Restau­rie­rung eines Spielmoduls

Lese­dau­er 4 Minu­ten

Im drit­ten Teil der Serie polie­ren wir Spiel­mo­du­le wie­der auf. Sei es, dass das Modul nicht mehr kor­rekt funk­tio­niert, sei es, dass man es nicht mehr anfas­sen mag, weil es vor jahr­zehn­te­al­ter Schock­o­la­de, ver­mischt mit Chip­s­ge­wür­zen und kleb­ri­ger Cola nur so pappt und man nicht die Keim­zel­le einer neu­en schreck­li­chen Pan­de­mie wer­den will.

Ein Nin­ten­do 64 war der neu­es­te Zuwachs in mei­ner Tele­spiel­samm­lung. Lei­der funk­tio­nier­ten eini­ge Modu­le nicht ganz kor­rekt. Ent­we­der es kam kein Bild mehr nach dem Ein­schal­ten, oder die Kon­so­le stürz­te mit­tem im Spiel schlicht ab. Bevor man an die wil­des­ten Ursa­chen denkt und bereits den Löt­kol­ben vor­wärmt, soll­te man sich um das Nahe­lie­gen­de küm­mern: Die Kontakte.

Zuerst soll­te man einen Blick auf die Kon­takt­fe­dern im Modul­port wer­fen. Die­se Gerä­te stan­den oft­mals in Kin­der­zim­mern und da wur­den dann eben nicht nur die dafür vor­ge­se­he­nen Modu­le ein­ge­setzt, son­dern Bau­klöt­ze, Mün­zen, Ben­ja­min-Blüm­chen-CDs und Audio­kas­set­ten, Kne­te, etc., p.p. – der Phan­ta­sie sind kei­ner­lei Gren­zen gesetzt.

Man prüft also auf Fremd­kör­per und auf ver­bo­ge­ne Kon­tak­te. Letz­te­re kann man mit einem Uhr­ma­cher­schrau­ben­dre­her wie­der bei bie­gen. Aber Obacht: ohne Gewalt und seeeehr vor­sich­tig – wenn eine Feder abbricht, ist das das (finan­zi­el­le) Todes­ur­teil für so eine Konsole.

Auf die­sem Kol­le­gen klebt irgend­was drauf, von dem ich nicht wis­sen will, was es ist:


(N64-Modul mit ekli­gem Belag)

Was tun? Das Modul öff­nen? Uuuh! Schlech­te Idee, da sich die Schrau­ben meis­tens unter dem Label befin­den und zudem sind die Modu­le oft noch mit Clip­sen gesi­chert, die sich nur mit Gewalt und einem brei­ten Schrau­ben­dre­her öff­nen las­sen. Das hin­ter­lässt so oder so Spuren.

Wir machen uns locker und schau­en mal, was man da machen könn­te. Die Kon­tak­te sehen doch noch ganz manier­lich aus, oder? Also Kon­tak­spray auf einen brei­ten Pin­sel und mal ein wenig gerieben:


(Pin­sel mit Kontaktspray)


(wie neu!)

Na, ist das nicht ein erfreu­li­ches Ergeb­nis? Alle Mimo­sen jetzt mal weg­hö­ren: Ruhig etwas sat­ter das WD40 auf­tra­gen und dann das Modul mehr­mals kräf­tig in den Modul­schacht der Kon­so­le ste­cken. Das Zeug soll nicht trie­fen, nur soviel, dass eben auch noch die Kon­takt­leis­te im Gerät etwas von der Wohl­tu­en­den Wir­kung des Kon­takt­sprays hat.

Das glei­che Spiel mit dem Steck­platz für die Erweiterungen:


(Erwei­te­rungsport mit ein­ge­steck­tem Modul)


(Fili­gran: Kontaktleisten)


(Sau­ber: Steckmodul))

Älte­re Spiel­mo­du­le, wie mei­ne Errun­gen­schaft von der Retro­bör­se, ein Saba Video­play, tra­gen über­deut­li­che Spu­ren der Zeit. Die Kon­tak­te sind matt und oxi­diert, das Modul sel­ber sieht durch die Lage­rung im Kel­ler auch nicht gera­de schön aus.


(Ver­si­fft: Spielmodul)


(Das Grau­en im Detail: Staub, Dreck und Schmodder)


(Nicht mehr schön: Kontaktleiste)

Bevor wir nun die fie­se Che­mie aus der Gift­kü­che holen, benut­zen wir einen wei­chen, keil­för­mi­gen Radier­gum­mi aus dem Schul­be­darf. Mit die­sem ent­fer­nen wir leich­te Krat­zer und ande­re Abla­ge­run­gen am Gehäu­se und den Kon­tak­ten des Spieles.


(Prak­tisch: Radierkeil)


(Kommt auch in die Ecken: Radierkeil)


(Wie­der glän­zend: Kontakte)


(Häss­li­che Kratzer)


(Fast wie neu: Mit dem Radie­rer poliert)


(Omi­nö­se Strei­fen am Modul)


(Weg­ra­diert!)

Sind die gro­ben Krat­zer und Macken ent­fernt, grei­fen wir zum Kunst­stoff­rei­ni­ger und einem Bors­ten­pin­seln. Wir brin­gen den Rei­ni­ger mit dem Pin­sel auf, ach­ten gera­de auf die gan­zen Rit­zen und Ste­ge, benet­zen dabei aber nicht das Label! Die­ses rei­ben wir ggf. gaa­anz vor­sich­tig mit einem leicht feuch­ten, sau­be­ren Tuch ab.


(Ein­wir­ken las­sen: Kunststoffreiniger)


(Fast wie­der wie neu: Modul)


(Dank Bors­ten­pin­sel auch wie­der bis in die letz­ten Ecken sauber)

Das sieht doch wie­der fast gut aus, oder? Ja, das Label ist ein Pro­blem, die weis­sen Stel­len sind ver­gilbt. Aber eini­ge Näch­te wie­der­hol­te Behand­lung mit Was­ser­stoff­per­oxid (H2O2) – unbe­dingt Hand­schu­he tra­gen, das Zeug tut weh und ent­färbt die Haut rich­tig gut – und das Ergeb­nis wird nicht per­fekt, aber deut­lich bes­ser. Nach mei­nen Erfah­run­gen ent­färbt H2O2 kei­ne Druck­far­ben, aber man kann nie wis­sen. Am bes­ten vor­her auf einer Kas­set­te tes­ten, bei der man kein Restau­rie­rungs­po­ten­ti­al mehr sieht.

Viel Spass!

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