Dashcam-Schnapper

Lesedauer 7 Minuten

Eigentlich suchte ich nur eine billige Rückfahrkamera für den Twizy. Also so einen billigen 3″-Monitor und eine einfache, analoge Kamera für die Montage im Heckbereich.

Rückfahrkamera in so einem kleinen Auto?

Ja, denn der Twizy hat weder ein Heckfenster noch – logische Folge – einen Rückspiegel. Jedes Mal, wenn ich unsere Einfahrt rückwärts herunterfahren muss, oder auf einem großen Parkplatz rückwärts ausparken muss, kann man zwar in die Außenspiegel schauen, aber eigentlich ist der direkte Weg zurück immer ein Blindflug.

Schnapper

Im Amazon-Warehouse(1) konnte ich für 49 Euro eine Motorrad-Dashcam(1) schießen, welche sonst um die 170 Euro(1) kostet.
Vergleichbare, nur schlechter ausgestattete (lediglich 3″ Monitor, kein Touch) kosten auch gerne mal 200 Euro(1).

Die Dashcam war so günstig, weil die beiden Halterungen für die vordere und hintere Kamera fehlen. Aber da kann man auch kleine Blechwinkel nehmen. Das minimiert den Aufwand enorm.
Weiterhin fehlten verschmerzbare Dinge:

  • Schraubenzieher
  • Adapter für Torx(?)
  • Monitorhalterung, verschraubbar (schade)
  • 4 Schrauben für die Kameras
  • 6 Kabelbinder
  • 3 Stück 3M-Ersatzklebepads

Eine Kamera hat am Metallgehäuse Kratzspuren, ist wohl dem Rücksender beim Montageversuch hingefallen.
Ebenso fährt er wohl immer noch die Haltewinkel der Kameras an seiner Möhre spazieren. Die 3M-Pads halten wohl echt gut.
Seht Euch die Bilder an, ist schon dreist, was sich manche Leute trauen zurückzusenden. Aber bei 120 Euro Ersparnis kann ich damit leben. 🙂

Kundenretouren

So eine Rücksendung hinterlässt mich sprachlos.

Dashcam
Vorderseite verranzt
Daschcam-schnapper
Rückseite verranzt
dashcam rücksendung
Seite verranzt
warehouse rücksendung
Dreist: Die gesamte Verpackung ist schäbig!

Rezensionen

Waaas? Nicht einmal 3,4 Sterne bei den Rezensionen? Und so was kaufst Du?!“ Ja, lest Euch mal die Rezensionen durch, da kommen Euch die Tränen. Manche Leute stören sich an der fehlenden deutschen Anleitung, ich aber bin froh darüber, denn manche „deutsche“ Anleitungen sind vollkommen unverständlich. Bis auf ein paar Tippfehler ist aber die englische Anleitung brauchbar.

Ausstattung

Vorteile

  • Dual-Cam, Front und Heck
  • frei drehbare FullHD-Kameras für Montage im Außenbereich geeignet (f 1,8, 2 MP, Sony IMX307)
  • Kameras augenscheinlich beheizt(?)
  • GPS, Antenne frei platzierbar
  • Parkraumüberwachung, Dauerstromversorgung liegt bei
  • 4″ IPS-Touch-Monitor, wasserdicht (ca. 10 cm Bildschirmdiagonale)
  • Bis zu 256 GB microSD-Karte
  • Super-Kondensator als Backup-Stromquelle
  • WiFi
  • externer Knopf für manuelle Notfallspeicherung des Videos
  • Mikrofon im externen Knopf
  • Rückfahrkamera dauerhaft aktivier- und spiegelbar.
  • Stromversorgung wahlweise auch über USB!

Nachteile

  • keine Innenraumkamera
  • nur jeweils 140 Grad Blickwinkel
  • Monitorhalterung nur für eine Lenkstange geeignet (Vollmetall!)
  • Kein mitgelieferter Sicherungshalter
  • Die Monitorhelligkeit lässt sich nicht regeln.

Innenraumkamera?

Wow! Das Ding hat alles, was man von einer guten Webcam erwartet. Fast perfekt für den Twizy. Die Nachteile beziehen sich hier selbstverständlich nur auf den Einbau in einen Twizy, respektive ein anderes vierrädriges Fortbewegungsmittel.

Das einzige Feature aktueller (teurer) Dashcams, das fehlt, ist eine Innenraumkamera, aber die ergibt auf einem Motorrad nicht so viel Sinn, denn die wenigsten Motorradfahrer werden während der Fahrt auf dem Handy rumdaddeln. Die Innenraumkamera dient nur der Beweisführung, dass man den Verkehr im Blick hatte.

Blickwinkel

Die Kameras haben „nur“ einen Blickwinkel von 140 Grad. Der erscheint mir aber wenigstens nicht gelogen. Man sieht immer noch sehr deutliche Fish-Eye-Verzerrungen, anders als bei vielen anderen Dashcams, die bei der Angabe des Blickwinkels heftig lügen. Der Twizy ist aber auch schmaler als ein normales Auto. Da reicht der Blickwinkel aus. 😀 Die Blende von f1,8 und die Sony-Sensoren mit 2 Megapixeln sorgen für ein gutes Bild.

Die HDR-Funktion reagiert flott, ist aber nicht im eigentlichen Sinne HDR, sondern hellt das Bild immer so auf, dass nichts im Dunkeln untergeht.

daschcam motorrad
Monitor und Kameras funktionieren
dashcam rücksendung
Kunden trauen sich was…

Leitungslängen

Die Länge der Leitungen zzgl. der am Monitor fest verbauten Anschlusskabel von 20 cm Länge:

  • 12V-Leitung: ca. 280 cm
  • USB-Stromversorgung: 100 cm
  • GPS: 40 cm
  • manueller Notfallknopf: 40 cm
  • Kameras: ca, 50 cm
  • Verlängerungsleitung 1: ca. 205 cm
  • Verlängerungsleitung 2: ca. 100 cm
  • Verlängerungsleitung 3: ca. 100 cm

Die drei Verlängerungskabel kann man für jedes externe Gerät der Dashcam verwenden. Egal, ob Stromversorgung, GPS, Notfallknopf oder eben die Kameras: Diese Verlängerungen passen an alles. Dem Einbau im Twizy sehe ich also gelassen entgegen.

daschcam retoure
Packungsinhalt mit Anleitung
dashcam retoure
Ob noch alles drin ist? Nein!

Befestigung

Ja, ich könnte mir eine Halterung entwerfen und den Monitor der Dashcam vor der Tachoeinheit befestigen. Aber dort kommt man schlecht dran, wenn man den Touchscreen bedienen möchte. Von daher dachte ich an einen Saugnapfhalter. Dieser hier scheint taug zu haben und kostet nicht die Welt.

Sicherung

Man sollte einen Sicherungshalter zusätzlich kaufen, damit die Kamera im Falle eines Kurzschlusses nicht einen der vorhandenen Stromkreise im Fahrzeug ausfallen lässt.

Monitorhelligkeit

Schade, gerade während Nachtfahrten ist, dass sich die Monitorhelligkeit nicht einstellen lässt. Ich muss aber darauf achten, ob sich der Monitor mit Sonnenuntergang nicht selbsttätig dimmt. Alternativ kann man einfach kurz den Einschalter drücken und der Bildschirm stellt sich ab oder wieder an.

GPS

Der GPS-Fix ist sehr schnell, wie bei aktuellen Geräten gewohnt. Uhrzeit und Datum werden automatisch eingestellt. Prima.

USV

Der absolute Clou ist aber die Stromversorgung über USB! Warum? Weil man ganz einfach eine billige Powerbank als Parkraumüberwachung nutzen könnte, die die 12 V-Batterie des Fahrzeugs nicht belastet. Zwar steht in der Anleitung nichts über die Stromaufnahme im Überwachungsmodus, aber auch im voll eingeschalteten Zustand und gleichzeitiger Video-Aufnahme benötigt das Gerät laut Datenblatt nur 1.000 bis 1.100 mA.

Meine Messungen ergaben eine deutlich geringere Stromaufnahme von:

  • 600 mA im normalen Dashcam-Betrieb mit Aufzeichnung
  • 700 mA ganz kurz beim Starten der Aufzeichnung
  • unter 10 mA während der Parkraumüberwachung (mein Netzteil kann nicht weniger anzeigen)

Die Twizy 12 Volt Batterie hat eine Kapazität von 25 Ah. Selbst damit würde die Parkraumüberwachung für mindestens ein viertel Jahr am Stück funktionieren, aber die Dashcam schaltet sich beim Unterschreiten bestimmter, einstellbarer Spannungen selbst aus (von 11,5 in 0,2-Volt-Schritten bis 12,5 V). Standardmäßig sind 11,5 Volt eingestellt.

Ist eine Dashcam sinnvoll?

Ob ich 180 Euro für eine Dashcam ausgeben würde? Im Leben nicht. Aber… auf der anderen Seite kann einem im Streitfall diese Investition vor einer sehr viel höheren Schadenssumme bewahren, auf der man im Zweifel sitzen bleiben würde.

Warum eine Motorrad-Dashcam im Auto?

Motorrad-Dashcam? Ja, klar, warum nicht? Der Twizy ist ja gewissermaßen offen und tendenziell feuchter als ein normales Fahrzeug.
BinKino hat genau so eine Kamera und einen Monitor, wie ich ihn früher in meinem Trajet hatte, im Twizy verbaut. Damit das unter keinen Umständen nass wird, hat er es auf der vorderen Querstrebe verbaut.
Zusammen mit einem Mini-MP3-Player sieht das zwar gut aus, aber um der Wahrheit die Ehre zu geben: Man wird nicht jünger und mir ist das schlicht zu nah vor der Nase, um das Bild noch angenehm scharf sehen zu können.

Einbau?

Na ja, es sind draußen gerade gefühlte -4 Grad. :(
Eigentlich ein guter Vorwand, die Garage mal freizuräumen.

Aber ich benötige für den Einbau sowieso noch folgende Teile:

Twizy-Fahrer basteln gerne. Ob es eine Rückfahrkamera, ein Soundsystem, Tagfahrlichter oder ein anderer Sound für den Fußgänger-Warner ist: Ein Sicherungskasten hilft hierbei, die Übersicht zu behalten.

Ein ganzes Set Sicherungen von 1 A bis 40 A benötigen wir zwar für den Twizy nicht, die jeweils 10 Stück 1 Ampere und 2 Ampere Sicherungen sollten für künftige Bastelarbeiten am Twizy reichen. Der Rest ist für richtige Autos, also jeweils 10 Stück von 3 Ampere bis 40 Ampere. Reicht wohl für gleich mehrere Autoleben. Wann muss man mal eine Sicherung tauschen? Ah! Moment, da war was.

Ein Aderendhülsen-Set ist immer wichtig. Flexible Leitungen dürfen nicht ohne Aderendhülse in eine Schraubverbindung wie eine Lüsterklemme eingesetzt werden. Der o.a. Sicherungskasten hat zwar Fahrstuhlklemmen, bei denen das zulässig wäre, aber ich fühle mich einfach mit Aderendhülsen wohler. Da kann keine verirrte Litze versehentlich einen Kurzschluss verursachen. Ist einfach sauberer.

Die Schrumpfschläuche sind immer wichtig, um wasserdichte isolierte Verbindungen im Fahrzeug herzustellen oder offene Kabelenden zu isolieren. Auch die Aderendhülsen kann man damit wasserdicht verschließen, sodass an der Leitung herabrinnendes Wasser wenigstens nicht durch die Kapillarwirkung in die Leitung gezogen wird.

Wago-Klemmen sind sowieso erste Wahl, denn mit so einer Klemme spart man sich diese ätzenden Stromdiebe. Leitung durchtrennen, abisolieren, in Wagoklemme stecken und die abzweigende Leitung mit dazu klemmen. Fertig. Diese Verbindung hält und ist zudem jederzeit wieder lösbar.

Der Saugnapfhalter ist praktisch, denn damit kann ich mir vor der Installation die perfekte Position für den Monitor suchen. Der Monitor hat ein „Kameragewinde“ auf der Rückseite.

Kurze Anleitung

Die Amazon-Rezensenten möchten eine Dashcam anschließen und scheitern an absoluten Basics der Elektroinstallation in einem Fahrzeug?

Elektrischer Anschluss

  • Schwarz = Masse
  • Rot = Dauerplus
  • Gelb = Zündungsplus

Das ist nicht allzu schwer und steht auch so in der Anleitung.

Anschluss der externen Komponenten

Der Rest der wasserdichten Stecker ist farbcodiert, wer damit Probleme hat, der sollte alle anderen Arbeiten einer Werkstatt überlassen, das ist besser für alle.

Speicherkarte einsetzen

Eine microSD-Karte mit bis zu 256 GB einstecken und die wasserdichte Abdeckung wieder aufstecken. Ist die Karte nicht formatiert, kann man das im Menü nachholen.

Automatische Aufnahme

Startet man nun sein Fahrzeug, fährt die Dashcam aus dem Sleepmode hoch und startet automatisch eine Aufnahme, sofern das im sehr übersichtlichen Menü nicht deaktiviert wurde.

Parkraumüberwachung

Schaltet man die Zündung aus, so geht die Dashcam in den Parküberwachung-Modus. Die in drei Stufen einstellbare Erschütterungserkennung weckt die Dashcam wieder auf, sodass sie nach ca. sieben Sekunden ein Video aufzeichnet, dies schützt und wieder in den Überwachungsmodus geht.

App

Die App Roadcam ist eher rudimentär, aber übersichtlich und vor allem zweckmäßig. Kein Eye-Candy, aber sie bietet die Möglichkeit ausgewählte Fotos und Videos mit zwei Klicks auf das Telefon zu laden und grundlegende Einstellungen der Dashcam vorzunehmen. Sogar ein Live-Bild wird geboten. Die schlechten Rezensionen scheinen allesamt von Leuten zu stammen, die sich mit der Rechtevergabe von Android nicht auskennen. Dabei würde ein Klick im Play Store genügen, und man bekommt übersichtlich aufgezeigt, dass die „bösen“ Rechte von Google leider so ungeschickt gruppiert wurden, dass man den Eindruck bekommt, man würde ausspioniert werden.  Wie dem auch sei: Anrufrechte will diese App garantiert nicht.

roadcam rechte
Verlangte Rechte, Roadcam

Benötigt man die App? Nein! Man kann auch die SD-Karte entfernen und in einen Kartenleser am Rechner stecken, wenn man meint, der Chinamann will den aufrechten deutschen Mopedfahrer ausspionieren.

 

Hinweise
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