Spaß im Urlaub

Lesedauer 3 Minuten

Ein kurzer Zwischenbericht aus dem Urlaub in Kroatien.

Tag 7, vormittags

Meine Frau und ihr Sohn sind gerade zum Strand aufgebrochen. Die Vorbereitungen dazu dauerten lang und waren laut. Ebenso lärmend verlassen sie gerade mit einem ganzen Haushalt, also mehr als einem Strandtuch im Gepäck, die Zimmer

Ich bleibe noch einen Augenblick hier, will auf dem Reader noch etwas den Eschbach lesen, ist gerade so spannend. Die Tür fällt ins Schloss, der Reader auf die Bettdecke und meine Augenlider zu.

Ich wache von einem dumpfen Rumoren auf. Was war das? Feiernde Briten, die ihre Hotelzimmer umdekorieren? Nein, es ist mein Magen. Das Frühstück ist bereits eine Stunde her. Ich kämpfe mit übermenschlicher Anstrengung gegen den aufkommenden Hunger.

Gladni?

Aber man muss nicht jeden Kampf gewinnen … 🙂

Ich realisiere: endlich allein. Das erste Mal seit Tagen.

Nur ich, die Klimaanlage und die Packung Pringles.

Geliebte Klimaanlage!

Ob ich aber in meinen geschwächten Zustand die Packung öffnen kann, ist höchst fraglich. Hoffentlich merken die anderen es nicht. Muss auf Krümel achten.

Ein Bier wäre nett. Das ist aber – im sicherlich drei Meter entfernten Kühlschrank – für mich leider nur ein unerreichbarer Traum. 🙁

Drink like a local

Gerade im Urlaub ist das Leben augenscheinlich oft mit großen Entbehrungen verbunden. Und das nennen normale Leute wirklich „Spaß und Erholung“?

Tag 7, nachmittags

Meinen vom vielen Liegen geschwächten, aufgequollenen und sehr weißen Körper schleppe ich an den Strand. Obwohl … Strand? Eine scharfkantige Ansammlung von Steinen und Beton sollte man nicht Strand nennen dürfen.

Mit der Maus im Bild bewegen und zoomen:

Hier die Tour im VOLLBILD!

Auf dem Weg dorthin versucht mir die Sonne die Augen aus den Höhlen zu brennen und die Zikaden geben kollektiv ihr Bestes, um mich in einen Hörsturz zu treiben.

Kroatische Zikade

Zwischen diesem infernalen Lärm höre ich schwach fröhliches Kinderlachen. Worauf lasse ich mich hier ein? Warum gehe ich nicht zum Empfang? Dort steht eine Truhe voller tröstlichen Speiseeises.

Ich muss mich aber auf das seltsame Spiel einlassen, das normale Leute „Spaß im Urlaub“ nennen, wenn ich nicht als kompletter Nerd gelten will. Also … noch mehr als ohnehin bereits …

Ich beschließe Freude zu simulieren, und lächele. Endlich am „Strand“ angekommen, fragt mich meine Frau, ob ich einen Krampf im Gesicht hätte. Abbruch der Simulation.

Braungebrannte, wohlgeformte Einheimische sehen mich mitleidig und etwas angewidert an. Ich fühle mich, als ob ich im Bademantel und Flipflops in die Oper gehen würde.

Ich bin die fleischgewordene Peinlichkeit, der Zerstörer der Ästhetik. Wäre ich Botschafter meines Landes, wäre Liechtenstein – ermutigt durch meine quallenartige, wehrlose Erscheinung – vermutlich bereits bei uns einmarschiert.

Um mein Umfeld nicht weiter zu belasten, beschließe ich, ähnlich derbesagten Qualle oder einer rosa Fettboje, im Wasser zu treiben.

Ich als glückliche Qualle

Die Strömung zieht mich bald Richtung offenes Meer hinaus. Mit Entsetzen bemerke ich, dass das Wasser unter mir nicht mehr türkisblau, sondern schwarz geworden ist.

Unter mir herrscht folglich gähnende Leere. Ein kalter Abgrund des Grauens, unbekannter Schrecken und grässlicher Monster klafft unter meinem hilflos dahintreibenden, weiß leuchtenden Körper. So muss sich also ein Regenwurm am Angelhaken fühlen.

In der Adria gibt es doch weiße Haie, oder? Die könnten mich für eine Albino-Robbe halten. Und was ist mit dem kroatischen Salzwasserkrokodil? Ich blicke mich hektisch um.

Kroatisches Salzwasserkrokodil

Ist das ein Segelboot oder eine weiße Rückenflosse? Und dort! Zwei Büschel im Wasser treibendes Seegras oder die mich taxierenden Augen eines Krokodils?

Rückenflosse eines weißen Hais.

Panik durchflutet mich. Ich atme Meerwasser ein, als ich hektisch mit meinen kurzen, dünnen Ärmchen an das Ufer zurückpaddeln will. Etwas berührt meinem Fuß und zieht mich in die schwarze Tiefe hinab. Hier und so soll es also enden … ?

Plötzlich kann ich wieder atmen. Die Sonne blendet meine geröteten Augen. Yasmine zieht mich zurück an das rettende Ufer. Mir schwant, dass sie das gierige Monster gewesen sein musste, das mich in die eisige Tiefe ziehen wollte.

Am Ufer wehre ich die Versuche von Greenpeace-Aktivisten ab, die mich wieder in das Meer ziehen wollen. Ich hasse diese übermotivierten Walretter.

Der Weg nach Marathon

Um weitere Verwicklungen zu vermeiden, gehe ich schnaufend den weiten Weg hoch, zurück zum Hotelzimmer. Das sind sicherlich 5.000 oder 6.000 zentiMeter. 🙁

Mit letzter Kraft erreiche ich die Dusche, unter der ich das brennende Salz abwaschen will, welches mir die Haut von den Knochen zu lösen versucht. Aber aus dem verkalkten Duschkopf tropft nur widerwillig etwas lauwarme Flüssigkeit, die nach Chlor riecht.

So fühlt sich also Spaß im Urlaub an? Grandios!

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