Kann man Krat­zer wirk­lich auspolieren?

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Auf Ama­zon, Ebay, You­tube & Co wer­den immer wie­der teu­re Mit­tel­chen ange­prie­sen, die durch magi­sche Wei­se den Lack „anlö­sen” und auch in tie­fe Krat­zer tra­gen sol­len, so dass die­se voll­stän­dig ver­schwin­den wür­den. Das ist natür­lich hane­bü­che­ner Unsinn, dass soll­te jedem klar sein. Bit­te? Das ist Dir nicht klar? Oooo­kay…? Sei es drum: Ein Auto­lack besteht aus vie­len ver­schie­de­nen Schich­ten. Mein Fahr­zeug ist zum Bei­spiel in „Cop­per­oran­ge” lackiert. Das ist ein oran­ge­ner Metal­lic­lack. Oran­ge (und auch Rot) ist tat­säch­lich eher schwie­rig zu lackie­ren. Der Unter­grund sol­le dafür zum Bei­spiel am bes­ten Weiß sein. Aber sehen wir uns mal den Auf­bau eines Auto­la­ckes von außen nach innen an:

- 2K-Klar­lack
– Basis­lack (die Far­be an sich)
– Fül­ler (gleicht Uneben­hei­ten aus)
– Grun­die­rung (wird im Tauch­bad aufgetragen)
– Ver­zin­kung (wird im Tauch­bad aufgetragen)
– Metall (Kunst­stof­fe, GFK oder ähnliches)

Ein Lack für einen wei­chen Kunst­stoff­stoß­fän­ger benö­tigt mehr Weich­ma­cher als einer für Metall, damit er nicht bei einem Parkremp­ler gleich abplatzt.

Wir sehen also, dass so ein Auto­lack nicht ein­fach mit der Sprüh­do­se auf­ge­bracht wird, wie Traudl Mus­ter­mann ihre Blu­men­töp­fe zu Ostern mit Gold­far­be besprüht. Wel­che Schicht sol­len also die­se Wun­der­mit­tel „auf­lö­sen”? Den Klar­lack? Den Basis­lack? Die Grun­die­rung? Und wie löst man einen Auto­lack denn gene­rell bit­te an? Gera­de die Zwei-Kom­po­nen­ten-Deck­schicht ist extrem wider­stands­fä­hig. Spon­tan fällt mir nur Brem­sen­rei­ni­ger ein, der den Lack angrei­fen könn­te. Aber dann ist der auch wirk­lich hin – und nicht nur „ange­löst”. Wei­ter­hin steht die Fra­ge im Raum, wie der „ange­lös­te” Lack bit­te wie­der fest wer­den soll? Wie dem auch sei: Ich gebe nichts auf Mar­ke­ting-Gela­ber und tes­te­te das Zeug ein­fach mal ohne Erwartungen.

Wie auf den Bil­dern zu sehen ist, haben freund­li­che Ver­kehrs­teil­neh­mer mein Auto seit vier­zehn Jah­ren rund­her­um ange­fah­ren. In der Regel ohne einen Zet­tel zu hin­ter­las­sen. Das begann im zar­ten Alter von sechs Wochen. An die­ser Stel­le mei­nen herz­li­chen Dank und ich hof­fe, dass Eure Kar­ren mehr Schä­den als mei­ne davon­tru­gen. Aber auch so litt der Lack in den vier­zehn Jah­ren durch UV-Strah­lung und Umwelt­ein­flüs­se. Auf eini­gen Kunst­stoff­leis­ten löst sich der Klar­lack ab, sehr ärger­lich. Sieht man auch auf den Bil­dern. Was man nicht sieht, ist, dass der Lack aus­bleicht. Das kann man gut an den Aus­sen­spie­geln sehen, die oben blas­ser als an der Unter­sei­te gewor­den sind. Typisch für Autos in Rottönen.

Eini­ge Schä­den sind schlicht zu tief, als dass irgend­ei­ne Poli­tur noch irgend­et­was aus­rich­ten könn­te. Das ist mir klar. Aber die ober­fläch­li­chen Krat­zer wur­den sehr gut ent­fernt, gera­de an den Tür­grif­fen klapp­te das wirk­lich super, aber auch die bösen Macken wur­den von den leich­ten, hel­len Krat­zern befreit. Das Mit­tel reich­te für alle unschö­nen Stel­len und es blieb auch noch mehr als die Hälf­te übrig. Trotz­dem wür­de ich kei­ne 25 Euro mehr für so ein „Wun­der­mit­tel” aus­ge­ben. Urteilt aber anhand der Bil­der sel­ber, ob die Poli­tur Eurer Wahl nicht ähn­li­che Ergeb­nis­se erzielt hätte.

Für die tie­fen Krat­zer habe ich mir im Laden bei Pro­sol ein­fach die Far­be mei­nes Autos für IIRC rund 10 Euro­nen anmi­schen las­sen. Mit einem Pin­sel­chen die schad­haf­ten Stel­len aus­ge­tupft und mit Klar­lack ver­sie­gelt. Der Metal­lic­lack ist näm­lich von „Natur” aus näm­lich matt. Ich habe davon aber kei­ne Bil­der gemacht. Und wie oben ange­führt, funk­tio­niert das an eini­gen Stel­len bes­ser als an ande­ren, je nach­dem, wie weit sie aus­geb­li­chen sind.

Hier eini­ge Vorher-Nachher-Bilder:

 

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