Ein Hauch von Normalität

Aktuell habe ich das Gefühl, die Kontrolle über unser Leben zu verlieren. Die Waschmaschine und der Geschirrspüler waren defekt, der Twizy steht seit dem Bruch eines Bremssattels mangels Ersatzteilversorgung nur noch herum, wir sind mit dem Rodius bei Augsburg liegen geblieben, weil der Turbolader kaputt war, der Leaf benötigt neue Domlager, Bremsen und Reifen und nicht zuletzt sind wir seit sechs Wochen Eltern eines gemeinsamen Sohnes. Da freut man sich schon über Kleinigkeiten wie ein aufgeräumtes Gewürzregal.

Gewürzdosen

Neulich sagte ich zu meiner Frau®, dass ich gerne einheitliche Gewürzdosen hätte. Sie gleich: „Aber nur aus Kunststoff!“ Recht hat sie, denn es ist auch mein Horror, dass eines der Gewürzgläser auf unser überbreites, sackteures Induktionsfeld fallen könnte. Das gibt nämlich Löcher! Hatte mal eine Bekannte erlebt. Da splittert oder platzt nichts, das gibt einfach ein Loch im Glas. Das zahlte wohl die Hausratversicherung, aber better safe than sorry und so wollten wir eben echtes Plastik haben.

Nun kommt die Synchronizität ins Spiel. Wir unterhalten uns über die Gewürzdöschen und einen Tag später finde ich welche im Lidl. Drei Zehnerpackungen als preisreduzierte Reste. Spooky, oder? Ich habe erst eine Packung mitgenommen, und als wir die als brauchbar werteten, holte ich später noch die letzten zwei Packungen.

Etiketten drucken

Eine Woche vorher hatte ich im Tedi einen dieser kleinen Thermodrucker entdeckt. Kostete einen Zehner. Das Ding hat Akku und Bluetooth, sodass man mittels einer App auf dem Telefon Bilder ausdrucken kann. Ich kaufte noch sechs Rollen Sticker für je ca. 50 Cent mit dazu.

Ja, ich habe bereits einen solchen Thermodrucker. 🙂

virtine oben

Mittleres Regal, ganz rechts, ein Sinclair ZX Printer. 🙂 Ob der doch recht einfachen Qualität des TeDi-Druckers bezweifle ich, ob dieser auch vierzig Jahre übersteht. 😛

Anyway, ich druckte also noch mit dem Drucker Etiketten für die Gläser aus und war nach rund zwei Stunden mit Umfüllen, Ausdrucken und Einräumen fertig.

Regalböden basteln

Unsere ach so geliebte Einbauküche von Artego wurde mit genau zwei (due, two, deux, dos, twee, två, dwa, dois, dva!) Einlegebrettern ausgeliefert. Sozialer Küchenbau, oder was?

Weitere Brettchen gibt es nur im Fachhandel. Also mal bei Amazon und eBay geschaut. Einlegeböden gibt es ab 5 EUR. Drei weitere wollte ich haben. Maße eintippen … ja … gut … Anzahl eintippen … jaaa … 60 EUR. WTF? Fieber, oder was?

Ikea Billy Regalböden aus dem Fundus gekramt. Aha, einer reicht. Gut. Farbe passt perfekt. Prima! Kreissäge angeworfen und Umleimer aus dem Fundus genommen. Ja … also … der ist reinweiß. Frau gefragt, der isses egal. Bügeleisen herausgekramt und vorgeheizt.

Moment … das ist ja … was ist denn das? Selbstklebende Umleimer? FTW? Aber klebt echt überzeugend. Überstand abgeschitten, Kante geschliffen, passt! Drei neue Regalböden selbst gemacht. In wenigen Minuten. 60 Euronen gespart.

Gewürzschrank aufgeräumt

Das gibt einem das Gefühl zurück, als habe man alles im Griff, wenn man den Dunstabzugshaubenschrank öffnet. Ja, das ist unnötig wie nur irgendwas, aber eben auch ein Hauch von Normalität.

Über den Autor

Hessi

Hessi

Michael "Hessi" Hessburg ist ein erfahrener Technik-Enthusiast und ehemaliger Informatiker. Seine Website, die er seit über 25 Jahren betreibt, deckt vielfältige Themen ab, darunter Haus & Garten, Hausrenovierung, IT, 3D-Druck, Retrocomputing und Autoreparatur. Zudem behandelt er gesellschaftspolitische Themen wie Datenschutz und Überwachung. Hessi ist seit 20 Jahren freiberuflicher Autor und bietet in seinem Blog fundierte Einblicke und praktische Tipps. Seine Beiträge sind sorgfältig recherchiert und leicht verständlich, um Leser bei ihren Projekten zu unterstützen.

3 Kommentare zu „Ein Hauch von Normalität“

  1. Ich bin seit über zehn Jahren an der Mehrkinderfront. Wenn dies euer erstes Kind ist, möchte ich euch nett vorwarnen, dass der Tanz auf dem rohen Ei gerade erst angefangen hat.

    Nehmt das Leben nicht zu ernst, lernt los zu lassen (das hilft dann später auch, wenn die Kinder „pflügge“ werden :)). Erlaubt euch selbst immer wieder zu prüfen ob das wirklich wichtig ist. Erlaubt euch zu verzeihen wenn einer jetzt doch „seinen Stiefel macht“/“Die Aufgabe unbedingt fertig machen will“ und dabei den Alltag belastet.

    Oder anders geschrieben, auch bei mir stapeln sich die Aufgaben mit „Das ist eigentlich auch Arsch wichtig“ und ich hab zu häufig das Gefühl erschaffene Infrastruktur auf Verschleiß zu fahren (Dinge wie auch leider soziale Infrastruktur) und doch, wenn man mit den Anderen redet, sind viele in der Situation.

    Versichern kann ich dir/euch, dass es stimmt, es ist viel Arbeit aber man tut es für die Kinder und „sie geben einen so viel zurück“ stimmt eben am Ende des Tages doch.

    Bleibt tapfer und vergesst euch nicht.

    Antworten
    • Hallo Artodeto,

      danke für Deine tröstlichen Worte.

      Es ist unser erstes gemeinsames Kind, damit das zweite für meine Frau und das vierte für mich. Unsere Kinder sind 26, 24, 15, 15 und eben jetzt sechs Wochen alt. Wir werden ja auch nicht jünger, und damit wird die Chose auch nicht einfacher.

      Ich fange auch gar nicht damit an, dass hier im Haus ein Drittel der ach so tollen Dimmer und 2.5er von Shelly die Hufe hochreißt. Das ist auch so ein Faktor, der nervt. Du ersetzt so ein Ding (Leselicht Schlafzimmer z. B.) durch eines mit Zigbee von Avatto, machst den Strom wieder rein und … zack! … funktioniert auch das andere Leselicht (Shelly Dimmer) nicht mehr.

      Die Router-Fritte hat nach einer Großstörung im Kabel massive Probleme mit dem Connect. Neue private kaufen? Ach, nehmen wir doch eine Station von Vodafone. Was dann passierte, will ich gar nicht mehr schildern.

      Aktuell warte ich dringend auf die Lieferung von Brocken aus China, mit denen ich die Wärmepumpe besser überwachen kann. Wird mit Hermes geliefert. Seit mehr als einer Woche! Die haben das Paket verschlampt. Genauer gesagt: Der Zusteller hatte keinen Bock auszuliefern, die Adresse gäbe es nicht! Ich habe mich beschwert und seitdem ist das Paket „verschwunden“.

      Wärmepumpe: Auch toll, wenn man durch Zufall feststellt, dass der Dreiwegeverteiler nicht korrekt installiert war und immer zu rund 30 % auch das Brauchwasser mitheizte. Unnötig zu sagen, dass dann auch die Fußbodenheizung mit 50 Grad aufgeheizt wurde. Und wir wundern uns über die Stromrechnung! Wir Dummerchen!

      Rasenmäher benötigten wir auch einen neuen. Der Alte packte es einfach nicht mehr. Das Ding ist wirklich gut, aber, auch wenn es ein Gerät von Einhell wurde … klingelingeling … dreihunnertfuffzisch Euronen bitte!

      Eine Fichte musste gefällt werden, die hat sich ja auch nicht selbst bezahlt. Musste chirurgisch aus der Grundstücksecke zwischen anderen Bäumen hindurch umgelegt werden, damit sie nicht den Taubenschlag des Nachbarn zertrümmert und dabei seine preisgekrönten(!) Renntauben erschlägt.

      Meine Frau ist seit drei Wochen richtig krank. Lebensmittelvergiftung mit weiteren Folgen. Erst gestern(!) hat sie endlich ein Antibiotikum bekommen. Dazu war das Krankenhaus, das E-Stift in Darmstadt, nicht fähig. Die haben sie nur aufbewahrt. Weitere Ärzte, alte weiße Männer, sagten ihr, das sei psychosomatisch. Logo, Frauen sind ja hysterisch!

      Unsere Hausärztin aus der Praxis Ramm-Deppert hat sich richtig darüber aufgeregt und sofort allerlei Tests durchgeführt, bevor die Nummer chronisch wird. Auch ihre Gynäkologin kennt diese Kollegen und meint, die wären eben berufsmüde.

      Als ich sie gestern nach Bensheim zu einem Spezialisten fuhr, jaulte und quitschte etwas auf der rechten Seite unseres Leafs. Auf der Rückfahrt war es weg, aber bei Autos fehlt mir einfach der Glaube an eine wundersame Selbstheilung. Aber wer weiß, vielleicht wird die Karre ja auch noch heiliggesprochen?

      Ich könnte ewig so weitermachen, aber ich mache jetzt einfach mal zur Beruhigung den Dunstabzugshaubenschrank auf und freue mich über ein Stück Normalität.

    • Mir gefällt Dein Blog. freue mich auf die Linkrückschau, die morgen kommt. Sieht so aus, als hätten wir die gleichen Ansichten zu vielen Themen.
      Nintendo war schon immer ein seltsamer und vor allem arroganter Laden. Kannte mehrere Mitarbeiter, denn die sitzen ja in Dietzenbach hier in der Nähe und ich hatte seinerzeit mit einem Freund für HomeCon gegründet, zu der eben alle Retronerds aus der Gegend kamen. Man muss als Mitarbeiter und Kunde ein dickes Fell haben und den Laden lieben. Ich finde die Preisgestaltung im Store arg übertrieben. Hatte mir Worms Armageddon gekauft und einen komplett überzogenen Preis bezahlt.
      Auf einen dem Mini-PC von Acer habe ich nun Batocera installiert. Da habe ich wenigstens die Kontrolle über alles.

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