Kuscheltierreparatur

Euer Kuscheltier aus Kindheitstagen ist abgeliebt und zerfetzt? Risse? Löcher? Keine Sorge, wir bekommen das hin! Eine DIY-Kuscheltierreparatur.

Mein geliebter, fast fĂŒnfzig Jahre alter Wum (ein Kuschelhund, den ich nach Loriots „Wum“ nannte), wurde Mitte der 1980er bereits einmal durch meine Großmutter geflickt. Er bekam neue Ohren, teils aus echtem Fell und selbst gemachte Augen aus Filz.

Auch wenn ich ihn nicht benutzte, er nur Deko war, so lösten sich die NĂ€hte am Hals und das FĂŒllmaterial trat hervor. Einiges war sogar schon verloren gegangen. Vor Weihnachten kam mir die Idee Wum meiner jĂŒngsten Tochter zu schenken. Aber nicht in diesem Zustand!

Ich recherchierte nach Anbietern fĂŒr Kuscheltierreparatur. Hm, teuer. Und viel schlimmer: Die benötigen ewig fĂŒr die Reparaturen. Das ist vielleicht nur was fĂŒr antike, wertvolle (im monetĂ€ren Sinne) Stofftiere, aber nichts fĂŒr welche, die gerade mal eingekuschelt wurden.

Ich entschloss mich, die Reparatur selbst vorzunehmen. In der NĂ€he gab es aber keine StoffhĂ€ndler, die Ersatzaugen oder FĂŒllmaterial anboten. Ich fuhr in den nahegelegene Rossmann und ĂŒberlegte, was ich tun könnte.

Passendes Reparaturgarn war schnell gefunden. Aber Augen hatten die nicht. Auch keine AugenaufbĂŒgler oder Ähnliches. Die freundliche Mitarbeiterin verwies mich aber auch die kleinen Stofffiguren, die man ja schlachten könne. Ja, das passte. FĂŒr 9,98 Euronen erwarb ich einen vollkommen hĂ€sslichen… irgendwas. Einzelne Augen und die FĂŒllung sind zusammen nicht billiger.

Ich nehme noch einige Garne, und sonstiges NĂ€hzubehör mit, schlicht, weil Rossmann kein komplettes NĂ€hset fĂŒhrt. Mit der schwarzen Wolle möchte ich die Nase nĂ€hen und etwas in Form bringen.

Auf zur OP:


Der Organspender liegt im Bild oben, ist klar. Der blinde Wum sieht nichts mehr und hört auch noch schlecht.


Narkose vorbereiten


Ja, der ist weggetreten. Und am Rande 
 riechen kann der auch nichts mehr! 🙁


Das OP-Besteck ist vorbereitet. Es kann losgehen.


Auch das grenzdebile Ding ist so abgefĂŒllt, dass es nur noch dumm grinst.


Die klaffende Wunde am Hals des fast kopflosen Wums. Das ist nicht schön. 🙁

Aber im Ernst: Ein professioneller Aufbereiter wĂŒrde Wum komplett entleeren und neue DĂ€mmwolle einsetzen. Die alten Schaumstoffflocken sollen mehr oder weniger ungesund sein. Nun, die sind aber auch fĂŒnfzig Jahre alt und sollten mittlerweile alles Ungute ausgedĂŒnstet haben. Die Flocken bleiben also drin!

stofftier reparieren
„Tut kaum weh!“

Ich nÀhe den Riss mit sehr engen Stichen und weit genug vom Rand entfernt. Erst habe ich Bedenken, dass der Hals zu kurz wird oder Wum den Kopf zu weit senkt.

Stofftier nÀhen

Die HÀlfte ist fertig. Ich verknotete jeden einzelnen Stich, sodass sich die Naht nicht mehr lösen kann.


Frankensteins Monster lebt!

Die Augen schneide ich mit der kleinen Schere erst grob und dann vorsichtig am Rand entlang aus. Ich entnehme die FĂŒllung aus dem Spender-Tier. Hat man kein Spender-Tier, kann man auch ein Spender-Kissen nehmen. NatĂŒrlich keines mit DaunenfĂŒllung, ist klar.


Gehirnmaterial im Hals. Die moderne FĂŒllung stabilisiert den Hals ungemein, das muss man wirklich sagen. Die Flocken sind ungleich weicher.

So, auch die linke Seite ist nun geschlossen. Niemand verliert hier seinen Kopf!


„Was? Du musst lauter sprechen! Ich kann Dich nicht verstehen!“ Die Ohren. Man sieht noch gut, das Leder des Fells.

Auch die Ohren werden mit engen, verknoteten Stichen befestigt. Durch das echte Leder, welches außen auf den Ohren sitzt, gestaltet sich das etwas anstrengender.


„Licht? Ich kann sehen?“


„JAAA! Ich kann wieder SEHEN! Wahnsinn! SEHEN!“
Die neuen Augen habe ich schlicht mit Textilklebstoff befestigt.


„Du riechst seltsam!“

Auch die Nase sitzt wieder an ihrem Platz. Gleiches Spiel. Enge Stiche, jeden verknoten. Ruhig weiter in das Material gehen. Ich bringe sie mit der Wolle wieder in Form. Einfach quer durchgenÀht und nur soweit angezogen, bis sie wieder rund wurde.

Heutige Stofftiere mĂŒssen bei den Tests an allen ExtremitĂ€ten enorme ZugkrĂ€fte aushalten. WĂŒrde dieser BĂ€r nicht mehr schaffen, da der Stoff einfach zu alt und zu porös geworden ist.


„Hahaha!“

Na ja, der Mund muss nicht sein, oder soll ich ihn doch auf-operieren?
Besser nicht, der macht mich nervös.

Mein Wum ist mit der OP fertig. Mal schauen, ob alle NÀhte halten. Wie kann ich das am besten testen? In der Waschmaschine. Ein Bad hat er sowieso nötig.


Nach einem erfrischendem Woll-Programm in einem Kopfkissenbezug (es gibt auch WĂ€schenetze fĂŒr den Zweck) gönnt sich Wum auf der Heizung ein Sonnenbad.

Operation gelungen, Patient lebt.

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