Unkrautvernichter selbst machen

Lesedauer 3 Minuten

Zwischen den Pflastersteinen wuchert das Unkraut? Unkrautmittel lässt sich leicht selbst herstellen. Aus natürlichen und überall verfügbaren Grundstoffen.

Hier ein DIY-Unkrautvernichter, der aber auch nicht ganz unumstritten ist, auch wenn er aus natürlichen Komponenten wie Salz und Essig besteht. Bei uns wuchsen diese Goldruten-ähnlichen Pflanzen zwischen allen Fugen im Pflaster. Ebenso waren überall diese Fingerhirsen und natürlich die unvermeidlichen Disteln zu finden.

Zeit bis zur Wirkung

Die Wirkung tritt erst nach ein bis zwei Wochen ein.
Bitte Geduld!

Chemie?

Wer es schneller möchte, der greife doch bitte zu diversen kommerziellen chemischen Keulen. Aber Vorsicht! Die Nachbarin goss so ein Round-Up-Zeug über den Grünstreifen vor ihrem Grundstück. Was? Ja, sie hat einen Steingarten! *sic*

Am nächsten Tag wurde unser Wein braun, gleichzeitig starb der Baum des anderen Nachbarn im Vorgarten.
Danke auch! 🙁 🙁 🙁

Den Kindern konnte ich beim nächsten Regen allerdings eindringlich zeigen, was das Wort Erosion bedeutet, denn die Erde des Grünstreifens floss an den Grundstücken aller Nachbarn vorbei.

Wir haben vier Katzen, die Freigänger sind. Die werden sich keine Vergiftung an Salz und Essig, den Hauptbestandteilen unserer Mischung, holen – da müssten die schon jede 20 Quadratmeter Pflaster ablecken.

Einkaufsliste

Anmischung

Aufkochen muss und sollte man das Wasser-Salz-Gemisch aus Energie- und Umweltgründen nicht. Die Sättigungsgrenze von Salz in einem Liter Wasser liegt bei:

  • 20 Grad: 359 Gramm
  • 100 Grad: 391 Gramm

Der Unterschied ist marginal. Außerdem benötigen wir gar nicht so viel Salz. Im Wasser sind „nur“ 215 g pro Liter aufgelöst.

Für eine Gießkanne voller Unkrautbekämpfer benötigen wir:

  • 7 Liter Wasser
  • 1,5 kg Salz
  • 0,5 Liter Essigessenz
  • 1 TL Spüli

Das Spüli setzt die Oberflächenspannung der Mischung herab, sodass sie etwas schneller (gezielter) zwischen die Pflastersteine läuft.

Zusammenmischen und mit der Gießkanne sparsam und gezielt auf dem Pflaster ausbringen.

Statt des Essigs kann man auch 300 Gramm Natron(1) auf zehn Liter Wasser zugeben. Bitte nicht Essig UND Natron in das Wasser geben, denn beide neutralisieren sich gegenseitig! (Basen und Säuren)

Materialbedarf

Reichweite der einzelnen Komponenten in Liter Unkrautbekämpfer umgerechnet:

  • 25 kg Sack Salz = 160 Liter
  • 5 Liter Essigessenz: 100 Liter
  • 3 kg Natron: 100 Liter

Ein 15 kg Sack Salz wäre im Prinzip optimal, aber das Salz können wir im Winter noch als Streusalz verwenden. Kleinere Gebinde Salz zu kaufen ergibt keinen Sinn. Da stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.

Kosten

Kosten sind wichtig, richtig? Wenn es sich nicht lohnt, muss man sich die Mühe nicht machen und kann etwas Kommerzielles kaufen.
Alle Preise inkl. Versand Stand 09/21:

Essig-Mischung

  • Sack Salz: 13 Euro
  • Essigessenz: 17,80 Euro
  • Spüli 3,00 Euro

Gesamt: 33,80 Euro für 100 Liter fertige Lösung

Natron-Mischung

  • Sack Salz: 13 Euro
  • Essigessenz: 10 Euro
  • Spüli 3,00 Euro

Gesamt: 26,00 Euro für 100 Liter fertige Lösung

Kommerzielles Produkt

Im Vergleich ein dem unseren augenscheinlich ähnlich, nur viel schneller wirkendes Produkt:
UnkrautFrei Plus(1)

  • 2 Liter Flasche: 24,90 Euro  (1:5 Verdünnung = 12 Liter)

Gesamt: 207 Euro für 100 Liter fertige Lösung

Klar, das ist professioneller und viel schneller wirkend. Vermutlich wirkt es sogar länger. Aber es ist auch ein chemisches Produkt, wenn auch bienenfreundlich.

Die kommerzielle Lösung ist also rund sechsmal respektive achtmal so teuer. Dafür kann man sich mal die Arbeit machen, oder?

Umweltfreundlichere Alternativen

Ich habe es mit einem Gasbrenner probiert. Einem richtigen. Richtig Hitze! Mit 11 kg Propangasflasche. War zwei Stunden beschäftigt. Habe drei Steine durch die Hitze gebrochen. War alles weg. Super. Nach zwei Wochen sieht es aber schlimmer aus wie vorher.

Aber … das ist ja … VERBOTEN!

Das sieht das OLG Oldenburg anders.

Essig und Salz sind Lebensmittel, keine Pflanzenschutzmittel

Wenn ich andere Lebensmittel wie Rotwein oder Milch auf mein Unkraut kippe, so ist das noch lange kein „nicht zugelassenes Pflanzenschutzmittel” (§ 12 Absatz 2 PflSchG), sondern immer noch ein (verschwendetes Lebensmittel), selbst wenn es zufällig gegen Unkraut wirken sollte.

Ohne Frage ist Omas Unkrautvernichter sicher keine „gute fachliche Praxis im Pflanzenschutz” (LWK Niedersachsen). Aber wir sind auch keine Fachleute.

Die Argumente gegen das DIY-Mittel kommen immer aus der Industrie, deren Werbepartnern oder aus der Ecke der „Profigärtner“. Das ist so ähnlich wie die Verwendung von Rapsöl zur Gartenmöbelpflege. Da das billig ist, kann das keinen Taug haben.

 

Pflanzen„schutz“mittel

Außerdem ist das privat hergestellte Zeug im Zweifel sicher umweltschädlich! Ja, na klar, so wie bei den kommerziellen (und geprüften) Unkrautvernichtern macht natürlich die Dosis das Gift.

Auch immer wieder nett zu lesen: Der Boden versauert bei regelmäßiger Anwendung! Ja, richtig! Der Boden unter dem Pflaster ist versauert. Man kippt das Zeug auch nicht auf den Rasen oder in die Beete, so what?

Wieso nennt man das eigentlich „Pflanzenschutzmittel“? Vermutlich, weil damit Nutzpflanzen-Monokulturen vor Unkraut geschützt werden sollen. Aber wenn man diese Mischung in seine Rabatten kippt, ist halt alles platt. Das Zeug kennt keine menschlichen Unterteilungen in „gut“ und „schlecht“.

UnkrautEx?

Ich sage zu so einem Zeug immer “UnkrautEx“, aber das war tatsächlich ein eingetragener Handelsname. Ebenso wie “Wegefrei” in der DDR es war. Hauptbestandteil war Natriumchlorat (wir benutzen aber Natriumchlorid, Kochsalz). Dieses Herbizid wurde auf Bahndämmen eingesetzt. Riesige BAHNDÄMME! Und da macht Ihr Euch Gedanken um Eure 12 qm Auffahrt?

Na ja, wenigstens kann man mit unserem hausgemachten “UnkrautEx” nichts in die Luft jagen.
Natriumchlorat!
Frei verkäuflich?
Früher war ganz sicher nicht alles besser!
Es war nur … früher.
Gut, dass es das Zeug nicht mehr gibt.

Hinweise
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