Updates: Energieexperte GmbH

Cold calls sind illegal, trotzdem hĂ€lt das die BetrĂŒger nicht davon ab, die Leute zu belĂ€stigen. Was kann man dagegen tun? Ein Erfahrungsbericht: Die Energieexperte GmbH belĂ€stigte uns tagelang. Wie konnte es so weit kommen? Was wollten die von uns? Und… war das alles ĂŒberhaupt legal? Ein Erfahrungsbericht.

Wenn Frauen zu fremden Leuten am Telefon nett sind, die einem etwas andrehen wollen, statt direkt aufzulegen, bricht in der Regel kurz darauf die Hölle ĂŒber einem hinein. So auch diesmal wieder ĂŒber uns.

Man bekommt ab und zu irgendwelche Ping-Anrufe mit gefĂ€lschter Nummer, die aus der Gegend zu stammen scheint. Man denkt dann immer – gerade wĂ€hrend einer Haussanierung – dass es sich dabei um irgendeine Firma handelt, mit der man gerade zu tun hat. Ein RĂŒckruf ergibt stets, dass es diese Rufnummer gar nicht gibt.

Wie gesagt: Neulich ging meine Frau an den Apparat – es war schon wieder diese Nummer aus Pfungstadt – alles Winken und Dazwischenreden nĂŒtzte nicht. Zu Fremden ist sie immer nett. 🙁 Ich sagte ihr danach nur: „Danke, gut gemacht, nun wird in den nĂ€chsten Wochen die Hölle ĂŒber uns hereinbrechen. Du hast voll die Anne gegeben!“

Microsoft-Hotline

„Die Anne geben“ ist bei uns ein Spruch, wenn jemand zu Fremden, die augenscheinlich Böses im Schilde fĂŒhren, nett ist und sich noch durch deren freundliche und zuvorkommende Art gebauchpinselt fĂŒhrt, statt misstrauisch zu werden. Konkret ging bei der Bekannten um einen Anruf von indischen *sic* Microsoft *doppelsic* Mitarbeitern, der wohl mehrere Stunden dauerte und damit endete, dass das Konto leer war. Warum sie das gemacht hĂ€tte? Sie hĂ€tte sich so gefreut, endlich mal wieder Englisch sprechen zu können. Äh… mit Indern? Ich arbeitete jahrelang mit Japanern in einem BĂŒro, die sprechen dagegen feinstes Oxford-English! Wie dem auch sei: Die ĂŒbliche Geschichte, die man immer wieder und wieder hört.

Windows ist so eine riesige SicherheitslĂŒcke, dass die Leute tatsĂ€chlich glauben, dass MS sie anrufen wĂŒrde, wenn vom eigenen Rechner eine Bedrohung ausgehen wĂŒrde oder er total verseucht wĂ€re. Ich spielte bei denen mal mit und machte das alles am Hackitosh, was sie wollten. Stellte mich total dĂ€mlich an. Klappte nichts. Nach einiger Zeit schwante dem Kerle, dass ich kein Windblows benutze und er wollte mich fröhlich an deren „Apple-Task-Force“ weiterreichen. Da musste ich so laut lachen, dass ich aufflog. „Microsoft now also offers support for macOS? What a service!“ prustete ich leider los! Daraufhin legte der Inder auf.

Wieder zum aktuellen Thema:

Cold Calls

Uns riefen folgende Rufnummer an und wollten uns eine Solaranlage verkaufen, aber im Endeffekt nur einen Stromvertrag unterjubeln:

04.06.21 14:17 Uhr:
0615763212213 (Pfungstadt)
Ich nahm am Handy mit der neuen FritzFon-App ab. Leitung war tot, da die App wohl nicht mehr am WLAN eines Drittanbieter-Repeaters funktioniert. Danke, AVM. Ganz  toll!

05.06.21 14:32 Uhr:
0615763212213 (Pfungstadt)
Frau geht ran, wimmelt ab, ist aber viel zu nett. Die wollen ihr eine Solaranlage und einen Energieanbieterwechwsel andrehen.
Leute, das sind keine normalen Menschen, die in diesen Cold-Call-Callcentern arbeiten. Die ziehen ganz bewusst die Leute ab. Bei denen muss man nicht nett sein. Im Gegenteil

07.06.21 17:20 Uhr:
0615763212213 (Pfungstadt)
Frau (oder ihr Sohn?) scheint wieder das GesprÀch entgegengenommen zu haben. Hat sie gar nichts von gesagt. Dauert aber zu lange: 2 Minuten.

08.06.2021, 11:07 Uhr:
04131128032 (LĂŒneburg)
„Energieberaturng“ – wieder meine Frau… diesmal lĂ€sst sie sich drei Minuten lang schwindelig reden! Was treibt die da?

10. Juni 2021: 11:43 Uhr:
0615763212213 (Pfungstadt)
Ping-Anruf

10. Juni 2021, 14:58 Uhr:
061314973714 (Mainz)
Zeitungsabo, angeblich DarmstĂ€dter Echo direkt. Sagte die Anruferin auch auf mehrfache Nachfrage: „Ja, ich arbeite beim DarmstĂ€dter Echo.“ – klar, die sitzen bekanntlich in Mainz. Egal, meine Frau war wieder zu nett zu denen und erklĂ€rte ihnen, dass wir im 21. Jahrhundert leben und meistens nur Fachliteratur konsumieren.

10. Juni 2021, 15:31 Uhr:
0615763212213 (Pfungstadt)
Konnte die Firma nicht erfragen, da deren Telefonsystem leider vorher immer mehr und mehr zickte, bis die Leitung zusammenbrach. Der wollte uns eine Solaranlage/Stromvertrag andrehen. Sollte sich lieber mal eine neue TK-Anlage kaufen, der Depp.

11. Juni 2021, 11:27 Uhr:
02116170870 (DĂŒsseldorf)
„Energieexperte GmbH“, ein Herr Angelo Klose, verwies auf Daten-Quelle Frau Nina Beck im eigenen Hause. LOL! Klingt schlĂŒssig.
Wich aus und antwortete nur mit den ĂŒblichen, pseudo-einschĂŒchternden, passiven BuzzsĂ€tzen („Wir sind fĂŒr Sie zustĂ€ndig“, „Wir wurden angewiesen“, etc.) auf Gegenfragen ĂŒber Herkunft unserer Daten. Nachdem ich auf seine Ă€h… Antwort „Ihre Daten wurden bei uns im System verabreitet..“ (wieder so eine passiv-aggressive Formulierung, die auf das deutsche Untertanendenken abzielt) meinte, ob sie denn nicht auf die Idee gekommen wĂ€ren, uns ĂŒber die Verarbeitung unserer Daten gem. BDSG und DSGVO zu informieren, legte er einfach auf. Sowas aber auch! 🙂

Ob wir nun Ruhe haben?
NEIN! Keine halbe Stunde spÀter:

11. Juni 2021, 11:56 Uhr:
03744215737 (Auerbach)
UnverstĂ€ndlicher Name mit richtig brutalem Akzent wollte wieder Strom verkaufen. Nach „Wie? Schooon wieder?“ wurde wortlos aufgelegt.

Meine Reaktionen

Ich habe mich bei den zustÀndigen Datenschutzbeauftragten und der Bundesnetzagentur beschwert.
Auch bei Vodafone. Der Mitarbeiter meinte nur: „Ach, legen Sie doch einfach auf…“
Neee, erklĂ€rte ich ihm, denn diese Schweine machen solche Nummern auch bei Rentnern. Diese Leute mĂŒssen bekĂ€mpft werden. Wenigstens das verstand der Mitarbeiter. Er gab mir dann eine Mailadresse, unter der ich mich beschweren konnte. Da wird nichts bei rumkommen. Was ist nur aus der guten alten Vorratsdatenspeicherung geworden? 😉

Warum machen die das?

Weil die dafĂŒr Geld kassieren. Die sind ja nicht die Caritas. Die bekommen u.a. dafĂŒr die ĂŒbliche Provision, die Dir beim Wechsel des Anbieters flöten geht. Als „besten“ Anbieter kommst Du natĂŒrlich zu einem, der denen die dickste Provision zahlt und selbstverstĂ€ndlich nicht fĂŒr Dich am gĂŒnstigsten ist. Deren Provision muss ja finanziert werden, ist klar. Am Ende zahlst Du mehr, als vor Deinem Wechsel, hast aber noch ne richtig lange Vertragsbindung am Arsch. Wer als Stromanbieter mit solchen Unternehmen zusammenarbeitet, bei dem möchte man natĂŒrlich nicht Kunde sein.

Ganz am Rande: Auch bei diesen ĂŒblichen Vergleichsportalen wie Check24 habe ich am Ende nie, wirklich nie einen Vertrag zu dem Kurs bekommen, den das Portal beworben hat. Kauft Euch ein Finanztestheft, das ist ehrlicher, zielfĂŒhrender, billiger und stressfreier.

Halten Strafen diese Leute ab?

Ja, nein, vermutlich nicht. Wenn (wenn!) die erwischt werden, gibt es ein Bußgeld von um die 300.000 Euro. Naja, die in diesem –> Artikel genannte Firma hat auch danach noch munter weitergemacht, also war das wohl nicht sonderlich schmerzhaft. Da sieht man mal, dass das richtig Kohle hinter steckt, die sie den BĂŒrgern aus der Tasche ziehen. Nochmal: Das sind keine netten Menschen am Telefon.

Was kann ich tun?

Hinhalten, Interesse heucheln, soviel (auch persönliche!) Daten erfragen, wie es geht. Soweit es geht das Wort „Ja“ vermeiden, sonst wird das noch in einer (illegalen) Aufzeichnung als EinverstĂ€ndnis hineingeschnitten (niemals „ja“ zu sagen ist sauschwer!), wenn man hat, was man will, entweder auflegen oder der Person noch sagen, was man von ihr hĂ€lt. Zur Polizei können die ja schlecht gehen, da es ein Cold Call war.
Ich hatte mal bei so einem Anruf gemeint: „Oh ja, das interessiert mich wirklich sehr. Nur einen winzigen Moment, ich muss mir nur die Nase putzen.“ – also Freunde, es ist schon erstaunlich, wie lange die in der Leitung bleiben und „Hallo?“, „Hallo?“ rufen. 😀

Aber endlich ruft mich mal wieder jemand an und ist nett zu mir!

Klar, der Corona-Untersozialisations-Effekt, der nicht nur bei Rentner greift. Mein Tipp: Kaufe Dir einen Google Nest Mini und unterhalte Dich mit dem, da ist der Mehrwert grĂ¶ĂŸer und das Ding mag Dich aufrichtiger als ein Callcenter-Mitarbeiter. Google klaut nur Deine Daten und nicht Dein Geld.

Und wie zuvor erwĂ€hnt: Sei zu diesem Abschaum nicht nett. Das sind BetrĂŒger und LĂŒgner. Allesamt. Keine Ausnahme! Wer Dich unaufgefordert anruft, und damit wissentlich gegen Gesetze verstĂ¶ĂŸt, der kann nichts Gutes im Schilde fĂŒhren. Absolut ausgeschlossen! Aber klar, Du kannst Dich ja gerne stundenlang mit denen unterhalten, dann können die niemanden anderen behelligen.

Aber die sind immer so nett? Nur solange Du deren Spiel mitspielst. Schau Dir ein paar von den Callcenter-Fun-Videos an. Da lassen die teilweise heftig die Maske fallen. Beispiel:


Pseudo-Gewinn: Das sind nicht immer „irgendwelche AuslĂ€nder“, sondern sprechen i.d.R. gutes Deutsch, denn sie wollen natĂŒrlich seriös wirken.


ErklÀrt, wie der Betrug funktioniert.

Hier ist es vollkommen egal, ob es sich um Zeitschriftenabos, Lottoabos, Gewinnspiele, Solaranlagen, Energieversorger-VertrĂ€ge, Urlaubsreisen oder Hundefutter dreht. Die Masche bleibt immer die gleiche. „Sie wollen doch sparen?“, „Wir bieten Ihnen ein einmaliges Angebot!“, „Sie haben gewonnen!“, etc., pp. Wie ich oben schon schrieb, ist auch die passiv-aggresive Art beliebt: „Wir wurden beauftragt…“ (von Staat?!), „Wir sind zustĂ€ndig…“, oder „Sie haben sich bei XXX angemeldet.“.


Hier sind einige Beispiele, die schiefgingen.

Update: Warnung vor neueren Videos von Callcenter-Fun

Ja, der Gute scheint die monetĂ€ren Freuden des Sponserings fĂŒr sich entdeckt zu haben. Bitte nehmt seine Aussagen, was Euch und Euren PC vor „Microsoft-Mitarbeitern“ schĂŒtzt, nicht fĂŒr bare MĂŒnze.
Als Reaction zu seinem Video „Windows Scammer auf frischer Tat ertappt dank virtuellem PC“ haue ich mal folgendes raus:

Warum sollte ein Scammer Angst vor der KonfigurationsoberflÀche eines beliebigen Antiviren-Programms haben? Kann es sein, dass dieses Avast folglich keinen Echtzeitvirenschutz bietet? (Achtung! Sarkasmus!) Dann sollte er doch bitte eindringlich vor dieser Software warnen, statt sie zu bewerben und als Heilsbringer hinzustellen.

Weiterhin: Man kann Sicherheit nicht installieren, Freunde. Warum glauben Windows-User eigentlich so fest an Schlangenöl-Tools wie „System-Optimierer“? Warum glauben sie, dass sie AV-Software oder ein VPN vor etwas beschĂŒtzen können, vor allem, wenn sie sich selbst als Admin angemeldet haben und jede Rechte-Anfrage einfach wegnicken? Die Schadsoftware hat dann die gleichen Rechte (oder im Zweifel noch mehr) wie sie selbst. Der Witz ist, dass sie 99,9 % der Schadsoftware eigenhĂ€ndig u. a. mit solchen Tools selbst(!) installieren. Windows-JĂŒnger wissen nichts von Computern, sie haben nicht einmal Ahnung von Windows – wie ich immer wieder als Admin feststellen musste, wenn die Leute mit der Computer-Bild unter dem Arm in meinem BĂŒro standen und ihr gefĂ€hrliches Halbwissen rausposaunten.

Also noch einmal: weder Linux, noch macOS, ein VPN oder gar Antivirensoftware kann Euch vor Microsoft-Scammern schĂŒtzen! Die wollen Zugriff auf Euer System unter Eurem User haben! Dazu wird ein ganz legales Tools verwendet, welches Ihr installieren und den Zugriff fĂŒr diese Leute einrichten sollt. In diesem Fall wollten die primĂ€r nicht einmal einen Keylogger – wovor ein AV-Programm nicht unbedingt schĂŒtzen kann, wenn die Schadsoftware etwas Selbstgeschriebenes ist – installieren, sondern schlicht 200 Euro im Google Playstore-Guthaben abgreifen, ein wenig die Maus bewegen, schlaue SprĂŒche reißen und dann wieder verschwinden. Es kann so simpel sein, nicht wahr? Die lassen sich nicht von Avast & Co davon abhalten. Die Darstellung im Video ist grob falsch und irrefĂŒhrend! Dass sich Avast ĂŒberhaupt auf eine solche Werbung einlĂ€sst, ist einfach nur unseriös.

Aber Du kannst doch nicht deren Daten hier veröffentlichen!

Welche Daten denn? Die Telefonnummern sind falsch, man kann sie nicht zurĂŒckrufen. Es gibt keine Firma Energieexperte GmbH – außer im Script des Anrufers. Und der arme „Herr Angelo Klose“? Und die liebe „Frau Nina Beck“? Wenn es die Firma nicht gibt und die Telefonnummer gefĂ€lscht ist, dann arbeiten dort auch Leute mit solchen Allerweltsnamen nicht.

Wie geht es weiter?

Ich könnte die Rufnummern in der Fritte blockieren, oder umleiten, aber das ist ein Kampf gegen WindmĂŒhlen. Die nĂ€chsten Wochen werden wir wieder Cold Calls bekommen. Jedenfalls so lange, bis die interne Warnung vor unserer Nicht-Kooperation und der offensichtlich nicht vorhandenen Zahlungsbereitschaft, unsere persönlichen Daten in dem weitverzweigten BetrĂŒger-Callcenter-Netzwerk eingeholt haben. Aber erstmal geht bei denen viral, dass meine Frau ein nettes Opfer wĂ€re.

 

Update: Wie ging es weiter?

Ich schrieb am 11.06.2021 eine Mail an die Landesbeauftragte fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den letzten Tagen bekamen wir wiederholt Anrufe einer Firma, die uns entweder eine Solaranlage verkaufen wollte und/oder einen Stromanbieterwechsel unterjubeln wollte.

Es kamen die ĂŒblichen SprĂŒche wie „wir sind fĂŒr sie zustĂ€ndig“, „Ihre Daten wurden uns ĂŒbermittelt“, usw. usf., die eine gesetzliche ZustĂ€ndigkeit oder Legitimation vortĂ€uschen sollen.

Heute erhielten wir wieder einen Anruf, diesmal von der Rufnummer 0211 6170 870.
Ich hatte das zweifelhafte VergnĂŒgen mit einem Herren „Angelo Klose“.
Es wĂŒrde sich um die Firma „Energieexperten GmbH“ handeln.
Unser Daten hĂ€tte er von einer Frau „Nina Beck“ aus dem gleichen Hause.

Auf meinen Hinweis, dass er in seinem CRM sicherlich auch DSGVO-relevante Daten hĂ€tte, die Auskunft ĂŒber die Herkunft meiner persönlichen Daten geben sollten, legte er wortlos auf.

Wir erhielten den Anruf von
0211 6170 870
um 11:27 Uhr
unser Telefonanbieter ist Vodafone (Kabel, Hessen)

Diese Angaben nur, weil ich davon ausgehe, dass die Telefonnummer gefÀlscht war.
Falls Sie feststellen, dass Sie nicht zustÀndig sind, bitte ich um umgehende Weiterleitung an den zustÀndigen Kollegen des Landes.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
Michael Heßburg

Daraufhin kam kaum zwei Monate spÀter, am 03.08.2021, diese Antwort:

Sehr geehrter Herr Hessburg,

 

als Landesbeauftragte fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen bin ich nach Art. 55 DS-GVO, § 40 Absatz 1 Bundesdatenschutzgesetz und § 26 Datenschutzgesetz Nordrhein-Westfalen dafĂŒr zustĂ€ndig, die Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen bei nicht-öffentlichen Stellen in Nordrhein-Westfalen zu ĂŒberprĂŒfen.

 

Laut Handelsregister existieren in Deutschland zwei Firmen mit „Energieexperten GmbH“ im Namen. Beide Firmen haben ihren Sitz in Niedersachsen.

 

Ich habe Ihre Eingabe daher an die

Landesbeauftragte fĂŒr den Datenschutz Niedersachsen

Prinzenstraße 5

30159 Hannover

weitergeleitet. Ich bitte Sie, die dortige Antwort abzuwarten.

 

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

Im Auftrag

gez. XXX

>> Bitte geben Sie im Schriftverkehr das o. g. Aktenzeichen an. <<

———————————————————————————————————-

Die Landesbeauftragte fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit

Nordrhein-Westfalen

Referat  – 4 –

Kavalleriestr. 2-4, 40213 DĂŒsseldorf

Wow, Watson, really? Du glaubst also der Auskunft eines Cold-Callers mehr als der Anzeige der Telefonnummer im Display? Warum fragst Du nicht bei Vodafone nach, wer mich wirklich angerufen hat? Ich gab Dir alle Angaben. Aber Du schaust echt im Handelsregister nach? Freust Dich, dass Du nicht zustÀndig bist und gibst den Fall ab. Wow. Wow. Wow. Welch Einsatz. *langsamerironischer1990erjahreapplaus*

Aber jetzt! Niedersachsen haben es drauf! Die werden in NRW Fieber messen und den Fall zurĂŒckgeben!
Äh, ja… also…

Zehn Tage spÀter, am 13. August 2021 flattert diese Mails in mein Postfach:

Sehr geehrter Herr Hessburg,

 

ich bestÀtige den Eingang Ihrer Beschwerde gegen die Energieexperten GmbH vom 11. Juni 2021, die ich von der Landesbeauftragten Nordrhein-Westfalen zustÀndigkeitshalber erhalten habe, unter dem im Betreff genannten Aktenzeichen.

 

Aus Ihrem Vortrag ergibt sich nicht eindeutig, was Gegenstand Ihrer Beschwerde gegen die Energieexperten GmbH ist. Soweit sich Ihre Beschwerde auf die Verletzung des Auskunftsrechts gemĂ€ĂŸ Art. 15 Abs. 1 DS-GVO bezieht, bitte ich Sie, zunĂ€chst Ihr Auskunftsverlangen schriftlich unter Bezugnahme auf Art. 15 Abs. 1 DS-GVO zu stellen. Sollte die Energieexperten GmbH hierauf nicht oder Ihrer Ansicht nach inhaltlich unvollstĂ€ndig antworten, können Sie wieder Beschwerde bei uns einlegen. Bitte verwenden Sie dann hierfĂŒr unser Formular auf unserer Website mit der URL:

 

https://lfd.niedersachsen.de/startseite/meldeformulare/online_beschwerde

 

 

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

Im Auftrage

 

Frank XXX

 

Die Landesbeauftragte fĂŒr den

Datenschutz Niedersachsen

Referat 5

Aufsicht fĂŒr den nicht-öffentlichen Bereich

Eine Steigerung der Inkompetenz (oder eine Kommunikationspanne zwischen den LDIs?), die ich nicht unwidersprochen lasse:

Sehr geehrter Herr XXX,

ich darf also davon ausgehen, dass Sie kein Interesse an der Verfolgung von ColdCalls haben, die durch Firmen durchgefĂŒhrt werden, die nicht existieren.
Ein bisschen wie beim Hauptmann von Köpenick, nicht wahr? Ich soll mich bei einer Firma beschweren, die augenscheinlich nicht existiert und kann mich erst dann wiederum bei Ihnen ĂŒber die nichtexistente Firma beschweren. Aha. Wir sind also bereits beim TĂ€terschutz angelangt. Danke fĂŒr Ihre offenen Worte.

Gruß
Heßburg

Also wende ich mich sofort wieder an NRW:

Sehr geehrte Frau XXX,

Niedersachsen weiß nicht worum es geht, aber ich solle mich erst bei der (nichtexistenten!) Firma beschweren, bevor weitere Schritte eingeleitet werden.
Ich darf doch offen sprechen, oder?
Gut, danke.
Glauben Sie wirklich, dass es eine echte „Energieexperten GmbH“ gibt?
Glauben sie wirklich, dass sich Firmen, die ColdCalls durchfĂŒhren, in das Handelsregister eintragen lassen?
Glauben Sie wirklich, dass diese Telefonnummer nicht gefÀlscht war?
Und falls sie wider Erwarten doch korrekt war, warum ermitteln sie nicht deren Inhaber?
Warum haben Sie nicht Vodafone kontaktiert und die IP-Adresse des Anrufers angefordert, mit der Sie den Anrufer hÀtten ermitteln können?
Mein Tipp: die zehn Wochen sind noch nicht ganz rum.

Besteht ĂŒberhaupt ein Interesse an der Verfolgung und Bestrafung solcher Anrufer, oder können wir uns zukĂŒnftig diese ganzen ZustĂ€ndigkeits-Mail-Spielchen sparen und wir nehmen diese Machenschaften als BĂŒrger einfach so hin?

Ernste Fragen, da ich gerade an einem Artikel ĂŒber ColdCalls schreibe.

Danke im Voraus
Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
Michael Heßburg

Ich bin ernsthaft gespannt, aber ich erwarte keine zielfĂŒhrende Auskunft. Irgendwelche Textblöcke und natĂŒrlich die Beteuerungen, dass die Landesdatenschutzbeauftragten selbstverstĂ€ndlich am Wohle der BĂŒrger interessiert seien. 300.000 Euro Strafe sind wohl kein Anreiz. Das ist nur ein Betrag fĂŒr die Kaffeekasse des Bundeslandes.

TBC…

UPDATE:
Niedersachsen hat geantwortet. Innerhalb von einer Stunde! Ohne Textbausteine! Und der Herr ist angepisst, weil ich deren Beschwerdeformular nicht genutzt hatte. Nun, mea culpa! Ich hatte nur nach „ldi nrw kontakt“ gesucht und direkt die Mailaddi genommen, die Google mir prĂ€sentierte. Wenn nun das LDI das SEO-Snippet oder die Kontaktseite so bearbeiten wĂŒrde, dass Google gleich auf das Beschwerdeformular verweisen wĂŒrde… aber gut, Neuland und so… Wie gesagt, ich hĂ€tte auch nach „beschwerde“ googlen können, was meine Medieninkompetenz verhinderte. Man muss schon wissen, was man will, nicht wahr?

Sehr geehrter Herr Hessburg,

 

uns wurde Ihre Beschwerde mit der Angabe ĂŒberlassen, dass sich diese gegen die Energieexperten GmbH richte. Wenn Sie der Auffassung sind, dass diese nicht existiert, fehlt fĂŒr uns der AnknĂŒpfungspunkt fĂŒr die Annahme unserer ZustĂ€ndigkeit. Die ZustĂ€ndigkeit richtet sich grundsĂ€tzlich nach dem Sitz des Beschwerdegegners. Ist ein solcher mutmaßlich nicht existent oder nicht ermittelbar, richtet sich die ZustĂ€ndigkeit nach dem Wohnsitz des BeschwerdefĂŒhrers. Auf Grundlage Ihrer Signatur nehme ich an, dass sich Ihr Wohnsitz in Hessen befindet. In diesem Fall ist der Hessische Beauftragte fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit fĂŒr Ihr Anliegen zustĂ€ndig. Sollte meine Annahme zutreffend sein, können Sie sich mit Ihrem Anliegen an diesen wenden.

 

Sie können die Bearbeitungsdauer Ihrer Beschwerden kĂŒnftig erheblich verkĂŒrzen, indem Sie eindeutig formulieren, was Gegenstand Ihrer Beschwerde ist, und das Beschwerdeformular nutzen, das Sie auf der Website der jeweiligen Aufsichtsbehörde finden. In dem jeweiligen Beschwerdeformular werden grundsĂ€tzlich alle Informationen abgefragt, die zur Beurteilung der ZustĂ€ndigkeit und inhaltlichen Bearbeitung einer Beschwerde notwendig sind. Die Nutzung des Beschwerdeformulars vermeidet also in der Regel, dass wir und ggfs. andere Kollegen anderer Aufsichtsbehörden Nachfragen stellen mĂŒssen, und ermöglicht uns dadurch, in gleicher Zeit mehr Beschwerden und Datenpannen zu bearbeiten. Vor dem Hintergrund einer sehr hohen Anzahl von Beschwerden und Datenpannenmeldungen und knapper personeller Ressourcen sind wir leider auf eine gewisse Mitwirkung der BeschwerdefĂŒhrer angewiesen.

 

Ich bitte um Ihr VerstÀndnis.

 

 

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

Im Auftrage

 

Frank XXX

 

Die Landesbeauftragte fĂŒr den

Datenschutz Niedersachsen

Referat 5

Aufsicht fĂŒr den nicht-öffentlichen Bereich

Also gut, ich soll mich nun in Hessen beschweren? Tja, bisschen spĂ€t, oder? Werden IP-Adressen (VoIP) nicht „nur“ zehn Wochen aufbewahrt? Die Nummer ist durch, fĂŒrchte ich. Meine Antwort lautete folglich:

Hallo Herr Becker,

danke fĂŒr die extrem schnelle, hilfreiche und ausfĂŒhrliche Antwort. Ja, ich gebe zu, nur nach „ldi nrw kontakt“ gesucht zu haben und mit der von Google angezeigten Mailadresse im Snippet zufrieden gewesen zu sein. Mein Fehler.
Ich fĂŒrchte nur, dass der Datenschutzbeauftragte des Landes Hessen hier nichts mehr ausrichten kann, weil die Speicherfrist sehr bald ablĂ€uft.

Schönes Wochenende!
Viele GrĂŒĂŸe
Michael Heßburg

Huch? Nun doch viele GrĂŒĂŸe? Ja, mein Ärger war verflogen, weil sich der Herr echt MĂŒhe gab und ich seine AusfĂŒhrungen auch nachvollziehen kann.

Und nur am Rande erwĂ€hnt: Außer EmpfangsbestĂ€tigungen kam von der Bundesnetzagentur auf meine Beschwerden exakt
 nichts!
Da kann ich mich ja ĂŒber das Engagement der Datenschutzbeauftragten nur freuen.

Über den Autor

Hessi

Michael "Hessi" Heßburg ist ein ehemaliger Informatiker mit langjĂ€hriger Erfahrung und ein vielseitiger Technik-Enthusiast mit Interessen in Haus & Garten, Hausrenovierung, IT, 3D-Druck, Retrocomputing und Autoreparatur. DarĂŒber hinaus beschĂ€ftigt er sich auf seiner Website mit gesellschaftspolitischen Themen wie Datenschutz und Überwachung. Hessi betreibt diese Website seit ĂŒber 25 Jahren und ist seit 20 Jahren freiberuflicher Autor. In seinem Blog teilt er fundierte Einblicke und praktische Tipps, um seine Leser bei ihren Projekten und Hobbys zu unterstĂŒtzen. Hessi legt großen Wert darauf, dass seine Themen sorgfĂ€ltig recherchiert und auch fĂŒr Laien verstĂ€ndlich aufbereitet sind.

2 Gedanken zu „Updates: Energieexperte GmbH“

  1. Hallo Hessi,
    die Leute, die Du da in der Leitung hast, sind arme Schweine. Die sitzen um unteren Ende der Nahrungskette und werden „gehalten“ wie Nutten. Kohle gibt es nur bei erfolgreich aufgeschwĂ€tztem Vertrag.

    Ja, als meine Firma 2001/2002 vor die Wand gefahren war habe ich auch mal eine Weile als ScheinselbststĂ€ndiger ColdCalls gemacht (allerdings B2B, da ist da ja formal noch legal). Ich war zu ehrlich, mein Umsatz deckte gerade mal die Kosten. Manche haben NULL Umsatz gehabt, andere zumindest einen dreistelligen Gewinn im Monat gehabt. Nach eine Weile war mir klar: Mehr als Hartz 4 (okay, damals noch Sozialhilfe) nimmt hier keiner mit… wie gesagt: Arme Schweine.

    Was schließe ich daraus?
    1. Freundlich darf man sein, aber bestimmt.
    2. Du hast völlig recht – in Zeiten wie diesen niemals „Ja“ sagen.
    3. Man kann ihnen sagen, dass man weiß, dass sie arme Schweine sind und sich doch besser einen richtigen Job besorgen sollten. „Sowas“ bietet doch keine Perspektive!

    Schöne GrĂŒĂŸe
    Uli

    Antworten
    • Hi Uli,

      schön, mal wieder von Dir zu hören. Wie kamst Du denn auf die Site? Ich habe doch schon lange keinen Espace mehr.

      Mit den B2B-Cold-Calls habe ich auch in der IT-Abteilung Erfahrungen gemacht. Das sind eigentlich ganz normale VerkaufsgesprÀche, ohne die o. a. GesprÀchstricks, bei denen man i. d. R. nicht direkt betrogen wird. Das traut sich mit Firmen vermutlich niemand so richtig.

      Zu Deinem Punkt 3: Die wissen doch ganz genau, dass sie die Leute ĂŒber den Tisch ziehen. Die haben auch keine Skrupel der armen Oma von der knappen Rente noch mehr wegzunehmen.

      Aber das ist nicht nur in der Callcenter-Branche so. Meine Mutter arbeitete Ende der 1980er einige Monate fĂŒr eine große deutsche Versicherung. Da sollte sie nach einiger Zeit auch Rentnern Kapitallebensversicherungen andrehen. Das hielt sie fĂŒr unmoralisch und hat gekĂŒndigt.

      Ich gestehe: Auch zu Versicherungsagenturen und -vertretern bin ich nicht freundlich, wenn die mich anrufen: „Wenn Sie mich noch einmal anrufen, werde ich die Versicherung kĂŒndigen und Sie als Grund dafĂŒr angeben.“ – das wirkt immer. Die „Vertragsanpassungen“ sind nie fĂŒr den Kunden von Vorteil, immer nur fĂŒr das Unternehmen und den Agenten.

      Ich selbst hatte mich auch mal fĂŒr einen Nebenjob als Bausparberater interessiert. Gleiches Spiel. Bei einer VertragsĂ€nderung sollten wir weitere Pakete verkaufen. „Aber wenn ich das recht sehe, muss man das doch nicht machen, die VertragsĂ€nderung kann doch so durchgefĂŒhrt werden, oder?“ – „Ja, aber das weiß doch der Kunde nicht!“. Ja, nee, sorry, will noch nachts schlafen können. Bin fĂŒr so was zu treudoof.

      Gruß
      Michael

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