Datenkraken: Gegenwehr im Reallife

Nachdem ich auf dieser Site Tipps zur digitalen Gegenwehr im Netz gab, kommen hier welche fĂŒr das reale Leben. Wie kann ich mich gegen die stĂ€ndige Überwachung wehren? Wie? Du wirst nicht ĂŒberwacht? Aber sicher wirst Du das. Tipps zum Datenschutz beim telefonieren und bei der Verwendung von RFID. Schutz vor Werbung per Post und per Mail. Wie kannst Du Dich schĂŒtzen?

RFID-Tags
Vor dem unbemerkten Auslesen seiner Kreditkarten oder des Personalausweises kann man sich durch spezielle Brieftaschen mit Abschirmung schĂŒtzen. Man kann aber auch einfach einen passenden Streifen Alufolie in eines der durchgehenden GeldscheinfĂ€cher legen, wenn damit das Portemonnaie ganz abgedeckt ist. In den kĂ€uflich erwerbbaren Geldbeuteln mit RFID-Protect ist auch nichts anderes eingenĂ€ht.

Um die RFID-Tags in der Kleidung zu zerstören, bzw. zu deaktivieren, kannst Du Dir mit einfachen Mitteln einen RFID-Zapper bauen. (Wer das wirklich versucht: Vorsicht! Das GerÀt könnte auch andere elektronischen Bauteile beschÀdigen!)

Personalausweis
Um nicht seine echten biometrischen Daten auf dem BĂŒrgerbĂŒro angeben zu mĂŒssen, könnte man tatsĂ€chlich ein Passfoto abgeben, auf welchem man vorher die Proportionen seines Gesichtes mit einem Bildbearbeitungsprogramm leicht verĂ€ndert hat. Menschen sind „fehlertoleranter“, der Mitarbeiter wird den Unterschied sicher nicht bemerken, zumal man auf Passfotos sowieso immer wie ein Verbrecher aussieht. Dadurch sollte eine automatische Erkennung Ihrer Person bei einer VideoĂŒberwachung nicht mehr möglich sein bzw. wesentlich erschwert werden. Mit allen Vor- und Nachteilen wie einem „FalsePositive“, oder Problemen bei einer Personenkontrolle. Alternativ kannst Du natĂŒrlich im öffentlichen Raum ab jetzt immer eine tief in das Gesicht gezogene SchirmmĂŒtze tragen. Steht aber nicht jedem.

Der Chaos Computer Club gibt RatschlĂ€ge, wie Du die Abgabe von FingerabdrĂŒcken entweder ganz vermeiden, oder gleich (tatsĂ€chlich) die FingerabdrĂŒcke von Wolfgang SchĂ€uble oder Ursula von der Leyen benutzen kannst. Zur Vermeidung reichte es in einem Falle wohl aus, dass sich der kĂŒnftige Personalausweisinhaber Sekundenkleber auf jeden seiner Finger tropfte und dem Leiter des BĂŒrgerbĂŒros erzĂ€hlte, er habe viel mit chemischen Stoffen zu tun. Es gĂ€be wohl auch ein Feld in dem man ankreuzen könne, dass die Abgabe nicht möglich sein.

SIM-Karte
Nach dem 01.07.2017 ist es ohne Weiteres nicht mehr möglich, sich eine SIM-Karte zu besorgen um sie auf seinen Hund, Kater oder einer fiktiven Person zu registrieren. Man kann sich aber immer noch eine Prepaid-Karte wĂ€hrend des Urlaubs im europĂ€ischen Ausland kaufen. Diese Karten kann man ganz einfach in das Telefon stecken und drauflos telefonieren. Die muss man meistens nicht registrieren. Dank inzwischen kostenlosen Roaming kann man die Karte auch in Deutschland betreiben. NatĂŒrlich wird (leider) der Nutzer so einer Karte fĂŒr die „SchlapphĂŒte“ dann besonders interessant. Diese Telefonnummer wird mit der IMEI (International Mobile Station Equipment Identity) des EndgerĂ€tes verknĂŒpft und landet im Vorratsdatenspeicherpool – auf den die Geheimdienste Zugriff haben. So eine Karte wĂŒrde ich daher nur fĂŒr die Zwangsregistrierung bei sozialen Medien und FreeMail-Providern (Facebook, Google u.a.) benutzen. Einfach in ein Billig-Handy (bitte ohne GPS!) stecken, Akku raus und in die Schublade legen. Wird es benötigt, schaltet man es ein. Vorzugsweise fernab der eigenen Funkzelle.

Alternativ kann man auch die vielen freien SMS-Webservices benutzen. Die funktionieren aber in der Regel nicht mehr mit Facebook, weil eben bereits sehr viele Personen diesen Service mit Facebook benutzt haben und damit die Telefonnummern „verbrannt“ sind. FĂŒr den Empfang von BestĂ€tigungscodes sind sie aber vollkommen ausreichend. Da jeder, der die Seite des SMS-Webservices geöffnet hat, alle empfangenen SMS lesen kann (!), sollte man sicher sein, dass in der SMS, die man empfangen möchte keine Zugangsdaten oder Klarnamen gesendet werden. Ich wĂŒrde auch keine SMS-TAN darĂŒber empfangen wollen, sicher ist sicher.

Smartphones
Ein Android-Telefon ohne Google? Ja, auch das ist möglich. Es gibt zum Beispiel das Blackphone 2, das einen erhöhten Datenschutz bietet. Das VorgĂ€ngermodell ist als Restposten bereits fĂŒr deutlich unter 200 Euro zu haben. Du kannst aber auch eine alternative Firmware auf Dein vorhandenes Smartphone spielen, LineageOS oder Paradroid zum Beispiel. Die legen zwar eigentlich keinen gesteigerten Wert auf den Datenschutz, aber damit bist Du die SchnĂŒffelsoftware des Herstellers wenigstens losgeworden. Alternative Firmwares sind meist schlanker und schneller – damit verlĂ€ngerst Du auch die Nutzungsdauer des GerĂ€tes.

Mit iOS oder Windows 10 mobile wird es schon schwerer als mit Android, sein Telefon und seine persönlichen vor dem Hersteller zu verstecken. FĂŒr die volle FunktionalitĂ€t ist doch ein persönlicher Account notwendig. Googel
 Entschuldigung… frage doch mal DuckDuckGo nach „PrivatsphĂ€reneinstellungen“ oder „Datenschutz“ fĂŒr das von Dir verwendete GerĂ€t. Da sich die Einstellungen, gerade bei Android, von GerĂ€t zu GerĂ€t doch erheblich unterscheiden können, lohnt ein eigener Blick auf die Einstellungen. Gerade die Ortungsdienste solltest Du nicht dauernd aktiviert lassen – und benutze doch öfter mal den Flugmodus. Deine Nerven werden es Dir danken.

Werbetreibende in Deutschland
Zuviel Werbung im Briefkasten und ĂŒber Mails? StĂ€ndiger Telefonterror durch sogenannte „Cold Calls“? Trage Dich in die Robinsonlisten (hier und hier) ein. Seriöse Werbetreibende aus Deutschland respektieren diese Listen. „Googel“ Dich, Deine Telefonnummer und Deine Adresse selber! NatĂŒrlich mit DuckDuckGo. Die meisten dieser Internet-Personenverzeichnisse bieten die Möglichkeit einen Eintrag direkt zu löschen. Das funktioniert tatsĂ€chlich. Deutschen Firmen wie Yasni, muss man meist eine Mail schreiben, der Nutzung der persönlichen Daten widersprechen und sie auffordern diese Daten zu löschen. Sei hartnĂ€ckig aber sachlich und verweise immer auf das Bundesdatenschutzgesetz. Melde VerstĂ¶ĂŸe der Bundesnetzagentur und/oder dem jeweils zustĂ€ndigen Datenschutzbeauftragten des Landes. Du bist kein Querulant, wenn Du das tust und Du belĂ€stigst diese Institutionen auch nicht, denn das ist deren Aufgabe – und der können diese Stellen zum grĂ¶ĂŸten Teil nur nachgehen, wenn der BĂŒrger mithilft.

Fazit
Du wirst Dich jetzt sicher fragen, ob ich alle meine eigenen RatschlĂ€ge (auch die im o.a. Artikel) selber befolge. Darauf antworte ich mit einem eindeutigen „Teils!“. Ich benutze Google Drive als Ablage mit automatischen „Backup“ fĂŒr die Dokumente, an denen ich gerade arbeite. Viele Artikel, die ich z.B. fĂŒr Printmedien schreibe, sind auch dort gespeichert. Ich benutze Google-Mail unter verschiedenen Namen, aber manchmal macht man eben Fehler und auf diese Weise weiß sicher auch Google, dass die alle zu einer IdentitĂ€t, also meiner Person, gehören. Vermutlich sogar mit meinem Klarnamen. Aber ansonsten beherzige ich wirklich meine eigenen Tipps und bin auch im Web hinterher, dass so wenig Daten ĂŒber mich zu finden sind, wie es nur geht.

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