Fachwerk repariert (Update: Video)

Lesedauer 6 Minuten

Ich straffe die ganze Aktion mal auf einen Artikel. Der Holzhärter hatte ja auf ganzer Linie versagt, bzw. habe ich auf Amazon-Rezensenten gehört, die mal wieder was vom Pferd erzählten und glaubt, dass Holzhärter ihre Balken gerettet hätte. Hoffen wir, dass sie ihnen nicht auf den Kopf fallen. So, ich hatte mir sechs Kilo des billigsten Epoxidharzes auf Amazon für 50 Euro geordert. Die Lieferung war auch eine Punktlandung nach dem Auffüllen der Löcher mit Holz und dem Ersetzen des Teilabschnitts des Balkens. Was benötigt man für die Verarbeitung von Epoxidharz auf jeden Fall? Ganz klar: Handschuhe. Im Action gab es gummierte Handschuhe für 87 Cent. Ja, wirklich: 87 Cent. Trotzdem würde ich für die reine Verarbeitung Einweg-Gummihandschuhe empfehlen, weil diese auch den Handrücken schützen. Man glaubt ja nicht, wie sehr man sich einsaut, wenn man viele Ecken auszufüllen hat.

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Die teuren Handschuhe! Welch Verschwendung!

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Okay, auch wenn ich versuchte, die Lücken mit Panzertape zu verschließen, lief noch genug Epoxy durch die Ritzen. Im Verhältnis wenig, aber nun gut.

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Die Ecke ist mir beim Einschlagen des neuen (alten) Holzes weggeflogen.

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Erste Schicht Polyesterspachtel aufgetragen. Den hatte ich nur für diese Ecke gekauft.

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Und das Ganze nach der zweiten Schicht und abgeschliffen. Sieht gut aus.

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Auch die andere Seite ist nun wieder schön.

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Nachdem am nächsten Tag das Epoxid hart war, konnte ich das Tape entfernen. Traurig. Ich hoffte, dass die Lücke ausgefüllt sein würde.
Aber im Prinzip spielte es keine Rolle, denn auch so war das alles dermaßen heftig miteinander verklebt, dass auch Hammerschläge nichts lösen konnten.

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Ansicht von oben. Ich habe das Einfüllloch mit Spachtelmasse verschlossen.
Wie man sieht, reichte auch hier das Epoxy nicht aus, die Flicken bis oben hin zu füllen. Es fehlte ca. ein Zentimeter. Aber auch hier stellte sich heraus, dass die Flicken knüppelhart und fest miteinander verbunden waren.

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So, nun hätte ich wieder teures Expoxy bestellen können. Aber ich wollte fertig werden. Frau besorgte im Action also weitere sechs Dosen Filler.

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Der ist auch für Holz geeignet.
Ja, ich brauche noch eine oder zwei Dosen für die Macken auf der Westseite des Wintergartens.

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Ach, selber dumm! Hier trug ich Spachtelmasse auf, die schon zu hart wurde. Aber das schleift sich bei.

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Die Lücke ist nun geschlossen, einmal geschliffen und noch einmal gefillert worden.

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Auch hier sieht man den fehlenden Zentimeter.

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Alle Stellen sind nun zugespachtelt.

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Da hier später Dämmung reinkommt, muss das keinen Schönheitspreis gewinnen. Sollte aber durch einen Schaden in der Aussendämmung Wasser eindringen, will ich nicht, dass es das Holz sofort wieder zerstört.

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Muss nur funktional sein.

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Der mittlere Bereich des wirklich großen Schadens.

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Durch die schrägen Balken lief das Wasser an genau diese Stelle.

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Und der die Ecke von innen betrachtet.

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Mit dem Bandschleifer kommt man nicht in die Ecke. Da muss der Deltaschleifer ran.

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Hier ist nur noch gutes Hol, Epoxidharz und Spachtelmasse zu sehen.

Schauen wir uns die Nordseite an. Dort waren die Schäden durch die Sonneneinstrahlung und die schnellere Abtrocknung nicht so tief:

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Bisschen mit dem Hammer ausgekratzt und zugespachtelt.

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Hier ebenfalls.

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Und an der Ecke nur sehr wenig. Das ist gut. Trotzdem muss das Gras dort dauerhaft vom Haus weggehalten werden, damit nicht weitere Schäden entstehen.

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Falls man sich fragt, ob Epoxidharz stabil ist… Etwas davon tropfte auf einen Stein, auf dem ein Stück Dachlatte lag. Ich trat mit den Sicherheitsschuhe davor und dachte es würde wegfliegen…
Aber mir tat nur mein Fuß weh!
Also schlug ich mit der Rückseite eines Beils mehrfach gegen das Holz, bis es sich löste.
Aber was löste sich eigentlich wirklich. Weder das Holz brach, noch das Harz! Es gab der Stein nach!

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Um zu schauen, ob man meine Reparatur später noch sehen würde, strich ich den Bereich mit Schwedenfarbe.
Urteile selber!

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Für mich reicht das aus.

Keine Ahnung, ob das so auch nur im Ansatz fachgerecht ist. Ist mir auch völlig wurscht. Das Epoxidharz wird nicht reißen und wenn es der Polyesterspachtel tun sollte, so nun in dem Bereich, in dem der „neue“ (über sechzig Jahre alte Balken) ohnehin Risse bekommen würde. Da er aber die ganze Zeit im Dachgeschoss verbaut gewesen ist, können wir Trocknungsrisse wohl sicher ausschließen.

Das Harz dichtet nun das Holz gegen (eh nicht vorhandene) aufsteigende Feuchtigkeit ab und verklebt die neuen Holzteile dauerhaft mit den alten. Epoxidharz ist dem Werkstoff Holz in der Dauerhaltbarkeit und Resistenz gegen mechanische und chemische Belastungen sowie gegenüber Umwelteinflüssen haushoch überlegen.

Als unser Statiker diesen Wintergarten sah, musste er unwillkürlich lachen, denn das Fachwerk ist hoffnungslos überdimensioniert. Die senkrecht wirkende, statische Belastung wird sowieso kaum im Bereich des (ersetzten) morschen Holzes in das Fundament geleitet, da dieses vom Vorbesitzer nicht im rechten Winkel gebaut wurde. Der ersetzte Bereich schwebt in der Luft. Weiter hinten ist das Fachwerk ohnehin nur noch Deko.

Ach ja: Natürlich nicht nachmachen! Vor allem nicht bei echtem alten Fachwerk. Da hier aber keine exotischen alten Baumaterialien zum Einsatz kommen werden, sondern nur aktuelle, war die hier gezeigte Vorgehensweise für mich persönlich völlig legitim.

Und noch eine Warnung: NEIN! Man kann tragende Balken nicht durch den Einsatz von Holzhärter reparieren! Schaut mal auf den Kanister! Da steht nur, dass der Holzhärter die _Oberfläche_ festigt. Selbst der Hersteller spricht nur davon, dass das Mittel im besten Falle bis zu zwei Zentimeter in das poröse Holz eindringen kann.

 

 

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