Mein geliebter, fast fünfzig Jahre alter Wum (ein Kuschelhund, den ich nach Loriots "Wum" nannte), wurde vor über zwanzig Jahren bereits einmal geflickt. Er bekam neue Ohren aus echtem Fell und selbstgemachte Augen aus Filz. Auch wenn ich ihn Nicht benutzte, er nur Deko war, so lösten sich die Nähte am Hals und das Füllmaterial trat hervor. Einiges war sogar schon verloren gegangen. Vor Weihnachten kam mir die Idee Wum meiner jüngsten Tochter zu schenken. Aber nicht in diesem Zustand!

Ich recherchierte nach Anbietern für Kuscheltierraparatur. Hm, teuer. Und viel schlimmer: Die brauchen ewig für die Reparaturen. Ist vielleicht nur was für antike, wertvolle (im monetären Sinne) Stofftiere, aber nichts für welche, die gerade mal eingekuschelt wurden.

Ich entschloss mich, die Reparatur selber vorzunehmen. In der Nähe gab es aber keine Stoffhändler, die Ersatzaugen oder Füllmaterial anboten. Ich fuhr in den nahegelegene Rossmann und überlegte, was ich tun könnte. Passendes Reparaturgarn war schnell gefunden. Aber Augen hatten die nicht. Auch keine Augenaufbügler oder ähnliches. Die freundliche Mitarbeiterin verwies mich aber auch die kleinen Stofffiguren, die man ja schlachten könne. Ja, das passte. Für 9,98 Euronen erwarb ich einen total hässlichen... irgendwas.

Auf zur OP:


Der Organspender liegt im Bild oben, ist klar. Der blinde Wum sieht nichts mehr und hört auch noch schlecht.


Narkose vorbereiten


Ja, der ist weggetreten. Und am Rande... riechen kann der auch nichts mehr! :-(


Das OP-Besteck ist vorbereitet. Es kann losgehen.


Auch das grenzdebile Ding ist so abgefüllt, dass es nur noch dumm grinst.


Die klaffende Wunde am Hals des fast kopflosen Wums. Das ist nicht schön. :-(
Aber im Ernst: Ein professioneller Aufbereiter würde Wum komplett entleeren und neue Dämmwolle einsetzen. Die alten Schaumstoffflocken sollten irgendwie ungesund sein. Nun, die sind aber auch fünfzig Jahre alt und sollten mittlerweile alles Ungute ausgedünstet haben. Die Flocken bleiben also drin!

 


"Tut kaum weh!"

Die Hälfte ist fertig. Ich verknotete jeden einzelnen Stich, sodass sich die Naht nicht mehr lösen kann.


Frankensteins Monster lebt!


Gehirnmaterial im Hals. Die moderne Füllung stabilisiert den Hals ungemein, das muss man wirklich sagen. Die Flocken sind ungleich weicher.

So, auch die linke Seite ist nun geschlossen. Niemand verliert hier seinen Kopf!


"Was? Du musst lauter sprechen! Ich kann Dich nicht verstehen!" Die Ohren. Man sieht noch gut, das Leder des Fells.


"Licht? Ich kann sehen?"


"JAAA! Ich kann wieder SEHEN! Wahnsinn! SEHEN!"


"Bist Du mein Papa?"


"Hahaha!"
Naja, der Mund muss nicht sein, oder soll ich ihn auf-operieren?
Besser nicht, der macht mich nervös.


Nach einem erfrischendem Wollprogramm in einem Kopfkissenbezug in der Waschmaschine gönnt sich Wum auf der Heizung ein Sonnenbad.
Operation gelungen, Patient lebt.

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