DIY-Out­door-LTE-Rou­ter

Lese­dau­er 7 Minu­ten

Man könn­te einen fer­ti­gen LTE-Rou­ter kau­fen und mit den Beschrän­kun­gen leben. Man kann es aber auch gleich rich­tig machen und sich sel­ber einen DIY-Out­door-LTE-Rou­ter bauen.

Beschrän­kun­gen bei LTE-Rou­tern? Ja, klar, SIM-Lock, kei­ne exter­nen Anten­nen, unfle­xi­ble GUI, kein WISP, kein File-Ser­ver – und wenn das Ding kaputt geht, kann man es direkt kom­plett ent­sor­gen. Auf­rüs­ten von 4G auf 5G geht damit auch nicht. Ein DIY-Out­door-LTE-Rou­ter ist also akti­ver Umwelt­schutz und ein Schutz vor geplan­ter Obso­le­s­zenz.

Hard­ware­lis­te

Ich hat­te mir vie­le Gedan­ken gemacht wie ich eine fle­xi­ble Lösung für unse­ren Wohn­wa­gen auf­bau­en kann. Mei­ne Wahl fiel auf fol­gen­de Hard­ware bei Amazon:

- GL-inet MT300A-ext (Mini­rou­ter), 29 EUR
– Vodafone/​Huawei K5150 (4G-LTE-Stick), 20 EUR
– 4G-LTE-Anten­ne, extern, 20 EUR
– CSL-WLAN-Anten­ne, je 7 EUR
– Bet­ter­mann Monat­ge­kas­ten, 21 EUR
– Fair­wa­re Kabel­ver­schrau­bun­gen, 6 EUR
– kur­zes USB-Strom­ka­bel, 2,50 EUR
– USB-Netz­teil, 2.1A, 9 EUR

Ja, gut, das ist jetzt mit rund 120 EUR etwas teu­rer als so ein ein­fa­cher, mobi­ler LTE-Rou­ter – aber auch um Län­gen leis­tungs­fä­hi­ger, fle­xi­bler und vor allem zukunfts­si­che­rer – und damit nach­hal­ti­ger. Zumal man streng genom­men nur den Rou­ter und den LTE-Stick rech­nen darf. Damit kom­men wir auf einen Ver­gleichs­preis von knapp 62 EUR für unse­re Lösung.

Mobi­le LTE-Rou­ter wie der Hua­wei E5377s (Part­ner­link) kos­ten ab ca. 90 EUR und ent­hal­ten nur noch das USB-Kabel, kein Netz­teil, kei­ne Antennen.

Was kann das Ding am Ende?

Es kann Dei­ne End­ge­rä­te ent­we­der mit dem mobi­len Funk­netz oder mit dem WLAN des Cam­ping­plat­zes (oder des Mobil­funk­be­trei­bers) ver­bin­den. Für letz­te­res ist der WISP-Modus wichtig.

Die Geschwin­dig­keit im WLAN liegt bei bis zu 300 MBit/​sec, WISP mit bis zu 150 MBit/​sec.
Die Geschwin­dig­keit über LTE liegt bei bis zu 150 MBit/​sec down, 40 up.
Band 20 (800 MHz) wird unter­stützt, das ist wich­tig, wenn man in Deutsch­land auf dem plat­ten Land unter­wegs ist.

Wei­ter­hin unter­stützt unse­re Kon­fi­gu­ra­ti­on selbst­ver­ständ­lich auch 3G, DC-HSPA+, UMTS, WCDMA, GSM und GPRS.

Ein File­ser­ver (oder eine eige­ne Cloud) ist mit dem inter­nen Kar­ten­slot mit bis zu 128GB-SD-Kar­ten mög­lich. Zum Bei­spiel um die Urlaubs­bil­der zu sichern, oder ein paar Fil­me für die ver­reg­ne­ten Aben­de zu haben.

War­um unbe­dingt exter­ne Antennen?

Weil der Wohn­wa­gen mit Alu­blech beplankt ist und Funk­wel­len abschirmt. Der Auf­bau der Sei­ten­wän­de besteht von innen nach aus­sen aus: Dekor­plat­te, Sty­ro­por­plat­ten und Holz­lat­ten, Alublech.

Der K5150 LTE-Stick hat CRC9-Buch­sen, der Rou­ter hat RP-SMA-Buch­sen, dies ist bei der Bestel­lung ande­rer Anten­nen zu beach­ten. Die o.a. Anten­nen pas­sen aber.
vodafone k5150
Geöff­ne­ter Stick

rooter
(Pro­be­auf­bau mit exter­ner LTE-Anten­ne am Stick. Die­ser leuch­tet per­ma­nent vio­lett, wenn er mit einem 4G-Netz ver­bun­den ist)

Der MT300A ist mit einem 580 MHz schnel­len Sin­gle­Core-Pro­zes­sor MTK 7620A, 16 MB Flash und 128 MB RAM bestückt. Das ist für einen Rou­ter sehr viel Power und prä­de­sti­niert ihn als idea­len und sehr schnel­len „Bas­tel­rou­ter”.

Wie funk­tio­niert der Auf­bau hardwareseitig?

In den Mon­ta­ge­kas­ten kom­men der Rou­ter, der Stick und das Netz­teil zusam­men mit einer was­ser­dich­ten Ver­län­ge­rungs­schnur, deren Ende (Steck­do­se) wir abschnei­den und erset­zen. Wir müs­sen ja durch die Kabel­durch­füh­run­gen kom­men. Wich­tig dabei ist es, Kabel­end­hül­sen zu benut­zen, sonst wer­den die fei­nen Adern im Strom­ka­bel gequetscht und bre­chen. Die Anten­nen wer­den eben­falls an der Sei­te des Mon­ta­ge­kas­tens durch­ge­führt, die nach unten(!) zeigt. Es soll ja was­ser­dicht bleiben.

DIY-Outdoor-LTE-Router
(Innen­le­ben)

rooter lte bettermann case
(Was­ser­dich­te Anschlüsse)

rooter lte bettermann case
(Gehäu­se wet­ter­fest verschlossen)

Wie funk­tio­niert der Auf­bau softwareseitig?

Kann ich auch Open­WRT oder DD-WRT instal­lie­ren? Ja, aber sicher! Das ist sogar eine Kern­kom­pe­tenz die­ses Gerä­tes. Open­WRT ist in der ori­gi­na­len Firm­ware ent­hal­ten. Die ein­fa­che, aber sehr hüb­sche GL-inet-GUI (http://192.168.8.1) basiert dar­auf, aber man kann auch Open­WRT mit Luci direkt auf­ru­fen. Ich habe ROO­ter („Gol­den Orb”) instal­liert. Dies ist eine Firm­ware, basie­rend auf LEDE, wel­che sich spe­zi­ell um die Funk­mo­de­m­un­ter­stüt­zung küm­mert. Jeder, der ein­mal einen Rou­ter auf­ge­setzt hat, wird sich mit ROO­ter sofort anfreun­den kön­nen. Die Ober­flä­che ist sehr über­sicht­lich und intui­tiv gestaltet.

Gefällt Euch ROO­ter nicht, so könnt Ihr auch die ori­gi­na­le Firm­ware wie­der herstellen:
rooter lte firmware
(Flash­me­nü)

Gene­rell gilt bei die­sem Rou­ter, dass man jede Firm­ware mit/​in jeder Firm­ware auf­spie­len kann. ROO­ter kann unter GL-inet-GUI oder unter Open­WRT geflasht wer­den – oder in jeder ande­ren Kom­bi­na­ti­on. Das geht alles ratz-fatz.

Der MT300A ist zudem qua­si „unbrick­bar”. Man kann ihn nicht „kaputt flas­hen”. Soll­te mal etwas schief­ge­hen, so ist UBOOT über eine eige­ne GUI (http://192.168.1.1) erreich­bar. Dar­über lässt sich im Not­fall eine belie­bi­ge ande­re Firm­ware hoch­la­den. Dazu den Reset-Knopf län­ger als fünf Sekun­den beim Ein­ste­cken des USB-Stroms gedrückt halten.

Kon­fi­gu­ra­ti­on des Rou­ters für Euren Provider

Rech­ner mit dem Rou­ter via Netz­werk­ka­bel ver­bin­den (Siwtch oder direkt). Am Rech­ner manu­ell 192.168.1.2 als IP-Adres­se eintragen.
Unter http://192.168.1.1 müsst Ihr unter „Modem” in die „Con­nec­tion Info”.
Dort tragt Ihr die Inter­net­zu­gangs­da­ten Eures Pro­vi­ders ein.

Bei­spiel für blau-Kunden:

APN: inter​net​.eplus​.de
User: blau
Pass­word: blau
Auth­Pro­to­col: PAP/​CHAP
Den Rest so lassen.

Bei­spiel für Lebara:

APN: internet.t‑d1.de
User: Leba­ra Internet
Pass­wort: (kein PW)
Auth­Pro­to­col: PAP/​CHAP
Den Rest so lassen.

rooter lte
(Zugangs­da­ten)

Das grü­ne Blin­ken der LED auf dem Stick soll­te schon bald in ein vio­let­tes wech­seln und am Ende durch­ge­hend hell­blau leuch­ten, sofern an Eurem Stand­ort auch LTE ver­füg­bar ist.

rooter lte
(LTE 3G bis 42 MBit/​sec – hell­blaue LED)

rooter lte

rooter lte modem
(Stick wird jetzt erkannt)

Die Ver­bin­dung bricht immer wie­der ab…

… und ich muß den Rou­ter reboo­ten, um wie­der eine Inter­net-Ver­bin­dung zu bekom­men? Das liegt meist am Pro­vi­der, der die Ver­bin­dung nach Inak­ti­vi­tät wie­der kappt, was ja eigent­lich auch sinn­voll ist, um Res­sour­cen zu spa­ren. Als Cam­per bewegt man sich aber nicht in den Bal­lungs­zen­tren, son­dern auf dem plat­ten Lan­de, des­we­gen gebe ich Euch ein­fach den Tipp die Ver­bin­dung durch einen Ping auf­recht zu erhal­ten und im Fal­le eines Dis­con­nects auto­ma­tisch eine neue Ver­bin­dungs auf­zu­bau­en. Das ist mit der ROO­Ter-Firm­ware mit weni­gen Klicks eingerichtet.

rooter

Ich habe gleich einen Modem-Recon­nect, also die Reinitia­li­sie­rung des Trei­bers, akti­viert, weil mein sel­te­ner Voda­fone-Stick sowie­so ger­ne mal rum­zickt. Die Zeit zwi­schen zwei Pings habe ich auf eine Minu­te gestellt und als Tracking-IP eine IP von goog​le​.de genom­men. Ist Goog­le über den Rou­ter nicht zu errei­chen, initia­li­siert ROO­Ter das LTE-Modem neu und führt einen Recon­nect zum Pro­vi­der durch.

Alles so schön bunt hier…

Der LTE-Stick blinkt wie ein Weih­nachts­baum und Du weißt nicht was das bedeu­ten soll?

Grü­nes, durch­ge­hen­des zwei­ma­li­ges Blin­ken: Stick ist ein­ge­schal­tet und gebootet.
Grü­nes, blau­es oder vio­let­tes lang­sa­mes Blin­ken: Anmel­dung im 2G‑, 3G‑, oder 4G-Netz

Grü­nes Dau­er­leuch­ten, mit 2G-Netz ver­bun­den, bis zu 54 Kbit/​sec (GPRS) oder bis zu 22 Kbit/​sec (EDGE)
Blau­es Dau­er­leuch­ten, mit 3G/UMTS-Netz ver­bun­den, bis 7,2 Mbit/​sec (HSPA)
Hell­blau­es Dau­er­leuch­ten, mit 3G/UMTS-Netz ver­bun­den, bis 42 Mbit/​sec (HSPA+)
Vio­let­tes Dau­er­leuch­ten, mit 4G/L­TE-Netz ver­bun­den, bis zu 300 Mbit/​sec

Wie lade ich Gut­ha­ben auf?

Hier ein Bei­spiel für Leba­ra. Tja, das war ein­fach die güns­tigs­te Kar­te, die ich im REWE im vor­bei­ge­hen gese­hen und mit­ge­nom­men hat­te. Die Leis­tung ist aber sehr gut, denn damit habe ich die vol­len ver­spro­che­nen 7 MBit/​sec des Ver­tra­ges erreicht. (Update: Zu Hau­se an der Fritz­box sogar mit einer ande­ren Leba­ra-SIM-Kar­te bis 16 MBit/​sec)

Leba­ra-App laden (oder u.a. Work­aroud nutzen).
Gut­ha­ben mit Pre­Paid-Code oder PayPal aufladen
Dann mit dem Rou­ter über Brow­ser ver­bin­den, um den Tarif zu buchen:
192.168.1.1
→ Modem → SMS Messageing

SMS an 55255
„PLUS5GB“ = 15 EUR /​ 5GB
„PLUS10GB“ = 20 EUR /​ 10 GB
Jeweils für vier Wochen gültig.

Work­around für das Sen­den von GSM-Codes:
→ Modem → Mis­cel­la­ne­ous → AT Command
AT+CUSD=1,”*131*(gekauften-prepaid-code)#”,15

Güns­ti­ger LTE-Ver­trag in Deutschland?

Leba­ra, was/​wer ist das? Einer der grö­ße­ren Reseller/​Discounter aus UK. Sie benut­zen in Deutsch­land das Netz der Tele­kom. Wir wer­den in Deutsch­land trotz­dem abge­rippt, denn es gibt genau drei Anbieter:

  1. Tele­kom
  2. Voda­fone
  3. Tele­fo­ni­ca

Die drei tei­len sich den Markt ein­träch­tig zu je rund 33% auf und sind an einer Kon­kur­renz über­haupt nicht inter­es­siert. Wir zah­len also hier­zu­lan­de rund 10-fach über­teu­er­te Prei­se für mobi­les Inter­net wie im euro­päi­schen Ver­gleich. Tech­no­lo­gisch führ­dend sind wir zudem abso­lut nicht. Wir sind weit abge­schla­gen auf einem der letz­ten Plät­ze.

Situa­ti­on im Ausland

Im Aus­land könnt Ihr Euch eine belie­bi­ge SIM-Kar­te mit Inter­net­zu­gang holen. In Kroa­ti­en sind die zum Bei­spiel krass bil­lig und in jedem Super­markt zu haben.

Die Kür – Mon­ta­ge am Wohnwagren

Der Mon­ta­ge­kas­ten mit Mast­schel­len wird an einem aus­zieh­ba­ren Besen­stiel befes­tigt, wel­cher am hin­te­ren Fahr­rad­trä­ger (ver­stell­ba­rer Hal­te­arm für Räder) befes­tigt wird. Zusatz­in­fo: Man soll­te den hin­te­ren Trä­ger an einem Wohn­wa­gen tun­lichst nicht nut­zen. Die Hebel­kraft der doch rela­tiv schwe­ren Räder ist ein­fach für einen sta­bi­len Fahr­be­trieb zu hoch.

An das obe­re Ende des Stie­les kommt eine Quer­stan­ge. In der Mit­te sitzt die LTE-Anten­ne, an den Enden die WLAN-Anten­nen. Am Stand­ort zieht man den Besen­stiel aus und so über­ra­gen die Anten­nen den Wohn­wa­gen. Noch etwas dre­hen, bis der Emp­fang opti­miert ist (sieht man in der GUI von ROO­ter). Fertig!

Auf die Nut­zung eines even­tu­ell vor­han­den Mas­tes wür­de ich ver­zich­ten, denn so ist der beque­me Zugang zum LTE-Stick noch gewähr­leis­tet. Schließ­lich muss man die SIM-Kar­te im Aus­land immer aus­tau­schen, da die Daten­ta­ri­fe dort prin­zi­pi­ell wesent­lich güns­ti­ger als in Deutsch­land sind.

Über eine Erdung kann man treff­lich strei­ten. Fakt ist aber, dass man eine vor­schrifts­mä­ßi­ge Erdungs­stan­ge auf den meis­ten Cam­ping­plät­zen nie­mals in den har­ten, fest­ge­fah­re­nen Boden bekä­me (oder wie­der hin­aus). Zudem füh­ren vom „Mast” kei­ne Kabel in den Wohn­wa­gen hin­ein und der Mast ist durch die Kunst­stof­fum­man­te­lung der Klemmen/​Halterung sowie­so iso­liert. Das Hand­buch man­cher Wohn­wa­gen sagt zudem, dass das Fahr­zeug durch das Aus­fah­ren der Metall­stüt­zen aus­rei­chend extern geer­det sei.

Für den Arti­kel woll­te ich eini­ge Bil­der haben, ist ja sonst lang­wei­lig. Jetzt und gleich muss­te es sein, Ihr kennt das ja. Ich hat­te kei­ne Lust Mate­ri­al zu kau­fen, also nahm ich das, was im Fun­dus rum­flog. Da war so ein net­tes Abfluss­rohr, lang genug und leicht dazu! Gesagt, getan!

Das Rohr habe ich oben ein­ge­sägt, ich woll­te kei­nen Akt dar­aus machen. Die Anten­ne steckt da fest drin. Ein Schüt­tel­test lässt mich dem nächs­ten Sturm gelas­sen ent­ge­gen sehen.

leichte masthalterung wohnwagen
LTE-Anten­ne am Wohn­wa­gen (Ein­ker­bung)


(Anten­ne steckt)

günstige lte antenne
(Kabel ist im Rohr versteckt)

LTE Tabbert antenne Leichter Antennenmast für den Wohnwagen, Blitzschutz
(Ja, das Rohr ist etwas krumm – egal)

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