Güns­ti­ge Gaming-Maus aus China

Lese­dau­er 7 Minu­ten

OMG! Der Hes­si hat eine Bil­lig-Maus aus Chi­na gekauft! Da bekommt er doch von den aus­düns­ten­den Wei­che­ma­chern Kopf­schmer­zen und beim zocken ist er das Opfer im Dau­er­abo! Genau dies galt es her­aus­zu­fin­den, mei­ne lie­ben Tellerrandforscher!

Ich benut­ze nun Mäu­se seit fast 35 Jah­ren und hat­te auch schon die skur­rils­ten Ein­ga­be­ge­rä­te in allen Grö­ßen und For­men gekauft. Die­se Maus dürf­te so ziem­lich die güns­tigs­te sein, die ich je erwarb. Bau­glei­che Mäu­se gibt es von vie­len chi­ne­si­schen Her­stel­lern, wie VicT­sing und Eas­tern­ti­mes Tech. Der eigent­li­che Her­stel­ler der Elek­tro­nik ist aber wohl immer Sino­wealth. Die Prei­se lie­gen meist zwi­schen 10 und 20 Euro.

Die­ser Arti­kel ist rein sub­jek­tiv. Ande­re User/​Gamer haben immer ande­re Prä­fe­ren­zen. Per­sön­lich wür­de ich mich als Gele­gen­heits­spie­ler (meist FPS) bezeich­nen, der aber dann nach Mög­lich­keit das Spiel am Stück durch­zockt. Ich wech­sel­te auf die T6 zuletzt von der wirk­lich her­vor­ra­gen­den Hoor­ai GM1100, einer rei­nen Gamingmouse.

War­um tes­te ich eine Billig-Maus?

Na, na, na! Das ist doch eine „Güns­ti­ge Gaming-Maus aus Chi­na!” Ich freue mich immer, wenn ich im Netz Test­be­rich­te zu Under­dog-Gerä­ten fin­de. Ich bin mitt­ler­wei­le ein Fan von Krem­pel aus Chi­na. War­um auch nicht? Die meis­te Hard­ware wird sowei­so dort her­ge­stellt. Auch – und vor allem – von Premium-Herstellern.

War­um ist der Text so lang?

Hat sich so beim Schrei­ben ergeben.

Wor­um geht es?
Um eine güns­ti­ge Laser-Maus mit 6.400 DPI, zwei Zusatz­tas­ten, wähl­ba­ren Modi und Macro-Funk­ti­on. Die Tas­ten sol­len 5 Mil­lio­nen Klicks aus­hal­ten. Das Ding heißt Eas­tern­ti­mes Tech T6  und kos­tet rund 12 Euro. Ich habe die Maus über Ama­zon Prime bestellt, da gibt es kei­ne Stress im Garan­tie­fall – oder wenn ich sie zurück­ge­ben will. Das gilt gene­rell auch für Dritt­an­bie­ter-Ware, solan­ge die Arti­kel mit „Ver­sand durch Ama­zon” gekenn­zeich­net sind.


Lieferumfang

Die Maus wird in einer Art „Früh­stücks­box” gelie­fert. Das ist sehr nett anzu­se­hen und ggf. sogar prak­tisch. Ein tie­fer Atem­zug beim Öff­nen der Box gibt Ent­war­nung. Das riecht nicht nach schäd­li­chen Weich­ma­chern. Es riecht eher „wer­tig”. Fast, als ob man ein Pro­dukt von Apple das ers­te Mal aus der Packung nimmt und dar­an riecht. In der Box lie­gen noch eine Mini-CD mit dem Kon­fi­gu­ra­ti­ons­tool (Win­dows) und ein dün­nes Anlei­tungs­heft­chen auf deutsch.

gaming mouse t6 box
(„Früh­stücks­box”)

Form

Eigent­lich bin ich jemand, der trotz sei­ner rela­tiv klei­nen Hän­de, eine Maus zwi­schen Dau­men und klei­nem Fin­ger bewegt. Als ich die Maus das ers­te Mal in der Hand hielt, dach­te ich, dass ich mit den bei­den abge­flach­ten Fin­ger­auf­la­gen nicht zurecht kom­men wür­de, aber das ist alles nur Gewohn­heit. Mein Dau­men liegt auf der Abla­ge, der klei­ne Fin­ger greift in die Ecke des rech­ten „Flü­gels” und berührt dabei das Mau­s­pad. So kann ich die Bewe­gung der Maus bes­ser füh­len und die Maus auch bes­ser nach hin­ten ziehen.

Günstige Gaming-Maus aus China
(rech­te Sei­te der Maus)

gaming mouse t6
(Eas­tern­tech T6)

Die Form liegt in etwa wie eine Razer Dimond­back in der Hand. Ten­den­zi­ell eher schmal am Hand­bal­len und brei­ter an den Fin­gern. Dabei ist die T6 eigent­lich eine Rechts­hän­der­maus, die man aber durch­aus auch mit links bedie­nen könnte.

Mein Zei­ge­fin­ger liegt im ent­spann­ten „Ruhe­zu­stand” eher auf dem Maus­rad. Die­ses dürf­te auch nicht viel wei­ter vor­ne ange­bracht sein. Das Scroll­rad ist sehr leicht­gän­gig und leicht geras­tert. Dabei ist das Scrol­len nach vor­ne etwas leich­ter als zurück.

Funk­ti­on

Vom Maus­rad aus ist der DPI-Tas­ter nicht direkt erreich­bar, um zum Bei­spiel im Spiel eine ande­re DPI-Zahl für den Sni­per-Mode zu ändern. Er könn­te näher am Maus­rad sit­zen. Das Wech­seln des DPI-Modus geht sehr schnell und wird OOTB durch ver­schie­de­ne Far­ben der Beleuch­tung von Maus­rad und Body ange­zeigt. Die Maus „ver­gisst” die gewähl­te DPI-Zahl, die Macors und die Far­ben auch bei einem Neu­start des Rech­ners (mit Wech­sel des Betriebs­sys­tems!) nicht. Hervorragend!

gaming mouse t6
(Scroll­rad mit DPI-Taster)

Laser

Die T6 bie­tet Auf­lö­sun­gen in Stu­fen zwi­schen 600 und 6.400 DPI. Über den Wahl­schal­ter kann man fünf ver­schie­de­ne Set­tings abspei­chern. Ich benut­ze den Modus 1.600 DPI (default: „blau”) unter OSX (macOS).

Der Laser­sen­sor ist gut. Latenz und Auf­lö­sung sind bes­ser, als der Preis es ver­mu­ten lässt. Mit der T6 kann man spie­len. Ich gehö­re nicht zur Frak­ti­on der „Maus­um­set­zer”, ich bevor­zu­ge ein gro­ßes Mau­s­pad und benut­ze immer noch eines vom MTW (Razer Dimond­back-Bei­ga­be). Ich ver­mu­te, dass die „Umset­zern” die Emp­find­lich­keit des Sen­sors zufrie­den stellt. Ich ver­mu­te, dass er ab etwa 1,5 bis 2mm nicht mehr reagiert.

gaming mouse t6 laser
(Laser­sen­sor)

Guten Rutsch?

Auf einem Gaming­pad wie dem von MTW, mit har­ter Ober­flä­che, sind die Gleit­ei­gen­schaf­ten der Maus zufrie­den­stel­lend bis gut. Das Los­brech­mo­ment ist gut. Das Gewicht der Maus ist ange­nehm hoch, aber das stof­f­um­an­tel­te, schön lan­ge Kabel könn­te doch fle­xi­bler sein. Trotz­dem besteht nicht die Gefahr, dass die Maus durch das Kabel ver­scho­ben wird, wenn man sie nicht in der Hand hält. Wie sich das mit Sili­kon­spray ver­hält, habe ich aber nicht getes­tet. Ich ver­mu­te, dass sich dann die Maus durch das Kabel von allei­ne ver­schie­ben könnte.

Nach eini­ger Zeit fällt auf, dass die Maus es dankt, wenn man sie ab und zu rei­nigt. Die Pads klau­ben recht schnell Schmutz auf, so dass die Maus unmerk­lich immer lang­sa­mer wird. Die­ser Effekt ist zwar nor­mal, fiel mir aber hier etwas mehr als bei ande­ren Mäu­sen auf.

gaming mouse t6 cable
(stof­fum­man­tel­tes Mauskabel)

Tas­ten

Bei­de Maus­tas­ten sind sogar noch hin­ter dem DPI-Schal­ter mit dem fast glei­chen Druck­punkt zu bedie­nen. Wie man auf dem Bild unten sieht ist so qua­si die gesam­te Flä­che der Maus­but­tons benutz­bar. Das ist gut. Die lin­ke und rech­te Maus­tas­ten haben kei­ner­lei Spiel. Die Tas­ten sind rela­tiv laut, das Scroll­rad ist nahe­zu unhör­bar beim Scrol­len. Beim Klick ist die Kraft, die man auf­brin­gen muss deut­lich höher und man bemerkt etwas Spiel. Naja, bes­ser, als wenn man beim Scrol­len gleich klickt. Die hin­te­re Zusatz­tas­te hat kein Spiel, bei der vor­de­ren bemer­ke ich etwas Spiel und einen deut­li­chen Tastenweg.

gaming mouse t6
(lan­ge Maustasten)

Der Druck­punkt der gum­mi­er­ten Maus­tas­ten könn­te für eine Gamingmaus eine Nuan­ce kür­zer und leich­ter aus­fal­len und einen etwas höhe­ren Rück­stell­mo­ment haben. Klingt wie ein Wider­spruch, aber das ist kei­ner, denn die Hoor­ai hat­te dies z.B. so. Per­sön­lich gefällt mir zudem nicht, dass sich lin­ke und rech­te Maus­tas­te unter­schied­lich anhö­ren und die rech­te Maus­tas­te einen mini­mal län­ge­ren Weg hat.

Die klar hap­tisch unter­scheid­ba­ren Zusatz-Maus­tas­ten für den Dau­men an der lin­ken Sei­te sind schnell zu errei­chen und haben einen fes­ten Druck­punkt. Mich stör­ten die Tas­ten an der Dia­mond­back, die viel zu leicht­gän­gig waren und auch ver­se­hent­lich betä­tigt wer­den konn­ten. Die T6 leis­tet sich hier kei­ne Schwäche.

Kon­fig­tool

Ohne Kon­fi­gu­ra­ti­ons­tool (Win­dows) kann man das vom Werk aus ein­ge­stell­te stän­di­ge Pul­sie­ren („Atmen”) der Maus­be­leuch­tung nicht abschal­ten. Das könn­te nachts beim Film­schau­en stö­rend sein, auch wenn das Licht an sich eher dezent ist. Man kann aber einer der Maus­tas­ten so mit „RGB aus” bele­gen und so das Licht abschalt­bar machen – oder das Licht ein­fach auf „schwarz” stellen… 🙂

Mit dem Win­dows-Tool, wel­ches die Set­tings in der Maus abspei­chert, kann man vie­ler­lei Ein­stel­lun­gen vornehmen:
– Modi: das sind die Tas­ten­be­le­gun­gen des Gerä­tes, die man mit der Modus-Tas­te am Boden der Maus aus­wäh­len kann. Es gibt drei Modi.
– Pro­fi­le: das sind die durch das Kon­fig-Tool in die Maus lad­ba­re Pro­fi­le, also kom­plet­te Kon­fi­gu­ra­tio­nen mit jeweils drei Modi.
– Makros: man kann unbe­grenz­te(?) Tas­ten­kom­bi­na­tio­nen einer Tas­ta­tur (nicht der Maus!) defi­nie­ren. Die Makros soll­ten ein­deu­ti­ge, „spre­chen­de” Namen haben.
– Far­ben: die Far­ben las­sen sich lei­der nur pro­fil­über­grei­fend defi­nie­ren und sind immer der Indi­ka­tor für die aus­ge­wähl­te DPI-Zahl, nicht für den Modus.

Die Loka­li­sie­rung der Spra­che ist… nun­ja… rus­ti­kal. „Bewer­ben” steht hier für „Über­neh­men” und auch an ande­ren Stel­len („Bericht-Rate”) wür­de sich Kon­rad Duden ver­wun­dert die Augen rei­ben. Sei es drum: Weder die Bedie­nung noch die Funk­tio­na­li­tät lei­den darunter.


(Modus-Tas­te)

gaming mouse t6 config tool
(Kon­fi­gu­ra­ti­ons­tool)

Far­big
Die Far­ben las­sen sich alle stu­fen­los ein­stel­len, auch schwarz oder grau. Die Farb­rein­heit ist ein­wand­frei. Die LED-Hel­lig­keit kann man in hin­rei­chend genau­en Stu­fen ein­stel­len. Ich habe mei­ne Default-DPI-Wahl schlicht auf „schwarz” gestellt, so ist die Beleuch­tung abge­schal­tet wenn ich arbeite.

gaming mouse t6 config tool
(Farb­ein­stel­lun­gen, ange­passt: grau und schwarz! 🙂 )

Makros
gaming mouse t6 config tool
(Macros defi­nie­ren, Bei­spiel GTA V)

gaming mouse t6 config tool
(Macro zuweisen)

Die Ein­stel­lun­gen kann man im- und expor­tie­ren. Sie wer­den lei­der als binä­re .cjg-Datei gespei­chert. Als rei­ne Text­da­tei wäre die Nut­zung sicher fle­xi­bler gewe­sen, schade.

Ande­re Betriebssysteme

Lei­der funk­tio­niert das Tool offen­sicht­lich nicht unter macOS (OSX) und Wine/​PlayOnLinux, so dass man Win­dows boo­ten oder in Vir­tu­al­Box star­ten muss. Kein gro­ßes Pro­blem, da sich die Maus alle Set­tings und Makros speichert.

Für die Kon­fi­gu­ra­ti­on der Tas­ten­be­le­gun­gen und für Makros kann man aber auch die Share­ware „USB Over­dri­ve” benut­zen. Wie der Name aber schon sagt: Over­dri­ve im Betriebs­sys­tem. Die Maus spei­chert die Tas­ten­be­le­gung und Makros daher nicht.

Design

Das Design ist mir fast egal. Ja, es ist erträg­lich, auch wenn ich kein Fan von Maus­be­leuch­tun­gen und die­sem Ste­alth-Design bin. Das T‑Logo könn­te gleich­mä­ßi­ger beleuch­tet sein, was gera­de vom seit­li­chen Blick auffällt.

gaming mouse t6
(T6 in rot)

beinstellungen spinnenhund
(T6 in violett)

Ziel­grup­pen

Klang das alles irgend­wie nega­tiv? War es aber nicht. Die T6 bie­tet Leis­tung und Ergo­no­mie, die weit über das einer Desk­top-Maus z.B. von Logi­tech hin­aus­ge­hen. Der rei­ne Desk­top-User könn­te sich an dem etwas här­te­ren („spit­ze­ren”) Geräusch der Maus­tas­ten stö­ren, das aber auch nicht lau­ter als bei den übli­chen Mäu­sen ist.

Der Gamer freut sich über eine sehr güns­ti­ge Maus, die einem Mar­ken­pro­dukt in Hap­tik und Funk­ti­on nicht signi­fi­kant unter­le­gen ist. Die Auf­be­wah­rungs­box soll wohl etwas für LAN-Par­ty-Gän­ger sein, aber die­se Zei­ten sind wohl vor­bei. Trotz­dem wäre sie dafür sehr geeig­net. Man kann die Maus inklu­si­ve Kabel (mit dem ange­brach­ten Klett­band) sehr schnell in der Box ver­stau­en. Sie sitzt dort, durch ein Plas­tik­in­lay und einem Schaums­toof-Pad, für den Trans­port gut geschützt.

gaming mouse t6 box
(Maus in der Box)

Fazit

Alles in allem bin ich von der Maus sehr ange­tan und bereue den Kauf kei­nes­wegs. Die güns­ti­ge Gaming-Maus aus Chi­na leis­tet sich kei­ne rele­van­te Schwä­che. Von mir gibt es daher die vol­le Punkt­zahl und eine kla­re Kaufempfehlung.

Nach­trag 2021

Nach vier Jah­ren ist die Maus immer noch bei mei­ner Frau im Betrieb. Lang­zeit­test bestan­den, kann man wohl sagen. Schlecht ist sie wohl auch nicht, denn sie tausch­te sie gegen recht teu­re Gaming-Mar­ken­mäu­se aus, mit denen sie nicht zufrie­den war.

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