Espace: Schein­wer­fer­hö­hen­ver­stel­lung reparieren

Lese­dau­er 5 Minu­ten

Eines ist, war und wird auch immer an einem Espace J63 defekt sein: Die seri­en­mä­ßi­ge, hydrau­li­sche Schein­wer­fer­hö­hen­ver­stel­lung! Klar, es gibt Anlei­tun­gen zum Umbau auf die eben­falls hydrau­li­sche Höhen­ver­stel­lung des Lada Niva oder gleich auf eine der elek­tri­schen Art. Ich für mei­nen Teil woll­te aber nur den „schwe­ren Man­gel” für den TÜV abstel­len. Ob das Gan­ze nach einer Woche noch funk­tio­nie­ren soll­te, ist mir voll­kom­men egal.

Haf­tungs­aus­schluss:

Was immer Ihr mit Eurem Auto anstellt: Ihr habt es getan, nicht ich. Ich bin nicht schuld! Ihr müsst wis­sen, was Ihr da eigent­lich macht. Wenn Ihr es nicht wisst: Lasst es, bevor ande­re zu Scha­den kom­men! Jeder ist für sei­ne Taten ver­ant­wort­lich. Ihr springt ja auch nicht von einer Brü­cke, wenn ich es Euch sage, oder? Beach­tet bit­te, dass durch das Her­um­fum­meln an den Schein­wer­fern ande­re Ver­kehrs­teil­neh­mer stark geblen­det wer­den kön­nen. Immer auf kor­rek­te Ein­stel­lun­gen achten!

Für die tem­po­rä­re Repa­ra­tur – denn sie wird ver­mut­lich nur weni­ge Tage lang hal­ten – benö­tigt Ihr eine Sprit­ze (Apo­the­ke, weni­ge Cent), ein Stück Schlauch (Belüf­tungs­schlauch für Aqua­ri­en) und etwas Gly­kol (Küh­ler­frost­schutz­mit­tel). Frost­schutz und Schlauch bekommt Ihr in gro­ßen Bau­märk­ten. Die Arbei­ten wer­den etwa 10 Minu­ten in Anspruch neh­men, nicht mehr.

Nach­trag: Das hielt bis zum Ver­kauf des Espace eini­ge Jah­re spä­ter. Hät­te ich nicht erwartet.

Der Höhen­reg­ler soll­te auf der Posi­ti­on „0” ste­hen. So dass noch vor­han­de­ne Hydrau­lik­flüs­sig­keit mög­lichst unter Druck steht.

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(Der Neh­mer­zy­lin­der am Scheinwerfer)

Jeweils an den Aus­sen­sei­ten der Schein­wer­fer fin­det Ihr am Ende der schwar­zen Hydrau­lik­lei­tun­gen die Ver­stell­zy­lin­der. Ihr könnt die­se eine knap­pe vier­tel Dre­hung ver­dre­hen, bis sich sich lösen. Muti­ge zie­hen nun den Zylin­der ein­fach kräf­tig raus, unge­ach­tet, dass der Kugel­kopf des Zylin­ders noch im Schein­wer­fer steckt. Hasen­füs­se fum­meln mit den Fin­gern oder einem Schrau­ben­dre­her an der Hal­te­rung her­um. Ich habe gezogen.

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(Aus­ge­bau­ter Nehmerzylinder)

Wir sehen nun, dass der Zylin­der unten eine gro­ße Nase hat. Die­se muss beim spä­te­ren Ein­bau in die unte­re Aus­spa­rung der Auf­nah­me gesteckt werden.

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(Ver­schluss­stop­fen am Nehmerzylinder)

Die Zylin­der sind mit einem Mes­sing­stop­fen ver­schlos­sen, den wir aber sehr leicht mit einem klei­nen Sai­ten­schnei­der her­aus­zie­hen kön­nen. Eine Nor­ma­le Zan­ge schei­tert, da die­se zu groß sind und am Kopf des Stop­fens abrut­schen. Passt auf, dass nicht noch etwas Druck im Sys­tem ist und Euch der Stop­fen nicht wegfliegt.

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(Ent­fern­ter Stopfen)

Den Stop­fen legen wir nun sehr, sehr sorg­fäl­tig zu Sei­te, damit er nicht ver­lo­ren geht.

Jetzt fül­len wir die Sprit­ze mit Gly­kol. Getrie­be- oder Ser­vo­öl gin­ge auch, aber wenn das rum­spritzt, dann ist die Saue­rei groß, Gly­kol ist da nur halb so wild. Letzt­lich ist es auch scho­nen­der zu den Kunst­stof­f­ele­men­tes der Höhenverstellung.

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(Gly­kol)

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(Gefüll­te Spritze)

Den Schlauch ste­cken wir auf die Sprit­ze, das passt wie Arsch auf Eimer, aber auf den Stut­zen des Zylin­ders will er nicht so recht pas­sen. Kein Pro­blem, da neh­men wir einen mitt­le­ren Flach­schlitz­schrau­ben­dre­her und wei­ten mit die­sem kräf­tig das Ende des Schlau­ches. Ruhig kräf­tig rein­ste­cken, ver­kan­ten und wie­der raus­zie­hen – der Schlauch wird nicht reis­sen, der ist zäh.

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(Pass­pro­be: sitzt 1a!)

Dann zie­hen wir mit dem Schlauch mög­lichst bla­sen­frei (was de fac­to durch die Luft im Schlauch nicht funk­tio­nie­ren wird) Gly­kol aus der Fla­sche in die Sprit­ze. Sprit­ze nach oben hal­ten, Schlauch nach unten, etwas gegen den Kol­ben klop­fen, damit die Luft­bla­se nach oben steigt. Gege­be­nen­falls jetzt die Luft­bläs­chen aus dem Schlauch mit der Sprit­ze drücken.

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(Sprit­ze mit Zylin­der verbunden)

Das Schlau­chen­de kommt wie­der auf den Stut­zen des Zylin­ders. Er wird durch das Gly­kol abrut­schen und sich mit den Fin­gern nur schlecht wei­ter hoch schie­ben las­sen, aber wofür gibt es Kom­bi­zan­gen? Sitzt der Schlauch kor­rekt dicht auf dem Stut­zen, so drü­cken wir etwas Gly­kol in das Sys­tem, stel­len den Reg­ler der Höhen­ver­stel­lung auf „0” und drü­cken wie­der etwas Flüs­sig­keit in das Sys­tem. Schlauch abzie­hen, Stop­fen auf­ste­cken. Fertig!

So, bei mir reich­te das schon aus, aber es kann sein, dass Euer Sys­tem völ­lig leer ist. In die­sem Fall müsst Ihr die Schläu­che am Reg­ler abzie­hen und von dort mit der Sprit­ze das Sys­tem fül­len, bis an den Zylin­dern Gly­kol aus­tritt. Füllt Ihr das Sys­tem von aus­sen, so läuft Euch die Sos­se auf die Fuss­mat­ten. Jeder Schein­wer­fer hat eine eige­ne Lei­tung, die durch je einen Geber­zy­lin­der im Reg­ler unter Druck gesetzt wird.

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(Reg­ler auf Sufe 3)

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(Zylin­der eingefahren)

Ist der Reg­ler auf Stu­fe 3, also auf „Bela­den”, so ist kein Druck im Sys­tem und der Zylin­der ist eingefahren.

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(Stu­fe 0)

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(Zylin­der ausgefahren)

Sicher könn­te der Zylin­der in die­sem Bei­spiel wei­ter aus­ge­fah­ren sein, für den TÜV muss das aber rei­chen. Haupt­sa­che, da bewegt sich was. 🙂  Ich hät­te natür­lich auch die Zylin­der­stan­gen wei­ter raus­zie­hen kön­nen, aber ich hat­te kei­ne Grip­zan­ge zum arre­tie­ren zur Hand.

Der Zylin­der wird nun wie­der in die Auf­nah­me gesteckt, Nase nach unten, und durch Dre­hung arre­tiert. Mit den Fin­ger auf der Innen­sei­te durch das Loch neben dem Zylin­der in den Schein­wer­fer grei­fen und die Hal­te­plat­te des Schein­wer­fers Rich­tung Zylin­der zie­hen, bis der Kugel­kopf hör- und fühl­bar einrastet.

So, die gan­ze Pro­ze­dur nun auch noch auf der ande­ren Sei­te – Ihr wer­det sehen, dass Ihr dafür nur noch zwei Minu­ten benö­tigt. Wenn man es ein­mal gemacht hat, geht es leicht von der Hand.

Natür­lich müs­sen nun die Schein­wer­fer wie­der ein­ge­stellt werden.

Hat das Sys­tem den Druck wie­der ver­lo­ren (und das wird es garan­tiert), so habt Ihr die Wahl, ob Ihr die Pro­ze­dur wie­der­holt, oder die Schein­wer­fer bis zum nächs­ten TÜV manu­ell ein­stellt. Beach­tet bit­te, dass bei einem Druck­ver­lust die Schein­wer­fer nach unten leuchten.

Wollt Ihr Euch ein dau­ern­des Nach­stel­len erspa­ren, so macht das Sys­tem druck­los, indem Ihr die Mes­sing­stop­fen wie­der abzieht und den Reg­ler auf Stu­fe 0 stellt. Kommt Ihr aus zeit­li­chen Grün­den nicht zeit­nah zum TÜV, so wür­de ich die Schein­wer­fer auf Stu­fe 3 nach den Arbei­ten stel­len, damit nicht stän­dig Druck auf dem Sys­tem ist und der Kram auch noch bei der Vor­stel­lung funktioniert.

Moral­apos­tel packen nun wie­der den mah­nen­den Zei­ge­fin­ger aus. Ver­kehrs­ge­fähr­dung, etc. pp. Ja, stimmt, ist alles kor­rekt. Punkt. Gibt es auch kei­ne Dis­kus­si­on. Ich spre­che ja auch nur von mei­ner Situa­ti­on, ich fah­re nachts nicht mit einem voll­be­la­de­nen Auto her­um und selbst wenn das ein­mal vor­kommt, dann stel­le ich mir vor, es wäre 25 Jah­re alt. Sol­che Autos brau­chen ja auch kei­ne Höhen­ver­stel­lung. Die ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer müs­sen dann eben auch phan­ta­sie­be­gabt sein. 🙂

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