftungsausschluss!
Man darf die Beleuch­tungs­ein­rich­tung an Kraft­fahr­zeu­gen nicht mani­pu­lie­ren. Dazu zählt auch das Abtra­gen der vom Werk aus vor­han­de­nen Beschich­tung der Schein­wer­fer – egal ob durch schlei­fen oder polie­ren. Da gibt es kei­ner­lei Dis­kus­si­on. Bei der Haupt­un­ter­su­chung fallt Ihr mit solch einem Schein­wer­fer gna­den­los durch.
Wenn der Prü­fer das merkt.
Die­se Anlei­tung ist daher rein aka­de­misch und ich habe – India­ner­eh­ren­wort – die Schein­wer­fer nach dem Ein­bau und dem Test auf pri­va­ten Grund wie­der aus­ge­baut, fach­ge­recht ent­sorgt und neue Schein­wer­fer ein­ge­baut. Alles ande­re wäre ja ille­gal! Wenn Ihr also mit polier­ten oder lackier­ten Schein­wer­fern einen Unfall baut und Eure Ver­si­che­rung nicht zahlt: Ich habe Euch gewarnt und dar­an kei­ne Schuld!

Neue Schein­wer­fer kos­ten für den Pican­to pro Stück rund 50 Euro. Ein ech­ter Spaß­preis. Aber um es mit Meis­ter Schu­rich zu sagen: „Tut das Not? Das ist doch noch gut!”. Also woll­te ich die Schein­wer­fer polie­ren. Hmmm… polie­ren… klingt nach über­mäs­si­ger und uner­freu­li­cher Arbeit. Kann man machen, ist jetzt aber nicht soooo meins. Ich bin ein Freund der gro­ben Kel­le, der ziel­füh­ren­den Arbei­tens und vor allem des schnel­len Ergeb­nis­ses. Polierst Du noch oder schleifst Du schon?

Aber ernst­haft: Polie­ren habe ich schon durch. Ja, geht, kann man machen. Aber das hält nicht son­der­lich lan­ge. Klar, der TÜV sagt auch zwei Jah­re nach der Poli­tur (die übri­gens auch nicht zuläs­sig ist!) nichts und winkt sol­che, wie­der leicht mat­ten, Schein­wer­fer anstands­los durch. War auch beim Pican­to so. Aber mir per­sön­lich reicht das nicht. Ich will wie­der einen Schutz auf den Schein­wer­fern, wie er auch vom Werk aus bestand. 2K-Lack ist wit­te­rungs­be­stän­dig und resis­tent gegen UV-Licht.

Was brau­chen wir?
Reinigungsmittel
Spiritus
Nass­schleif­pa­pier, 800er, 1.500er und 2.000er Körnung
Color­Ma­tic 856563 Kunst­stoff-Haft­ver­mitt­ler Farb­los, 400 ml
Color­ma­tic 187216 CM 2K Klar­lack mit Här­ter, 200 ml

Und wenn man die Schein­wer­fer sowie­so aus­baut, was nicht so ein­fach ist, kann man auch gleich die Leucht­mit­tel erset­zen. Im Fal­le des Pican­tos wähl­te ich fol­gen­de Artikel:
OSRAM DIADEM CHROME PY21W (Blin­ker)
OSRAM Cool Blue Inten­se W5W (Stand­licht)
OSRAM Night Brea­ker Unli­mi­ted H4 (Haupt­licht)

Man kann die Schein­wer­fer drin las­sen, alles abkle­ben und beim Arbei­ten halt auf­pas­sen, dass man den Lack nicht anschleift oder mit lackiert. Aaaaa­an­stren­gend! Ich habe die gleich aus­ge­baut, weil ich eben stin­ke­faul bin. Aus­ser­dem gibt es dadurch kei­ne Kan­ten oder Farb­ne­bel an den Kan­ten der Schein­wer­fer, die ich beim Öff­nen der Motor­hau­be immer sehen wür­de. So etwas wür­de mich ein­fach ärgern.

Die Schein­wer­fer sehen nach all den Jah­ren echt dre­ckig aus, denn sie sind ja auch dre­ckig. Ich habe alles (tat­säch­lich auch von innen) groß­zü­gig mehr­fach mit Glas­rei­ni­ger ein­ge­sprüht und unter der Dusche gründ­lich mit war­men Was­ser abge­wa­schen, bis die Schein­wer­fer auch von hin­ten sau­ber waren. Ich will ja kei­nen Dreck auf dem neu­en Lack haben.


(Dre­cki­ger Scheinwerfer)


(Hmm­mm, jaaaa, seif mich ein)


(Schön sauber)


(Schmier­gel­pa­pier)

Wir schmier­geln die alte Beschich­tung und die beschä­dig­te Ober­flä­che des Poly­car­bo­nats nun gründ­lich ab. Wir begin­nen mit 800er Papier, spü­len immer wie­der den Schleif­staub… äh… Schleif­matsch ab und arbei­ten uns bis zur 2.000er Kör­nung hoch. Nicht erschre­cken, die Schein­wer­fer wer­den nun nach dem Trock­nen undurch­sich­tig. Das ist völ­lig normal.


(Ers­ter Schliff, 800er Papier)


(Letz­ter Schliff, 2.000er Papier)

Dabei mal hier kei­ne fal­sche Scheu. So ein Auto­schein­wer­fer muss schon eine Men­ge mit­ma­chen und kann was weg­ste­cken. Zumin­dest ist bei Kia alles gekap­selt und was­ser­re­sis­tent aus­ge­führt, wie man schon bei der Aus­bau­an­lei­tung erken­nen kann. Aus­ser­dem war mir völ­lig egal, ob da was kaputt geht, denn (wie gesagt) neue Schein­wer­fer kos­ten „nix”.

Da sich im Lau­fe der Jah­re auch Schmutz­par­ti­kel aus der Luft innen im Schein­wer­fer abset­zen (der ist ja nicht luft­dicht), woll­te ich die Reflek­to­ren und die Innen­sei­ten der Streu­licht­schei­ben auch rei­ni­gen. Hier ist nur wich­tig, dass man die zum Schluss ordent­lich mit Spi­ri­tus aus­spült. Spi­ri­tus wirkt was­ser­ab­wei­send und hin­ter­lässt kei­ne Spu­ren. Man könn­te auch destil­lier­tes Was­ser neh­men („Bügel­eisen­was­ser” oder Was­ser aus dem Auf­fang­be­häl­ter eines Wäsche­trock­ners). Trotz­dem: Glas­rei­ni­ger, Lei­tungs­was­ser und Spi­ri­tus sind die schnel­le­re Variante.

Mit die­ser Metho­de habe ich auch die Rück­lich­ter des Wohn­wa­gens gerei­nigt und der Erfolg dort war wirk­lich sehr, sehr beeindruckend.

Mir war aber auch bewusst, dass die­se Metho­de Risi­ken birgt, denn es könn­te sich ja die Beschich­tung („Chrom”) des Reflek­tors lösen. Das ist auch tat­säch­lich pas­siert. Aber nur am Rand, oben am Blin­ker, in einem Bereich der tech­nisch unin­ter­es­sant ist.


(Nach­her und vorher)


(Win­zi­ge Ablö­sung am Rand des Blinker-Bereiches)

Die Schein­wer­fer nun auch von außen mit Spi­ri­tus und einem fus­sel­frei­en Tuch rei­ni­gen. Als Lackier­ka­bi­ne für arme Leu­te nutz­te ich ein­fach einen gro­ßen Kar­ton, den ich vor­her mit einem feuch­ten Lap­pen aus­ge­rie­ben hatte:


(„Lackier­ka­bi­ne”)

Zuerst tra­gen wir dünn(!) den Haft­ver­mitt­ler auf (bit­te nicht in der pral­len Son­ne oder an zu kal­ten Tagen, Anlei­tung auf der Dose beachten!):


(Grun­dier­te Scheinwerfer)

Nun den 2K-Klar­lack. Auf der Unter­sei­te der Fla­sche die Patro­ne mit dem Här­ter öff­nen und dann nach Anlei­tung schüt­teln und lackieren:


(Lackier­te Scheinwerfer)

Bis der Lack durch­ge­trock­net ist, habe ich den Kar­ton geschos­sen. Auch wenn die Trock­nungs­zeit gering ist, so woll­te ich so wenig Staub wie mög­lich auf dem Schein­wer­fer haben.
Am nächs­ten Tag (lie­ber etwas län­ger war­ten, als Fin­ger­ab­drü­cke beim Ein­bau auf dem Lack zu hin­ter­las­sen), kön­nen die Schein­wer­fer wie­der ein­ge­baut werden:


(Wie­der wie neu)

Das Ergeb­nis hat in allen Berei­chen mei­ne Erwar­tun­gen erfüllt. Ich bin mehr als zufrie­den. End­lich wie­der gutes Licht am Auto!

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