Ich hatte unseren Spieltisch schmaler gemacht, da der ein Stück zu breit für angenehmes Spielen war und wir auch den Platz auf der Galerie nicht hatten. Er steht zwischen dem Kamin und der Giebewand, muss aber für den Schornsteinfeger nach hinten geschoben werden. Wie ich das gemacht habe, zeige ich hier.
Die Galerie Winkelimpression war beim Erbauer des Hauses bereits ein Durchgangszimmer/Gästezimmer zum Dachboden/Abstellraum/Modelleisenbahnzimmer, heute bekannt als „Kind 2“. Als wir den Dachboden entkernten, gefiel uns die Großzügigkeit, wenn man die Treppe hochkommt. Das Haus ist schon klein genug.
Inhalt
Die Galerie

Gut, wir sind schon einen Hauch weiter auf der Galerie gekommen, wir nutzten sie aber nur als Abstellraum. Das sollte sich ändern.
Ein Arbeitszimmer hier einrichten? Schlecht, keine Stellwände. Ein Kinderzimmer? Ein Gästezimmer? In einem Durchgangsraum eher schlecht.
Da wir gerne Gesellschaftsspiele spielen und hier schon unsere Dartscheibe hängt, bot sich ein Spielezimmer an.
Speaking of Dartscheibe. Rote Farbe ist bekanntlich empfindlich gegen UV-Strahlung. Wie man hier gut erkennt. Die Farbe ist zwei Jahre alt. 😛
Handeln statt denken
Der Tisch ist mit seinen Tischbeinen zu breit für den Zwischenraum zwischen der Giebelwand und dem Auslass der Warmluftheizung. Die Beine waren aber nun eh zu breit für die gekürzte Tischplatte. Andere Beine drunterschrauben? Mit Rollen? Ich nahm Maß und überlegte und grübelte. Als Spieletisch ist das blöd, dann wackelt der Tisch bei jeder Berührung.
Nein, ich wollte den Tisch ordentlich fest stehen haben. Aber er muss verschoben werden können, denn wenn wir ihn so stellen, dass der Schornsteinfeger noch auf das Dach klettern kann, kann niemand mehr unter der Dachschräge sitzen.
Schwerlastauszüge an der Wand und auf dem Auslass, das wäre es! Damit der Tisch sich aber nicht leicht verschiebt, müsste ich eine verstellbare Arretierung anbringen. Puh!
Und die Auszüge müssten schon recht lang sein. Das geht ins Geld. Wie immer beschloss ich, Material aus meinem Fundus zu sichten und einfach mal anzufangen. Wie eine Freundin meiner Frau über mein Sternzeichen mal sagte: „Da ist viel Handeln und wenig denken.“. Ja. Und?
Mir fielen die Hartholzleisten auf, die von der Verpackung unseres neuen Geschirrspülers übrig geblieben waren. Eiche auf Hartholz, das gleitet mit etwas Paraffin doch ganz ausgezeichnet, oder?
Von der neuen Waschmaschine war auch noch die Palette übrig. Von den alten Zimmertüren hatte ich noch die inneren Holzleisten aufgehoben. Dienten immer für Möbel aus Ausgleich für unebene Böden, von denen es im Dachgeschoss echt genug gibt.
Ich liebe es, upzucyclen. Ist das überhaupt ein Wort?
Einfach anfangen
Mit der Laserwasserwaage die Höhe der Holzleiste auf dem Luftauslass auf die Wand projiziert und dort auch eine Leiste angebracht.
Da ich die ganze Geschichte aber nicht als berichtenswert erachtete, machte ich keine Bilder. Das kam alles erst später, als ich merkte, dass die 90-90-Regel wieder zuschlägt.
Ein erster Test war mehr als erfreulich! Die Tischplatte glitt reibungslos über meine Leisten.
Da die Platte natürlich anfangen würde zu kippen, wenn man sich auf der Seite des Kamins darauflehnt, dübelte ich auch über der Tischplatte an der Giebelwand eine Hartholzleiste an. Links und rechts noch je einen Anschlag, der die Bewegung begrenzt, und ich war praktisch fertig mit der Arbeit.
Dachte ich.
Aber ich denke ja nicht viel.
Das Reststück, das beim Kürzen der Platte übrig blieb, wollte ich weiterverwenden. Über dem Tisch als Träger für eine Lampe? Ach, abgeschmackt. Mich störten die sichtbaren Leisten an der Wand. Ob das Reststück da drauf passt? Tut es.
Gut, aber auf der Kaminseite fehlt eine seitliche Führung. Die Tischplatte könnte auf der Giebelseite einfach aus den Leisten rutschen. Gesagt, getan: eine Dachlatte zugesägt und festgeschraubt. Aber … die Platte kann sich nun etwas verwinden, wenn man sich auf eine Ecke legt und sie nur mit der anderen Ecke auf dem Luftauslass aufliegt. Eine Höhenbegrenzung muss her!
Im Keller fand sich noch ein Regalbrett. Das habe ich umgekehrt auf einen Holzrahmen geschraubt, sodass es die Tischplatte von oben fixiert.
Ich mag den YoutTube-Kanal Epic Upcycling. Bei dem fiel mir auf, dass der vieles mit Handsägen und sogar Handbohrern erledigt. Ich dachte erst, das sei affektiert und nur Show. Aber ich merkt bei diesem Projekt, dass ich zu faul für eine Stichsäge war. Die ist anstrengend, man muss aufpassen, dass man einen geraden Schnitt hinbekommt.
Im Action kaufte ich aus einer Laune heraus vor einigen Wochen eine superbillige, ganz kleine „Japansäge“. Damit fing ich erst an, alle Leisten zu sägen, dann größere Teile und am Ende sogar das Regalbrett. Die letzten Tage war ich dann nur noch stromlos unterwegs. Das ist nicht die schlechteste Art, zu arbeiten.
Schornsteinfegerkonform?
Ich dachte an ein Regal, das dort aufliegt. Meine Frau möchte aber ein offenes Lack-Regal am Kamin befestigt wissen. Aber … statisch ist das … ja, Schatz.
Das Lackregal muss vom Kamin abstehen. Mindestens fünf Zentimeter, wie wir seit der Aktion mit der Küche wissen. Feuerstättenbeschau und so.
Ich dachte mir, dass ich, wie bei der Küche, einfach eine Dachlatte an den Rücken des Regals schraube und das dann mit dem Kamin verklebe. Man darf in Kamine nicht bohren! Aber das sah einfach nur scheiße aus. Das Regal wirkte klobig dadurch.
Aber Moment mal! Ist solch ein Lack-Regal nicht weitgehend hohl?
Logisch!
Ich griff zu einer Vibrationssäge, elektrisch, denn die Alternative wäre ein Cuttermesser gewesen.
Ich … ach … seht selbst.
Ein nagelneues Regal zu zersägen, bevor ich es aufgebaut habe, ist schon ein dummes Gefühl. Man misst alles dreimal, sonst ist alles umsonst gewesen. Nicht umsonst. Also schon teuer. Ach, Ihr wisst, was ich meine. Am Ende hat es ja auch geklappt.
Die Kanten versiegelte ich alle noch mit Acryl. Dann sieht das einfach eleganter aus.
Elegant sah allerdings nicht diese Lücke aus, die auf dem Luftauslass zu sehen ist, wenn der Tisch ganz nach hinten geschoben ist. Hier kamen wieder die Leisten aus der Tür ins Spiel. Per Hand zugesägt und geschliffen und auch mit dem Polymerkleber aus dem Action eingeklebt.
Schrotttisch
Mir fiel bereits als Esstisch negativ auf, dass der Tisch sich schüsselt. Er hängt längs und quer durch. Das wird durch die freischwebende Aufhängung sicher nicht besser. Nach einigen Tagen merkte ich auch, dass es schlimmer wurde. Das ist nur eine dünne Platte, wie man an dem Reststück sieht, die optisch aufgepäppelt wird, indem man die Kanten aufdoppelt.
Ich überlegte, wie ich den Tisch in der Mitte unterstützen könnte. Ein Tischbein? Ich habe noch Tischbeine. Eine Möbelrolle darunter? Hmmm, auf dem Teppich wäre das eine echte große Hebelwirkung, die das Tischbein sicher nicht lange mitmacht.
Da standen ja noch die alten Beine, u-förmig, die jetzt zu breit sind. Komm, nur mal testen. Unter den Tisch gestellt, Dachlatten untergefüttert und geschaut, ob das was bringt.
Bringt was, Platte ist gerade.
Jetzt müsste ich aus dem U unten ein Stück rausflexen und dann … Moment … Der Tisch ist ja auf beiden Seiten vom U gestützt! Ich dachte, das wäre zu breit?
Na ja, ist es auch. Die Beine des U sind schon unter der aufgedoppelten Kante. So schlimm sieht das optisch aber gar nicht aus. Also die originalen Befestigungsplatten unterfüttert und bei der Gelegenheit auch mit zwei Dachlatten das Durchhängen über die kurze Seite wieder ausgebügelt.
Reststück angeschraubt
Ich befestigte noch schnell das Reststück mit zwei Winkeln über den Hartholzleisten. Hält erstaunlich gut.
Die Leiter
Lorenz wird bald in dem Alter sein, in dem er auf alles klettert. Die Dachlukenleiter muss gesichert werden, dass sie auf keinen Fall umfallen kann. Ich baute eine Art Haube, unter die man die Leiter schieben muss. So kann sie nicht umfallen.
Regale und Bilder
Die Bilderrahmen hatte meine Frau letztes Jahr aus Kanada mitgebracht. Durch den Transport im Koffer haben die etwas gelitten, aber sie wollte gerne eine Erinnerung an die Reise haben, die ungewöhnlich ist. Erstaunlich gut passen die Bambusregale aus dem Action dazu. Sowohl von der Breite, als auch von der Farbe. Und ja, die Galerie muss gestrichen werden, ist klar.

Fensterbank
Nicht so toll war die Fensterbank, die muss ich noch mal ersetzen. Streichen muss erst einmal reichen. Die ist krumm und schief und scheint eine Art grobes Bauholz zu sein. Ja, die Farbe ist unter dem alten Kreppband hochgezogen, und so sieht die Kante nun auch aus. Ja, das Fenster muss einmal richtig gereinigt und aufgefrischt werden. So wie alle Fenster im Haus. Oder die werden gleich ganz ersetzt.

Eichefarben
Mit der Lasur aus dem Action (Eiche hell), glich ich die Farben der Kiefernleisten etwas an. Das klappt erstaunlich gut, und wenn die noch nachdunkeln, fällt der Unterschied kaum noch auf.
Spiele eingeräumt
Ich habe alle Spiele im Haus zusammengesucht und eingeräumt.
Rest-Lack-Regal
Der Rest von dem abgesägten Lack-Regal steht nun auf den Spielekommoden. Da kommt noch Deko und Beleuchtung mit rein.

Fertig!
Endlich fertig! Na ja, oder auch nicht. Da stehen noch genug Kartons, Schränke und Regale herum.
Die Galerie ist ein wirklich toller Raum. Man hat von jedem Platz am Tisch eine nette Aussicht und tagsüber ist das Licht der Hammer, da es von jeder Seite kommt. Die Deckenbeleuchtung sorgt für einen blend- und schattenfreien Spieletisch. Jetzt muss sie nur noch aufgeräumt und gestrichen werden. Und Fußleisten (Frankfurter Leiste) wären auch noch gut. 🙂
Spieleabend
Heute haben wir dann endlich eine Runde Carcassonne gespielt. Abends. Sehr gemütlich. Nur die Beleuchtung muss noch optimiert werden. Aber meine Wunschlampen sind im … Action (wo sonst) gerade ausverkauft.
Endlich ein weiteres Stück Normalität in unserem aktuell eher dysfunktionalen Haus. 🙂



