Wie funk­tio­niert ein Trinkvogel?

Lese­dau­er 3 Minu­ten

Als Kind hat­te ich Anfang der 70er auch so einen Trink­vo­gel. Ich fand das Ding abso­lut toll! Und einen Durst hat­te der Kol­le­ge! Sagen­haft! Aber wie­so säuft der eigent­lich wie ein Ehe­gat­te zu Vater­tag? Schau­en wir uns das Spiel­zeug mal genau­er an:

Zwei Kugeln aus Glas, mit einem Röhr­chen verbunden.
In der unte­ren Kugel liegt das Ende des Röhr­chens im senk­rech­ten Zustand des Vogels in der Flüs­sig­keit, am obe­ren Ende ist das Röhr­chen nur außen mit der Kugel verbunden.
Es ist qua­si ein klei­ner Kol­ben, der kopf­über in einer Kugel steckt.

Trinkvogel leer
Trink­vo­gel Ruhezustand

Die obe­re Kugel, qua­si der Kol­ben, ist mit Filz und einem Fort­satz (Schna­bel) ver­se­hen, der Was­ser auf­neh­men kann und so den Filz­be­zug feucht hält.

Der gan­ze Vogel ist frei­schwin­gend auf­ge­hängt und so aus­ta­riert, dass er senk­recht steht.

Der Glas­kör­per ist eva­ku­iert, es befin­det sich also kei­ne Luft dar­in. Im inne­ren ist eine blau gefärb­te (frü­her rote) Flüs­sig­keit, ver­mut­lich ein Alko­hol oder Äther, die sich bei Raum­tem­pe­ra­tur nahe am Sie­de­punkt befin­det, also bereits in den dampf­för­mi­gen Zustand übergeht.

Es bil­den sich kei­ne Bla­sen, weil der Druck in dem geschlos­se­nen Sys­tem immer wei­ter steigt, je mehr Flüs­sig­keit ver­dampft. Im gas­för­mi­gen Zustand nimmt die Flüs­sig­keit mehr Raum ein, weil sich die Mole­kü­le durch die auf­ge­nom­me­ne Wär­me­en­er­gie gegen­sei­tig abstoßen.

Trinkvogel
Flüs­sig­keit steigt

Der feuch­te Filz­kopf ent­zieht nun beim Ver­duns­ten des Was­sers dem obe­ren Ende des Glas­kol­bens Ener­gie in Form von Wär­me. Im obe­ren Teil fängt also der Alko­hol wie­der an Flüs­sig zu wer­den, zu kon­den­sie­ren. Dadurch nimmt er weni­ger Platz ein und ein Unter­druck entsteht.

In dem geschlos­se­nen Sys­tem ent­steht ein Ungleich­ge­wicht. Unten, bei Raum­tem­pe­ra­tur und nahe am Sie­de­punkt, herrscht ein höhe­rer Druck als oben, wo die Tem­pe­ra­tur unter der Raum­tem­pe­ra­tur liegt. Der Alko­hol ist um einen Druck­aus­gleich bemüht, also steigt der Pegel gegen die Schwer­kraft nach oben.

Trinkvogel steigt
Flüs­sig­keit steigt weiter

Dadurch kippt der Trink­vo­gel in eine fast(!) waa­ge­rech­te Posi­ti­on, das unte­re Ende der Röh­re wird aus der Flüs­sig­keit geho­ben, der Alko­hol kann abflie­ßen und der Druck­aus­gleich kann auch über das Gas stattfinden.

Der­weil taucht der Schna­bel in das Was­ser und hält so den Kopf immer feucht und kühl.

Die unte­re Kugel ist grö­ßer und der Vogel ist nicht ganz waa­ge­recht aus­ge­rich­tet. Die Flüs­sig­keit fließt also zum größ­ten Teil wie­der in den Bauch des Vogels und er rich­tet sich senk­recht aus. Das Spiel beginnt von vorne.


You­Tube: Wie funk­tio­niert ein Trinkvogel?

Den Vogel kann man star­ten, in dem ein Druck- bzw. Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied zwi­schen den bei­den Kugeln erzeugt wird. Das kann durch das Anfeuch­ten des Kop­fes pas­sie­ren, oder dadurch, dass man den Glas­kol­ben mit einem Föhn oder mit der Hand erwärmt.

Beschleu­ni­gen lässt sich die Trink­ge­schwin­dig­keit, indem man zum Bei­spiel Spi­ri­tus in das Trink­ge­fäß gibt. Die­ser ver­duns­tet wesent­lich schnel­ler als Was­ser und ent­zieht dem Kopf mehr Wärmeenergie.

Es han­delt sich nicht um ein Per­pe­tu­um Mobi­le, da der Trink­vor­gang in einem geschlos­se­nen Sys­tem schnell um erlie­gen kommt. Die Luft­feuch­tig­keit steigt dann näm­lich rasch an, sodass das Was­ser am Kopf nicht mehr ver­duns­ten kann – und so auch kei­ne Wär­me­en­er­gie ent­zie­hen kann.

Funk­tio­niert Euer Vogel nicht, so müsst Ihr den Glas­kol­ben in der Hal­te­rung ein paar Mil­li­me­ter nach oben schie­ben. Das Glas soll­te nicht deut­lich höher als der Fuß des Vogels und so weit mit Was­ser gefüllt sein, dass der Schna­bel ein­tau­chen kann.

Schreibe einen Kommentar

Ich bin mit der Datenschutzerklärung und der Speicherung meiner eingegebenen Daten einverstanden.