Espace: Rad­la­ger Vor­der­ach­se wechseln

Lese­dau­er 5 Minu­ten

Beim Blät­tern in den Bil­dern habe ich Pho­tos vom Rad­la­ger­wech­sel gefun­den, den ich vor eini­gen Jah­ren am Espace durch­führ­te. Ich ent­sin­ne mich lei­der nicht mehr an alle klei­nen Fall­stri­cke, die dabei auf­tra­ten. Des­we­gen ist das kei­ne kom­plet­te Anlei­tung, son­dern eher ein Hin­weis dar­auf, was Euch erwar­tet, wenn Ihr Euch am Rad­la­ger­wech­sel ver­su­chen wollt. Die Bil­der sind von unter­schied­li­cher Qua­li­tät und stam­men noch aus der Prä-Smart­pho­ne-18MP-Pixel-Ära. Das liegt an den ver­schie­de­nen Kame­ras. Da war IIRC bei der „rich­ti­gen” spä­ter der Akku leer.

ACHTUNG!
Die­se Anlei­tung soll nicht die bei­lie­gen­den Anleitungen/​Einbauhinweise erset­zen! Sie soll die­se ergän­zen.
Die­se Anlei­tung soll auch kei­ne Gehirn­funk­tio­nen der sie Befol­gen­den erset­zen.
Die­se Anlei­tung erhebt kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit oder gar Korrektheit!

Falls Euch das gan­ze Auto auf den Kopf, oder das Rad wäh­rend der Fahrt abfällt, oder bei Brem­sen der Tritt ins Lee­re erfolgt:

Ich bin nicht Schuld dar­an!
Jeder soll­te sel­ber wis­sen, was er kann und was er bes­ser sein las­sen soll­te.
Fahr­zeug gegen weg­rol­len sichern! Böcke ver­wen­den! Nie­mals nur mit dem Wagen­he­ber anheben!

Das vor­de­re rech­te Rad­la­ger bei der Espe mach­te bei um die 240tkm lei­se Geräu­sche bei schar­fen Kur­ven­fahr­ten. Damit hät­te man sicher noch lan­ge fah­ren kön­nen, aber ich woll­te da lang­fris­tig kein gefres­se­nes Rad­la­ger ris­kie­ren. Das kommt ja immer dann, wenn man es nicht braucht.

Wie gesagt: Hier nur die Arbeits­schrit­te und nicht eine Anlei­tung, wie man die­se durch­führt. Das soll­te man halt schon alles wis­sen, bevor man sich an so eine Repa­ra­tur „traut”.

Das Rad­la­ger war ein deut­sches Fabri­kat. Hat­te ich beim loka­len Dea­ler geor­dert. Als er das schwe­re Päck­chen über den Tisch schob, mein­te er nur: „Das ist mal ein Rad­la­ger!”.
Ja, das ist etwas grö­ßer als bei einem Bob­by­car, stimmt schon.

Aaach­tung! Dies ist ein offe­nes Rad­la­ger! Äus­serst sau­ber arbei­ten, sonst ist das Lager gleich wie­der defekt! Kei­ner­lei Sand und Staub an die Ersatz­tei­le gelan­gen las­sen!
Ich habe vor den Arbei­ten die Arbeits­um­ge­bung mit Was­ser abge­spritzt, das bin­det den Staub und Dreck. Ihr seht ja, dass die Rad­auf­hän­gung und der Boden nass sind. 

Als ers­tes: Rad­kap­pe und ggf. Deckel vor der Achs­schrau­be ent­fer­nen und die­se ggf. mit einer Ver­län­ge­rung lösen. Dabei, um die Nuss nicht zu ver­kan­ten, ggf. einen Unter­stell­bock o.ä. unter den Rat­schen­kopf stel­len. Geht die Rat­sche dabei kaputt, hät­test Du lie­ber doch ein Gelenk­stück verwendet. 😀

Rad­mut­tern lösen, Kar­re anhe­ben und auf­bo­cken.
Fel­ge entfernen.

Bremssattel
(Brems­sat­tel ent­fer­nen, ist von hin­ten mit zwei Schrau­ben am Feder­bein verschraubt)

Rich­tig erkannt: Das ist der J637, der Vier­zy­lin­der. Der V6 hat eine Rad­schrau­be mehr. Der Aus­tausch geht aber ana­log dazu.

Antriebswellenmutter
(Achs­mut­ter jetzt ganz entfernen)

Radlagerplatte
(Rad­la­ger­plat­te abziehen)

Gegenstück
(Gegen­stück ent­fernt, dazu äus­serst vor­sich­tig ein­ge­flext um die Span­nung aus dem Ring zu bekom­men und hebeln zu kön­nen, Gegen­stück kei­nes­falls beschädigen!)

Um der Wahr­heit die Ehre zu geben: Ich habe kei­nen Plan mehr, wie ich das Ding letzt­lich ent­fernt habe. Irgend­ei­ne Mischung aus Flu­chen, fle­xen und erhit­zen war es wohl.

Spritzschutzplatte
(Spritz­schutz­plat­te ent­fer­nen, Schrau­ben dürf­ten fest­ge­gam­melt sein, Caram­ba benutzen)

Wenn das nicht hilft und die Tor­xe und Nüs­se die Köp­fe kaputt­dre­hen: Schrau­ben­kopf ein­fle­xen und mit einem sehr gro­ßen und fla­chen Schrau­ben­zie­her raus­dre­hen. Hat­te bei mir bei fast allen Schrau­ben gehol­fen. Flext halt den Kopf nicht gleich ganz weg.
Muss ich erwäh­nen, dass man dann die kaput­ten Schrau­ben nicht wie­der ein­setzt? Kommt jemand auf so eine Idee?
War ne rein rhe­to­ri­sche Frage…

Wie dem auch sei: Mir ist eine Schrau­be direkt abge­ris­sen. Die ande­re hat­te einen run­den Kopf. Schnau­ze voll, blei­ben die halt drin. Einen Aus­dre­her habe ich eh nicht.
Nun ist guter Rat teu­er. Die Res­te der Schrau­ben ver­hin­dern, dass sich das Rad­la­ger aus­schla­gen lässt. Kacke. 

Radlagergehäuse entfernen
(Rad­la­ger­ge­häu­se ent­fer­nen, ist fest­ge­gam­melt, mit Caram­ba ein­ge­weicht, mit Ham­mer ver­sucht raus­zu­klop­fen, klappt nicht, Antriebs­wel­le mit Lap­pen schützen)

Radlager aufflexen
(Und bist Du nicht wil­lig… Rad­la­ger auf­fle­xen, vor­sich­tig arbei­ten! Da habe ich schon den Rand des Sit­zes getrof­fen, ich Trampel!)

radlager flex
(zärt­lich wei­ter auf­fle­xen, Feder­bein dabei nicht beschä­di­gen! Lin­ken unte­ren Schrau­ben­kopf abge­flext, nicht pro­biert auszudrehen)

Rad­la­ger­res­te mit leich­ten bis mit­tel­schwe­ren Ham­mer­schlä­gen lösen.

Radlager offen
(Na bit­te, Rad­la­ger offen, Hal­te­bol­zen raus­schrau­ben – nein die Kugeln sind beim Öff­nen raus­ge­fal­len, die waren nicht ein­fach „weg”)

radlager offen
(Rad­la­ger ent­fernt, Sitz nun reinigen)

neues Radlager
(Neu­es Rad­la­ger ein­set­zen, Spritz­schutz anbrin­gen, sieht doch tacko aus)

Da sieht man die gut Schrau­ben, die ich erset­zen muss­te. Die ande­ren habe ich so gelas­sen, da ich nicht damit rech­ne­te, dass der Espe wei­te­re 240tkm gegönnt wären.
Mitt­ler­wei­le sind die J63 alle schon erhal­tens­wer­te Young­timer. Da könn­te man dar­über nach­den­ken, die Schrau­ben zu erset­zen, die Leit­ble­che zu ent­fros­ten und zu lackie­ren, sowie auch das Feder­bein etwas aufzuhübschen.

einpressen
(Lager­schal­el Rad­la­ger gera­de(!) auf Rad­hal­te­plat­te pressen)

halteplatte
(Lager­scha­le Rad­la­ger in Rad­hal­te­plat­te auf­pres­sen. Ist nicht schwer, aber von Hand doch zu schwer)

aussenteil eingepresst
(Lager­scha­le auf­ge­presst, der Rest kommt beim Anzie­hen der neu­en Achs­mut­ter. Siche­rungs­splint? Selbst­si­chernd? Kei­ne Ahnung mehr!)

Dichtring
(Dicht­ring muss schliessen)

dichtring geschlossen
(Dicht­ring schliesst)

Die Achs­mut­ter bekom­men, wenn ich mich recht ent­sin­ne, sagen­haf­te 210 Nm Anzugs­mo­ment. Oder 220? Irgend­was absurd hohes jeden­falls.
Euer Dreh­mo­ment­schlüs­sel wird die­ses Anzugs­mo­ment nicht lie­fern. Auch die Werk­statt, die ich frag­te, ob sie die Achs­mut­ter nach­zie­hen könn­ten, hat­te kei­nen so gro­ßen Dreh­mo­ment­schlüs­sel. Die mein­ten: „Wir zie­hen an, bis es nicht mehr geht.”. Ach ja? Oha, oh weh! Ich mache das natür­lich nicht so. Also den Schlüs­sel Pi mal Dau­men über die 200er-Mar­kie­rung gedreht und vor­sich­tig angezogen. 

Noch­mal: Auf „Klei­nig­kei­ten” wie das Sichern der Achs­mut­ter oder die De-/Mon­ta­ge des Brems­sat­tels gehe ich hier nicht ein. Das sind Basics für den Hob­by­schrau­ber. Wenn Ihr nicht wisst, was ich damit mei­ne, dann lasst es! Fangt nicht an irgend­was zu bas­teln, wenn Ihr kei­nen Plan davon habt. Lasst es Euch dann lie­ber in der Werk­statt durch eine Fach­kraft ein­bau­en. Das kos­tet nun wirk­lich nicht die Welt. 

Das Rad­la­ger hielt nach die­sen Arbei­ten die nächs­ten 100.000 km, bis die Espe von einem grenz­de­bi­len Schwach­ko… äh… unauf­merk­sa­men Ver­kehrs­teil­neh­mer final abge­schos­sen wurde.

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